Magische Astrologie

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Hermetisches Rosenkreuz des "Golden Dawn"[1]

Synonym: Astromagie

Definition

Die Magische Astrologie dient nicht dazu, mit Hilfe der Astrologie Erkenntnis zu gewinnen oder Prognosen zu erstellen. Vielmehr soll die Zukunft beeinflusst (manipuliert) werden. Dabei ruft man die Namen derjenigen "Geister" an, welche bestimmte Planeten oder Sterne beherrschen. Der Zweck der Übungen ist, bewusst astrale Kräfte zu aktivieren. Ebenso findet die Verwendung von Amuletten oder Talismanen statt, die durch die Verknüpfung mit astrologischen Elementen magisch aufgeladen werden sollen. Hierzu können entweder astrologische Symbole auf bestimmte Objekte aufgetragen werden. Oder diese Objekte werden während spezieller Konstellationen angefertigt, so dass sie dann entsprechend ihres "Geburtsmoments" "wirken".

In der magischen Astrologie ist die schamanistische Vorstellung verbreitet, dass alles, was existiert, auch bewusst ist. Dies betrifft Steine und Mineralien, ebenso wie die Planeten. So wird auch die Herstellung eines Kontaktes zu den jeweiligen Energien (bzw. Bewusstseinsformen) erstrebt. Hierbei gibt es Berührungspunkte zur esoterischen und spirituellen Astrologie. Häufig herrscht auch die Überzeugung von Reinkarnation und Karma.

Agrippas Saturn-Siegel

Elemente der Magischen Astrologie

  • Naturgeister und Naturreiche: diese können magisch angesprochen und für magische Zwecke eingesetzt werden
  • Talismane und Amulette (mehr als nur Schmuck)
  • Divinationssysteme, z.B. Runen, Tarot, Pendel
  • Beschwörungsrituale, die auf festgelegte Weise während spezieller astrologischer Konstellationen ausgeführt werden
Geisterbeschwörung bei Robert Cross Smith[2]

Beurteilung

Gern wird von rational denkenden Astrologen die Magische Astrologie prinzipiell abgelehnt, unter anderem, da sie Argumente liefert für Astrologiegegner, welche die Sinnhaftigkeit der Astrologie eh in Zweifel ziehen und sie in eine Schmuddelecke stellen wollen.

Interessant mag hier die Herangehensweise von Alfred Fankhauser sein, der sagt, dass das Wissen einer Epoche, immer wenn sie versinkt bzw. am Versinken ist, in einer anderen Epoche als Magie gelte, d.h. als nicht wirklich und irreal.[3] Als Beispiel nennt er den heutigen Umgang mit dem Thema Sterben und Tod: "Angenommen, es wäre möglich, die Todesstunde jedes einzelnen Menschen bei seiner Geburt zu bestimmen und zugleich mit der Geburtsminute in der Kontrolle des Zivilstandsbeamten zu notieren, und angenommen, eine Zeit stiege auf, die nichts so sehr fürchten würde als den Tod, die gelähmt würde durch den Gedanken an die sichere Todesstunde, dies angenommen, dann würde folgerichtig diese Zeit so handeln, wie sie müsste: Sie würde die Praxis der Todesbestimmung verlernen, und nach weniger als einer Generation dürften höchstens noch ein paar finstere Mystiker in ihren Schlupfwinkeln sich mit dem "magischen Geheimnis" beschäftigen, und dies auch nur so lange, bis der Geist der todesfürchtigen Zeit noch den letzten der "schwarzen Künstler" ausgerottet hätte." [4] Aus seiner Perspektive handelt es sich bei der Magie um tatsächliche, jedoch verdrängte Realitäten. Dies ist auch die argumentative Grundlage, derer sich die magische Astrologie oftmals bedient.

Die Wissenschaftshistorikerin Frances A. Yates sah die Magie des Spätmittelalters und der Rosenkreuzer als Vorläufer und Wegbereiter der modernen Naturwissenschaft. Von kirchlicher Seite lehnte man ja im Mittelalter insbesondere die sogenannte Judiciarastrologie - u.a. Prognosen und Elektionen - als Rivalin, Konkurrenz ab, und gab ihr das Etikett "magisch".

