Zehntes Haus
Analoges Tierkreiszeichen: Steinbock
Zugehöriger Planet: Saturn
Quadrant: vierter Quadrant, Taghälfte
Natur: Winter, erstarrte, karge Natur
Farbe: schwarz, dunkelblau
Archetyp: Richter, Gesetzgeber, Bergmann [1]
Körperbereich: Knie, Wirbelsäule, Knochengerüst[2] (siehe auch Medizinische Astrologie)
Materielle Ebene und Analogien: Kristall, Mauer, Steinblock, Sanduhr, Totenkopf
Deutung
Das zehnte Haus, dessen Spitze, das Medium coeli, die Berufung und das Lebensziel symbolisiert, steht für das, was ein Mensch in der Öffentlichkeit darstellt und welche Rolle er in der Gesellschaft einnimmt. In diesem Haus geht es um das, was man sich im Lauf seines Lebens erarbeitet, wofür man die Anerkennung anderer erhält. Der Beruf ist ein wichtiger Teil dessen, was jemand nach außen hin repräsentiert. Daher wird er diesem Haus zugeordnet.
Das Tierkreiszeichen am Medium coeli sowie etwaige im zehnten Haus befindliche Planeten sagen etwas darüber aus, wie ein Mensch seiner Berufung nachkommt. Im Unterschied zum gegenüberliegenden vierten Haus, welches die seelisch-emotionalen Wurzeln symbolisiert, zeigt das zehnte Haus die Früchte der in der Welt angestrengten Bemühungen.
Traditionell wird der Vater dem zehnten Haus zugeordnet (und entsprechend die Mutter dem vierten), doch gibt es heute auch die umgekehrte Zuordnung.[3]
Gertrud Hürlimann: Der X. Sektor/Feld/Haus zeigt den Menschen in seiner Beziehung zur Realitätsbewältigung vor den Augen der Allgemeinheit, im Beruf, der Berufung, in Amt und Würden. Das X. Feld symbolisiert die Karriere, die soziale Stellung, die gesellschaftliche Position, die Erfolge; als MC das Lebensziel; das Resultat von Anlage und Verhalten, den Ehrgeiz, die Verantwortungsfähigkeit, die Selbstbegrenzung, formale Maßstäbe, Streben nach Anerkennung, das Elternrollenspiel, der Vorgesetzte. In Zehn liegt die Krönung aller Ich-Welt, die Milieu-Ehre, die Eltern, vorwiegend die Mutter. Ihr Erziehungswerk erfährt am MC seine Krönung. Von Kindern mit Sonne darin wird oft erwartet, dass sie durch ihren Erfolg in der Welt den Müttern Ehre machen.
Verantwortung und Pflichten
Der überpersönliche Charakter des zehnten Hauses zeigt sich z.B. in der Qualität, Verantwortung zu übernehmen, auch Pflichten – die getragen werden müssen. Diese reicht von der Sorge für die Familie und Kinder, Haus und Einkommen, über die Aufgaben als Vorgesetzte, Chefs, in allen Leitungsfunktionen des Öffentlichen Sektors, in Staat und Gesellschaft. Den sich daraus ergebenden Pflichten stellt man sich, mal mehr, mal weniger freiwillig. Besonders wenn es um die Folgen des eigenen Handelns geht, symbolisiert gerade das zehnte Haus den Ort im Horoskop, wo wir uns ihnen stellen müssen. Trugen in der Kindheit die Eltern die Verantwortung für ihre Kinder, verbunden mit den Pflichten, die sich daraus ergaben, so werden im Laufe der Jahre die meisten Menschen die Verantwortung für den Fortgang ihres Lebens selbst übernehmen, bzw. übernehmen müssen. Und spätestens mit der Geburt eigener Kinder, der Bildung einer eigenen Familie, erwachsen heraus viele Notwendigkeiten.
Standpunkte und Eindeutigkeit
Aus den geforderten Qualitäten des zehnten Hauses zur Gesetzesorientierung und Pflichterfüllung, entwickelt sich in der Regel eine entsprechende Klarheit der Haltung und Neigung zu eindeutigen Standpunkten, die man gegebenenfalls verteidigt, sowie selbst lebt und verkörpert. Die ausgerichtete Haltung, die Festigkeit und Ausdauer der eingenommenen überpersönlichen Warte, aber auch die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und beizubehalten, sind ihrerseits die Basis, um Verantwortung für andere zu übernehmen.
