Thorwald Dethlefsen

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Thorwald Dethlefsen

Der deutsche Esoteriker und Bestseller-Autor Thorwald Dethlefsen (geboren am 11.12.1946 um 9:51 Uhr in Herrsching am Ammersee[1]) arbeitete lange auch mit der Astrologie.

Er starb am 1.12.2010 - mit knapp 64 Jahren - in Wien.[2]

Wahre Astrologie war und ist ein Einweihungsweg, der über die Selbsterkenntnis und Naturerkenntnis zur Gotteserkenntnis führt. Wahre Astrologie macht sich deshalb zum Schluss selbst überflüssig. Wahre Astrologie ist Philosophie – weshalb Arthur Schult von der „Astrosophie“ spricht – und nicht das Herumrühren an der Zukunft des Menschen.[3]
Dethlefsen in den 1970ern

Biografisches

Geburtshoroskop Dethlefsens

Dethlefsen war ein Schüler des deutsch-schweizerischen Esoterikers Oskar Rudolf Schlag[4]. Er erlernte die Astrologie in den frühen 1970er Jahren zusammen mit Nicolaus Klein (ein Schulkamerad von ihm[5]) und Hermann Meyer in München bei Wolfgang Döbereiner.[6]

Dethlefsen wurde schlagartig berühmt, als er medienwirksam Hypnose-Experimente durchführte, u.a. um die These der Reinkarnation zu beweisen. Er beschäftigte sich auch mit dem Tarot, mit der Kabbalah, mit der Alchemie/ Spagyrik[7] (bei dem Deutsch-Amerikaner Frater Albertus) sowie mit (praktischer) Magie. Mit großem Talent machte er im deutschsprachigen Raum die Esoterik populär, konnte deren Inhalte insbesondere anschaulich und gut strukturiert vermitteln.

Als Diplompsychologe vertrat er eine "Esoterische Psychologie", gründete in München ein "Institut für Außerordentliche Psychologie", an dem von ihm und Klein mehrmals jährlich u.a. astrologische Intensiv-Kurse mit bis zu hundert Teilnehmern abgehalten wurden. Einer seiner Schüler war auch Winfried Noé.
Dethlefsen entwickelte die sogenannte "Reinkarnationstherapie" (eine Kombination aus Autogenem Training mit Katathymen Bilderleben und Rebirthing, untermalt von Entspannungsmusik, bevorzugt von "Vangelis")[8], welche in Varianten von etlichen Therapeuten praktiziert wurde, darunter Rüdiger Dahlke und Baldur Ebertin.

Reinkarnations-Schema bei Hans Sterneder

Er wurde Anfang der 1980er Jahre bekannt mit Buchtiteln wie „Schicksal als Chance - Das Urwissen zur Vollkommenheit“ oder auch "Krankheit als Weg". Nachdem sein Buch "Oidipus" floppte, wandelte er am 23.9.1993 sein seit 1974 bestehendes Institut um in die kabbalistisch orientierte, sektenhafte Organisation "Kawwana: Kirche des Neuen Äon".[9]. Diesen Ausflug ins Sektiererische beendete er nach einigen Jahren wieder, indem er 2003 die Erde für gerettet erklärte ("Mission erfüllt"), seine Kirche (er fungierte darin als "Vikar") in die geistigen Sphären aufsteigen ließ, sie im Irdischen auflöste und ihren Münchener Tempel 2006 wieder abbrach.

Nach zwei Schlaganfällen verlor der exzellente Rhetoriker die Fähigkeit zu formulieren und sprechen; seine letzten Lebensjahre verbrachte er zurückgezogen in Wien. Ende 2010 starb er dort in aller Stille im Kreise seiner Freunde.[2]

Astrologie

Sein Beitrag zur Astrologie bestand insbesondere darin, das astrologische Denken innerhalb eines esoterischen Weltbildes einem breiten Publikum bekannt gemacht zu haben, wobei das Konzept der "Analogieketten" besonders herausgearbeitet wurde. Es wird im Kern bereits von Al Biruni vorgestellt[10], auch die Neuplatoniker bezogen sich mit ihren "Ketten des Seins" darauf.[11] Er inspirierte u.a. seine damaligen Mitarbeiter Klein und Dahlke zu deren verbreitetem Nachschlagewerk "Das senkrechte Weltbild. Symbolisches Denken in astrologischen Urprinzipien".

