Häuserhoroskop
Das sogenannte "Häuserhoroskop"[2] ist eine Besonderheit der Huber-Schule. Es handelt sich dabei im Grunde um ein verändertes Radixhoroskop: statt der Tierkreiszeichen sind in ihm jedoch alle Häuser gleich, und umgekehrt die Zeichen unterschiedlich groß.
Es soll die Erwartungen der Umgebung widerspiegeln - denen gemäß bzw. im Konflikt zu denen man sich entwickelt.
Als Entdecker des Häuserhoroskopes gilt Michael Huber, der Sohn von Bruno und Louise Huber.[3]
Technik (Berechnung)
Im Grundhoroskop sind die zwölf Häuser in der Regel verschieden groß[4], die Tierkreiszeichen jedoch als Mess- und Bezugssystem immer gleich groß. Dies hängt mit der Schiefe der Ekliptik zusammen. Im normalen Horoskop werden nicht die “schiefen” Zeichen abgebildet, sondern diese Verzerrung ist in den unterschiedlich großen Häusern dargestellt, damit die zwölf Zeichen jeweils 30° im Tierkreis einnehmen.
Das Häuserhoroskop nimmt als Mess- und Bezugssystem nicht den Zodiak, sondern das Häusersystem[5] selbst bzw. den Aszendenten und das MC. Von hier aus werden nun die Zeichen - proportional zu den Häusern - entweder größer oder kleiner, d.h. entsprechend gedehnt oder gestaucht. Für die Umrechnung einer Planetenposition oder einer Zeichengrenze in der Radix muss zunächst die Größe des betreffenden Hauses festgestellt werden. Diese Hausgröße wird sodann durch 30 geteilt; das Ergebnis entspricht einem Häusergrad des jeweiligen Hauses. Dann wird der Abstand des Planeten oder der Zeichengrenze zur entsprechenden Hausspitze ermittelt und durch den Häusergrad geteilt. Das Ergebnis ist die Stellung des Planeten in Häusergraden im Häuserhoroskop.
Die Aspekte werden im Häuserhoroskop von ihrer Stellung im Haus aus neu berechnet. Dadurch können völlig andere Muster entstehen als in der Radix.
Deutung
Während das Grundhoroskop (die Radix) die inneren Wünsche und Anlagen der Gegenwart zeigt, und das Mondknotenhoroskop die Vergangenheit, veranschaulicht das Häuserhoroskop vor allem die Erwartungen der Umgebung. Man sieht in ihm also
- Die Einwirkung und direkte Prägewirkung der Umwelt, d.h. die erhaltenen Konditionierungen und das dadurch erlernte Verhalten eines Menschen.
- Die Absicht, mit der die Umwelt den Horoskopeigner formt und erzieht, wie man ihn von außen sieht, wahrnimmt und auf ihn reagiert.
Das Häuserhoroskop ist eine andere Betrachtungsweise des Grundhoroskops. In diesem schaue ich vom Zentrum meines Wesens, dem Kreis in der Mitte, hinaus in die Welt. Die Tierkreiszeichen erscheinen von dort gleich groß, aber die Lebensbereiche sind unterschiedlich in ihrem Ausmaß. Dies entspricht einer subjektiven Sichtweise. Im Häuserhoroskop schaut die Umwelt von außen auf mich. Für die Umwelt sind alle Lebensbereiche gleich groß und wichtig, eine objektive Sichtweise.
Das Häuserhoroskop zeigt die Prägungen durch das (in der Kindheit und Jugend erziehende) Milieu, die Einwirkungen der Umwelt und deren Meinung über einen; es beschreibt den Anteil der Persönlichkeit, den Carl Gustav Jung unsere “Persona” nannte.
Oft ergeben sich Widersprüche zwischen dem inneren individuellen Menschen (ersichtlich am Grundhoroskop) und seiner äußeren Hülle (dem Häuserhoroskop).
Aus Sicht der Huber-Schule symbolisiert das Aspektbild des Grundhoroskopes die mitgebrachte Lebensmotivation; das, was ein Mensch aus seinem Inneren mit dem Leben anfangen will. Das Aspektbild des Häuserhoroskopes zeigt dagegen, wie die individuelle Motivation von der Umwelt interpretiert/ eingeschätzt, beeinflusst und verändert wird; was ein Mensch gemäß den Vorstellungen der anderen mit seinem Leben anfangen soll oder muss.
