Pränatal
Ein Pränatal oder pränatales Horoskop ist ein Unterhoroskop, das für einen bestimmten Zeitpunkt vor der Geburt eines Individuums erstellt wird. Es ist nie für sich allein gültig, sondern immer nur im Zusammenhang mit dem Radixhoroskop.
Technik und Aussagekraft
Nach Dane Rudhyar[2] ist hier jegliches für die Zeit vor der Geburt erstellte Horoskop zu verstehen, das Einfluss auf das Individuum zur Zeit seiner Geburt hat. Hierdurch können Aussagen über Schicksalszwänge bzw. die "Bühne" getroffen werden, die das Leben des Individuums bestimmen. Es enthüllt somit den karmischen Hintergrund, Einflüsse, die oft unbewusst das Handeln bestimmen. Nach Rudhyar können jedoch, da es um allgemeine und unterbewusste Prägungen geht, keine Aussagen über den Betreffenden als Individuum getroffen werden.
Bei der Erstellung dieses Horoskopes wird grundsätzlich mit konversen Transiten gearbeitet. Ein Pränatal wird somit immer in Synastrie zum Geburtshoroskop gedeutet.
Zu unterscheiden vom Pränatal sind konverse Direktionen, die über das weitere Lebensschicksal des Individuums Auskunft geben sollen, jedoch nicht die Prägungen bei der Geburt anzeigen.
Spezielle Pränatale
Empfängnishoroskop
Oftmals wird das Konzeptionshoroskop als das pränatale Horoskop schlechthin bezeichnet. Es ist das frühestmögliche Horoskop, das für ein Individuum als Einzelwesen erstellt werden kann. Hierbei ist allerdings der Hinweis von Rudhyar ernst zu nehmen, dass es - trotz aller Bemühungen - bisher bei natürlichen Befruchtungen nicht gelungen ist, den genauen Empfängismoment festzustellen, häufig ist nicht einmal das Datum gesichert.[2]
Alexander Marr arbeitete auf der Grundlage eines sekundengenau rektifizierten Horoskops. Aufgrund der so gefundenen Geburtszeit erstellte er ein besonderes Pränatal, das möglichst nahe am Zeugungszeitpunkt liegt und - wie bei der Hermeswaage - den Mond auf Aszendent oder Deszendent des Geburtshoroskops zu liegen hat. Mithilfe dieses Horoskops sollen sich deutliche Entsprechungen zu Lebensereignissen erkennen lassen, die sich im Geburtshoroskop und dessen Transiten und Direktionen nicht finden.
Vorgeburtliches Solarhoroskop
Richard Vetter berücksichtigt bei seiner Theorie des Pränatals auch die Reinkarnationslehre. Er versteht unter dem Pränatal ein Solarhoroskop, das für die Jahre vor der Geburt erstellt wurde. Seine Theorie besagt, dass das "Solar Null" (= die Radix) den Code dieses Lebens darstellt, das Solar -1 (= das Pränatal) ein Gleichnis für die letzte Inkarnation. Das Solar +1 (oder Postnatal) soll Aussagen über die nächste Verkörperung, das Solar +2 über die übernächste ermöglichen. In der praktischen Deutung soll das Pränatal zeigen, welche Vorerfahrungen, erworbenen Talente, Ängste, usw. (Karma) der Horoskopeigner mitbringt. Vetter geht davon aus, dass der Sonnenstand über verschiedene Leben hinweg - ebenso wie beim Solar - gleich bleibt[3], sich aber die anderen Horoskopfaktoren entsprechend des Fortschreitens des Solars ändern.
Theoretische Grundlage für die Möglichkeit einer solchen Deutung der Solare sind für Vetter zum einen die Methode der Sekundärprogression (ein Tag = ein Jahr), zum anderen die Technik der Septare der Münchner Rhythmenlehre, wo die Solare, gezählt ab der Geburt, ein Lebensjahrsiebt symbolisch darstellen, in einer "höheren Oktave" sogar für einen Zeitraum von 49 (= 7 x 7) Jahren Auskunft geben sollen.[4]
Weblinks
- Lexikon der Symbole: Uroboros (Annette Kuptz-Klimpel; symbolonline.eu)
- Definition: Der Uroboros (ägypt.: Schwanzfresser, griech.: oura = Schweif, boros = verschlingend) ist ein universelles Motiv einer kreisförmig gewundenen Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt.
