Vaniglia und ihr selbstverständliches Ich
von Ursula Liechti
Kater Mischa ist schon ein etwas älteres Semester. Sein lebhaftes Temperament und das Jagen nach allem, was kleiner war als er, gehört der Vergangenheit an. Doch was soll's, sagt sich Mischa und lebt ganz im Hier und Jetzt.
So zählt für ihn heute eine andere Realität, die er aber
genau so liebt und schätzt. Schliesslich ist ihm eine flexible Wesensart
zu eigen. Für ihn geht das Leben auf: Bei seinem Frauchen kennt
er genau seinen Stellenwert: der ist hoch, dieser Platz macht ihm zeitlebens
niemand streitig. Die Futterdose wird immer pünktlich geöffnet,
seinen Ruheplatz hat er auf sicher und auch seinen Platz an der Sonne.
Zum Träumen lässt man ihm seine Zeit, die er braucht und die
Streicheleinheiten erhält er sozusagen ans Körbchen serviert.
Herz was begehrst du mehr, sagt er sich und hat sich schon längst
auf das bequeme Leben eingestellt.
Dass da vor einiger Zeit noch ein zweiter Katzen-Vierbeiner in den Haushalt
marschiert kam, sorgt ihn wenig. Mehr Sorgen machte sich hingegen das
Frauchen. Sie vermisste wohl die Lebendigkeit ihres Katers und ist heute
froh darüber, dass sie ihm sein buntes Treiben und das damit oft
verbundene Übertreiben nicht übel genommen hat. Mischas nahezu
grenzelose Intensität bleibt ihr bestens in Erinnerung und wenn
sie daran denkt, erfreut es sie jedes Mal.
Gefühlsmässig nicht minder intensiv zeigt sich die neue Mitbewohnerin Vaniglia, jedoch auf ganz andere Weise. Ihr Speed reicht niemals an Mischa’s heran, aber daran hatte Vaniglia sowieso keinen Gefallen und auch gar kein Interesse. Sie denkt vor allem an sich selber und wie sie sich in Szene setzen könnte. So gesehen haben wir es mit einem Katzenweibchen zu tun, das mit allen Wässerchen gewaschen ist. Und – Frauchen ist grundsätzlich und selbstverständlich in ihrem Besitze. Gefühlsmässig tiefe Verbindungen sind Vaniglia eigen.
Selbstverständlichen Besitz nimmt sie jeweils auch vom Besuch.
Vaniglia hat es sich so angeeignet, dass sie sich in der Regel zwischen
die Menschen setzt und auf sehr charmante Art ihren Platz dort einnimmt.
Ganz sicher so, dass sie nicht zu übersehen ist. Sie kriegt es meistens
so hin, dass die Menschen immer mehr zur Seite rücken und sie sich
ihren Liegebereich genug gross schaffen kan – ganz selbstverständlich.
Die Komplimente ihrer Schönheit wegen sind Honigmilch für ihre
Katzenseele. Verabschieden sich die Gäste, hat die süsse Katze
es sich zur Angewohnheit gemacht, sich quer in den Korridor zu legen,
so dass alle über sie hinwegzusteigen haben. Übersehen kann
man sie keinesfalls. Ganz gerne dominiert sie also die Szene und lebt
dieses Bedürfnis mit einer absoluten Selbstverständlichkeit
aus.
Genau so selbstverständlich wachte sie über ihren Besitz,
ihr Frauchen. Sei dies, wenn sich diese im Bad oder in der Badewanne
aufhält, sich zu Tisch befindet oder sich zu Bett legt. Frauchen
fühlte sich so streng bewacht, dass sie Vaniglia bereits den Übernahmen "Leibwächterin" gegeben
hat. So ist man schnell geneigt anzunehmen, dass es sich bei Vaniglia
jederzeit alles um ihr Frauchen dreht. Oder geht es vielleicht doch viel
eher um sie selber?
Streng überwacht sie die Zuwendung an Mischa, obwohl sie ihm diese nie streitig machen würde und dem Ritual der beiden kein Ende setzt. Sie schaut nur zu. Es macht auch nicht den Anschein, dass sie eifersüchtig ist. Es genügte ihr vollauf, in Herrschermanier zu amten.
Nicht dass Vaniglias absolute und ständige Präsenz lästig
ist, deswegen kam Frauchen nicht in die Beratung, sie hatte sich viel
mehr Sorgen um den Stress gemacht, den sie hinter Vaniglias Verhalten
vermutete: Sie müsse sich ihren Platz erkämpfen. Als sie jedoch
meine Ausführungen zu Mischa und Vaniglia-Madame vernahm – ohne
dass die Frau mir ihre Sorgen kundtat – zeigte sie sich sichtlich
erleichtert. Sie konnte erkennen, dass es bei Vaniglia nicht um Verdrängung
oder Konkurrenzverhalten geht. So wie sich das Geburtsbild präsentiert,
wage ich die Aussage, dass Mischa dieser Kätzin so ziemlich gleichgültig
ist. Um ihn kann sie sich nicht auch noch kümmern, hat sie doch
schon genug mit sich selber zu tun. Und darum dürfte es ihr in erster
Linie auch gehen, nämlich um sich selber.
Durch die eigene Geschichte der Frau – das Gefühl, sich den Platz und den Wert immer erarbeiten und erkämpfen zu müssen – kam sie gar nicht auf die Idee, dass man das eigene Ich mit einer Selbstverständlichkeit einbringen und leben kann – Wie interessant, den Rest des Gespräches machten nicht die lieben Vierbeiner aus, sondern ganz selbstverständlich rückte die Frau ins Zentrum...
© Ursula Liechti / Astrodienst AG 2005
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