Astrometeorologie
Synonym: Wetterastrologie
Wortherkunft: von (altgriechisch) ἄστρον, astron, "Konstellation, Stern" und μετέωρος, metéōros, "hoch am Himmel"
Die Astrometeorologie beschäftigt sich mit dem Wetter und ist eine der ältesten Disziplinen der Sterndeuterkunst und Mundanastrologie.
Geschichte/ Allgemeines
Wettervorhersagen waren in den antiken Gesellschaften für Aussaat und Ernte von existentieller Bedeutung. Im Ägypten der frühdynastischen Zeit bis zum Mittleren Reich (über 2000 v.Chr.) fungierte der heliakische Aufgang/ die astronomische Position von Sirius als jährlicher „Verkünder der Nilüberschwemmung“. Im fünften Jahrhundert v.Chr. wurde in der Babylonischen Astrologie der Planetenlauf u.a. herangezogen zur Vorhersage von Wetterphänomenen. Im vierten Jahrhundert v.Chr. schrieb Aristoteles in seiner "Meteorologica", dass Kometen und Finsternisse Wetterkatastrophen verursachen könnten; für die Witterungsverhältnisse seien außerdem (Fix-)Sterne bzw. Sternbilder wie der Orion wichtig.[2] Die Bücher des arabischen Astrologen Al Kindi im neunten Jahrhundert über Astrometeorologie wurden wegweisend für spätere Autoren auf diesem Gebiet.[3]
Die historisch wohl bekannteste Fehlprognose der Astrometeorologen war die einer Sintflut für 1524.[4]
Noch Johannes Kepler betrieb jahrelang regelmäßige Wetteraufzeichnungen, und verband die klimatischen Verhältnisse insbesondere mit den aktuellen planetarischen Aspekten. Er sah u.a. den extrem kalten Winter in Österreich von 1593 voraus[5].
Auf astrologischer Grundlage beruht teilweise auch der im siebzehnten Jahrhundert entstandene sogenannte "Hundertjährige Kalender"[6]
Arabische Punkte
John Frawley empfielt[7] folgende Arabischen Punkte als hilfreich für das Wetter:
Allgemeiner Wetterpunkt (aber auch speziell Wind): AC + Disp. ME - ME
Punkt des Feuers und der Hitze: AC + MA - SO
Punkt der Wolken: AC + SA - MA
Punkt des Regens: AC + VE - MO
Punkt der Kälte: AC + SA - ME
Wichtig, schreibt Frawley, ist sowohl die Stellung des Dispositors, als auch der Zustand des jeweiligen Punktes selbst.
Wetterprognose (Stichworte zur Technik)
Herangezogen für eine Wettervorhersage werden vor allem Quartalshoroskope; sie dienen der generellen Übersicht für das betreffende Jahr, erstrecken sich in ihrer Reichweite immer auf die folgenden drei Monate.
Außerdem nimmt man, für die wochenweise Vorschau, die Mondwechsel: Neumond, erstes Viertel, Vollmond, letztes Viertel.
Bezogen bzw. berechnet werden die jeweiligen Horoskope auf den fraglichen Ort.
Zu beachten ist bei der Deutung dann in erster Linie das vierte Haus, sowie das erste.
Unter den Planeten gilt die Sonne als warm und trocken, der Mond als kühl und nass, Merkur als windig, Mars als heftig und extrem, Jupiter als warm und angenehm, Saturn als hart und kalt, usw.[9]
Bei den Aspekten berücksichtigt man auch besonders die Parallelen.
