Veränderliches Wasser
- Persönlicher Herrscher: Jupiter
- Transpersonaler Herrscher: Neptun
- Erhöhung: Venus
- Exil: Merkur
Über Fische habe ich nichts zu sagen, wir können
also alle nach Hause gehen! Die Schwierigkeit ist hier, daß das
Zeichen Fische derart vieles umfaßt, daß es nur schwer
definiert oder intellektuell verstanden werden kann. Als das reifste
unter den Wasserzeichen ist Fische das am stärksten kollektive,
am wenigsten persönliche Tierkreiszeichen. So gesehen kann Fische
alles sein, was Sie sich vorstellen können, als veränderliches
Wasserzeichen ist es das Chamäleon des Tierkreises, denn es nimmt
die Form und Farbe seiner Umgebung an. Die Herrschaft Jupiters ist
ein Hinweis auf das potentiell freudige, ekstatische, delphinhafte
Wesen dieses Zeichens. Fische ist sehr empfänglich für alles
Schöne und hat Zugang zu Vorstellungswelten und Phantasien, von
denen andere Zeichen nur träumen können. Fische sind oft
Meister des kreativen Selbstausdrucks, und sie können wunderbare
Schauspieler sein, da sie sich in jede beliebige Person einfühlen
können; sie sind oft besonders begabt in nonverbaler Kommunikation
wie zum Beispiel Tanz, Kunst und Musik, und sie können sich Kräften
und Gefühlen überlassen, die größer sind als sie
selbst.
Planeten in Fische sind wie psychische Schwämme. Wenn zum Beispiel
jemand hereinkommt, der deprimiert oder wütend ist, wird sich
der fischebetonte Mensch oft ebenfalls deprimiert, wütend oder
unglücklich fühlen, ohne zu wissen, warum. Wird diese Fähigkeit
zur symbiotischen Verschmelzung bewußt erkannt und im Zaum gehalten,
so kann sie eine sehr nützliche Gabe für Menschen sein, die
in einem helfenden oder heilenden Beruf tätig sind. Fische verfügen über
eine enorme Fähigkeit zu urteilsfreiem Mitgefühl und bedingungsloser
Hingabe, die sich auf alles richten kann, was leidet oder bedürftig
ist. Wird dieses Feingefühl aber nicht in einem gewissen Maß begrenzt
und geregelt, so geschieht es den Fischen nur allzu leicht, daß sie
von den Gefühlen anderer oder ihrer jeweiligen Umgebung überwältigt
werden und dann deren Wohlwollen ausgeliefert sind.
Die beiden Fische des gleichnamigen Tierkreiszeichens,
Darstellung aus Lambsprincks De lapide philosophico (1625), mit dem
Kommentar: „Das Meer ist der Körper, die beiden Fische sind
Geist und Seele.“
Diese Fähigkeit zu vorbehaltlosem Eintauchen und Absorbieren übersteigt
auch die Grenzen von Zeit und Raum. Oft werden Fische Medien oder Mittler,
oft entdecken sie seelische Verbindungen zu anderen Menschen, ganz
gleich, wo sich diese aufhalten. Fische sind zu diffus, um sich durch
das Ego einschränken oder definieren zu lassen. Vielmehr ist dies
der Ort im Horoskop, an dem wir unser Selbst ablegen und unsere persönliche
Willenskraft und Lebensrichtung aufgeben. Nachdem hier auf der seelischen
Ebene so vieles geschieht, besteht oft ein eigentümlicher Mangel
an Engagement für persönliche Beziehungen, was meines Erachtens
eine Eigenschaft der unpersönlichen Veränderlichkeit dieses
Zeichens ist. Eine Kursteilnehmerin mit Sonne in Fische hat einmal
erzählt, daß sie die Freunde ihrer Kinder ebenso gern hatte
wie ihre eigenen Kinder und daß sie sich ebenso glücklich
fühlte, wenn sie weggingen, wie wenn sie Zuhause waren. Sie war
ganz und gar mit dem Geschehen einverstanden und identifizierte sich
nicht persönlich damit.
Die Veränderlichkeit dieses Zeichens kann sich als Weigerung äußern,
gesunde Grenzen zu ziehen oder Verantwortung zu übernehmen; diese
Tendenz kann so selbstzerstörerisch werden, daß sie sich
schließlich als Sucht nach Verletzbarkeit, Schwäche und
Selbstaufopferung äußert und damit ausgesprochen masochistische
Züge zeigt. Die bewußte Integration von Merkur, der sich
in Fische im Exil befindet, kann der andernfalls übermächtigen
Fluidität dieses Zeichens analytisches Denken und Objektivität
entgegensetzen. Für Fischemenschen kommt es ständig zu so
vielen flüchtigen Eindrücken, wechselnden Gefühlen und
subtilen Einflüssen im Seelenhintergrund, daß sie oft keiner
zusätzlichen Anregung durch die Außenwelt bedürfen.
