|

Saturn ist nach Jupiter der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems.
Optisch ist er der Schönste von allen, klar abgegrenzt und kalt,
wobei die ihn umgebenden Ringe sein auffallendstes Merkmal sind. Er hat
seine eigenen Grenzen. In der Mythologie herrschte Saturn-Chronos über
die alte Welt, die auch oft als das Goldene Zeitalter bezeichnet wird.
Saturn verschlang seine Kinder sofort nach der Geburt, denn ein Orakel
hatte ihm geweissagt, daß ihn eines von ihnen vom Thron stürzen
werde. Er befürchtete, seine Autorität, Kontrolle und Macht
zu verlieren. Letzten Endes wurde er natürlich tatsächlich
von seinem Sohn Jupiter gestürzt und an die äußersten
Grenzen des Sonnensystems verbannt.
Saturn ist ein Planet der Dunkelheit, der Kälte und des Todes. Er
ist das Prinzip der Beschränkung und Begrenzung in Zeit und Raum.
In diesem Sinn ist Saturn das Realitätsprinzip, denn keiner von
uns kann sich der Tatsache entziehen, daß wir körperlich sterblich
und durch unsere gegebenen Lebensumstände eingeschränkt und
festgelegt sind. Als Herr über die Zeit herrscht Saturn über
die uns zugemessene Lebensspanne und schneidet unseren Lebensfaden mit
seiner Sense durch, wenn die Zeit gekommen ist. Anders als bei Jupiter
gibt es bei Saturn kein „noch einmal Davonkommen“. Als Gott
des Ackerbaus steht Saturn auch für den Gedanken des „Erntens,
was wir gesät haben“. Wo Saturn seine Hand im Spiel hat, erreichen
wir unsere Ziele keinesfalls, ohne im voraus geplant, die erforderlichen
Vorbereitungen getroffen und die nötigen Arbeiten geleistet zu haben.
Weisheit ist das Ergebnis von Alter, Erfahrung und Anerkennung realistischer
Grenzen.
Saturn ist die Schwelle, die Grenze und die Ich-Struktur, ohne die
wir in der Welt nicht wirksam sein könnten. Saturn ist auch als der
große Lehrer bekannt, er bezeichnet die harte Arbeit und die schwierigen
Lektionen, die wir brauchen, um unser Leben ungeachtet aller Hindernisse
zu meistern. Er repräsentiert elterliche und andere Autoritätspersonen
und all jene, die über das „Sollen und Müssen“ in
unserem Leben bestimmen. Doch wenn wir die Lektionen Saturns lernen,
gewinnen wir daraus unser eigenes Gefühl persönlicher Autorität
und Verantwortlichkeit, das uns niemand mehr nehmen kann. Aus alchemistischer
Sicht ist Saturn das Blei, ohne das kein Gold hergestellt werden kann.
Ein Saturn, der nur noch zynisch, kritisch und starrsinnig funktioniert,
ist eine Verzerrung des Archetyps der praktischen Weisheit. Letzten Endes
ist Saturn die Gabe der Selbstgenügsamkeit. Im Horoskop bezeichnet
Saturn dasjenige, was wir ersehnen und von dem wir glauben, es sei uns
vorenthalten worden. An dieser Stelle fühlen wir uns unbeholfen
und unfähig, so als könnten wir gar nichts richtig machen.
Saturn zeigt, was wir ernst nehmen und wo es uns eindeutig an Humor und
Spontaneität fehlt. Wo Saturn ist, verhalten wir uns oft ausgesprochen
abwehrend und ablehnend, denn gerade da sind wir besonders kritikempfindlich
und haben Angst, uns eine Blöße zu geben. Obwohl uns die Grenzen
Saturns beschützen, können sie im Extremfall auch zu starr
werden und uns allzu sehr einschränken und ersticken. Wenn Jupiter
zeigt, wo und wie wir uns zuversichtlich fühlen, dann zeigt uns
Saturn, wo und wie wir furchtsam und verletzbar sind und wo wir Beschränkungen,
Frustrationen und einen Mangel an Zuversicht erleiden. Saturn zeigt uns
die harten Lektionen, die wir lernen müssen – wo wir nichts
erreichen, solange wir nicht die nötige Anstrengung aufbringen.
Saturn verdichtet und konzentriert, er legt alles bis auf die blanken
Knochen bloß, er zeigt uns, wo wir realistisch werden müssen
und wo wir schließlich lernen, unsere Grenzen zu akzeptieren.
Eine Abbildung aus Michael Maiers alchemistischem
Text Atalanta fugiens (1618); sie zeigt die Transformation Saturns (der
prima materia oder Ursubstanz) durch die calcinatio, einen Vorgang, bei
dem Schlacke und schwarze Galle verbrannt werden.
Lassen Sie uns Saturn mit einigen der anderen Planeten zusammenbringen,
um zu sehen, wie er sich in Aspektverbindungen verhält. Der Saturn-Mond-Kontakt
kann jemanden zeigen, der emotional (Mond) gehemmt (Saturn) oder emotional
(Mond) ausgehungert (Saturn) ist oder sich vor Unsicherheit (Mond) fürchtet
(Saturn). Die Angst (Saturn) vor Bedürftigkeit (Mond) kann zu emotionaler
(Mond) Selbstgenügsamkeit (Saturn) führen. Die Saturn-Mond-Persönlichkeit
könnte Verantwortung (Saturn) für die Pflege (Mond) anderer übernehmen,
diese Kombination kann aber auch ein Hinweis auf eine arbeitende (Saturn), ältere
(Saturn) Mutter (Mond) sein. Oft treffen wir auf ein starkes Bedürfnis
(Mond) nach Sicherheit und Geborgenheit (Saturn). Jemand mit einem Saturn-Venus-Kontakt
könnte in Beziehungen (Venus) sehr vorsichtig oder gehemmt sein
(Saturn), möglicherweise infolge eines Mangels (Saturn) an Selbstwertgefühl
(Venus). Andererseits treffen wir auch auf große Verbindlichkeit
(Saturn) in Beziehungen (Venus). Solche Menschen werden sich selbst gemäß ihrer
Errungenschaften (Saturn) im Leben einschätzen (Venus), wobei es
ihnen möglicherweise schwerfällt (Saturn), sich zu entspannen
(Venus). Sie haben ein Verlangen danach (Venus), sich vor anderen zu
beweisen (Saturn). Vergnügen (Venus) wird ernst genommen (Saturn),
sozialer Status und Traditionen (Saturn), die sich über die Zeit
hinweg bewährt haben (Saturn), werden hoch geschätzt (Venus).
Sowohl Sally als auch David haben Saturn-Mond- und Saturn-Venus-Kontakte
im Horoskop. Wir haben bereits gesehen, daß David einen sanften
Mond-Venus-Kontakt hat. Jetzt, da Saturn das Bild ergänzt, verstehen
wir, daß er wahrscheinlich sehr vorsichtig und unverbindlich ist
und einige Zeit abwartet, bevor er das Gefühl hat, dem anderen vertrauen
zu können. In Sallys Fall haben wir dagegen gesehen, daß ihre
Jupiter-Sonne-Mond-Venus-Mars-Kontakte reichlich überwältigend, übertrieben
und unrealistisch sein können. Die Einbeziehung von Saturn wird
der Sache eine gewisse Stabilität und Vorsicht verleihen, die sie
in die Lage versetzt, ihre natürliche Begeisterung zu zügeln
und ihre Vorstellungskraft in realistische Bahnen zu lenken, so daß etwas
Nützliches und Effektives daraus wird.

|