Sonnenzeichenastrologie

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Die zwölf Sternzeichen.

Die Sonnenzeichenastrologie ist die Grundlage der Trivialastrologie.

Beschreibung

Sonnenzeichenastrologie beruht darauf, dass von einer Person nur das "Sternzeichen" bekannt ist: d.h. das Tierkreiszeichen, in dem die Sonne bei der Geburt stand. Manchmal wird hier auch noch die Dekade des Zeichens berücksichtigt. Dem Sonnenzeichen werden grundsätzliche Charaktereigenschaften zugeordnet. Außerdem beruhen die meisten in Zeitungshoroskopen veröffentlichten Prognosen auf Transiten zu den Sonnenzeichen.

Die Transitanalyse muss notgedrungen sehr ungenau sein, da ja der genaue Stand der Sonne im jeweiligen Tierkreiszeichen entweder überhaupt nicht oder doch nur auf 10 Grad genau bekannt ist, falls nach Dekaden differenziert wird. Damit werden hauptsächlich Zeichenaspekte berücksichtigt. Stehen Planeten in einem zu dem betreffenden Sonnenzeichen harmonischen Tierkreiszeichen, gilt die Verbindung als günstig, steht sie in einem gespannten Verhältnis dazu als ungünstig. Peregrine Aspektierungen werden oftmals nicht berücksichtigt.

Ebenfalls werden noch die mundanen Aspekte berücksichtigt. Wenn ein solcher exakt ist, wird davon ausgegangen, dass dieser auf alle Sonnenzeichen mehr oder weniger Einfluss ausübt, je nach Zeichenposition der beteiligten Planten in bezug auf das jeweilige Sonnenzeichen. Da nicht jeden Tag irgendwelche exakten starken Hauptaspekte vorkommen, werden gerne auch Nebenaspekte wie Halbquadrat, Anderthalbquadrat, Halbsextil, Quinkunx oder sogar Quintil berücksichtigt. Da solche Aspekte jedoch - wie der Name Nebenaspekt schon sagt, in ihrer Wirkung oft vergleichsweise untergeordnet sind, wenn sie nicht in enger Resonanz zum Geburtshoroskop stehen, stehen solche Aussagen auf wackligen Beinen.

Um eine weitere Individualisierung und damit unterschiedliche Aussagen für jedes Sonnenzeichen zu ermöglichen, werden mundane Häuser, ausgehend vom Sonnenzeichen als erstem Haus, ermittelt, vergleichbar den "Himmelshäusern" des Tierkreises, bei denen ja der Widder beispielsweise als erstes Tierkreiszeichen auch als erstes Himmelshaus gewertet wird. Steht also die Sonne beispielsweise im Steinbock, so ist dieses Zeichen auch als erstes Sonnenhaus zu sehen, davon ausgehend werden die nachfolgenden Tierkreiszeichen wie die weiteren Häuser behandelt. Ob die Sonne dabei am Anfang oder Ende eines Zeichens steht wird üblicherweise nicht berücksichtigt.

Rein mundan wirksame Ereignisse werden selbstverständlich ebenso ausgewertet, hierzu gehören insbesondere Mondpausen, Neu- und Vollmond sowie Beginn und Ende von Rückläufigkeiten.

Kritik

Prognostische Astrologie

Mehrere Punkte machen die Sonnenzeichenastrologie für die Transitanalyse fragwürdig:

Die Konstellationen zum betreffenden Sonnenzeichen betreffen, wie der Name schon sagt, immer ein ganzes Zeichen, berücksichtigen aber nicht den exakten Stand der Geburtssonne des Betreffenden. Damit werden die Orbes für die betreffenden Konstellationen oft recht weit, im Extremfall ein knappes Tierkreiszeichen, also fast 30° ! Es ist leicht einzusehen, dass die Wirkung eines solchen Aspektes kaum noch zu spüren sein wird. Damit wird nur für einen kleinen Teil der Betroffenen die vorausgesagte Wirkung auch eintreffen. Die Dekade, also die Unterteilung der innerhalb eines Sonnenzeichens Geborenen in drei zeitlich gestaffelte Gruppen, versucht dem Rechnung zu tragen, bleibt aber dennoch ungenau.

Zum zweiten ist festzustellen, dass die Transite in ihrer Wirkung eher in bezug auf die Aszendentenhäuser, also die bekannten Häuser des Horoskops erlebbar sind als bezogen auf die mundanen Sonnenhäuser. Werden also Aussagen getroffen, in welchen Lebensbereichen mit Auswirkungen zu rechnen ist, können diese Einflüsse individuell überprägt werden durch die Aszendentenhäuser und damit ganz andere Lebensbereiche als die prognostizierten ansprechen, also z. B. statt Partnerschaft (7. Haus) den Beruf (10. Haus).

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass natürlich von allen Horoskopfaktoren nur ein einziger, nämlich die Geburtssonne in einem bestimmten Tierkreiszeichen berücksichtigt wird. Alle anderen Radixfaktoren müssen notwendigerweise unter den Tisch fallen. Viele astrologische Einflüsse betreffen jedoch gar nicht die Geburtssonne, sondern einen der anderen Planeten oder Horizont- und Meridianachse. Damit werden Aussagen nur bezüglich des Sonnenstandes oft obsolet, vor allem wenn andere Transite zu Faktoren des Geburtshoroskops stärker im Einfluss sind. Aussagen der Sonnenzeichenastrologie werden dann schlichtweg falsch, da sie zu schwache Energien beschreiben, die vom Individuum nicht mehr wahrgenommen werden können.