Ziel einer API-Beratung ist, eine etwaige Diskrepanz zwischen diesen beiden Horoskopen aufzuzeigen und zu erklären. Ein Missverstanden werden oder Nicht-angenommen-sein durch die Umgebung wird dadurch - der Theorie nach - bewusst und kann leichter verarbeitet werden.
Menschen, die nur in ihren Anpassungsmustern an die Umwelt leben, können schließlich den Zugang zu ihrer eigentlichen Lebensmotivation und –aufgabe verlieren, was zu Selbstverlust und unter Umständen zu Krankheiten führen kann.
Durch die bewusste Auseinandersetzung mit dem Häuserhoroskop im Unterschied zur Radix, kann ein Mensch seine erlernten Verhaltensmuster erkennen, an ihn herangetragene Erwartungen hinterfragen, und für sich entscheiden, was er davon für die eigene Entwicklung tatsächlich annehmen will. Denn die jeweiligen Veränderungen des Aspektbildes zeigen (nach Huber) auch Wachstumschancen an. Das Häuserhoroskop kann so zum Anreiz für die Weiterentwicklung und Erfüllung der eigentlichen Lebensaufgabe genützt werden, etwa im Beruf.
Kritik und Bewertung
- Ein Häuserhoroskop ist - ohne Computer - relativ kompliziert, aufwendig bzw. umständlich zu berechnen
- D.h. der Methode fehlt die Einfachheit, Eleganz und Brillanz, um wirklich zu überzeugen
- Bei Breiten nahe dem Äquator sind die Häuser schon im Radixhhoroskop alle etwa gleich groß, bringt das Häuserhoroskop also keinen Erkenntnisgewinn
- Für Aszendenten um die 0° Waage gilt dies auch in Mitteleuropa, und sogar bei hohen nördlichen Breiten
- Dies bedeutet: die Technik ist insgesamt nur bedingt anwendbar und sinnvoll
- Dass die Methode von der Huber-Schule völlig neu erfunden wurde, muss in den Bereich der Legendenbildung verwiesen werden. Verschiedene deutsche Astrologen haben in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts bereits damit gearbeitet[6]
- In den 1950er Jahren gab es von Hans Baumgartner eine "Tabelle zur Verwandlung der Häuser des Geburtshoroskops in Mundanhäuser zur vereinfachten Direktionsübersicht" (im Sonderdruck 6).[7]
- Die Mundanaspekte (= relative Hauspositionen zueinander, siehe Grafik ganz oben) sind in jedem Fall schon ein Vorläufer davon (wenn auch nicht mit Koch-Häusern)
Siehe auch
Weblinks
- Birgit Braun zum Häuserhoroskop (mit vielen Beispielen; Mai 2012)
- Bei Astrodienst gibt es unter > Erweiterte Grafikauswahl > Zeichnungsmethode "Huber Häuserhoroskop" die kostenlose Möglichkeit, sich ein solches zu erstellen
Literatur
- Michael Huber: Das Häuserhoroskop. (Vortrag) Astrolog Nr. 118.
- Bruno Huber und Louise Huber: Transformationen. 368 Seiten. API-Verlag 1996 ISBN 978-3855230099 (= dritter, erweiterter Band von Die Lebensuhr im Horoskop)
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Horoskop für den 29.10.2008, 18:48, Zürich
- ↑ Teile des Artikels wurden von Starfish (Birgit Braun) übernommen
- ↑ Mondknoten Astrologie, Bruno und Louise Huber, 1991, Seite 294 ISBN 3-85523-008-0
- ↑ Dabei wird die Strecke zwischen den Häuserachsen von jedem Häusersystem, außer vom Äqualen, anders aufgeteilt
- ↑ Die Huber-Schule arbeitet normalerweise mit dem Koch-Häusersystem
- ↑ Friedrich Feerhow behandelte das Thema "Mundanhäuser" schon 1912 in seinem Buch "Kursus der praktischen Astrologie"
- ↑ Siehe auch den Beitrag im Astrodienst-Forum vom 14.7.2014