Aphrodite, Venus, Penelope…
(Los abrazos rotos, Pedro Almodovar, 2009) |
Zerrissene Umarmungen
Pedro Almodovar macht seit mindestens zwei Jahrzehnten venusisch schöne Filme (früher auch noch mit sehr uranisch-schriller Note), die wegen der offensichtlichen Freude an effektvoller Zusammenstellung von Farben und Formen stets auch ein besonderer sinnlicher Genuss sind.Moderne Mythologie
Vor drei Jahren modernisierte der spanische Meisterregisseur mit einem wunderbaren
Film um Mütter und Töchter, die sich aufgrund männlicher
sexueller Übergriffe verlieren und doch wiederfinden („Volver“)
den Demeter-Persephone-Mythos auf seine ganz eigene, lustvoll vergnügliche
Art.
In seinem neuesten Werk, „Zerrissene Umarmungen“, scheint es
als hätte er sich von der mythischen Dreiecksgeschichte um Aphrodite,
ihren ungeliebten Ehemann Hephaistos und ihren leidenschaftlichen Liebhaber
Ares inspirieren lassen:
Eine schöne junge Frau gab Jahre vor der Zeit,
zu der der Film einsetzt, dem Werben eines reichen, alten Mannes nach, lebte
mit ihm, liebte ihn nicht,
betrog ihn schließlich heimlich mit einem Jüngeren, in den sie
sich leidenschaftlich verliebte, und forderte damit die Rachsucht des Betrogenen
heraus.
Doch für eine von Almodovars facetten- und figurenreichen Lovestories genügt dies noch lange nicht: ein komplexes Geflecht aus folgenreichen Affären, widerwilliger Dankbarkeit, problematischen Vater-Sohn-Verhältnissen und Beziehungen, die von langgehegten Geheimnissen überschattet sind, wird hier in Rückblenden und späten Offenbarungen allmählich aufgefächert.
Melodrama und Distanz
Dabei wird das Melodrama, werden Begehren und Eifersucht, Liebe, Verlust
und Trauer bei allem Sentiment nie triefend sentimental und bei aller Liebe
zum Kitsch nie seicht inszeniert. Die zärtlich-amüsierte, beobachtende
Distanz, die Almodovars Blick auf seine Figuren eigen ist – und die
in „Zerrissene Umarmungen“ durch einen vielfachen Film-im-Film-Plot
vielleicht mehr denn je zuvor betont wird und einen uranisch-neptunischen
Zug hinzufügt –, ermöglicht es dem Publikum, auch Schuld
und Dankbarkeit, Vergebung und Neid als Konsequenzen von Leidenschaft und
Liebe unabhängig von Sympathie oder Identifikation mit den Figuren
nachzuvollziehen.
Das Schönste jedoch ist, dass mittels Leichtigkeit und Lebensfreude stets auch der Weg zur Hoffnung freigehalten wird und trotz aller Dramen ein eher undramatischer Ton vorherrscht, der schulterzuckend zu sagen scheint „hey, so kann das Leben eben manchmal sein – aber es geht auch immer irgendwie weiter“. In diesem Sinne entspricht auch „Zerrissene Umarmungen“ wieder einer Begegnung zwischen Stier- und Skorpion-Kräften.
Ein Regisseur und seine Figuren
Geschlechterbeziehungen, Obsessionen und Liebesgeschichten sind in jedem
Almodovar-Film zentrales Thema, dazu passt nicht nur seine Waage-Sonne,
sondern insbesondere der starke Quadrataspekt zwischen Venus und Mars in
den zutiefst dramatischen Zeichen Skorpion und Löwe, der in einem
der von ihm kursierenden Horoskope [1] auffällt. Flankiert werden
diese beiden Planeten darin zudem noch von Mond, in Konjunktion mit Venus,
und Pluto, in Konjunktion mit Mars.

24.09.1949, Clazada de Calatrava, Spanien, unbekannte Uhrzeit
Beide Geschlechter-Archetypen aus diesem Horoskop werden in „Zerrissene Umarmungen“ in zwei Figuren aufgespalten: Die männliche Hauptfigur, Mateo bzw. Harry, der starke und selbstsichere, souveräne Regisseur und Macher, der großzügige, beschützende Liebhaber, dessen Lebenslust nicht einmal durch den tragischen Verlust seiner großen Liebe und seiner Sehkraft gebrochen wird, stellt eine wunderbare Verkörperung des Löwe-Mars dar.
