Erlöst
Erlöst ist ein in der modernen Astrologie häufig verwendeter Begriff, um die positiven, konstruktiven oder ausgereiften Seiten eines Horoskopfaktors zu benennen.
Das Gegenteil ist unerlöst, womit negative, destruktive oder unausgereifte Seiten gemeint sind.
Dahinter steht die Vorstellung, das in einem Horoskop angelegte schöpferische Potential solle im Laufe des Lebens entfaltet werden - so wie im Märchen ein Frosch schließlich von seinem Froschsein "erlöst" und zu dem Prinzen verwandelt wird, der er eigentlich ist.
Häufig verwendet wurden die Begriffe "erlöst" und "unerlöst" von dem Esoteriker Thorwald Dethlefsen.
Diese Unterscheidung, auch wenn sie als Denkmodell ihre Berechtigung haben mag, birgt allerdings eine gewisse Problematik in sich: jeder Horoskopfaktor hat schließlich eine Bandbreite von Entfaltungsmöglichkeiten. So vermag etwa ein Mensch mit einer Betonung des Tierkreiszeichens Jungfrau sich mit Hingabe einer Detailarbeit zu widmen; vielleicht dient ihm sein geübter Blick für das Kleine aber auch dazu, den Mitmenschen mit einer gewissen "Pedanterie" auf die Nerven zu fallen. Man würde ersteres als eine "erlöste", letzteres als eine "unerlöste" Form des Jungfrau-Prinzips sehen.
Kritik
Die Begriffe suggerieren, es handle sich dabei um einen linearen, unumkehrbaren Vorgang, der, sobald einmal vollzogen, sich nicht wieder rückgängig machen lässt. Dagegen steht aber die Erfahrung, dass man leicht in gewohnte destruktive Verhaltensmuster zurückfallen kann, sobald man sich vielleicht vor Schwierigkeiten gestellt sieht oder in eine persönliche Krise gerät. Einen Horoskopfaktor zu einem bestimmten Zeitpunkt auf reife Weise zu leben, heißt keineswegs, dass einem dies nun immer problemlos gelingt.
Die Zweiteilung in "erlöst" und "unerlöst" lässt ebenso in Vergessenheit geraten, dass der Horoskopeigner vielleicht auch mal mehr das eine Extrem, mal mehr das andere lebt, möglicherweise manchmal sogar - in unterschiedlichen Kontexten - beide zugleich.
Zudem hat die Polarisierung einen religiös-moralischen Beiklang.
Es ist natürlich sinnvoll, das Horoskop als psychologischen Wegweiser zu begreifen, der einem zeigt, wie man sein vorhandenes Potenzial auf möglichst konstruktive Weise zum Ausdruck bringt. Dabei ist eine Aufteilung in "positiv" und "negativ" durchaus hilfreich. Gerade in einer Beratung lässt sich auf diese Weise beispielsweise von den Chancen und Möglichkeiten sprechen, die mit einem Horoskopfaktor verbunden sind, sowie diese zu unterscheiden von den Gefahren oder Fallen, die drohen können. Oder man wählt bei einer Charakterisierung die Gegenüberstellungen schöpferisch/ zerstörerisch bzw. konstruktiv vs. destruktiv. Damit ist weniger so ein Absolutheitsanspruch verbunden wie mit den Vokabeln "erlöst"/ "unerlöst".
Wie auch immer: ebensowenig wie das Geschlecht ist einem Horoskop grundsätzlich nicht zu entnehmen, auf welcher Ebene der Analogien ein Mensch seine Horoskopelemente lebt.