Erdhoroskop

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Erdhoroskop, mit Erd-MC (Krebs/ Steinbock) und Erd-Aszendent, Waage/ Widder.[1]

Das Erdhoroskop gehört zu den sechs Kernpunkten der Hamburger Schule. Der Begriff wurde 1919 von Alfred Witte eingeführt. [2]. Ziel des Erdhoroskops ist es, im Vergleich zu einem anderen Horoskop, einerseits die mundanen Konstellationen auf das Erdgeschehen bezogen zu betrachten und andererseits in Beziehung zum einzelnen Menschen oder Ereignis zu stellen, um deren Eingebundensein in das allgemeine Erdgeschehen zu erfassen.

Beispiel für ein Erdhoroskop: Zu sehen ist das Planetenbild für „Sportler mit Leib und Seele"[3]

Erstellung

Das Erdhoroskop selbst will ein Horoskop darstellen, das sich auf keinen Punkt der Erdoberfläche bezieht, sondern für die gesamte Erde gleichermaßen gilt. Andererseits soll dieses Horoskop auch eine Horizontachse und eine Vertikalachse mit Aszendent und Medium coeli haben. Dies ist zwar eigentlich so nicht möglich, da ja, ohne Einbeziehung der Erdoberfläche, es weder einen Aufgang noch eine Kulmination geben kann. Um dennoch ein solches Horoskop der Erde erstellen zu können, hat Alfred Witte einen Kunstgriff anwenden müssen: Er nimmt den Nordpol der Erde als Ausgangspunkt.

Das mundane Horoskop der Hamburger Schule hat in der Folge die Besonderheit, dass immer 0° Krebs den Erd-MC darstellt. Dies begründet Witte so: „Stellt man sich vor, man sässe als Beobachter am Nordpol und hätte immer den Krebspunkt im Süden stehend, so würde man sich in einem Jahre 365 Mal nach rechts drehen müssen, da die Bewegung der Erde nach Osten geht. Am 21. März wird man die Sonne im Westen aufsteigen sehen und diese emporsteigen, um am 22. Juni den höchsten Stand über dem Horizont, welcher jetzt auch gleichzeitig der Äquator ist, erreichen, um dann wieder am 23. September im Waagepunkt zu verschwinden. Der Blick nach Süd stellt also das X. Haus des Erdsystems dar". [4] [5]

Somit ist die Darstellung des Tierkreises im Erdhoroskop immer derart, dass 0° Waage den Aszendenten des Erdhoroskops darstellt und 0° Krebs das Medium coeli. Die vier Kardinalpunkte des Tierkreises (also Solstitial- und Äquinoktinalpunkte) stellen die vier Achsenpunkte des Erdhoroskops dar. Sie sind somit - und dies unterscheidet das Erdhoroskop weiter von der in der allgemeinen Astrologie üblichen Betrachtungsweise - starke sensitive Punkte, die immer mit berücksichtigt werden. Die Häuser des Erdhoroskops entsprechen den Tierkreiszeichen (die ja in der antiken Astrologie auch als "Himmelshäuser" bezeichnet wurden). Das erste Haus des Erdhoroskops entspricht somit dem Tierkreiszeichen Waage.

Erdhoroskop, ohne Ortsbezug; Beginn eines Krieges, der verloren wird (II. Weltkrieg)[6]

Individualisierung: Die vier Wendepunkte des Tages und des Jahres

Das Erdhoroskop wird auch für einzelne Ereignisse auf der Erde angewendet. Deshalb überlagern sich zwei Darstellungsweisen: zugrunde gelegt ist die besondere Darstellung des Erdhoroskops, überlagert mit den individuellen Konstellationen des jeweiligen Ortes auf der Erde (Aszendent) zu einer bestimmten Zeit (MC).

Auch einem individuellen Horoskop wird das Erdhoroskop zugrunde gelegt, und die individuellen Positionen von MC und Aszendent (AC), an der betreffenden Stelle eingetragen. Die vier Schnittpunkte der individuellen Horizont- und Vertikalachse (AC-DC, MC-IC) werden in der Hamburger Schule als die "vier Wendepunkte des Tages" bezeichnet.

Die vier Kardinalpunkte des Erdhoroskops heißen entsprechend die "vier Wendepunkte des Jahres" (denn ein Jahr ist somit, aus der Perspektive des Betrachters am Nordpol, ein "Tag" der Erde). Astrologisch bedeuten sie, bezogen auf den Menschen, das Kreuz seines allgemeinen Erlebens mit den verschiedenen Menschen, die die Erde bevölkern, das Erdhoroskop. Es ist somit für alle Menschen maßgebend und jederzeit gleich.[2]

Zuordnungen im Erdhoroskop

Zuordnung der Faktoren (nach der Hamburger Schule)

Hermann Lefeldt ordnet die Horoskopfaktoren den Häusern des Erdhoroskops folgendermaßen zu[7]:

Zeichen Haus Zuordnung
Waage 1. Haus Aszendent, Mondknoten, Cupido
Skorpion 2. Haus Poseidon
Schütze 3. Haus Uranus, Vulkanus
Steinbock 4. Haus Sonne, Saturn
Wassermann 5. Haus Jupiter
Fische 6. Haus Neptun, Hades
Widder 7. Haus Widderpunkt, Mars
Stier 8. Haus Admetos
Zwillinge 9. Haus Venus, Apollon
Krebs 10. Haus MC, Mond, Kronos
Löwe 11. Haus Zeus
Jungfrau 12. Haus Merkur, Pluto

Quellen und Anmerkungen

  1. Am Rand der Gradscheibe werden die Positionen der Horoskopfaktoren eingetragen
  2. 2,0 2,1 Alfred Witte; Hermann Lefeldt: Regelwerk für Planetenbilder. Ludwig Rudolph (Witte-Verlag) Hamburg, 1959, S. 65
  3. Vgl. Regelwerk für Planetenbilder, S. 118). Es stellt den Augenblick (MC) der Eröffnung der 29. Olympischen Spiele am 8.8.2008 dar, 15:36 WZ/ GMT, Peking
  4. Alfred Witte: Das horoskopische System des Planeten Erde. In: „Astrologische Rundschau." 11. Jahrgang, Dez.-Januar 1920/1921, Heft 3-4, S. 44-48
  5. Nachdruck in: Alfred Witte: Der Mensch - Eine Empfangsstation kosmischer Suggestionen S. 185
  6. Berlin, 1.9.1939, 12h WZ
  7. Hermann Lefeldt: Methodik der astrologischen Häuser und Planetenbilder (System Hamburger Schule). Band 1: Die Häuser. Ludwig Rudolph (WITTE-Verlag) Hamburg, 1962, S. 24-25