Los
Die sogenannten Lose beziehen sich allesamt auf den Glückspunkt, den traditionellsten und heute noch bekanntesten der sensitiven Punkte. In der nachfolgenden Ausführung der Lose ist auch der Grund dafür zu suchen, dass der Glückspunkt oftmals als der Lospunkt schlechthin bezeichnet wird.
Die Summe aller zwölf Lospunkte nannte man auch das Glücksrad.
Manilius führt in seiner Astronomica[2] aus, dass, ausgehend von dem Glückspunkt, elf weitere sensitive Punkte gefunden werden, ein jeder genau dreißig Grad vom vorangehenden entfernt. Diese nannte er "die Lose", und ordnet sie jeweils unterschiedlichen Themen zu. Der Begriff "Los" wurde gewählt, weil er als Synonym für "das Schicksal" üblich war. Insofern werden hier also zwölf Schicksale aufgezeigt, gebunden an die sensitiven Punkte, ausgehend vom Mondknoten. An späterer Stelle bezeichnete er sie noch als die zwölf "Wettkämpfe", verstand sie also also wie Bewährungsproben, die jeder Mensch zu bestehen habe.
Es ergeben sich nicht zufällig etliche Parallelen und Ähnlichkeiten mit der Anordnung der Häuser; allerdings bezeichnete er die Lose selbst nicht als "Häuser", auch wenn sie, in seiner Beschreibung, für das jeweilige Tierkreiszeichen Gültigkeit haben, in dem das betreffende Los zu finden ist.
Robert Zoller[3] sieht diese Lose als zusätzliche sensitive Punkte, wobei es bei Manilius so scheint, als würde er sie wie zwölf eigene Häuser sehen, die vom jeweiligen Lospunkt ausgehend das Los der folgenden dreißig Grad bestimmen.
Manilius legt großen Wert darauf, dass für diese Art der Verwendung des Glückspunktes die Unterscheidung in Tag- und Nachtgeburt erforderlich sei. Die genaue Berechnung ist beim Glückspunkt beschrieben.
| Punkt | Schlagwort | Erläuterung von Manilius | Erläuterung von Zoller |
|---|---|---|---|
| 1. Los | Glück | Fortuna; Sockel, schließt alle häuslichen Dinge mit ein | Glück, das Gegebene, von dem aus der Geborene arbeiten muss (die 1, der Ausgangspunkt). |
| 2. Los | Absicherung | Kriegsdienst; was immer im Kriege und in fremden Städten weilenden Menschen gewöhnlich zustößt | Antipathie zum 1. Los (die 2, das Gegenprinzip). |
| 3. Los | Geschäfte | Die der Redlichkeit dienenden Bande, Freundschaften, freundschaftliche Verpflichtungen; Lohn der Beschäftigung | Wechselseitige Abstimmung und Aktivität (die 3, das Vermittelnde). |
| 4. Los | Rechtfertigung | Gericht; Arbeiten vor den Gerichten, Erfolg im Forum, der Anwalt, der Beklagte, der Laie, der Richter: allgemein die Beredsamkeit bei Gesetzesbesprechungen | Zoller übersetzt diesen Punkt als "Plädoyer", die 4 steht nach Zoller für Abwägen vor einer Urteilsfindung. |
| 5. Los | Liebe und Ehe | Auch Bundesgenossen, Freunde, Bündnisse mit Gleichgesinnten | "Heirat"; die 5 ist für Zoller die Vereinigung der 2 (gerade Zahl) mit der 3 (ungerade Zahl). |
| 6. Los | Vermögen | Erhaltung des Reichtums, welchen Ertrag oder welchen dauernden Nutzen er bringt | Laut Zoller "Fülle", Fortpflanzung und reiche Fruchtbarkeit (2 x 3). Die 6 als Schöpfungszahl. |
| 7. Los | Böse Gefahren | Gefahr, da diesem Haus, ähnlich der Dualität der 2, ein Gegenentwurf zugrunde liegt: es ist das Oppositionshaus. | |
| 8. Los | Ruhm | Stellung im Amt, Art des Ruhms, Abstammung, der schöne Schein | Widerspiegelung der Wünsche des Menschen als Ausdruck der Zahl 8. |
| 9. Los | Kinder | Schicksal der Kinder, Ängste der Eltern, Erziehung des Kindes | Die 9 ist nach Zoller die Manifestation. |
| 10. Los | Lebensführung | Charakter, bestimmt auch darüber, nach welchem Muster sich jedes Haus gestaltet und die Zusammenarbeit jener untereinander. | Entsprechend der Natur der Zehnheit im Zusammenhang mit der Manifestation. |
| 11. Los | Konstitution | Ob kränklich oder von Krankheit übermannt, Befinden. Heilungsmethoden und Therapien. | Auflösung: hier treffen zwei Einheiten aufeinander, die sich nicht vereinen lassen, hieraus kommt laut Zoller Krankheit, aber auch Genesung. |
| 12. Los | Erreichbare Glücksgüter | Wünsche, und was sich jeder als Traumberuf vorstellt. Hier werden günstige Tage und Augenblicke vergeben. | Summe der Vorhergehenden, kann wie die Fische "Abfalleimer" oder auch der Ruheort des Glücks der vorangegangenen Punkte sein. |
Die Ähnlichkeit mit den Häusern ist hier zwar deutlich erkennbar, doch manchmal gibt es erstaunliche, wenn auch nachvollziehbare Abweichungen:
- So steht etwa das neunte Haus für die Kinder, und da das neunte Zeichen, Schütze, u.a. "die (Ver-)Mehrung" bedeutet, ist dies einleuchtend.
- Ebenso die Zuordnung des siebten Loses, des "Gegenübers", vgl. die Waage/ das siebte Haus), nämlich das, was einem von außen zustößt - nur sieht Manilius dies eher negativ bzw. als Bedrohung.
- Das achte Los wird im Vergleich zum achten Zeichen (Skorpion) bzw. achten Haus sehr positiv und vorteilhaft gezeichnet. Doch da dieses Haus auch als die "gesellschaftlichen Werte" überschrieben wird, ist ein Zusammenhang zum achten Los zumindest erkennbar.
Um die Güte eines Loses zu erkennen, ist nach Manilius zudem nicht nur die Stellung im Tierkreis, sondern auch seine Aspektierung durch Planeten zu beachten.
Weblinks
- Introduction to Hellenistic Astrology (2) - Annual Profections, Lots, and Zodiacal Releasing (Chris Brennan, 2019)
- The Astrological 'Parts' in Action (David McCann 1995/ 2004)
- Al Biruni's List of Parts (Deborah Houlding, 2004; englisch)
- On the Lot of Daimon (Interview with Martien Hermes, 2021; 1h12)
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Alchemistische Darstellung des Glücksrads
- ↑ Manilius: Astronomica - Astrologie. Lateinisch/ Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Wolfgang Fels. Reclam Buch Nr. 18555 1990; ISBN 978-3150185551. Buch 3, Verse 43-202
- ↑ Robert Zoller: Astrologie und Zahlenmystik. Die arabischen Punkte im Horoskop. Hugendubel Verlag München 1989, ISBN 3880344124
- ↑ In: Paul of Alexandria (4. Jahrhundert); Illustration von Chris Brennan