Planetenkind
Als Planetenkinder wurden in der antiken und mittelalterlichen Astrologie die Zuordnung der Menschen zu den Planeteneigenschaften entsprechend der Planetenstunde ihrer Geburtszeit verstanden.
Astrologie
Auch wenn die Einteilung der Planetenstunden nicht mit bestimmten astronomischen Tatsachen korrespondiert, sondern auf der - relativ willkürlichen - Einteilung der Woche beruht, fand sie früher rege Verbreitung. Die jeweiligen Planetenstunden wurden dann als besonders wirksam betrachtet, wenn die Sonne gleichzeitig im Domizil eines Planeten stand. In der gegebenen starken Einseitigkeit scheint es, dass das Konzept der damaligen Trivialastrologie zuzuordnen ist. Die Beschreibungen entsprechen nämlich vollkommen den Klischees, die heute noch von den Planeten existieren, bzw. stellen eine ziemliche Schwarz-Weiß-Malerei dar.
Planeten (Brenner)
Nachfolgend werden die Eigenschaften der Planetenkinder wiedergegeben, wie sie Sebastian Brenner im dritten Teil seines Werks "Das groß Planeten-Buch" beschrieb[2]. Die Abbildungen sind ebenfalls aus diesem Buch.
Saturn
Die Kinder Saturns haben folgende Eigenschaften: Sie werden träge, schwermütige Menschen mit einem dünnen Bart, bleicher gelber Farbe, schwarzem dichtem festem Haar auf dem Haupt. Sie sind hochmütig, fangen viel an aber führen keine Sache so recht zu einem Ende. Saturns Kinder sind stolzen hochmütigen Sinnes, wollen über anderen Leuten stehen, werden selten reich. Sie wohnen gern am Wasser, sind von Natur aus diebisch und räuberisch, neidisch und gehässig, töten gerne und haben Pech in allen ihren Tätigkeiten. Sie haben viel unreine Hitze, werden schnell krank. Sie sind nicht leicht zu erzürnen doch lässt ihr Zorn nicht bald nach. Er ist lügnerisch, hat tiefliegende Augen wie ein Mörder, einzelgängerisch, zieht gerne schwarze Kleidung an, wird schnell grauhaarig, hat als Mann keine Liebe zu Frauen, führt gerne Selbstgespräche.
Jupiter
Wird ein Kind zur Stunde Jupiters geboren, wird es vernünftig, weise, doch geht es mit seiner Vernunft nicht gut um, neigt dazu, Leib und Seele zu verspielen. Er kann sich mit falschen Absichten freundlich zeigen. Es hat ein schönes, breites Gesicht, eine schlechte Nase, lange Haare, ist barmherzig, führt heimliche Liebschaften. Es mag wohlschmeckende Speisen, ist fröhlich, tut nur dann etwas Gutes wenn man es ausdrücklich darum bittet, hat viele Geheimnisse. Es sollte Acht geben, andere auch an seinen Reichtümern teilhaben zu lassen.
Mars
Wird ein Kind zur Stunde des Mars geboren, bekommt es rotes krauses Haar, wird zornig, bekommt ein sptzes Gesicht, rot und schwarz gemischt, kleine Augen, neigt zu Pickeln, einen großen Mund der entweder leicht offen steht oder vor Bosheit zugepresst ist. Es hat lange Zähne, rühmt sich seiner Bosheiten, ist spöttisch, gefräßig, leugnet gerne seine eigenen Aussagen, sieht niemand in die Augen, lacht selten, außer es hat eine Bosheit vollbracht, ist immer zur Stelle wenn es darum geht anderen Schaden zuzufügen. Es ist allen gebildeten Menschen feind, ist ungern bei frommen Menschen. Er hat einen kleinen, mageren Leib, lässt nichts ungerächt. Seine Natur ist geneigt zu rauben, brandschatzen, erstechen, henken und zu aller Bosheit. Es stirbt selten eines natürlichen Todes. Es hat oft Kopfweh, begehrt Sexuelles viel zu stark ohne jedoch zu lieben. Wird selten alt.
Sonne
Ein Kind, das zur Stunde der Sonne geboren ist, wird im Leben zu hohen Ehren kommen und erhöht werden. Egal ob Junge oder Mädchen wird es hübsch und aufrichtig im Angesicht, wahrhaftig, vernünftig und klug sein. Es wird nur ungern über Schwäche hören. Wenn es verletzt ist wird es nur langsam wieder gesund.
Hat als Mann Brustbehaarung, ist mildtätig und ehrlich, tut niemand Unrecht, ist großherzig, hat einen schönen Bart. Er ist kunstsinnig, zwar jähzornig, doch hat er den Grund leicht vergessen. Er liebt die Frauen, hasst böse Menschen, mag schöne Kleider.
Venus
Wird ein Kind zur Stunde der Venus geboren, wird es unfruchtbar, geil und unkeusch. Wenn es eine Tochter ist, ist Prostitution zu befürchten. Der Mensch ist meist kalter Natur, hat keine rechte Liebe zu irgend jemandem, wechselt Beziehungen wie das Handtuch und hat ein ausschweifendes Leben.
