Neptun

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Der Planet Neptun.
Neptuns Entdeckungshoroskop (Uhrzeit nach Janduz).

Symbol: A38_160.gif

Astronomie

Neptun ist, wie Uranus und Pluto, ein transsaturnischer Planet, also einer der Planeten, die erst in der Neuzeit mithilfe moderner Teleskope entdeckt wurden. Dies geschah am 23. September 1846 gegen 23:00 Uhr[1] durch Johann Gottfried Galle, nachdem Joseph Le Verrier aufgrund von Störungen der Uranusbahn bereits die Position eines weiteren Planeten berechnet hatte.

Schon Galileo Galilei hatte Neptun schon am 28. Dezember 1612 und nochmals am 27. Januar 1613 gesehen. Aus seinen Aufzeichnungen vom Januar 1613 geht eine Beobachtung der Konjunktion mit dem Jupiter hervor, bei der Galilei den Neptun jedoch für einen Jupitermond oder einen Fixstern gehalten hatte. Zum Zeitpunkt seiner ersten Beobachtung im Dezember 1612 war der Planet stationär, da er an diesem Tag begann, sich aus irdischer Sicht rückwärts zu bewegen. Dies war gerade der Beginn des jährlichen Zyklus seiner retrograden Periode. Die Bewegung Neptuns war viel zu gering, um sie mit Galileis kleinem Teleskop feststellen zu können. Hätte er den Planeten nur wenige Tage früher beobachtet, wäre dessen Verschiebung am Himmel viel deutlicher gewesen. Neptun hat vermutlich - ganz gesichert ist diese Angabe auch heute noch nicht - einen Äquatordurchmesser von 49 530 Kilometern und ist damit fast so groß wie Uranus und beinahe viermal so groß wie die Erde. Sein mittlerer Abstand von der Sonne beträgt 4 519 Millionen Kilometer. Nach der offiziellen Herabstufung Plutos durch die Fachastronomen 2006 gilt er wieder als der äußerste reguläre Planet unseres Sonnensystems. Für einen siderischen Umlauf um unser Zentralgestirn benötigt er knapp 164 Jahre, hält sich also nicht ganz 14 Jahre (eine halbe Generation lang) in einem Tierkreiszeichen auf. Seine Tagesbewegung beträgt maximal 2,04 Bogenminuten, im Durchschnitt sind es 22 Bogensekunden.

Wie Saturn, so hat auch Neptun ein Ringsystem. Beeindruckend ist seine tief blaue Farbe, die erst durch Bilder von "Voyager 2" im Jahr 1989 erkannt wurde - lange, nachdem man ihm den Namen des römischen Meeresgottes gegeben hatte.

Mythologie

Poseidon (lateinisch Neptun) war der Herrscher über die Meere. Er und seine Brüder Zeus (Jupiter), der Herr des Himmels, sowie Hades (Pluto), der Herr des Totenreiches, hatten nach der Entmachtung ihres Vaters Kronos das Universum unter sich aufgeteilt. Neptun lebte in einem unterirdischen Palast mit seiner Frau Amphitrite. In vielem ähnelte er seinem Bruder Zeus. Er suchte zahlreiche Liebesabenteuer und bediente sich der Gewalt oder der List, wenn die Frauen ihn nicht begehrten. Zudem besaß er einen sehr emotionalen, aufbrausenden Charakter. In seinem Streitwagen raste er mit hoher Geschwindigkeit durch das Meer. Wo er auftauchte, drohten Erd- oder Meeresbeben und schwere Stürme. Wenn er sich von den Menschen nicht genug beachtet fühlte, strafte er sie mit Überschwemmungen.

Aufgrund seiner emotionalen Art konnte er sich nie damit abfinden, dass sein Bruder Zeus den Himmel als Machtbereich bekommen hatte. Immer wieder versuchte er mit Hilfe anderer Götter, bisweilen sogar mit Zeus' Gattin Hera, den Göttervater zu stürzen. Letztlich blieben all diese Versuche aber vergebens.

Poseidon hatte jedoch auch eine andere Seite. Er konnte ausgesprochen mitfühlend und hilfsbereit sein. Um den Menschen neuen Lebensraum zu geben, schuf er die Landschaft Thessalien, die zuvor ein großes Meer gewesen war. Viele Seeleute rettete er vor dem Ertrinken. Zudem machte er Kastor und Polydeukes (Zwillinge) zu Schutzpatronen der Schifffahrt. Durch seine Hilfe waren sie in der Lage, Stürme zu bändigen. Schließlich riefen ihn die Menschen auch um Schutz gegen Erdbeben an.