Vorgesetzte
Häufig erlebt man die Qualitäten des eigenen zehnten Hauses über Vorgesetzte. Sie verkörpern am ehesten das zehnte Haus hinsichtlich Hierarchien. Der Vorgesetzte vertritt die offiziellen Normen, Gesetze und Regeln, verhält sich im Idealfall zwar etwas distanziert, dafür aber objektiv, und gerecht. Gerade im Berufsleben und bei der Karriere beeinflussen Vorgesetzte nachhaltig die Arbeit und die Chancen der Betroffenen, sich einzubringen und entfalten zu können. In negativen Fall ist der Chef/ die Chefin intrigant, überheblich, unaufrichtig oder mehr an Macht und Unterordnung als am einzuhaltenden Recht, den Gesetzen und Objektivität interessiert, etc. Was eben auch schon im zehnten Haus sichtbar sein kann. Aber Vorsicht: Wer sein zehntes Haus nur so delegiert und projektiv erlebt (via seine Chefs), legt oft zu ausschließlich seine subjektive Empfindung als Maßstab an und übersieht u.U. die natürliche und legitime Aufgabe von Vorgesetzten.
Autoritäten und Hierarchien
Neben den Vorgesetzten findet man im zehnten Haus generell Autoritäten; Personen, die in der Öffentlichkeit, im überpersönlichen Bereich eine Autorität verkörpern, diese abbilden und ausstrahlen. Führungspersönlichkeiten ist meist eine instinktive Autorität zu eigen, die natürlich nicht nur im zehnten Haus verankert ist, aber vor allem dort, wo Normen gesetzt, Gesetzlichkeit verkörpert, Bedeutung/ Wichtigkeit und Leistung ausgestrahlt wird, der man Verlässlichkeit zubilligt, ihr Respekt zollt, usw. Umgekehrt sind Autoritätsängste und -probleme ebenso im zehnten Haus verankert.
Disziplin und Leistung
Eng verbunden mit den Bereichen Vorgesetzte, Verantwortung und Pflichten sind hohe Leistungsanforderungen, sowie eine große persönliche Ausdauer und Disziplin. Liegt ein Horoskopschwerpunkt im zehnten Haus vor, sind Arbeit und Beruf entscheidende Lebensbereiche des Horoskopeigners. Und manche Betroffenen werden unter den Leistungszwängen und der notwendigen "Zucht" evtl. leiden, im herausforderndsten Fall sie gar ablehnen. Andererseits zeichnen sich die Betroffenen genauso durch potentiell große Schaffenskraft und Ambitionen aus.
Öffentlichkeit und Gesellschaft
Im zehnten Haus finden sich überpersönliche und allgemeine Themen, die den Horoskopeigner beeinflussen. Ebenfalls wird hier der Zeitgeist abgebildet. Und die Prägung des zehnten Hauses verrät einiges darüber, wie wir Gesellschaft und Öffentlichkeit wahrnehmen, wie wir an ihr teilnehmen, wie wir Funktionen, Rollen und Pflichten übernehmen. Mögliche projektive Haltungen sind: Man bejaht grundsätzlich alles, was offiziell ist, was der Staat, etc. vorgibt. Im anderen Extrem hält man Staat und Gesellschaft, aus einem subjektiven, begrenzten Blickfeld heraus, für durchwegs schädlich und verurteilenswert. Das Beharren auf dem eigenen privaten Standpunkt kann dabei als Fehlentwicklung betrachtet werden, wenn man sich vor Augen hält, dass in jedem Horoskop eine Entwicklungs- oder Individuations-Achse vom IC zum MC angelegt ist. Die Richtung dabei ist: vom rein Persönlich-Subjektiven zu einem verantwortungsvollen, überpersönlichen und mehr objektiven Standpunkt zu gelangen.
Lebensaufgabe und -ziel
In der modernen westlichen Astrologie betrachtet man das zehnte Haus und das MC als eine Art Zielpunkt der Lebensentwicklung aus dem vierten Haus heraus, der persönlichen Herkunft und Familie, hin zur Verantwortungs-Übernahme im überpersönlichen Bereich des zehnten Hauses, verbunden u.a. mit mehr Geduld und Ausdauer. Im Standard- oder Mundan-Horoskop beherrscht der Krebs und damit der Mond das vierte Haus und stellt die seelisch-persönliche, aber auch konkrete Basis (z.B. das Zuhause, die realen Personen der Familie, etc.) dar, aus der Schwangerschaftszeit, Kindheit, Familie und Herkunft. Im Laufe des Lebens entwickelt man sich dann immer mehr gemäß den Richtlinien von Gesellschaft, Staat und Öffentlichkeit. Im Standard-Horoskop herrscht der Steinbock, damit der Planet Saturn über das zehnte Haus/ das MC und verkörpert die Qualitäten der Beherrschtheit, der Bewahrung der geschaffenen Strukturen, der gesetzten Grenzen (Gesetze), Normen und Hierarchien, befähigt zu Klarheit, Distanz und Leistungsbewusstsein.