Die Psychoanalyse, gerade in ihrer Jungschen Form, nahm in ihren Methodenkanon viele magische Elemente auf (Freie Assoziation, Hypnose, etc.). Nach Heinrich Bessler beruht das Weltbild der Astrologie, etwa in ihren Prinzipien der Synchronizität und der Analogien des Mikrokosmos/Makrokosmos, oder in ihren Techniken der Direktion, nach wie vor auf magischem Denken.[5].

Grundsätzlich muss man aber auch feststellen, dass es im Bereich der sog. magischen Astrologie nicht unüblich ist, gutgläubige Kunden mit Taschenspielertricks zu betrügen, d.h. "schwarze Schafe" der Astrologieszene dürften hier häufiger zu finden sein. Mehr noch als sonst im Bereich der Esoterik sollte man deshalb auf die Seriosität der jeweiligen Angebote achten.

Klassische Planeten und ihre Erzengel[6]

Siehe auch

Das antike Sator-Quadrat[7]
Magische[8] Picatrix-Spiegelbeschriftung

Weblinks

Der US-Amerikaner Dykes ist Spezialist in Magie bzw. Magischer Astrologie
Magier beim Ritual (Amphitheatrum)[10]

Literatur

  • Agrippa von Nettesheim: Die magische Astrologie. Auszug aus: Magische Werke. Edition Geheimes Wissen 2007. ISBN 978-390264604
  • Asboga, Friedbert: Handbuch der Astromagie - Ein Lehrgang für Suchende und Lebensreformer. 8 Hefte in einem Band. 1. Aufl. Verlag J. Baum Pfullingen 1925. 258 Seiten
  • Ernst Hentges: Lehrgang der kabbalistischen Astrologie (Onomatomantik). 103 Seiten. Verlag von Max Altmann, Leipzig 1932
Astrologie wird hier verbunden mit Tarot, Kabbalistik, Namens- und Schicksalsdeutung
  • Bardon, Franz: Die Praxis der magischen Evokation: Anleitung zur Anrufung von Wesen uns umgebender Sphären. Rüggeberg 2006 ISBN 978-3921338315
Enthält Hinweise zum astrologisch günstigen Zeitpunkt einer erfolgreichen Evokation. Beschreibt auch die 360 Gradgötter des Tierkreises
  • Julius Evola: Magie als Wissenschaft vom Ich. Ansata-Verlag, Bern 1985, ISBN 3-7157-0072-6; Ludwig, München 1998, ISBN 3-502-20224-9
  • Leicht, Reimund: Astrologumena Judaica. Untersuchungen zur Geschichte der astrologischen Literatur der Juden. 413 Seiten. Mohr Siebeck Verlag. ISBN 978-316489112
Im vierten Teil wird die Entstehung der jüdischen Astromagie des Sefer Raziel und ihr Fortwirken im lateinischen Mittelalter untersucht. Abschließend Diskussion der hebräischen astromagischen Literatur, die im mittelalterlichen Spanien und in der Provence entstand und dort, ähnlich wie im Christentum, heftige Auseinandersetzungen hervorrief
  • Musallam, Dr. (Pseudonym): Schriften der Astrologie. Nach der Zauberbibel Astrologie (1863). 100 Seiten. Schleierwelten-Verlag 2008
  • Pseudo-Magriti: Picatrix - Das Ziel des Weisen. Übersetzt von Hellmut Ritter und Martin Plessner. London: Warburg Institute, 1962. Neuausgabe Edition Geheimes Wissen 2006. Privatdruck, ohne ISBN
Es werden unter anderem die Herstellung von Talismanen und Amuletten beschrieben, die bestimmte Konstellationen benötigen. Ein großer Teil widmet sich der Magie im Zusammenhang mit dem Stand des Mondes in den Tierkreiszeichen
Magie-Buch von Dykes
  • Wolfgang Krohn: Abrakadabra. Die dunkle Abstammung der modernen Wissenschaft In: Kursbuch 86, Berlin 1986, S. 65-81
  • Quintscher, Rah Omir: Adonistische Astromagie - Astromagisches Lehrbuch, aus den Silias-Niederschriften. 90 Seiten. Schleierwelten-Verlag 2006 ISBN 3937341188
Die magischen Energien im Kosmos, die Wächter des Himmels, ihre Namen und Eigenschaften. Die Beschreibung erinnert an die von Albumasar überlieferten magischen Rituale
  • Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Von Ficino zu Agrippa. Der Magie-Begriff des Renaissance-Humanismus im Überblick. In: Antoine Faivre, Rolf Christian Zimmermann (Hrg.): Epochen der Naturmystik. Hermetische Tradition im wissenschaftlichen Fortschritt. Schmidt, Berlin 1979, ISBN 3-503-01270-2, S. 24–51
  • Randolph, Pascal Beverly: Hermetisches Sternenweistum Schleierwelten-Verlag ISBN 978-3937341286
  • Emil Stejnar: Magie mit Astrologie 300 Seiten. Ibera Verlag 2008 ISBN 978-3850522496
Ein Horoskop als magischer Spiegel. Die Planetenpositionen markieren die geistigen Glieder und Sinnesorgane, sowie bestimmen deren Funktionstüchtigkeit und Qualität. Die Transite sollen anzeigen, wann welcher "Geist" eine Menschenseele berührt und welche Seelenorgane er aktiviert, reizt oder blockiert. Jede astrologische Konstellation gilt als konkrete Berührung und Begegnung mit einer geistigen Macht in Form wesenhafter Planetenintelligenzen
  • Emil Stejnar: Das Schutzengelbuch: Wie erlangt man Kontakt mit den höheren Wesen. Ibera Verlag 2007. 263 Seiten. ISBN 978-3850522519
Stejnar gilt als Nachfolger des Magiers Franz Bardon und als "letzter bedeutender Gnostiker". Das Buch führt 78 Engel auf. Diese sind entnommen einem Buch Bardons, nämlich: "Die Praxis der magischen Evokation". Verschiedene Namen in Bardons Buch sind angeblich falsch, weil verschlüsselt aufgeschrieben. Stejnar gibt den Code zur Entschlüsselung an, der allerdings auch anderswo zu finden ist
  • Christl Oelmann: Macht und Ohnmacht im Horoskop: Astrologische Deutung – psychologische Hilfe. 256 Seiten, Astrodata 2019,‎ ISBN-10 3906881059, ISBN-13 978-3906881058
  • Benjamin Dykes und Jayne Gibson: Astrological Magic: Basic Rituals & Meditations. Cazimi Press 2012, 378 Seiten. ISBN-10 1934586218, ISBN-13 978-1934586211
  • Peter Stockinger, Sue Ward: William Lilly: The Last Magician, Adept & Astrologer, Taschenbuch Mandrake 2014, mit Illustrationen, 252 Seiten, ISBN-10 1906958629, ISBN-13 978-1906958626
Agrippa

