Hyleg
In Hyleg - d.h. an wichtigster Stelle im Horoskop - stehen in der klassischen Astrologie Planeten (vor allem Sonne oder Mond), zudem AC und Glückspunkt, und zwar in bestimmten Häusern eines Horoskopes, meist auf Basis der antiken Unterscheidung zwischen Nacht- oder Taggeburt. Als das am besten gestellte Gestirn beeinflusst der Hyleg (wörtl. "der Geburtsherrscher") positiv Gesundheit und Vitalität. Man berechnete in der Spätantike nach ihm die Lebenslänge (mit Hilfe des Alcochoden); er findet heute aber kaum noch Berücksichtigung.
Seine erste Erwähnung findet er im Carmen Astrologicum[1] des Dorotheos von Sidon. Die bekannteste spätantike Quelle für ihn ist das Tetrabiblos[2] von Claudius Ptolemäus, welcher die Hyleg-Position in den lebensverlängernden Häusern in folgender Reihenfolge als wichtigstes erstes Kriterium verwendet (bei Tag- wie bei Nachtgeburt): Eins, Zehn, Elf, Sieben und Neun [3]
Horoskopfaktoren für Hyleg bei Ptolemäus[4]
Der wichtigste Hylegfaktor ist zuvorderst eine Position in den Häusern Zehn, Eins, Elf, Sieben und Neun.
Bei einer Taggeburt werden entlang dieser Reihenfolge Horoskopfaktoren auf den Hyleg untersucht:
- Sonne
- Mond
- Herrscher über die Sonne mit den meisten Würden[5]
- Herrscher über den letzten Neumond (vor Geburt z.B.) mit den meisten Würden
- Herrscher über den Aszendent mit den meisten Würden
Bei einer Nachtgeburt:
- Mond
- Sonne
- Herrscher über den Mond
- Herrscher über den vorgeburtlichen Neu- oder Vollmond
- Herrscher des Glückspunktes
- Aszendent
Die Herrscher (falls Sonne oder Mond nicht in Betracht kommen) werden durch folgende Kriterien bestimmt:
- Triplizität
- Herrschaft über das Zeichen
- Erhöhung
- Grenzen
- Aspekte (zunehmend zwischen Konjunktion und Opposition; abnehmend zwischen Opposition und nächster Konjunktion)
Die Herrscher müssen mindestens drei dieser Kriterien erfüllen, um berücksichtigt zu werden.
Deutung
Der Hyleg gilt als "Lebensspender" im Horoskop; er soll die Langlebigkeit und Vitalität fördern. Von der spätantiken (griechischen) Astrologie bis in die Zeit der europäischen Renaissance wurde mit Hilfe des Hyleg vielfach die Lebenslänge berechnet, der damit einen Horoskopfaktor von großer Bedeutung darstellte. Die Lebensdauer war z.B. für Ptolemäus die wichtigste Frage bei der Deutung eines Geburtshoroskopes. Selbst noch zu Zeiten von William Lilly, d.h. im 17. Jahrhundert, waren Fragen nach der Lebensdauer oder nach dem Todeszeitpunkt üblich, auch wenn nicht mit dem Hyleg berechnet.[6]
Das negative Gegenstück zum Hyleg heißt Anareta (das am schlechtesten gestellte Gestirn).
Weblinks
- AstroFox 0.8 Englisches Online-Programm (fehlerhaft) zur Berechnung der essentiellen und akzidentiellen Würden und Schwächen, des Almuten, Hyleg und Alcochoden.
- Skyscript Glossary (englisch)
- The Hyleg and Alcoccoden (Bernadette Brady 1997, pdf 18 S.)
- Notes on Dorotheus III: the haylāj, kadhkhudāh, and terms of life (Deborah Houlding, 2014)
Literatur
- Claudius Ptolemäus: Tetrabiblos. Chiron-Verlag, Tübingen 2000. ISBN-13: 9783925100178
- Dorotheos von Sidon: Carmen Astrologicum. Astrology Classics Publishers, Abingdon (USA) 2005
- Rafael Gil Brand: Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron-Verlag, 2000.
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Dorotheos von Sidon: Carmen Astrologicum. Astrology Classics Publishers, Abingdon (USA) 2005, S. 235ff. (III. Book)
- ↑ Claudius Ptolemäus: Tetrabiblos. Chiron-Verlag, Mössingen 2000, S. 163f.
- ↑ Robert Hand: Traditionelle Astrologie. Chiron-Verlag, Tübingen 2007, S. 66f
- ↑ Ptolemäus, Claudius: Tetrabiblos. Chiron-Verlag, Mössingen 2000, S.166
- ↑ Damit ist nicht nur der Planet gemeint, in dessen Zeichen die Sonne steht. Bei einer Waage-Sonne werden also nicht nur die Venus berücksichtigt, sondern gleichfalls der Tagesherrscher über die Waage, nämlich Saturn, und dessen Würden. Anschließend werden die Triplizitäts-Herrscher, die Herrscher über die Grenzen und zuletzt die über die Dekanate berücksichtigt. Der Planet folglich, der nun die meisten Würden, essentielle und akzidentielle (siehe Würde), entweder über die Sonne, über den Punkt der letzten vorgeburtlichen Neumond-Konstellation oder über den Aszendenten auf sich vereinigt, wird Hyleg-Planet, sofern eben Sonne und Mond nicht in den lebensverlängernden Häusern stehen.
- ↑ William Lilly: Christliche Astrologie, Band 1 und 2. Chiron-Verlag, Tübingen 2007, S. 451