Siehe auch
- Almanach
- Maria Thun (zum Gärtnern; Siderischer bzw. "Faktischer" Tierkreis)
Weblinks
- Wikipedia: Hundertjähriger Kalender
- Wikipedia: Wettervorhersage
- Calendarium oeconomicum practicum perpetuum (Originalausgabe von Knauers Hundertjährigem Kalender, 1713/ 1893; siehe Abbildung)
- Hermes-Literaturliste zu Wetter-Astrologie, Astro-Meteorologie
- Kommt der nächste heiße Sommer? Astrologische Betrachtungen (Sylvia Grotsch, 2019)
- Kim Farnell: A Basic Guide to Astro-Meteorology (englischer Artikel, 2005)
- Englische Wikipedia: Agricultural astrology
- Historischer Überblick, von Aristoteles bis zu Sonnenflecken (2006)[11]
Literatur
- Alfred Max Grimm: Astrologisches Wetter-Lehrbuch (Astrometeorologie), 1952, Baumgartner Verlag Warpke
- Max Henker: Die Sterne wissen das Wetter - Vom heutigen Stand der Astrometeorologie, AKB Nr. 74, 1957, Baumgartner-Verlag
- Max Altmann: Entfernungswerte und Wetter. In: Kosmobiologie 32.Jhg./ Heft 12, Ebertin-Verlag, Aalen 1965
- Reinhold Ebertin: Deklinationsprallelen im Geburtsbild, Ebertin-Verlag, Freiburg 1976 (S. 13-18)
- Wolfgang Döbereiner: So wird das Wetter 1976. Heyne Verlag, München 1975
- Karl Sackl: Wetterastrologie. Die Wechselwirkung zwischen Klima – Mensch – Kosmos, 58 Seiten, 3 Abb. und zahlreiche Tabellen, Astronova Tübingen 2004, EAN 9783937077123, ISBN 3-937077-12-x / 978-3-937077-12-3
- Marek Hermann: Zur Astrometeorologie bei römischen Autoren. Sauerländer, Frankfurt/ M. 2005. In: Rheinisches Museum für Philologie. online PDF
- Alfred John Pearce: The weather guide-book, Astronomic-Meteorology, Simpkin, Marschall & Co, London 1864 online, Google - PDF free download
- George J. McCormack: Text-Book of Long Range Weather Forecasting, Astrology Center of America, 2012 (original 1947), 164 Seiten, ISBN 193330345X, 9781933303451
- McCormacks Buch wurde seinerzeit über Nacht berühmt, als er bereits im Frühling 1947 für die USA einen der härtesten Winter seit Jahrzehnten und besonders ausufernde Schneefälle für den 26. Dezember 1947 richtig vorhersah
- McCormack meint, dass die wichtigsten Konstellationen die sind, wenn ein Planet folgende Punkte erreicht:
- Perigäum (Erdnähe)
- Perihel (Sonnennähe)
- Apogäum (Erdferne)
- Aphel (Sonnenferne)
- „Perioden von 9 1/2 Jahren, wenn der Nördliche Mondknoten an einem Äquinoktium ankommt und die größte oder geringste nördliche Deklination innehat”
- Finsternisse der Sonne oder des Mondes
- Christine Keidel-Joura: Astrologie und Wetter, in: Meridian 2/2010, Seite 39f.
- Die Berechnung der Wetterentwicklung mithilfe der Astrologie ist eine sehr interessante Angelegenheit, mit der sich viele Aha-Erlebnisse erzielen lassen. Für das konkrete Vorgehen und das Erkennen größerer Wettertendenzen ist es dabei zunächst ratsam, das Horoskop für den Beginn des astrologischen Jahres zu erstellen, also den Moment, in dem sich die Sonne am Frühlingspunkt befindet. Zusätzlich zum Frühlingsanfangshoroskop sind aber auch weitere Horoskope wichtig, insbesondere das für den Beginn einer neuen Jahreszeit (Quartalshoroskope). Auch jenes für den Mondwechsel sowie die Tageskonstellation spielen eine große Rolle, wenn wir die Entwicklung des Wetters einschätzen wollen. Im Hinblick auf das Wetter spielen Aszendent, IC und MC die größte Rolle. Schöne Wetterkonstellationen können sich besser durchsetzen, wenn sich die jeweiligen Planeten in Konjunktion, Sextil oder Trigon zueinander befinden. Vollmond und Neumond bringen häufig Wetterwechsel - die sich aber im Normalfall erst ca. drei Tage nach Voll- oder Neumond durchsetzen.
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Alexander Seitz, Augsburg, 1520 (Titelseite)
- ↑ Kocku von Stuckrad, Geschichte der Astrologie, München 2007, S. 85
- ↑ James Herschel Holden, A History of Horoscopic Astrology. Tempe (USA) 1996, 2006 Abschnitt "Arabian Astrology" online
- ↑ Anlass war eine Große Konjunktion in den Fischen.
- ↑ Fritz Krafft: Johannes Keplers Antworten auf die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält; In: Antworten aus Keplers Schriften. Wiesbaden 2005 Download PDF
- ↑ Insbesondere auf der Chaldäischen Reihe
- ↑ In seiner „Wahren Astrologie”
- ↑ Mit Blitzbündel und Axt. Aus Samal (jetzt Zincirli), späthethitischer Stil; Pergamonmuseum, Berlin
- ↑ Nach Kim Farnell
- ↑ Knauer, Mauritius: Calendarium oeconomicum practicum perpetuum. Immerwährender curieuser Haus-Calender (1713)
- ↑ Zu Sonnenflecken siehe auch die Forschungen von Theodor Landscheidt, der u.a. davon ausging, dass das Magnetfeld Jupiters den Sonnenfleckenzyklus mit beeinflusse
- ↑ Ludwig Rudolph gehörte zur Hamburger Schule