Pico della Mirandola

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Pico della Mirandola
Horoskop von Mirandola

Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494) war ein italienischer Philosoph der Renaissance – berühmt für seine Gelehrsamkeit, seine kühnen Ideen und für den Versuch, alle Wissenssysteme seiner Zeit miteinander zu verbinden. Über seine genaue Geburtszeit gibt es verschiedene Quellen. [1]

Leben

Datos de Pico della mirandola por Morin de Vilefranche

Geboren in Mirandola (bei Modena, Norditalien), stammte Pico Della Mirandola aus einer adligen Familie. Er studierte Philosophie, Theologie, Jura und orientalische Sprachen in Bologna, Ferrara, Padua, Florenz und Paris.

Mit gerade 23 Jahren wollte er eine öffentliche Disputation in Rom veranstalten: 900 Thesen, die alle Disziplinen umfassen sollten – von Theologie über Philosophie bis hin zu Magie und Kabbala. Papst Innozenz VIII. verbot diese Disputation, einige Thesen wurden als ketzerisch eingestuft. Pico musste fliehen.

Er lebte später in Florenz im Kreis um Lorenzo de’ Medici, gemeinsam mit Marsilio Ficino un starb jung, mit nur 31 Jahren, vermutlich an Gift (die Umstände sind ungeklärt). Er unternahm den Versuch einer Universalphilosophie und wollte das gesamte Wissen der Welt zu einer Einheit zusammenführen: griechische Philosophie, römisches Recht, christliche Theologie, jüdische Kabbala, arabische Mystik und eine revidierte Form der Astrologie, die weniger Schicksalsorientiert sein sollte.

  • „Oratio de hominis dignitate“ (Rede über die Würde des Menschen, 1486)

Sein berühmtestes Werk wurde später „Manifest der Renaissance“ genannt. Der Kerngedanke ist: Der Mensch hat keine festgelegte Natur wie Tiere oder Engel. Er kann frei selbst entscheiden, ob er ins Göttliche oder ins Niedrige strebt. Das war revolutionär: ein optimistisches Menschenbild, das die Würde, Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen in den Mittelpunkt stellt.

  • Einführung der Kabbala in die christliche Philosophie

Pico war der Erste, der die jüdische Kabbala systematisch in die christliche Theologie einband. Er glaubte, dass sich darin der verborgene Sinn der Bibel zeige und dass sie mit der Philosophie der Antike übereinstimme.

  • Auseinandersetzung mit der Astrologie

Zunächst interessierte er sich stark für Astrologie. Später kritisierte er sie in seiner Schrift Disputationes adversus astrologiam divinatricem (1493–1494) und outete sich als einer der Gegner der Astrologie. Er akzeptierte Astrologie als Wissenschaft, lehnte aber die deterministische Horoskop-Astrologie ab, weil sie die menschliche Freiheit einschränke. Damit stellte er sich gegen viele Astrologen seiner Zeit, obwohl er selbst noch astrologisches Wissen verwendete.

Karin Afshar schreibt über sein Horoskop:

Hier ist das Horoskop des jungen Giovanni Pico, der den Durchgang durch sein 5. Haus (parallel oben herum durch sein 8. Haus) nicht vollbringen konnte. Sofern das Horoskop einigermaßen ernsthaft rektifiziert wurde (ich übernehme es vorläufig so wie angegeben), haben wir in diesem Fall einen Steinbock am IC und den Krebs am MC (also spiegelverkehrt zu Amelia Earhart). Der Verbund Fische-Wassermann-Steinbock beginnt im 6. Haus mit dem Herrscher von 6 in 1: das ist eine seelische Aussteuerung durch Selbstdurchsetzung – mit dem Fisch und dem Neptun allerdings deren Löschung. Keine Aussteuerung, keine Anpassung an die Lebensbedingungen, schlechte Selbstdurchsetzungsvoraussetzungen, wenn es darum gehen sollte, sich in der realen Welt etablieren zu wollen.

Für die Sonne in den Fischen allerdings nicht von Nachteil. Der Lebenstrieb ist dem IV. Quadranten unterstellt, Uranus, Steinbock und Neptun sind die Herren, und das Subjektive muss dies ertragen. Die Gefahr besteht, dass sich hier einer für den „Himmel“ hält, für das Göttliche. Und es wird ihm auch suggeriert, denn der Jupiter in 4 (im Steinbock) und Neptun reichen sich die Hand.