Das von ihm so bezeichnete "vertikale Denken" stellt eine Erweiterung bzw. Ausdifferenzierung des hermetischen Prinzips "Wie oben, so unten" dar. Es verfolgt ein Urprinzip (also einen Archetyp, ein (abstraktes) Symbol bzw. eine platonische Idee) durch die verschiedenen Schöpfungsebenen hindurch - und steht im Gegensatz zu dem in der sogenannten "exoterischen" Welt üblichen ("horizontalen", "waagerechten") wissenschaftlich-rationalen bzw. logisch-analytischen Denken.

So schreibt er (in Schicksal als Chance): "Die Astrologie beschäftigt sich mit den archetypischen Urprinzipien, die auf der Ebene der Ideen die Urbausteine darstellen, aus denen die Wirklichkeit in allen ihren Erscheinungsformen zusammengesetzt ist. Diese Urprinzipien durchziehen senkrecht alle Ebenen der Erscheinungsformen. So entstehen Analogieketten, deren einzelne Glieder zwar verschiedenen Ebenen angehören, aber alle ein gemeinsames Prinzip repräsentieren..."

Beispiele für Analogieketten:[12]:

URPRINZIP, IDEE A26_087.gif = Struktur; Hemmung, Widerstand; Zeit A33_140.gif = Energie, Impuls
Himmel (Planet) Saturn Mars
Mineral Blei, Kalk Eisen
Pflanze Efeu, Distel, Stechpalme, Zinnkraut Brennessel
Tier Rabe, Steinbock Raubtiere, Nagetiere
Körper Skelett, Haut (als Abgrenzungsorgan) Zähne, Muskeln, arterielles Blut
Krankheit Degenerationskrankheiten: Verkalkung, Steinbildung Entzündungen, Verletzungen
Ort Gefängnis, Kloster (s. Mönchstonsur), Altersheim, Friedhof Schmiede, Schlachtfeld
Gegend Gebirge, kalte Wüste Vulkanische Gegend
Sozial Bergarbeiter, alte und hinkende Menschen Soldat (Krieger)
Farbe Schwarz, Dunkelblau Rot

In seinen Astrologie-Kursen mahnte er: "Das letzte Ziel des Erlernens der Astrologie sollte sein, dass Sie keine Astrologie mehr brauchen, weil Sie „sehen” gelernt haben. Weil Sie über die Auseinandersetzung mit der Astrologie von jeder Ebene auf jede andere schließen können. Was heißt: die Welt und ihre Gesetzmäßigkeiten erkennen lernen, den Hintergrund sichtbar werden zu lassen Und die Sinnhaftigkeit alles Seins besser zu verstehen. Ein richtig verstandener Umgang mit Astrologie lehrt die Welt als Symbol zu begreifen und so die äußere Form als Kontaktstelle zum Unsichtbaren zu benutzen."[13]

An anderer Stelle: Wahre Astrologie war und ist ein Einweihungsweg, der über die Selbsterkenntnis und Naturerkenntnis zur Gotteserkenntnis führt. Wahre Astrologie macht sich deshalb zum Schluss selbst überflüssig. Wahre Astrologie ist Philosophie – weshalb Schult von der „Astrosophie“ spricht – und nicht das Herumrühren an der Zukunft des Menschen.“

Ehemaliger Tempel der Kawwana–Kirche[14]

Krankheit als Weg

In dem Buch "Schicksal als Chance" schrieb er: Man begreift nicht, dass Krankheit das kostbarste Gut der Menschheit ist, ja, sein Menschsein überhaupt ausmacht, da nur der Kranke heilbar ist. Die Krankheit macht den Menschen heilungsfähig – doch dazu muss er sie durchwandern, nicht umgehen. So wie die Krankheit ein mikrokosmischer Sündenfall ist, muss Heilung auch ein mikrokosmischer Erlösungsprozess sein.“

Zusammengefasst: Es gibt keine sinnlosen Krankheiten.

