Schwimmcoaching
Kolumne von Barbara Hutzl-Ronge
Ein Schwimmcoaching? Das ist bei den Temperaturen wohl das Letzte,
was wir brauchen! Wer nicht schwimmen kann, lernt's via Internet
auch nicht, und alle anderen köpfeln elegant ins kühle Nass - und
los geht's. Sind Sie sicher? Denn je nachdem, welchen Schwimmstil
Sie pflegen, könnte es in nächster Zeit gar nicht so einfach sein,
vorwärts zu kommen.
Selbstverständlich geht's hier nicht um die Badefreuden im See,
sondern darum, dass ab dem 17. Juni Mars durch die Fische läuft.
Oder schwimmt er gar? Brauchen wir dafür ein Schwimmcoaching? Ich
meine ja, denn was uns bevorsteht, ist kein kurzer Badeplausch,
sondern ein Schwimmmarathon, gegen den Ironmanstrecken sich geradezu
niedlich ausnehmen. Mars, der üblicherweise ein Sternzeichen in
sechs bis sieben Wochen durchläuft, wird bis Mitte Dezember (ja,
Sie haben richtig gelesen, das ist kein Druckfehler!) in den Fischen
rumtümpeln. Warum? Weil alle zwei Jahre Mars eine rückläufige Phase
erlebt, und diesmal durchläuft er sie in den Fischen.
Also, ich organisiere mir ein Beiboot, lege mir ausreichend Proviant
parat, kaufe mir einen sportlichen Badeanzug - und betrachte meinen
Terminkalender aus der wässrigen Perspektive. Wenn ich das nicht
tue, dann weiss ich jetzt schon, dass ich vor Ärger rot anlaufen
werde, und das möchte ich mir ersparen. Als Widderfrau entscheide
ich nämlich gern spontan und mag das, was mir grad in den Sinn kommt,
auch möglichst schnell durchziehen. Wenn nun von der aktuellen Zeitqualität
(durch den Fischemars) eine viel langsamere Vorgehensweise angesagt
ist, dann macht mir ein solcher Transit eh schon zu schaffen, einfach
weil ich mich in meinem mir üblichen Tempo gebremst fühle. Stellen
Sie sich doch mein Symboltier, einen Widder, statt auf der Weide
mitten in einem Teich vor. So ohne Bodenhaftung ist das Vorwärtskommen
für einen Widder einfach mühsam. Die Stösse, die der Widder - und
ich! - so gern ausführt, die sind schon gar nicht möglich! Enervierend.
Ausserdem geht die Planscherei nicht sechs Wochen lang, sondern
sechs Monate! - Neidvoll blicke ich auf die Fische, die nun in ihrem
Element sind.
Jedes Sternzeichen wird auf seine Weise auf diese wässrige Zeit
reagieren: Krebse und Skorpione könnten gut damit zurecht kommen.
Zwillinge, Schützen, Wassermänner und Widder werden diese fischige
Zeit zu lahm finden. Jungfrauen fürchten vielleicht um ihre Bodenständigkeit,
wenn die Fische ihr Fundament anknabbern. Stiere und Steinböcke
sind gegen dererlei Fluten - samt Bewohnern - gewappnet und sehen
ihnen daher gelassen entgegen. Löwen und Waagen werden sich irritiert
fragen, wohin ihre Felle schwimmen, bis es ihnen zum Glück gelingt,
sie wieder einzufangen. Und die Fische? Die sind wahrlich in ihrem
Element. Endlich haben sie für alles so lange Zeit, wie sie gerne
hätten und dürfen in ihre Entscheidungen fast unendlich lang hineinspüren.
Ja, sie werden es fein haben, wenn es ihnen gelingt, die Ungewissheit
auszuhalten, die mit solchen Hinundher-Entscheidungen verbunden
ist.
Ja und selbstverständlich hängt, wie jeder Einzelne diese Zeit
empfinden wird, auch ganz stark davon ab, wie das persönliche Horoskop
bestellt ist.
Sie können nun zweierlei tun: Sie können entweder ganz von sich
ausgehen und schauen, was dieser langsam dahintümplende Mars in
Ihrem Horoskop auslöst und sich dafür Ihr persönliches Schwimmcoaching
holen.
Sie können sich aber auch ganz allgemein auf eine Zeit einstellen,
in der alles etwas langsamer und geruhsamer passieren wird, in der
Entscheidungen nicht einfach vom Kopf her getroffen werden, sondern
in der es plötzlich angesagt ist, in sie "hineinzuspüren". Sie können
sich auf eine Zeit einrichten, in der vor allem im August und September
viele Menschen das, was sie davor entschieden haben, wieder in Frage
stellen werden, weil sie prüfen wollen, ob "es" für sie "stimmt".
Und danach werden manche ihre Entscheidungen umwerfen oder sie doch
beibehalten - und alles verbunden mit vielen Emotionen, die keine
Grenzen kennen.
Dieses Hinundher wird für diejenigen, die es selber nicht betrifft,
also für aussenstehende BetrachterInnen, schwer nachvollziehbar
sein. Vor allem dann, wenn sich im Oktober und November herausstellen
sollte, dass die erste, über den Haufen geworfenen Entscheidung
sogar die richtige gewesen war. (Da ist dann aber Geduld ein kostbares
Gut!) Für die, die dieses Hinundher jedoch selber erleben und in
sich spüren, ist es enorm wichtig, den auftauchenden Fragen und
damit verbundenen Gefühlen nachgehen zu können. 
Verstehen Sie nun, warum ich bewussten Sinns in diese wässrige
Zeit schwimmen will? Weil diese Monate einfacher auszuhalten und
sinnvoller zu nutzen sein werden, wenn wir die Verlangsamung und
etwaige Verzögerungen schon miteinplanen.
Wer sich im Terminkalender "wässrige Löcher" lässt, der kommt nicht
unter Druck. Egal, ob es plötzlich eigene Gefühle sind, die Beachtung
brauchen, oder ob sich die Pläne durch andere verzögern, die halt
langsamer oder anders agieren, als geplant. Wer sich darauf einstellt,
dass nun ein langer Atem vonnöten ist, hat mehr Sauerstoffflaschen
vorbereitet und wird nicht atemlos. Und wer genügend leckeren Proviant
auf einem Beiboot für diese lange Reise dabei hat, kann sich's sogar
recht gemütlich machen und - mit anderen zusammen oder allein -
die verträumt genüsslichen Seiten dieser Zeit entdecken.
© Barbara
Hutzl-Ronge / Astrodienst AG 04/2003 |