Porphyrius-Häusersystem

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Porphyrius[1]

Die Häuserberechnung nach Porphyrius (engl. Porphyry) ist das einfachste der inäqualen Häusersysteme. Es wird auf den antiken Astronomen Porphyrius (ca. 233 - 304 n.Chr.) zurückgeführt, der auch für einen Kommentar zu Claudius Ptolemäus' Tetrabiblos bekannt ist.

Dieses erste echte Häusersystem war ein großer Schritt. Zuvor wurde in der hellenistischen Astrologie mit den so genannten "Orten" gearbeitet, die zunächst den so genannten Ganzzeichen-Häusern (jedes Tierkreiszeichen entsprach einem Horoskop-Haus), später wohl auch den äqualen Häusern entsprachen. Das Medium coeli (MC) wurde erst im Laufe der Hellenistischen Astrologie entwickelt, lange Zeit bildet schlicht das zehnte Tierkreiszeichen ab dem Aszendenten das "Himmelshaus", eben das zehnte Haus. Der MC konnte entsprechend auch in das elfte oder neunte Tierkreiszeichen, gleichbedeutend mit den analogen Horoskop-"Orten", fallen und legte nicht den Beginn (die Spitze) des zehnten Ortes fest.

Urheberschaft

Die verschiedentlich vertretene Meinung, dass diese Häusereinteilung bereits von Vettius Valens in seiner Anthologie (3,2) beschrieben worden sei, schon mehr als hundert Jahre vor Porphyrius[2], findet durch die entsprechende Stelle bei Valens selbst keine Bestätigung. Dieser schlug lediglich eine Dreiteilung der Segmente zwischen den Achsen vor, und beschrieb die drei entstehenden Bereiche als einerseits "kraftvoll", und andererseits "mittelmäßig" bzw. "schädlich"[3]:

"(...) Man muss den Abstand vom Stundenschauer-Grad [= Aszendenten-Grad] bis zum Eckpunkt unter der Erde [= IC ] nehmen, ein Drittel von der dann vorliegenden Zahl berechnen, dann vom Stundenschauer-Grad ausgehend nacheinander zu zählen beginnen und diese Grade und die diesen diametral gegenüberliegenden als kraftvoll bestimmen; das andere Drittel der Grade wieder muss man als mittelmäßig ansehen, weder besonders wohltätig noch schädlich, und zwar wegen des Nach-Aufgangs des Stundenschauers, der Göttin und des Diameters des Gottes. Also wird das zweite Drittel mittelmäßig und das letzte Drittel schädlich und schlecht".

Mit dieser Erklärung werden erkennbar - noch - keine Horoskop-Häuser beschrieben, sondern die Dynamik bzw. Kraft bestimmter Horoskop-Abschnitte[4]. Die entsprechende Kapitelüberschrift bei Valens spricht zudem eindeutig von den hervorragenden Graden der Eckpunkte und nicht von den "Orten", wie die Horoskophäuser bei Valens und in der hellenistischen Astrologie durchgehend genannt werden.

Die Astrologin Elke Jurasszovich bemerkt in ihrem Artikel über die Hellenistische Astrologie entsprechend: "Bei den Ausnahmen" [von den Ganzzeichen-Häusern] "teilte er" [gemeint ist Vettius Valens] "die Ekliptik-Abschnitte zwischen den Achsen in 3 gleich große Teile, um die Kraft der Planeten zu messen (dynamisches Häusersystem, das über die Kraft des Planeten informiert). Dieses System wurde später Porphyrius-System genannt."

Technik

In diesem Häusersystem wurde erstmals das MC als Spitze des zehnten Hauses festgelegt, damit automatisch das Imum coeli zur Spitze des vierten Hauses.

Die Horizont-Achse mit Aszendent und Deszendent (Häuserspitzen Eins und Sieben) sowie die Meridianachse mit MC und IC (Häuserspitzen Zehn und Vier) werden normal berechnet. Jeder der entstehenden Quadranten wird dann in drei exakt gleich große Stücke geteilt. Das System nach Porphyrius wird häufig als Ausweichsystem verwendet, wenn andere inäquale Häusersysteme (wie etwa Koch) innerhalb des Polarkreises versagen. Auch im Polarkreis lässt sich damit nämlich der Aszendent (= der im Osten aufsteigende Ekliptikpunkt) und das MC (= Schnittpunkt des Ortsmeridians mit der Ekliptik) fast immer bestimmen, von wenigen singulären Ausnahmen abgesehen.

Auf dieser Idee von Porphyrius, die vier Segmente oder Quadranten in jeweils drei Häuser zu unterteilen, beruhen alle modernen Häusersysteme.

Quellen und Anmerkungen

  1. Darstellung aus dem 14. Jahrhundert
  2. siehe Chris Brennan: Porphyry of Tyre, abgerufen am 27. September 2012, und James Herschel Holden: A History of Horoscopic Astrolgy. Tempe/ USA 2006, S. 65.
  3. Vettius Valens: Blütensträusse. St. Katharinen 2004, S. 127.
  4. Der Astrologie-Historiker und Astrologe Robert Hand zielt auf die spätere Weiterentwicklung der Horoskop-Häuser aus dieser Dreiteilung der Achsen-Zwischenräume, wenn er schreibt, "dass die heute verwendeten Häuser für einen anderen Zweck herangezogen wurden, nämlich um die Stärke und Intensität eine Planeten zu bewerten". Zitiert nach Robert Hand: Traditionelle Astrologie. Tübingen 2007, S. 122, auch Anmerkung 74.