Die Sonne ist außerdem von Uranus beschienen, d.h. hier ist doppelt Sonne-Uranus gegeben. – Das Hauptmotiv für das Handeln eines Sonne-Uranus ist seine Befreiung aus dem Dualen und aus der Folgerichtigkeit. Das allerdings bedeutet einen ständigen Drang zur Mutation, einhergehend mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Unruhe; beides nimmt natürlich das Subjektive nicht sofort bewusst wahr. Es ist dem ausgeliefert, versteht nicht, warum keine Folgerichtigkeit und Zentralisierung möglich sind, warum da Angst vor geschlossenen Räumen wie geschlossenen Situationen ist. Es erwächst der Wunsch bzw. der Drang, über die Zeit bestimmen zu wollen, über die Einhaltung und das Verlassen von Zeitlichkeit, wie auch die räumliche An- oder Abwesenheit.

Reglementierung wird auch hier nicht akzeptiert, und das führt zum nächsten Verhaltenszug des Sonne-Uranus: er zieht sich auf Überlegenheit zurück, wähnt sich unverletzlich, groß. Die Sonne – der König im besten Falle als der in seinem Dasein die Gestalten seines Lebens lebend – wird gestürzt, und macht sich zum ungeteilten Prinzip. Rückseite von Sonne ist Pluto – die schwarze Sonne. Dabei ist die Konstellation schöpferisch – was heißt, man schöpft aus den Wassern des Fischs die Gestalten – im Auftrag des IV. Quadranten. Im Falle Giovannis besteht da eine Blockade, sie sitzt an der Spitze des 11. Hauses. Aus dem 2. Haus (der Selbstsicherung) hat Skorpion den Mars-Pluto dorthin gesetzt. Mitten in den sich entfaltenden Ausdrucks“trieb“ und an die Schwelle zur Weitergabe an die Bestimmung des Lebens im Krebs. Hier besteht eine Vorstellung davon, wie die Sicherung im Realen auszusehen hat.

Diese gesetzte, übernommene Vorstellung (die zudem auch noch Vertriebenheit und Verletzung der irdischen Reviere in sich trägt) steht gegenüber von Saturn-Merkur in Haus 4 im Wassermann. Das ist ja nahezu das Bild eines Gekreuzigten. – „Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: „Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46). [[2]

Picos Horoskop erstellt von Pedro Hernandez

Freundschaft mit Ficino

Mirandola pflegte eine enge Freundschaft mit Marsilio Ficino, dem führenden Neuplatoniker und Astrologen seiner Zeit. Gemeinsam prägten sie die Renaissance-Idee, dass Philosophie, Religion und Kunst zu einer höheren Harmonie finden können. Ihr Streitgespräch war wegweisend für Erasmus und den weiteren Verlauf der humanistischen Ideale.

Gabriela Wolf schreibt in ihrer Dissertation: "Ficinos Verdienst ist es, durch seine umfangreichen Übersetzungsleistungen der westlichen Welt einen Großteil antiken Wissens, insbesondere das Gedankengut Platons und Plotins erschlossen zu haben. Darauf aufbauend (insbesondere im Rückgriff auf die Philosophie Plotins, der Platons Dualismus überwunden hatte) schuf Ficino auf der Höhe des 15. Jahrhunderts, vorbereitet von Petrarca und auch Manetti, ein Menschenbild, das den Menschen zwar ganz metaphysisch verankerte, ihm jedoch zugleich ermöglichte, von seinem angestammten gottgegebenen Recht auf individuelle Entfaltung, Freiheit der Entscheidung und Weltzugewandtheit Gebrauch zu machen.

Pico hat Ficinos anthropologisches Konzept in seinen wesentlichen Facetten aufgegriffen und weiter ausformuliert. Bei Pico gewinnt der Mensch seine Wesenswürde durch uneingeschränkte Freiheit; sie ist nicht nur Ausdruck der Liebe eines Schöpfers gegenüber seinem zuletzt geschaffenen Geschöpf “MENSCH”; Freiheit ist auch die notwendige Bedingung, dass die geistige Anfangsidee, einen Gott in individueller, materieller Gestalt hervorzubringen, realisiert werden kann. Die Verantwortung dafür, dass sich diese Idee manifestieren kann, trägt der Mensch; er hat das freie Recht auf Wahl der von ihm bevorzugten Daseinsform.

Pico war nicht gegen Astrologie an sich. Er war gegen die vorhersagende Astrologie. In einer seiner 900 verbotenen Thesen sagte er: „Keine Wissenschaft bietet eine bessere Gewissheit über die Göttlichkeit Christi als die Magie (das Wissen um die Geheimnisse der Planeten) und die Kabbala“. Leider war sein Werk Adversus, das kurz nach Picos Tod von seinem Neffen veröffentlicht wurde, ein breiter Angriff auf die vorhersagende Astrologie im Gegensatz zur spirituellen Astrologie, und genau diese Information beeinflusste die Meinung seiner Zeitgenossen, die aus christlichen Gründen gegen die Astrologie waren."[[3]

Quellen und Anmerkungen

  1. AstroDatabank, Rodden Rating C
  2. Die Würde des Menschen (Karin Afshar, 2022)
  3. [1] (Gabriela Wolf Dissertation 2007)