Medien
Die Beziehung zwischen der Astrologie und den Medien ist schwierig. Auf der einen Seite verzichtet kaum eine Zeitung auf die Rubrik "Horoskope", in denen trivialastrologische Allgemeinplätze zum Besten gegeben werden. Sie sind selbst dort zu finden, wo im redaktionellen Teil die Astrologie abgelehnt wird. Auf der anderen Seite gibt es kaum eine fundierte Auseinandersetzung mit der Astrologie. Das Feld zwischen den trivialen Alltagstipps zur Unterhaltung und der grundlegenden - häufig vernichtenden - Kritik an der Astrologie ist nahezu unbesetzt. Eine besonders große Zahl von Journalisten fühlt sich in der Tradition der geistigen Aufklärung und lehnt die Astrologie ab, ohne sich wirklich damit auseinandergesetzt zu haben (Astrologiegegner). Typisch ist etwa die Aussage eines stellvertretenden Chefredakteurs einer großen Tageszeitung: "Schon das Attribut ,seriös' kann ich im Zusammenhang mit der Astrologie nicht akzeptieren."
Dennoch hat die Quantität der Berichterstattung in dem Maße zugenommen, wie die Astrologie überhaupt zu einem gesellschaftlichen Thema wurde. Die Qualität blieb dabei jedoch weitgehend auf der Strecke. Viele Berichte dokumentieren die Ignoranz gegenüber dem Thema, wie das folgende Zitat zeigt: "Das schwerste Geschütz gegen die Schicksalsforscher fährt der Kosmos selber auf: Denn seit Ptolemäus' Berechnungen, auf dessen Basis Astrologie auch heute beruht, hat sich die Erdachse zum Himmel verschoben. Der stürmische Widder etwa wäre somit ein sanftmütiger Krebs."[2] Tatsächlich würde die Verschiebung der Erdachse (Präzession) den Widder allenfalls zu einem Fisch machen (tropischer Tierkreis).
Ein anderer Autor beschreibt seine Hilflosigkeit auf einem Astrologie-Seminar: "Die an den Sternen Interessierten vergewissern sich gegenseitig: Pluto im Widder!? Aha. Die Sonne im Skorpion!? Bedeutungsvolles Lachen, weitere Erklärungen erübrigen sich. Ach du meine Güte, wo bin ich hier gelandet', denke ich."[3] Die Frage ist berechtigt, denn es muss ein Seminar mit besonders langlebigen Teilnehmern gewesen sein. Pluto stand zuletzt von 1821 bis 1853 im Widder.
Bemerkenswert ist auch, dass zahlreiche Zeitungen und Magazine im Januar 1995 die falsch zitierte Meldung der Königlichen Astronomischen Gesellschaft Großbritanniens aufgriffen, wonach ein dreizehntes Sternbild zwischen Skorpion und Schütze entdeckt worden sei und die Astrologie somit ihre Grundlage verloren habe.
Siehe auch
Weblinks
- Letters to the BBC (Houldings Protokoll über ihre Korrespondenz mit der BBC (2011, englisch), als sie vergeblich des Senders Unparteilichkeit über seine Berichterstattung zum Thema "Astrologie" einforderte.)
- Zeitschriften-Übersicht auf Hermes-Astrologie
- (historische) Auflistung der astrologischen Magazine in deutscher Sprache.
- Tiefgründige Analysen tagesaktueller Geschehnisse, mit den zugehörigen Horoskopen.
- Auf einer Welle des Okkulten (Der Spiegel 49/ 1981)
Literatur
- Reinhardt Stiehle: Alle Jahre wieder. Eine kleine Lektion zum Thema Astrologie und Presse. Meridian (Zeitschrift) 3/ 2005 sowie in Volker Schendel: Apokryphen der Astrologie 2008, S. 648-651[4]
- Der Urheber hinter den alljährlichen zynischen Wahrsager-Nachrichten im Stile von „Wahrsager haben wieder versagt“ kommt aus den Reihen der GWUP ("Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften") und heißt Michael Kunkel. Er ist auch Betreiber der Website wahrsagercheck.de. Andererseits ist durch die Medien kaum eine vorurteilsfreie Berichterstattung zu erwarten.
- Matthias Pöhlmann (Hrg.): Gut beraten bei Astro - TV? Esoterik-Fernsehen in der Kritik. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin (EZW 205; 2009)
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Bild von Carl Zewy, um 1929
- ↑ Blendkraft der Sterne. In: Focus 52/ 1993. S. 121
- ↑ Wo hast du deinen Mond? In: Publik Forum, 29.6.1990, S. 28.
- ↑ Kostenloser Download der 2. Auflage der Apokryphen (PDF)