Gunter Sachs

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Gunter Sachs
Radix von Sachs für 7 Uhr

Der deutsche Fotograf, Dokumentarfilmer, Kunstsammler und Astrologieforscher Gunter Sachs wurde am 14.11.1932 um 4 oder 7 Uhr auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt geboren.[1]

Er beging am 6.5.2011 Selbstmord in seinem Schloss im Schweizer Gstaad.[2]

Biographie

Sachs ist Enkel des deutschen Firmengründers Ernst Sachs (Fichtel & Sachs, heute ZF Sachs). Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in der Schweiz. In Lausanne studierte er Mathematik und Wirtschaft, bei Bosch in Stuttgart ließ er sich zum Feinmechaniker ausbilden, anschließend folgte eine Lehre als Bankkaufmann bei der Commerzbank in München. Später erwarb er sich an der Universität Nantes noch ein Diplom als Dolmetscher[3] Die frühe Liebe zur Mathematik verließ ihn nie, und sein logisches Denkvermögen war ihm zeitlebens sehr wichtig.

Sein beruflicher und persönlicher Lebensweg war bewegt und facettenreich: Als Industrieller, Sportsmann, Kunstsammler, Modemacher, Dokumentarfilmer, Photograph und Autor machte er von sich reden. Er produzierte fünf Dokumentarfilme, darunter "Happening in White", welcher im Jahr 1972 mit dem Ersten Preis des Internationalen Olympischen Komitees ausgezeichnet wurde. 1974 lud ihn die Photokina zu seiner ersten Fotoausstellung ein; inzwischen wurden seine Bilder in mehr als dreißig internationalen Ausstellungen gezeigt.

Über vier Jahrzehnte war er Präsident des Bob Club und Vice-President des Cresta Club von St. Moritz, 1974 gründete er als "Founder President" den Dracula Club. Sachs flirtete mit Soraya, eroberte Brigitte Bardot, traf die Kennedys und Dali, war befreundet mit Gianni Agnelli, Andy Warhol, Francis Crick oder Coco Chanel. Jenseits seines Rufes als Playboy, der ihn immer umgab, war er fast vierzig Jahre mit seiner schwedischen Frau Mirja glücklich verheiratet.

Animiert, sich später selbst mit der Astrologie zu befassen, wurde er in den 1970er Jahren durch Roland Jakubowitz[4].

Da er an Alzheimer erkrankt war und sich in seiner Kommunikationsfähigkeit zunehmend eingeschränkt sah, bzw. den Verlust seines logischen Denkens befürchtete, schied er am Ende freiwillig aus dem Leben (Angabe aus seinem Abschiedsbrief.[5])

"Die Akte Astrologie"

"Akte Astrologie"

Gemeinsam mit einem Team von Mathematikern und Statistikern überprüfte Sachs 1994 die Aussagen der Sonnenzeichen-Astrologie. Zwar gab es bereits zuvor Untersuchungen wie die des Mars-Effektes von Michel Gauquelin; das Neue an Sachs’ Forschung waren jedoch die enormen Datenmengen, auf deren Grundlage er seine Auswertungen durchführen konnte.

Er gründete ein "Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie" in Bezug auf das Verhalten von Menschen und deren Anlagen (IMWA).

In statistischen Untersuchungen mit über zwanzig Millionen schweizerischen, englischen, deutschen und französischen Daten, die 1997 in dem Band "Die Akte Astrologie" veröffentlicht wurden, konnten signifikante Zusammenhänge zwischen den sogenannten Sonnenzeichen und verschiedenen Verhaltensweisen festgestellt werden, etwa bei Eheschließung, Berufswahl, Verkehrsverhalten oder der Neigung zum Suizid. Als Resümmee schreibt Sachs auf Seite 14:

""Am Ende unserer Arbeit, nach der Computer-Auswertung von Millionen Daten, steht so der statistische Nachweis, dass Sternzeichen in allen von uns untersuchten Bereichen einen gewissen Einfluss auf das Verhalten von uns Menschen ausüben."

Das Buch enthält darüber hinaus einen Anhang mit den Ergebnissen einer von Sachs beim Institut für Demoskopie Allensbach in Auftrag gegebenen Studie zum Thema Tierkreiszeichen, mit einem Vorwort von Elisabeth Noelle-Neumann. "Die Akte Astrologie" stand 21 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste, und wurde in England für den Astrological Research Award nominiert. 1998 erschien es in englischer, im Jahr 2000 in französischer Sprache.

Unter den Lesern der "Akte Astrologie" findet sich auch Kary B. Mullis, Nobelpreisträger für Chemie. Der kalifornische Biochemiker zeigt sich besonders beeindruckt von den enormen Datenmengen und der Exaktheit der Berechnungen. Mullis und Sachs entschlossen sich 2007 zu einer umfassenden Forschung über den Gehalt und die Wirkung astrologischer Einflüsse. Es ist bemerkenswert, dass ein hochrangiger Naturwissenschaftler an einem solchen Projekt teilnahm. Mullis urteilte: "Wenn ein so großes Thema existent und augenscheinlich messbar ist, scheint es doch unverständlich, warum die wissenschaftliche Welt es bislang versäumt hat, sich der Astrologie anzunehmen".

Rezeption

Statistiker[6] kommen bezüglich der Beurteilung der tatsählichen Aussagekraft der Studie jedoch zu unterschiedlichen Einschätzungen.