In "Krankheit als Weg" formulierte er: An dieser Stelle dürfte verständlich werden, dass wir die heute übliche Einteilung in somatische, psychosomatische, psychische und geistige Krankheiten nicht übernehmen. […] Unsere Betrachtungsweise entspricht in etwa dem psychosomatischen Modell, jedoch mit dem Unterschied, dass wir diese Sicht auf alle Symptome anwenden und keine Ausnahmen zulassen. Weigert sich ein Mensch, seine Lernaufgaben, mit denen er (vom Schicksal bzw. der Welt) konfrontiert wird, zu bearbeiten, sinkt dieser Aspekt in sieben Eskalationsstufen tiefer in den persönlichen Schatten und äußert sich

  1. Psychisch in Gedanken, Wünschen und Phantasien
  2. In funktionalen Störungen
  3. In akuten, körperlichen Störungen wie Entzündungen oder Unfällen
  4. In chronischen Störungen
  5. In unheilbaren Organveränderungen oder Krebs
  6. Im Tod des Menschen
  7. Im persönlichen Karma, welches sich wiederum in angeborenen Missbildungen ausdrücken kann.

In der Homöopathie sah er ein fundamentales „Urprinzip“ und vertrat die Hochpotenz-Homöopathie: Mit dem Simileprinzip hat Hahnemann ein Urprinzip gültig formuliert. Heilung kann nur durch Ähnlichkeit erfolgen – weshalb man jedes therapeutische System daran messen kann, ob es dem homöopathischen Prinzip gerecht wird oder nicht. Die Schulmedizin denkt allopathisch, sie versucht durch das Gegenteil – per contraria – zu heilen. Das Gegenteilprinzip widerspricht dem Weltgesetz. Widerstand erzeugt immer Widerstand, man kann damit Effekte erzielen, aber nicht wirkllich heilen.[15]

Ödipus[16]

Weblinks

Jehle: Der Titel von Dethlefsens Hauptwerk "Schicksal als Chance" bringt die Themen seines Aszendenten und seiner Sonnenstellung gebündelt zum Ausdruck: die Zuversicht der Schütze-Sonne im zukunftsorientierten 11. Haus und den pragmatischen Realismus – das für einen Steinbock-Aszendenten typische Annehmen des eigenen Schicksals und der dadurch auferlegten Pflichten. Auch wenn er in bestimmten Lebensphasen abgehoben wirkte und seine eigene Bedeutung in der zweiten Lebenshälfte wohl überschätzte, hat Dethlefsen für die Verbreitung der Esoterik und der Astrologie Maßstäbliches geleistet. Den meisten, die ihn persönlich erlebt haben, wird er als begnadeter Redner und großer Überzeugungskünstler in Erinnerung bleiben. Und mit seinen Büchern hat er Millionen Menschen die Tür in die bis dahin weitgehend unbekannte Welt der Esoterik weit aufgestoßen.
Gewöhnungsbedürftiger Vortrag des Sektenführers Dethlefsen
Dethlefsen, ca. 1990

Werke (Auswahl)