Oft ist genau das Gegenteil der Fall: Für Fische ohne eigene Grenzen
kann es sehr hilfreich sein, sich irgend eine äußere Struktur
aufzubauen, die ihnen die nötige Privatsphäre ermöglicht
und sie davor bewahrt, allzu diffus zu werden, sich allzu weit auszubreiten
oder sich von ihrer Umgebung überwältigen oder vergiften
zu lassen. Diese Struktur kann ein Ort der Zurückgezogenheit oder
jede Art von „kleiner Flucht“ sein – zum Beispiel
eine Bücherei, ein Kurzurlaub oder ein Angelwochenende am Fluß.
Neptun als Herrscher der Fische beschreibt das mystische, hingebungsvolle
Wesen dieses Zeichens. Neptun bezieht sich auf eine andere Dimension
der Verbundenheit, die als jener Teil in uns allen beschrieben werden
kann, der sich von vornherein nie inkarnieren wollte und sich danach
sehnt, zu Form- und Namenlosigkeit zurückzukehren oder die mystische
Erlösung und Errettung zu erleben. Fische beschreibt die große
Spanne der Gefühle von göttlicher Zufriedenheit bis hin zu
göttlicher Unzufriedenheit. Neptun herrscht über Drogen,
Alkohol und alle Süchte, die uns helfen, uns selbst zu verlieren
und der gewöhnlichen Welt zu entfliehen. Die „Wirklichkeit“ ist
für Fischemenschen oft zu schwierig, hart, brutal und einschränkend.
Planeten in Fische
Wir wollen uns einige Planeten in Fische ansehen. Sally hat den Mond
in Fische. Diese Stellung ist sehr phantasiebegabt und offen für
alle möglichen Eindrücke, und sie beschreibt Sallys Bedürfnis
(Mond), mit etwas zu verschmelzen, das größer ist als sie
selbst (Fische). Wir dürfen eine starke, symbiotische Beziehung
und/oder seelische Verbindung zu ihrer Mutter vermuten, die einerseits
sehr unterstützend und nährend sein kann, andererseits aber
auch emotional ausgesprochen überwältigend – und häufig
trifft beides zu. Da der Mond beschreibt, was wir brauchen und was
uns nährt, kann ein Fische-Mond ein Zeichen dafür sein, daß unsere
Bedürftigkeit uneingeschränkt und grenzenlos ist. Möglicherweise
fühlen wir uns nie wirklich sicher. Das kann dazu führen,
daß wir immer hungrig und durstig sind und das Gefühl haben,
unsere Bedürfnisse könnten nie erfüllt oder befriedigt
werden, was dann wiederum zu suchtartigen Tendenzen führt. Denkbar
ist auch, daß wir andere stets vertreiben, da sie sich möglicherweise
durch unsere Bedürftigkeit überfordert oder „überschwemmt“ fühlen.
Kann der Fischemond jedoch vom Schauplatz der Ego-Forderung nach Sicherheit
weggelockt werden, bedeutet er letztlich eine starke und liebevolle
Verbindung zur eigenen Seele und kann dann doch seine Erfüllung
darin finden, sich in bedingungsloser Hingabe einer Sache zu widmen,
die größer ist als er selbst.
Wenn Sie Merkur in Fische haben, wissen Sie, daß alles relativ
ist und daß die Wahrheit stets so aussehen kann, wie sie möchten.
Wenn Sie wollen, daß Schwarz zu Weiß wird – kein
Problem! Merkur in Fische kann bezaubernd sein, Geschichten ausspinnen,
Verkäufe ankurbeln und auf verschiedene nonverbale Art und Weise,
zum Beispiel durch Pantomime, Musik, Tanz und Kunst, kommunizieren.
Merkur in Fische hat eine lebhafte und poetische Vorstellungskraft
und empfindet eher die mit den Worten verbundenen Gefühle und
Stimmungen als die eigentlichen, konkreten Inhalte. Er kann aber auch
für verworrene oder aufdringliche Gedanken stehen.
Teilnehmerin: Das ist eine interessante Darstellungsweise.