Da die Sonnenzeichenastrologie die Grundlage für die Horoskope in Tageszeitungen und anderen Medien ist, findet ein Wettbewerb um die Aufmerksamkeit des Lesers statt. Da aber nicht jeden Tag sensationell wirkungsvolle astrologische Konstellationen auftreten, werden auch noch so winzige mögliche Wirkungen, z. B. die von Nebenaspekten, stark aufgebauscht und zu Besonderheiten hochstilisiert. Die Erwartungen werden somit, wenn sie künstliche hochgeschraubt werden, notwendigerweise oft enttäuscht.

Es ist durchaus immer wieder festzustellen, dass die Aussagen der Sonnenzeichenastrologie doch immer wieder zutreffen, wenn auch nur in einem recht geringen Prozentsatz, dann aber oft mit verblüffender Exaktheit. Neben dem Barnum-Effekt dürfte dann wohl die Tatsache eine Rolle spielen, dass eine ausgewertete Konstellation eben in einem exakten Aspekt zur Geburtssonne des Betreffenden steht, und keine anderen astrologischen Konstellationen betreffend das Geburtshoroskop dem entgegenstehen.

Wenn die Sonnenzeichenastrologie nicht als Trivialastrologie sondern auf Grundlage des exakten Standes der Geburtssonne angewendet wird, aber dennoch die mundanen Sonnenzeichenhäuser verwendet, können oftmals hilfreiche und sinnvolle Aussagen getroffen werden, da die Häuser, die ausgehend vom eigenen Sonnenzeichen ermittelt werden, ja tatsächlich eine Aussagekraft haben und individuell oftmals durchaus als zutreffend für die Beschreibung des jeweiligen Lebensbereiches erlebt werden. Die Wirkung ist allerdings als derjenigen der Aszendentenhäuser untergeordnet zu sehen.

Geburtsastrologie

Da hier der Stand der Radixsonne im Tierkreiszeichen ausgewertet wird, kommen zwar oftmals erstaunlich treffsichere Aussagen zustande, die allerdings schnell in Typisierungen abgleiten, vor allem, wenn die Eigenschaften der Tierkreiszeichen stark überspitzt dargestellt werden. So ist dann beispielsweise eben ein Mensch mit der Sonne im Schützen ein "typischer Schütze". Hierbei werden ebenso wie bei der Transitanalyse andere, das Sonnenzeichen überprägende Faktoren notwendigerweise außer Acht gelassen. Wenn auch die Aussagen betreffend der Geburtssonne meist zutreffend sind, werden sie doch in ihrer Bedeutung stark überbewertet, und alle Menschen in die gleichen zwölf Kategorien der "Sternzeichen" eingeordnet, was eine starke Pauschalisierung mit sich bringt.

Beurteilung

Die Sonnenzeichenastrologie ist großenteils für den schlechten Ruf der Astrologie verantwortlich, aus obigen Gründen, und liefert damit Astrologiegegnern ein gefundenes Fressen für ihre Kritik. Da die Sonnenzeichenastrologie der astrologische Zweig ist der der breiten Masse bekannt ist, wird damit die seriöse Astrologie oft in den gleichen Topf geworfen. So sehr das Bedürfnis nachzuvollziehen ist, dass auch aufgrund geringer Informationen (Sonnenzeichen) astrologische Aussagen getroffen werden sollen, wird damit der Astrologie insgesamt oft mehr Schaden als Nutzen zugefügt, was ihre Seriosität betrifft, insbesondere wenn mehr hineininterpretiert wird als wirklich vorhanden ist. Nichtsdestotrotz erfreut sie sich in der Trivialastrologie weiter großer Beliebtheit.
Die psychologische Astrologin Liz Greene bemerkt dagegen sinngemäß, viele Astrologen meinten, Sonnenzeichen-Astrologie sei im glücklichsten Fall nur töricht, im fragwürdigsten gefährlich. Die Sonnenzeichen-Astrologie könne aber ein legitimer Einstieg für erste Astrologie-Kontakte sein. Die Charakterisierungen seien manchmal abenteuerlich oberflächlich, wenngleich dies weniger an der Sonnenstand-Astrologie läge, sondern eher an den ahnungslosen Zeitungs-Journalisten. Dennoch sei selbst in jenen Fällen noch ein archetypischer Kern der Persönlichkeit enthalten, der sonst für die Sonne als wichtigster Horoskop-Planet in den jeweiligen Zeichen prägend sei, egal auf welcher Verwirklichungsebene[1].

Weblinks

Literatur

Ein historischer Überblick. Review online (Phillip Graves, 2007)

Quellen und Anmerkungen

  1. Greene, Liz: Die Botschaft des göttlichen Feuers. Die Sonne im Horoskop und der kreative Weg zur Individualität und Berufung. Chiron Verlag, Tübingen 2004, S. 206f.