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Eine Landkarte der Seele

Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin

Saturn

Saturn ist nach Jupiter der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems. Optisch ist er der Schönste von allen, klar abgegrenzt und kalt, wobei die ihn umgebenden Ringe sein auffallendstes Merkmal sind. Er hat seine eigenen Grenzen. In der Mythologie herrschte Saturn-Chronos über die alte Welt, die auch oft als das Goldene Zeitalter bezeichnet wird. Saturn verschlang seine Kinder sofort nach der Geburt, denn ein Orakel hatte ihm geweissagt, daß ihn eines von ihnen vom Thron stürzen werde. Er befürchtete, seine Autorität, Kontrolle und Macht zu verlieren. Letzten Endes wurde er natürlich tatsächlich von seinem Sohn Jupiter gestürzt und an die äußersten Grenzen des Sonnensystems verbannt.

Saturn ist ein Planet der Dunkelheit, der Kälte und des Todes. Er ist das Prinzip der Beschränkung und Begrenzung in Zeit und Raum. In diesem Sinn ist Saturn das Realitätsprinzip, denn keiner von uns kann sich der Tatsache entziehen, daß wir körperlich sterblich und durch unsere gegebenen Lebensumstände eingeschränkt und festgelegt sind. Als Herr über die Zeit herrscht Saturn über die uns zugemessene Lebensspanne und schneidet unseren Lebensfaden mit seiner Sense durch, wenn die Zeit gekommen ist. Anders als bei Jupiter gibt es bei Saturn kein „noch einmal Davonkommen“. Als Gott des Ackerbaus steht Saturn auch für den Gedanken des „Erntens, was wir gesät haben“. Wo Saturn seine Hand im Spiel hat, erreichen wir unsere Ziele keinesfalls, ohne im voraus geplant, die erforderlichen Vorbereitungen getroffen und die nötigen Arbeiten geleistet zu haben. Weisheit ist das Ergebnis von Alter, Erfahrung und Anerkennung realistischer Grenzen.

Saturn ist die Schwelle, die Grenze und die Ich-Struktur, ohne die wir in der Welt nicht wirksam sein könnten. Saturn ist auch als der große Lehrer bekannt, er bezeichnet die harte Arbeit und die schwierigen Lektionen, die wir brauchen, um unser Leben ungeachtet aller Hindernisse zu meistern. Er repräsentiert elterliche und andere Autoritätspersonen und all jene, die über das „Sollen und Müssen“ in unserem Leben bestimmen. Doch wenn wir die Lektionen Saturns lernen, gewinnen wir daraus unser eigenes Gefühl persönlicher Autorität und Verantwortlichkeit, das uns niemand mehr nehmen kann. Aus alchemistischer Sicht ist Saturn das Blei, ohne das kein Gold hergestellt werden kann.

Ein Saturn, der nur noch zynisch, kritisch und starrsinnig funktioniert, ist eine Verzerrung des Archetyps der praktischen Weisheit. Letzten Endes ist Saturn die Gabe der Selbstgenügsamkeit. Im Horoskop bezeichnet Saturn dasjenige, was wir ersehnen und von dem wir glauben, es sei uns vorenthalten worden. An dieser Stelle fühlen wir uns unbeholfen und unfähig, so als könnten wir gar nichts richtig machen. Saturn zeigt, was wir ernst nehmen und wo es uns eindeutig an Humor und Spontaneität fehlt. Wo Saturn ist, verhalten wir uns oft ausgesprochen abwehrend und ablehnend, denn gerade da sind wir besonders kritikempfindlich und haben Angst, uns eine Blöße zu geben. Obwohl uns die Grenzen Saturns beschützen, können sie im Extremfall auch zu starr werden und uns allzu sehr einschränken und ersticken. Wenn Jupiter zeigt, wo und wie wir uns zuversichtlich fühlen, dann zeigt uns Saturn, wo und wie wir furchtsam und verletzbar sind und wo wir Beschränkungen, Frustrationen und einen Mangel an Zuversicht erleiden. Saturn zeigt uns die harten Lektionen, die wir lernen müssen – wo wir nichts erreichen, solange wir nicht die nötige Anstrengung aufbringen. Saturn verdichtet und konzentriert, er legt alles bis auf die blanken Knochen bloß, er zeigt uns, wo wir realistisch werden müssen und wo wir schließlich lernen, unsere Grenzen zu akzeptieren.

Eine Abbildung aus Michael Maiers alchemistischem Text Atalanta fugiens (1618); sie zeigt die Transformation Saturns (der prima materia oder Ursubstanz) durch die calcinatio, einen Vorgang, bei dem Schlacke und schwarze Galle verbrannt werden.

Lassen Sie uns Saturn mit einigen der anderen Planeten zusammenbringen, um zu sehen, wie er sich in Aspektverbindungen verhält. Der Saturn-Mond-Kontakt kann jemanden zeigen, der emotional (Mond) gehemmt (Saturn) oder emotional (Mond) ausgehungert (Saturn) ist oder sich vor Unsicherheit (Mond) fürchtet (Saturn). Die Angst (Saturn) vor Bedürftigkeit (Mond) kann zu emotionaler (Mond) Selbstgenügsamkeit (Saturn) führen. Die Saturn-Mond-Persönlichkeit könnte Verantwortung (Saturn) für die Pflege (Mond) anderer übernehmen, diese Kombination kann aber auch ein Hinweis auf eine arbeitende (Saturn), ältere (Saturn) Mutter (Mond) sein. Oft treffen wir auf ein starkes Bedürfnis (Mond) nach Sicherheit und Geborgenheit (Saturn). Jemand mit einem Saturn-Venus-Kontakt könnte in Beziehungen (Venus) sehr vorsichtig oder gehemmt sein (Saturn), möglicherweise infolge eines Mangels (Saturn) an Selbstwertgefühl (Venus). Andererseits treffen wir auch auf große Verbindlichkeit (Saturn) in Beziehungen (Venus). Solche Menschen werden sich selbst gemäß ihrer Errungenschaften (Saturn) im Leben einschätzen (Venus), wobei es ihnen möglicherweise schwerfällt (Saturn), sich zu entspannen (Venus). Sie haben ein Verlangen danach (Venus), sich vor anderen zu beweisen (Saturn). Vergnügen (Venus) wird ernst genommen (Saturn), sozialer Status und Traditionen (Saturn), die sich über die Zeit hinweg bewährt haben (Saturn), werden hoch geschätzt (Venus).

Sowohl Sally als auch David haben Saturn-Mond- und Saturn-Venus-Kontakte im Horoskop. Wir haben bereits gesehen, daß David einen sanften Mond-Venus-Kontakt hat. Jetzt, da Saturn das Bild ergänzt, verstehen wir, daß er wahrscheinlich sehr vorsichtig und unverbindlich ist und einige Zeit abwartet, bevor er das Gefühl hat, dem anderen vertrauen zu können. In Sallys Fall haben wir dagegen gesehen, daß ihre Jupiter-Sonne-Mond-Venus-Mars-Kontakte reichlich überwältigend, übertrieben und unrealistisch sein können. Die Einbeziehung von Saturn wird der Sache eine gewisse Stabilität und Vorsicht verleihen, die sie in die Lage versetzt, ihre natürliche Begeisterung zu zügeln und ihre Vorstellungskraft in realistische Bahnen zu lenken, so daß etwas Nützliches und Effektives daraus wird.

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Das Buch"Mapping the Psyche"

Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com.
Copyright ©2005 by Clare Martin.
Mehr Informationen über das Buch.
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