Iatromathematik
Synonyme:
- Iatroastrologie
- Iatromechanik
Wortherkunft:
- (griechisch) Iatros ατρος = Heiler, Arzt und máthema μάθημα = Wissenschaft, Mathematik
Dieses historische Relikt der Astrologie beschäftigt sich weniger mit dem individuellen Horoskop als mit den mundanen Faktoren, die bestimmte Zuordnungen ermöglichen oder günstige Zeitpunkte für medizinische Eingriffe feststellen.
Grundlage war zum einen der Zusammenhang von Körperteilen mit Tierkreiszeichen, zum anderen die Beobachtung astrologischer Konstellationen, die für medizinische Belange als günstig oder ungünstig galten.
Geschichte
Die Iatromathematik hatte von der Antike über die Medizin des Mittelalters bis ins 17. Jahrhundert große Bedeutung. Ihre Blütezeit war das 16. Jahrhundert.
Einer der ersten Iatromathematiker des 16. Jahrhunderts war der aus Randersacker stammende Arzt und Geistliche Jakob Schönheitz, der sich um 1500 in Frankfurt am Main aufhielt und 1502 in Nürnberg seine gegen Pico della Mirandola gerichtete Apologia astrologiae veröffentlichen ließ.[3]
Ein wichtiger Vertreter iatromathematischer Lehren war Agrippa von Nettesheim.
Eine weitere frühneuzeitliche Darstellung der Thematik war die 1531 gedruckte Vorlesung des Georg Tannstetter mit dem Titel Artificium de applicatione Astrologiae ad Medicinam.[4][5] In der auf dem Zusammenhang von Planeten bzw. Tierkreiszzeichen und dem menschlichen Organismus basierenden Iatroastrologie verbinden sich Astronomie, Astrologie und die humoralpathologische Vier-Säfte-Lehre (beruhend auf der antiken Vier-Elemente-Lehre).
Bekannteste Illustration der Iatromathematik ist das sogenannte Aderlassmännchen, welches die besten Zeitpunkte für den Aderlass an bestimmten Körperteilen kennzeichnete bzw. zu einer Behandlung von an diesen Körperteilen auftretenden Beschwerden.
In der heutigen Vulgärastrologie spielen diese Ansätze teilweise noch eine Rolle, etwa wenn dort geraten wird, Operationen bei manchen Gestirnsständen zu meiden (sie z.B. bei einem Mond in den Feuerzeichen nicht durchzuführen, oder gezielt bei einem Mond in den Erdzeichen). Hierher gehören ebenso Empfehlungen, zu bestimmten Zeiten die Haare und Nägel zu schneiden (z.B. bei abnehmendem Mond oder bei einem Mondstand im Löwen).
Siehe auch
- Elektion
- Medizinische Astrologie
- Mikrokosmos/Makrokosmos) (Entsprechungslehre)
- Paracelsus#Signaturenlehre
Weblinks
- Wikipedia: Iatrochemie (von Paracelsus und seinen Nachfolgern verbreitete Nutzbarmachung der Alchemie für die Medizin)
- Wikipedia: Iatromathematik und Iatroastrologie
- Wikipedia: Iatrophysik (auf den mechanistischen Vorstellungen des Philosophen René Descartes aufbauende medizinische Lehre)
Literatur
- Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Der Höhepunkt der Iatromathematik. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 4, 1981, S. 41-50
- Karl Sudhoff: Iatromathematiker vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert (= Abhandlungen zur Geschichte der Medicin. Band 11). Breslau 1902
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Aus Reisch, Gregor: Margarita Philosophica, 1503
- ↑ Mittelalterliche Abbildung
- ↑ Francis B. Brévart: Schönheintz, Jakob (auch Randersack[er], Ranisacker). In: Verfasserlexikon 2. Auflage. Band 8, Sp. 825 f.
- ↑ Gemäß Sudhoff: Iatromathematiker, 1902, S. 45-47, war dieses „Artificium“ das erste speziell die Iatromathematik ausführlich schildernde gedruckte Buch Deutschlands
- ↑ Deutsch: Kunstvolles Werk über die Anwendung der Astrologie auf die Medizin. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Rosemarie Eichinger. LIT Verlag, Münster 2006
- ↑ Iatromathematisches Kalenderbuch aus dem 15. Jahrhundert