Wirkung und Bedeutung
Medium Coeli und das zehnte Haus sind meist auch mit der persönlichen öffentlichen oder vielmehr überpersönlichen Wirkung verbunden. Diese erkennt man z.B. daran, wie man in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, bzw. auf der überpersönlichen Ebene, d.h. bei Vorgesetzten, in Hierarchien, von Vertretern von Recht und Ordnung wie etwa der Polizei, inwieweit man dem Zeitgeist, den akzeptierten Normen, und dem allgemeinem Geschmack und Horizont entspricht. Ein Horoskopeigner mit starker und harmonischer Stier- oder Waagebetonung am MC z.B. wird in der Regel schneller und mehr den üblichen Gepflogenheiten entsprechen als andere,und damit vermutlich auch erfolgreich agieren und wirksam sein. Selbst wenn er dies nicht bewusst anstrebt.
Nebenbedeutungen/Häusersystematik[5]
Der Vater, oft auch die Mutter
Die Schwiegermutter, weil 4. Feld vom VII. Sektor
Tod der Geschwister, weil 8. Feld vom 3. Sektor
Krankheit der Kinder, weil 6. Feld vom 5. SektorMundanastrologie
Bei Staaten steht das zehnte Haus für die Staatsautorität, den Monarchen/ Präsidenten oder die Regierung, für deren Macht und Ansehen, bzw. für den ihr entgegengebrachten Respekt. Außerdem für die Gesetze und deren Durchsetzung durch die Behörden, Polizei und Verwaltung.[6]
Siehe auch
Weblinks
- Das zehnte Haus (Dana Gerhardt, 2005)
- Die eigene Berufung finden (Liz Greene über das Berufshoroskop)
- Astrologische Symbolik des 10. Hauses (Dominik Burch Astrologie; 30,2 min)
- The Tenth House (Deborah Houlding, House Rulerships in Practice)[7]
- 10th House: What Can You Contribute to Society (Dane Rudhyar, 1952; Rudhyar Archival Project)
Literatur
- Holger Faß: Sonne in Haus 10, Meridian 3/2022, S. 59
- Hajo Banzhaf; Anna Haebler: Schlüsselworte zur Astrologie. Hugendubel Verlag, München 2007
- Beatrix Braukmüller: Berufsanalyse mit dem Horoskop: Vom richtigen Beruf zur wahren Berufung 110 Seiten Chiron Verlag, Tübingen 2000 ISBN 978-3925100499 Auszug
- Nicolaus Klein: Die Systematik des astrologischen Häusersystems. Schirner, Darmstadt 2004
- Herbert Freiherr von Klöckler: Kursus der Astrologie, Band II. Bauer Verlag, Freiburg 1987
- Erich Carl Kühr: Psychologische Horoskopdeutung. Chiron-Verlag, Mössingen 1997
- Michael Roscher; Werner Völkel: Das Buch der Häuserherrscher. Chiron Verlag, Tübingen 2004
- Howard Sasportas: Astrologische Häuser und Aszendenten. Knaur, München 2000
- Howard Sasportas: Beruf und Berufung im Horoskop. 128 Seiten. Chiron Verlag, Tübingen 2006 ISBN 3899971388
- Claude Weiss: Horoskopanalyse, Band I. Edition Astrodata, Wettswil 2001.
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Nicolaus Klein: Die Systematik des astrologischen Häusersystem. Hugendubel, München 1988, S. 129
- ↑ Hermann Meyer: Das astrologische Herrschersystem. Hugendubel, München 1996
- ↑ Etwa von der Huber-Schule.
- ↑ Ambrogio Lorenzetti (1290–1348). Detail aus dem Freskenzyklus »Allegorien der guten und der schlechten Regierung« im Ratssaal der Neun, Palazzo Pubblico in Siena, Szene: "Allegorie der guten Regierung"
- ↑ Siehe Lehrbuch von Gertrud Hürlimann, Die nähere Bedeutung der Sektoren, Zonen, Felder oder Häuser (Astrodienst 2016)
- ↑ Otto Rumburg: Horoskope und Politik, Bietigheim 1973, S. 66
- ↑ Aus: The Houses - Temples of the Sky, 1996.