Diskussion:Otto Pöllner
Wer hat Zenit 1934 Seite 353? (Artikel zu Pöllners 70. Geburtstag)--Astro-rolf 08:33, 21. Aug. 2009 (UTC)
aus ZENIT 1934, S. 353-354:
Anfang
(Foto von Pöllner nicht abgelichtet)
Otto Pöllner 70 Jahre alt
Es ist mir unvergeßlich, als Otto Pöllner im Jahre 1906 zum ersten Male zu mir kam und mit Begeisterung meine astrologische Bibliothek, die 99% aus englischen Werken bestand, betrachtete. Ich erinnere mich noch, welch lebhafte Bewunderung besonders das Text-Book of Astro-logy von Alfred Pearce in ihm auslöste, das damals vergriffen war; dazu kam noch, daß meine zweibändige erste Auflage vom Verfasser selbst stammt und eigenhändige Bemerkungen von ihm enthält. Es wird wohl niemand verstehen, daß ich mit der Schilderung dieser Episode beginne. Aber man denke sich zurück: In den ersten Jahren der Jahrhundertwende gab es so viel wie keine, astrologische Literatur in deutscher Sprache. — Das erste Buch von .Brandler-Pracht war gerade erschienen. Astrologie-Kundige waren — so viel mir bekannt ist — damals nur: Albert Kniepf, Brandler-Pracht, Otto Pöllner und idh. Die Leser dieser Zeilen werden sich vorstellen können, mit welchem geistigen Heißhunger Otto Pöllner und ich unsere Kenntnisse in unserer Wissenschaft austauschten. Otto Pöllner ist geboren am 5. Oktober 1864, früh 7h 59m in Melleck bei Reichenhall, besuchte die Oberrealschule. Seinem bürgerlichen Berufe nach ist er Graveur. Leider war ihm das Schicksal in finanzieller Beziehung nicht günstig. Er mußte zeitweise mit der bittersten Not kämpfen. Aber hierdurch ließ sich Otto Pöllner nicht niederschlagen. Wenn er den Stichel weggelegt hatte und noch Metallstaub an seinen Kleidern haftete, vertiefte er sich mit Leidenschaft und Begeisterung in die Astrologie. Er hungerte lieber und verwandte sein schwer verdientes Geld dazu, um sich Bücher zu kaufen. Und nicht nur einseitig studierte er astrologische Bücher durch, die er auftreiben konnte, nein: mit eisernem Fleiße und beispielloser Ausdauer hatte er sich' Kenntnisse in der englischen Sprache (da es ja damals nur englische Literatur in Astrologie gab), in Mathematik. Astronomie, Geschichte u. a. m. angeeignet. Ich bedauerte oft, daß das Schicksal ihm nicht ermöglicht hatte, ein regelrechtes Studium auf der Universität durchzumachen, bei ihm wäre es auf fruchtbaren Boden gefallen. Das Schicksal wollte es nicht. Aus eigener Kraft heraus, in genialer Begabung, hat Otto Pöllner für die Astrologie Pionier-Arbeit geleistet. — Innig verknüpft mit seinem astrologischen Wissen ist seine occulte, theosophische Weltanschauung, sein großes Interesse für wissenschaftlichen Okkultismus und Mediumismus. Aus dieser Verwebung heraus muß Otto Pöllner als Vertreter der dogmatischen und gemäßigt theosophischen Richtung in der Astrologie bezeichnet werden.*) Geradezu niederschmetternd mußte auf Otto Pöllner der ständige Konflikt mit der Polizei wirken. Einmal begegnete er mir vor dem Kriege auf der Straße, alle Taschen seines Mantels mit Büchern vollgestopft. Auf meine Anfrage sagte er mir, daß er ihm besonders wertvolle Bücher meist bei sich trüge, da er besorgte, daß Kriminalbeamte sie ihm in seiner Wohnung beschlagnahmen könnten. Ein hartes Schicksal. Und so hat sich Otto Pöllner durchgerungen. — Im Jahre 1910 übergab ich ihm die Schriftleitung meiner dem Zodiakus angegliederten Zeitschrift W e g a. — Im Laufe der Jahre verfaßte Otto Pöllner eine Reihe von Schriften und Büchern, die große Anerkennung und Verbreitung gefunden haben: Astrologisches Lehrbuch. Bd. I der astrol. Bibliothek. Das Solar-, Jahres- und Tageshoroskop. Bd. IV der astrol. Bibliothek. Mundan-Astrologie. Bd. VII der astrol. Bibliothek. Schicksal und Sterne. Bd. VIII der astrol. Bibliothek. Tafeln der schiefen Aufsteigung. Bd. XI der astrol. Bibliothek. Die Fixsterne und ihre Einwirkung auf das menschliche Schicksal. Ferner veröffentlichte er Uebersetzungen aus dem Englischen: "Auswahl günstiger Zeiten" und „Beobachtungen über des Mondes Annäherung und Lostrennung von den Planeten". Als Mitarbeiter wirkte er mit bei dem Buche „Individuelles Gebot der Stunde". Er war stets eifriges Mitglied in astrologischen Vereinen. Ein Redner war Otto Pöllner nie. Zurückgezogen, still für sich in seinem sehr ein: faehen Heim, verwachsen mit seinen vielen Büchern, arbeitet und forscht er. Otto Pöllner ist einer von den Menschen, die durch ihre übergroße Bescheidenheit auf den ersten Blick weniger erscheinen mögen, als sie sind. Aber wer diesen einfachen schlichten Mann mit dem scharf geschnittenen schönen Gesicht und den gütigen Augen näher kennt, der weiß seinen Geist und seinen ausgezeichneten Charakter richtig einzuschätzen. In der Geschichte der Astrologie wird Otto Pöllner seinen wohlverdienten Platz bekommen müssen. Ich weiß es, daß alle Leser dieser Zeilen und alle, die Otto Pöllner persönlich oder aus seinen Werken kennen, mit mir übereinstimmen werden, wenn ich unserem Jubilar zum 70. Geburtstag herzlichst wünsche, er möge in guter Gesundheit noch recht lange seine Tätigkeit in der Astrologie ausüben können. Alexander Bethor.
- ) Im Gegensatz zu der von mir geschaffenen kritischen Richtung in der Astrologie. der Verf.
Ende --Karsten 14:42, 11. Nov. 2009 (UTC)
Foto?
Wer ein Foto von Pöllner findet, hat sich einen Orden verdient.--Astro-rolf 07:23, 12. Jun. 2010 (UTC)