Mein Sohn hat Merkur in Fische, und er wird Ihnen stets genau das erzählen,
was Sie seiner Meinung nach hören wollen. Er macht mich verrückt,
denn ich kann mir nicht helfen, ich glaube, er lügt.
Clare: Nun ja, es wird oft geschrieben, daß Merkur in
Fische unehrlich sein kann. Und das mag aus der Tatsachenperspektive
eines Erd- oder Luftzeichens gesehen durchaus zutreffen. Doch aus der
Perspektive Ihres Sohnes betrachtet wird es viel eher so sein, daß er
auf der emotionalen Ebene auf Sie reagiert und versucht, sich zu schützen
oder unverbindlich zu bleiben, indem er Ihnen erzählt, was Sie
hören wollen. Da Fische ein passives, kollektives Zeichen ist,
scheint es auch wahrscheinlich, daß er gar nicht so genau weiß,
was er selbst denkt und ihm daher jede Antwort ebensogut scheint wie
irgendeine andere.
Teilnehmerin: Sie wollen damit sagen, das Licht brennt zwar,
aber es ist niemand Zuhause?
Clare: Ich will nicht unbedingt sagen, es sei niemand Zuhause;
vielmehr können oder wollen Fischemenschen oft nicht unterscheiden
und geben Ihnen daher, was immer Sie wollen, denn aus ihrer Sicht spielt
es ohnehin keine Rolle. Der Fernseh-Imitator Rory Bremner kann sich
mit seinem Merkur in Fische so weitgehend in jede gewünschte Person
verwandeln, daß er sogar deren Gestalt, Stimme und alle möglichen
Eigenheiten annimmt. Er kann sich so weit einfühlen, daß er
richtiggehend zu der anderen Person wird, was ihm vermutlich viel leichter
fällt, als er selbst zu sein – denn über diesen Menschen
ist er sich vielleicht nicht so im klaren.
Teilnehmerin: Ich habe die Sonne, Merkur und den Aszendenten
in Fische, und ich kann absolut bestätigen, was Sie sagen.
Clare: Ja, und natürlich haben wir alle das Zeichen Fische
und den Planeten Neptun in unseren Horoskopen, und daher haben wir
alle bestimmte Anteile, die sich nach Selbstaufgabe sehnen. Bis zu
einem gewissen Maß sollten wir alle uns bei diesem Thema etwas
vorstellen können.
David hat Venus in Fische, ein Hinweis auf besondere Sensibilität
und Liebe zu Musik, Tanz, Kunst, Fantasy, Film, Mode und Romantik.
Venus in Fische kann einen Menschen anzeigen, der sein Liebesideal
liebt, jemand mit einer ans Unpersönliche grenzenden Fähigkeit
zu bedingungsloser Liebe und Hingabe. Auf der persönlichen Ebene
kann diese Stellung auch ein Hinweis auf Unzufriedenheit, Enttäuschungen
oder Betrügereien in Beziehungen sein.
Chiron in Fische beschreibt oft eine Art „existenzieller Einsamkeit“,
das Gefühl, von jeder Unterstützung abgeschnitten zu sein,
eine Art emotionales Exil, das die Menschen oft über viele Jahre
hinweg durch Beziehungen aufheben wollen. Es ist, als würde das
Fische-Zeichen das Andenken an die Einheit mit Allem bewahren, vielleicht
ein Andenken an eine mystische Verbundenheit oder an das vorgeburtliche
Leben im Mutterleib. Am Ende müssen wir akzeptieren, daß diese
Einsamkeit für die Zeit, die wir in getrennten Körpern verbringen,
ein unvermeidlicher Teil des Menschseins und daher etwas ist, das wir
alle auf die eine oder andere Weise spüren. Haben wir erst einmal
akzeptiert, daß die Nabelschnur durchtrennt wurde, können
wir auch Mitgefühl mit uns selbst und mit anderen entwickeln,
denn wir alle spüren diese existenzielle Wunde in einem gewissen
Maß.
Fischemenschen verfügen über ein enormes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten.
Dieses letzte Tierkreiszeichen hat etwas mit dem Aufgeben und Loslassen
zu tun, mit dem Aufgehen in einem größeren Ganzen und der
Vorbereitung für ein neues Leben, in dem Fische wieder zu Widder
wird und die ganze großartige Geschichte sich von Neuem entfaltet.
Nachdem wir hier angelangt sind, glaube ich, können wir alle nach
Hause schweben! Ich wünsche Ihnen wunderbare Ferien und freue
mich darauf, Sie alle beim nächsten Kurs wiederzusehen.

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