  • Das Leben nach dem Leben. Gespräche mit Wiedergeborenen. 268 Seiten. Bertelsmann Verlag, Gütersloh ab 1974; Goldmann Verlag, München ab 1984 ISBN 3442117488
  • Schicksal als Chance: Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen. 270 Seiten. Goldmann, München ab 1979 ISBN 3442161150
  • Zusammen mit Rüdiger Dahlke: Krankheit als Weg - Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder. 365 Seiten. C. Bertelsmann Gütersloh, ab 1983; Goldmann, München ab 1994 ISBN 3442161010
    Dieses ausgesprochen populäre Buch basiert überwiegend auf Medizinischer Astrologie bzw. auf astrologischen Analogien von Krankheitsbildern - ohne die Astrologie im Text namentlich zu erwähnen
  • Ödipus der Rätsellöser. Der Mensch zwischen Schuld und Erlösung 189 Seiten. Bertelsmann, München 1990 ISBN 3570080838
  • Den Schatten angliedern. Die theoretischen Grundlagen der Reinkarnationstherapie. In: Harald Wiesendanger (Hrg.): Wiedergeburt. Fischer, Frankfurt am Main 1991, S. 71–96, ISBN 3-596-10031-3

Sekundärliteratur

  • Angelika Koller: „Ich suchte neue Wege und fand dabei sehr alte...“ Der Esoteriker, Therapeut und Magier Thorwald Dethlefsen. In: Gnostika 30/2005, S. 39–49
  • Angelika Koller: Gamika, Mumia und Ritualmaschinen. Kawwana-Repräsentant Dethlefsen unterwegs in 7 Metropolen. In: Materialdienst der EZW 7/2005, S. 259–264
  • Angelika Koller: Sind noch Fragen? Die Welt ist gerettet, jetzt steht ein lockerer Thorwald Dethlefsen dem Publikum für „Wort & Antwort“ zur Verfügung. In: Spuren 76/2005, S. 48f
  • Matthias Pöhlmann: Mythos, Macht, Magie. Thorwald Dethlefsens „Kawwana – Kirche des Neuen Aeon“. In: Materialdienst der EZW 12/1999, S. 353–362

Web Links

Quellen und Anmerkungen

  1. Astrodatabank (Rodden Rating A); so wurde die Geburtszeit in seinen Kursen angegeben
  2. 2,0 2,1 Thorwald Dethlefsen in Wien verstorben. In: Spuren - Magazin für neues Bewusstsein. 23.12.2010
  3. Schicksal als Chance, S. 113
  4. Siehe Wikipedia: Oskar Rudolf Schlag
  5. Volker Schendel in einer Rezension zu: Angelika Koller, Thorwald Dethlefsen, Die Reinkarnationstherapie und Kawwana, ein Beitrag zur Psychotherapie- und Religionsgeschichte. ISBN 3-8334-0970-3
  6. Seminarort war damals die legendäre "Fahrschule"
  7. Siehe Wikipedia: Spagyrik
  8. D.h. er arbeitete bei seinen Rückführungen nicht mehr mit Hypnose
  9. Das hebräische Wort Kawwana bezeichnet in der Tradition der Kabbala eine magische Gebetstechnik. Siehe auch Wikipedia: Kawwana
  10. Siehe Al Biruni über Zuordnung von Planeten zu Tieren, Pflanzen und Mineralien/ Edelsteinen (englisch); Al Biruni über Planeten, Krankheiten und Körperzuordnungen; Al Biruni allgemein über Zuordnungen zu den Planeten.
  11. Relevante Autoren der Spätantike sind hier Plotin, Proklos, Jamblich, sowie im ausgehenden Mittelalter Marsilio Ficino
  12. Aus "Schicksal als Chance"
  13. Zitat aus Dethlefsens Vortrag "Astrologie als Symbolon" (1988)
  14. Kawwana – Kirche des Neuen Aeon - Tempel der Sekte in der Münchner Klenzestraße. Kawwana ermöglicht Dir mehr Glück, Erfolg und Zufriedenheit, mehr innere Stärke und Selbstbewusstsein, um den Sinn des Seins zu begreifen...
  15. Aus Schicksal als Chance 1984, S. 165
  16. Alchemistische Abbildung