- Symbolisch wird durch den Uroboros der Primärzustand, die Ursprungseinheit (sowohl ontogenetisch als auch phylogenetisch) vor der Unterscheidung und Trennung der Gegensätze beschrieben: einerseits Dunkelheit und Selbstzerstörung, andererseits Fruchtbarkeit und Schöpferisches. In mythologischen Vorstellungen der Völker ist er Symbol für die Urfrühe, die Urvollkommenheit, des Urzustands, in dem es weder Anfang noch Ende gibt, somit der Unendlichkeit, und äußert sich in symbolischen Bildern über das Paradies, das Allumfassende, den Schoß, die Ureltern, das Gegensatzenthaltende und das Hermaphroditische (Hermaphrodit).
- Der Urzustand wird sowohl symbolisiert durch in sich ruhendes Rundes wie Kreis, Kugel, Gefäß, Höhle, dem in sich Autarken und Geschlossenen, dem Rotundum (das Runde der Alchemie) und dem Ei; weiter durch Gegensatz-Enthaltendes wie dem chinesischen Taiji (Yin/Yang), das als Rundes, Schwarz und Weiß, Tag und Nacht, Himmel und Erde, Männliches und Weibliches in sich enthält und dem Hermaphroditen, als auch dem in sich kreisend Lebendigen: eben dem Urboros, der Kreisschlange, dem Urdrachen des Anfangs, dem Archetyp des „All ist Eins“, einem alten ägyptischen Symbol. Von ihm heißt es: "Er tötet sich selbst, heiratet sich selbst und befruchtet sich selbst. Er ist Mann und Frau, zeugend und empfangend, verschlingend und gebärend, aktiv und passiv, oben und unten zugleich." (Neumann, 1949, S. 24).
- Der Uroboros findet sich in der Offenbarung des Johannes, in der Gnosis, in den Sandmalereien der Navajo-Indianer und in alchemistischen Texten. Das Meer ist in der antiken Mythologie eine große Schlange oder Drache, die sich in den Schwanz beißt, ein Bild für die verschlingende Dunkelheit der Natur, des Wassers und, psychologisch, des Unbewussten und seine animalisch-dämonischen Mächte. Der Uroboros tritt aber auch auf als mütterlicher Urschoß (Uterus), mit dem Paradiessehnsüchte (Paradies) verbunden werden und der Vorstellung des Urelternpaares.
- Das Vollkommene, sich selbst Genügende und Gegensatzenthaltende bildet sich auch in Symbolen des Selbst ab. Das Uroboros-Symbol, das im Anfang, vor der Ich-Entwicklung steht, kehrt in der 2. Lebenshälfte im Mandala in differenzierter und strukturierter Symbolik wieder, wenn das Ich sich im Individuationsprozess wieder zum Selbst hin entwickelt.
Literaur
- Martin Banger: Das zwölfte Haus und unsere pränatalen Prägungen, Chiron-Verlag, 2017, ISBN: 978-3-89997-246-7[6]
- Das zwölfte Haus wird allgemein als das gedeutet, was am Ende aller Entwicklung steht – Auflösung, Hingabe, Tod. Der Bereich vor dem Aszendenten, dem Punkt der Geburt, steht jedoch in erster Linie für die pränatale Zeit.
- An über 60 Fallbeispielen belegt Banger, dass Haus zwölf Auskunft darüber gibt, wie die Schwanerschaft „gefärbt“ war. Ob Wunschkind, Lebenskrise der Mutter oder Abtreibungsversuch – das zwölfte Haus spiegelt unsere Geschichte von der Zeugung bis zur Geburt.
- Der Vergleich der Haus-zwölf Belegungen von Familienmitgliedern beweist, dass traumatische Erfahrungen in der pränatalen Zeit so prägend sein können, dass diese über mehrere Generationen an die Nachkommen weitergegeben werden.
- Banger zeigt auf, welche Horoskopfaktoren auf vorgeburtliche Traumata weisen, welche astrologischen Auslöser diese Themen aktivieren können und welche Möglichkeiten bestehen, die damit verbundenen Konflikte aufzulösen.
- Vetter, Richard: Das Pränatal, in: Meridian, 3/1996, S. 44-45
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Clavis Artis des Rabbi Zoroasters, Jena 1738. Alchemistische Abbildung
- ↑ 2,0 2,1 Dane Rudhyar: Find Yourself in Your Horoscope
- ↑ Vetter beruft sich auf mediale Hinweise, siehe hierzu Meridian 3,4,(5)/ 1983)
- ↑ Ausgangsgrundlage war für Vetter ursprünglich ein Artikel von Roland Jakubowitz in "Wassermann" Heft 5/ 1995 unter dem Titel "Pränatal-Diagnostik"; Jakubowitz bezog sich darin jedoch nicht explizit auf frühere Leben
- ↑ Römischer Marmor-Doppelkopf, nach griechischem Original
- ↑ Datei:InhaltsverzeichnisBangerZwoelf.pdf (PDF). Zum Öffnen der Datei auf das (rote) PDF-Symbol klicken.