Ist es ein Mann, wird er ein Weiberheld, ist es aber eine Frau, der Schwarm aller Männer.
Es sind weiche Menschen, in Wissensdingen eher zweifelnd und dennoch eigentlich nie unentschieden. Der Mensch hat eine sittsame und züchtige Ausdrucksweise, fröhlich und gesprächig, aber auch beleidigend. Er liebt die Musik, ist eifrig beim Musizieren, legt Wert auf gepflegte Kleidung. Wenn sie jedoch nichts besitzen, rauben sie es sich und werden dadurch nicht selten gehenkt. Steht die Sonne im Stier und in der Waage, sind die Venusstunden besonders aussagekräftig.
Merkur
Ein Kind zur Stunde Merkurs geboren, wird redegewandt werden und wissend. Es ist oft bleich, studiert gern, ist still und zurückhaltend, hat immer einen guten Rat und keinerlei Bosheit im Sinn.
Mond
Ein Kind, das zur Stunde des Mondes geboren ist wird einen unsteten Lebenswandel haben, lässt sich von niemandem etwas sagen, gehorcht niemandem, begeht manchmal Selbstmord, hat selten Glück in weltlichen Dingen. Es mag sein Glück nicht erwarten, stirbt oft in der Jugend. Er hat oft dunkle Augen, schielt meist, wird oft krank, geht meist gebückt, ist von kalter Natur, selten fröhlich. Es ist wahrhaftig, leicht zornig jedoch nicht nachtragend, begehrt keine fremden Güter, wird selten alt. Er ist oft Kaufmann oder Seemann, sein Gesicht ist blass, kann von Glück reden wenn er keine Entstellung davon trägt. Er wird bald grau; glaubt fest an die weltlichen Dinge.
Moderne literarische Version (Schmitz)
Oscar A.H. Schmitz verarbeitete die Planetenkinder in einem Roman: Herr von Pepinster und sein Popanz, Geschichten vom Doppelleben. Georg Müller, München 1915
Schmitz über das Buch: "Der Schauplatz der Geschichte ist der geheimnisvolle Berg Montsalvat in Katalanien, den ich im Frühjahr von Barcelona aus besucht hatte. Dort trifft der Held mit einer sehr sonderbaren Gesellschaft von sieben typischen Personen zusammen, von denen jede ihn an etwa ein halbes Dutzend früherer Bekannter und Freunde erinnert. Schließlich kommt er bei der unfreiwlligen Belauschung eines nächtlichen Gesprachs dahinter, dass diese Personen sieben griechische Götter sind, dieselben die ich ... als die astrologischen Urprinzipien kannte. Dem Amerikaner habe ich in Lord Jove [4] ein Denkmal gesetzt. Die Geschchte endigt damit, dass der Held, der in hoffnungsloser innerer Zerrissenheit in das Kloster Montsalvat geflohen war, von Merkur die Erklärung erhält, dass sein Zustand den kreuz- und Quereinflüssen jener Götter zuzuschreiben ist."[5]
Weblinks
- Die Planetenkinder bei Wikipedia
- pascua.de/planetenkinder (ausführliche Seite von Reinhard Hirth, mit Abbildungen; 2012)
Literatur
- Annett Klingner: Die Macht der Sterne. Planetenkinder - ein astrologisches Bildmotiv in Spätmittelalter und Renaissance, 554 Seiten, ARTE Verlag, Berlin 2017, ca. 600 Abbildungen, ISBN-10: 3000576886 ISBN-13: 978-3000576881 PDF online
- Viktor Stegemann: Aus einem mittelalterlichen deutschen astronomisch-astrologischen Lehrbüchlein: Eine Untersuchung über Entstehung, Herkunft und Nachwirkungen eines Kapitels über Planetenkinder. Reichenberg 1944. (Prager deutsche Studien 52) PDF online (bei top-astro.de)
- Heinz Artur Strauß: Zur Sinndeutung der Planetenkinderbilder. In: Münchener Jahrbuch der Bildenden Kunst, NF. 2, 1927, S. 48-54
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Aus dem Heidelberger Schicksalsbuch. Regensburg, nach 1491
- ↑ Brenner, Sebastian: Das Groß Planeten-Buch/ Sammt der Geomanici/ Physiognomi und Chyromanci: Darinnen was dem Menschen für Glück/ Unglück/ Reichthum/ Armut/ gut und böse Zeit begegnen soll ...; Alles auß Platone/ Ptolomeo/ Hali/ Albumasar/ Barlaam und Joanne Künigsperger ... zusammen gezogen . Straßburg Städel 1544, 1550, 1552, 1554, 1556, 1559, 1674; Frankfurt Gülfferich 1553; Leipzig 1724.
- ↑ Mittelalterliches Hausbuch der Grafen von Waldburg Wolfegg, fol. 17r, ca. 1470. Koloriert von Adam McLean
- ↑ Alias Jupiter
- ↑ Schmitz, Geist der Astrologie 1992, S. 32
- ↑ Francesco del Cossa: Monatsbilder in Ferrara (Ausschnitt). 1385 gemalt.
- ↑ Spätmittelalterliches Monatsbild April. Französische Handschrift MS verso