Sein plutonischer Schatten ist der reiche und mächtige, obsessive, von
Macht- und Kontrollbedürfnissen geleitete und auch vor Gewalt nicht
zurückschreckende, alternde Ernesto, an den sich Lena, die von Penelope
Cruz verkörperte Venus-Figur des Films, gebunden hat – aus Gründen,
die zwischen Eigennutz, Dankbarkeit und Berechnung alternieren.
Womit wir auch schon bei der Skorpion-Seite dieser Venus wären: Sie ist schillernd, erotisch und manipulativ, eine Schauspielerin mit eisernem Willen, leidenschaftlich und hingebungsvoll, und eine durch ihre Schönheit und Verletzlichkeit so gefährliche wie gefährdete Femme Fatale. Sie ist es auch, die in höchstem Maße die Angst vor dem – ihr nur zu vertrauten – plutonischen Dunkel erfährt und letztlich zum Opfer der entfesselten Gewalt und der Intrigen anderer wird.
24. September 1951, 22:00 Uhr, Calzada de Calatrava, Spanien
Denn auch der weibliche Archetyp hat in diesem Film wie in Almodovars Horoskop (mindestens) zwei Gesichter: da ist noch Judit, Mateos/Harrys Agentin und fürsorgliche Freundin, die auch ihn ebenso bemuttert wie ihren nahezu erwachsenen Sohn und sich fast wie eine Ehefrau – oder Mutter – um seine Alltagsbedürfnisse kümmert. Mit ihrer besitzergreifenden Liebe, die mitunter leidenschaftliche und übertriebene Beschützerinstinkte aufweist, mit ihrem Bedürfnis danach gebraucht zu werden und ihrer manipulativen Geheimhaltung wichtiger Fakten ist sie eine sehr passende Verkörperung des Skorpion-Mondes.
„Zerrissene Umarmungen“ bietet damit nicht nur den sowohl sinnlichen wie intellektuellen Genuss eines lustvoll fotografierten und exzellent beobachteten Melodramas, sondern auch ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich die Horoskopfaktoren – und damit inneren Gestalten – eines Regisseurs in seinen Filmfiguren möglicherweise verkörpern können...
- Zu Pedro Almodovars Geburtsdaten gibt es unterschiedliche Angaben: Die International Movie Data Base sowie einige weitere Quellen nennen den 24. oder 25. 9.1949. Diese Daten ergeben die von mir beschriebenen und in „Zerrissene Umarmungen“ bebilderten Konstellationen.
Vesna Ivkovic
Vesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie,
Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie,
Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen.
Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels
der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen
anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst.
1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte
2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus
die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie
auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de
Cinemaskop, von Vesna Ivkovic
Das Cinemaskop ist ein Überblick über aktuelle Kinofilme und deren zentrale Thematik aus astrosemiotischer Sicht, (d.h. den Film als Zeichensystem betrachtend und ins astrologische Zeichensystem übersetzend).
Ein gelungener Film hat nicht nur eine Story, ein bestimmtes Thema, er hat auch eine spezielle Atmosphäre, vermittelt ein bestimmtes Gefühl und zieht uns in seine ganz eigene Welt – dieses Grundthema, das sich aus Figuren, Story, Setting und allerlei anderen Komponenten speist, findet seine Entsprechung in einem oder mehreren astrologischen Zeichenprinzipien. Sehr vereinfacht heißt das: ein rasanter Actionkracher konfrontiert uns mit Widder-Energie, ein Horrorfilm dagegen mit skorpionischen Abgründen und Ängsten, etc. Wir kommen aus dem Kino und finden uns – wenn es dem Film gelungen ist, uns zu erreichen – beschäftigt mit und erfüllt von eben diesen Energiequalitäten.
Aktuelle Planetenstände
5-Mai-2026, 13:02 Weltzeit
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| Sonne | 15 | 2'57" | 16n21 | ||
| Mond | 27 | 0' 8" | 28s07 | ||
| Merkur | 4 | 45' 0" | 11n50 | ||
| Venus | 13 | 46'48" | 23n32 | ||
| Mars | 19 | 50'50" | 6n58 | ||
| Jupiter | 19 | 34' 4" | 22n24 | ||
| Saturn | 9 | 39' 6" | 1n49 | ||
| Uranus | 0 | 31'45" | 20n06 | ||
| Neptun | 3 | 23'58" | 0n08 | ||
| Pluto | 5 | 30'33" | 22s49 | ||
| Mondkn.w | 6 | 8'41"r | 9s15 | ||
| Chiron | 27 | 45'52" | 10n59 | ||
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