Quellen und Anmerkungen

  1. Der Golden Dawn war ein englischer "magischer Orden", in dem auch Crowley eine zeitlang Mitglied war
  2. Nekromantie = 'Weissagung durch Geister- und Totenbeschwörung'. Vorgenommen durch Edward Kelly und John Dee. Sogenannter "Raphael", aus dem Jahre 1825
  3. Alfred Fankhauser: Magie - Versuch einer astrologischen Lebensdeutung. Eugen Diederichs Verlag München 1990, S. 15 ISBN 3424010057
  4. Ebenda, S. 12 f.
  5. Bessler, Heinrich: Das magische Weltbild der Astrologie, in: Unicorn I und II, Bonn 1982
  6. Picatrix-Siegel. Siehe auch pinterest.com: Seal of Seven Archangels
  7. Auf einer Haustür in Grenoble. Ein Satzpalindrom, das man als magisches Quadrat horizontal und vertikal, vorwärts und rückwärts lesen kann. Siehe auch Wikipedia: Sator-Quadrat
  8. "Magisch" in modernen, psychologischen Termini = von einer beschwörend-selbsthypnotischen Wirkung
  9. Siehe Englische Wikipedia: Magi Society
  10. Alchemistisches Laboratorium (Detail), Abbildung aus Heinrich Khunrath: Amphitheatrum sapientiae aeternae (Amphitheater der Ewigen Weisheit), Hamburg 1595. Gemalt von Hans Vredeman de Vries, ca. 1595. Siehe auch Wikipedia: Alchemist's Laboratory