  • Der Statistiker Herbert Basler‚ damaliger Direktor am Institut für Angewandte Mathematik und Statistik der Universität Würzburg, übte 1998 Kritik insbesondere an den statistischen Auswertungsmethoden des Instituts Allensbach sowie an Gunter Sachs, dass er - unwissentlich - Scheinzusammenhänge dargestellt habe.[7]
  • Im gleichen Jahr bescheinigten andererseits Jürgen Chlumsky und Manfred Ehling vom Statistischen Bundesamt in einer privaten im Auftrag von Sachs erstellten Expertise ihm eine saubere Methodik sowie eine korrekte Interpretation der Ergebnisse: „Nach den Analysen von Gunter Sachs ist anzunehmen, dass mit den Sternzeichen zusammenhängende Merkmale einen Einfluss auf den Menschen ausüben, der nicht nur durch den Zufall erklärbar ist.“[8]
  • Eine Analyse von Sachs’ Daten aus dem Jahre 2003 kommt zu dem Ergebnis, dass seine Analysen und Ergebnisse fehlerhaft sind und daher als wissenschaftliches Material keinen Nutzen besitzen.[9]

Kritik an der Studie wurde auch von astrologscher Seite geäußert: Peter Niehenke[10] bezeichnete die Arbeit von Sachs wegen der seiner Meinung nach aus den statistischen Ergebnissen gezogenen unzulässigen Schlussfolgerungen als „statistisch interessant, aber astrologisch irrelevant“. Gerade bei der Sonnenzeichenastrologie sieht Niehenke eine starke Überlagerung der tatsächlichen physikalisch-biologischen Auswirkungen der Jahreszeiten mit derjenigen der Tierkreiszeichen, was prinzipiell bei dieser vereinfachten astrologischen Herangehensweise zu wenig aussagekräftigen Ergebnissen führen müsse. Zusätzlich sieht Niehenke es nicht als erwiesen an, dass eine Einteilung, die anders als diejenige in zwölf Tierkreiszeichen gewesen wäre, etwa eine nach Kalendermonaten der Geburt, nicht ebenfalls zu signifikanten Ergebnissen geführt hätten.

Posthumes Buch

2014, über drei Jahre nach dem Tod von Sachs, stellte ein Wissenschaftler-Team eine seit 2009 noch mit ihm sellbst geplante neue Untersuchungsserie vor. Erneut auf der Grundlage von Millionen amtlicher Personendaten[11], mit statistisch teils sehr hohen Signifikanzen. Überprüft wurden u.a. Paar-Kompatibilitäten (Heirats- oder Single-Neigung, Trennungsrisiken, Scheidungshäufigkeiten bzw. Ehedauer) und Berufsqualifikationen (nach den zwanzig häufigsten Wirtschaftssektoren und 162 Einzelberufen), Astromedizinisches und der Tod bzw. die individuelle Lebenserwartung. In den Datenpool aufgenommen und ausgewertet wurden zudem Koryphäen (berühmte Deutsche, Wissenschaftler, Formel-1-Rennfahrer, Fußballspieler, Politiker/ Bundestagsabgeordnete und Astronauten, sowie nicht zuletzt Ereignisdaten: Marktwertvergleiche und Prognosen für die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2014.

„Vermächtnis“ von Sachs

Publikationen (Auswahl)

  • Die Akte Astrologie. Wissenschaftlicher Nachweis eines Zusammenhangs zwischen den Sternzeichen und dem menschlichen Verhalten. Goldmann, München 1997; 1998; 1999 ISBN 3442307465
  • The astrology file. Scientific proof of the link between the star signs and human behaviour (Englische Ausgabe von 'Die Akte Astrologie'.) Orion Publishing, London 1998, ISBN 0752817892
  • Le dossier astrologie. La preuve scientifique qu’il existe un lien mesurable entre les signes du zodiaque et le comportement humain. (Französische Ausgabe) Edition Michel Lafon, Neuilly-sur-Seine 2000, ISBN 2840986205
  • Autorenteam/ Familie Sachs: Mein astrologisches Vermächtnis – Das Geheimnis von Liebe, Glück und Tod, Scorpio Verlag 2014, ISBN 978-3-943416-85-5

Siehe auch

Weblinks

Quellen und Anmerkungen

  1. Angabe 7 Uhr von Hans Genuit in Praxis der Biorhythmik (1977) S. 125.
    Angabe von 4 Uhr durch das Sekretariat von Sachs, übermittelt von Frau Kundert-Keiser in Pully, zitiert in Astrologie Heute Nr. 100, Dez. 2002. Rodden Rating B
  2. Posthumes Buch (Sachs Familie): "Mein astrologisches Vermächtnis", S. 21 und S. 222
  3. Christian Buß: Die Frauen, die Kunst und ich. spiegel.de
  4. Fachschule Jakubowitz
  5. Abschiedsbrief in Teilen zitiert bei Bunte.de (2011)
  6. In weiten Teilen von Wikipedia übernommen
  7. Herbert Basler: "Die Akte Astrologie" von Gunter Sachs aus Sicht der Mathematischen Statistik (Forum - Skeptiker, 1998)
  8. Jürgen Chlumsky; Manfred Ehling: Die Akte Astrologie. Wissenschaftliche Expertise aus statistisch-methodischer Perspektive.
  9. Von Eye, Lösel & Mayzer, 2003: “Its analyses and results are not useable as scientific material”
  10. Niehenke seinerseits promovierte 1986 mit einer statistischen Überprüfung der Sonnenzeichen
  11. Aus Behörden Deutschlands und der Schweiz