Deutung

Stichworte nach Klöckler[2]

stark und
harmonisch
stark und
disharmonisch
schwach und evtl.
disharmonisch
Biologisch: Zersetzung
Psychologisch: Inspiration, Einfühlung
Einfühlung Gefühlsüberschwang Nüchternheit
Phantasie, Inspiration Phantasterei, Verstiegenheit Phantasielosigkeit[3]
Mystik Mystizismus Materialismus
Mediumismus Verworrenheit, Schwindel,
Täuschung, Selbstbetrug, Neurose
innere Abgeschlossenheit

Zusammen mit Uranus und Pluto ist Neptun einer der drei geistigen Planeten, die über die Grenzen der Materie, welche von Saturn symbolisiert wird, hinausweisen. Dem Charakter dieses Planeten entsprechend, ist das typisch Neptunische nur schwer in Worte zu fassen. Während Uranus die von Saturn gesetzten Grenzen durchbricht und eine neue Dimension erschließt, löst Neptun diese Grenzen unmerklich, aber nachhaltig auf, so wie Wasser Felsen zersetzen kann. Er steht für die Sehnsucht des Menschen, in etwas Größerem aufzugehen, für Transzendenz und Spiritualität. Er ist Symbol für die Inspiration.

Im Aspekt mit einem anderen Planeten oder mit einer Achse sensibilisiert Neptun den jeweiligen Horoskopfaktor. Er kann im angesprochenen Bereich Illusionen ebenso wie Desillusionierungen anzeigen. Dass er nicht nur "lieb" und "sanft" ist, sondern durchaus auch problematisch und bedrohlich sein kann, die Dinge umwühlend, zeigt seine Waffe, der Dreizack.

Durch seine langsame Umlaufzeit ist im individuellen Horoskop seine Zeichenstellung weniger charakteristisch als die Hausstellung. Letztere zeigt den Bereich an, wo ein Mensch Zugang zu den höheren, nicht konkret fassbaren Schwingungen des Daseins hat, wo er sich von seiner inneren Stimme leiten lassen und Urvertrauen entwickeln kann. Die Hausstellung Neptuns sagt aber auch etwas darüber aus, wo sich der Betreffende Täuschungen hingibt und Enttäuschungen erlebt, wo er möglicherweise ein Suchtverhalten an den Tag legt und die Dinge mit einer rosaroten Brille betrachtet.

Astromedizin

Neptun werden die Füße und die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) zugeordnet, dort, wo man das so genannte dritte Auge lokalisiert. Dieses verschafft einem tiefere Einsichten, welche über das mit den Sinnen Wahrnehmbare hinausgehen. An derselben Stelle befindet sich auch nach alter indischer Auffassung der Sitz des Stirn-Chakras, eines der feinstofflichen Energiewirbel des Körpers. Das Stirn-Chakra symbolisiert unter anderem All-Liebe. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass in der Hypophyse von Fischen und Chamäleons ein Hormon produziert wird, das es diesen ermöglicht, sich zu tarnen, ihre Farbe der Umgebung anzupassen.

Wolfgang Döbereiner verbindet Neptun mit dem Rauchen, insbesondere aber - als Konstellation "Mond-Neptun" und "Sonne-Neptun" - mit Krebserkrankungen.[4]

Aufenthalt Neptuns

im Tierkreiszeichen:

von - bis
(exakte Daten s. bei
Ingress)
Sag.gif Schütze 1806/07 - 1820
Cap.gif Steinbock 1820 - 1834
Aqu.gifWassermann 1834 - 1847/48
Pis.gif Fische 1847/48 - 1861/62
Ari.gif Widder 1861/62 - 1874/75
Tau.gif Stier 1874/75 - 1887/89
Gem.gif Zwillinge 1887/89 - 1901/02
Can.gif Krebs 1901/02 - 1914/16
Leo.gif Löwe 1914/16 - 1928/29
Vir.gif Jungfrau 1928/29 - 1942/43
Lib.gif Waage 1942/43 - 1955/57
Sco.gif Skorpion 1955/57 - 1970
Sag.gif Schütze 1970 - 1984
Cap.gif Steinbock 1984 - 1998
Aqu.gifWassermann 1998 - 2011/12
Pis.gif Fische 2011/12 - 2025/26

Mundanastrologie

Neptun wird im Politisch-Gesellschaftlichen den humanitären Organisationen zugeordnet (Fürsorge, Wohlfahrtsverbände), zu Randgruppen ("Außenseitern", Schwachen und Bedürftigen, Elendsvierteln). Außerdem zum Gesundheitswesen, zu Heimen, Krankenhäusern und Sanatorien.

Ansonsten untersteht ihm Atmosphärisches, d.h. Strömungen und Stimmungen bzw. Kollektivphänomene: Bewegungen wie Fundamentalismus, Kommunismus, Sozialismus und Populismus - gerade wenn sie zu einer Vereinheitlichung und Gleichmacherei (Nivellierung, Ent-Individualisierung) führen. Politisch wird der Planet dem linken Lager zugerechnet.[5] Kulturell repräsentiert er einerseits den ausufernden Konsum ("Süchte") und allgemeinen Sittenverfall[6], Rauschgiftkonsum, Skandale, er bringt eine Schwächung von Institutionen und Währungen, etwa durch Kriminalität und Verschwörungen ("linke Sachen","faule, krumme Dinger"), Korruption, Betrug und Intrigen. Wenn er kritisch steht, herrschen Chaos, Verwirrung und Lähmung in Staat und Wirtschaft. Zu ihm gehören desweiteren alles Künstliche, d.h. etwa die (illusionäre) TV- und Filmwelt, aber auch synthetische Stoffe wie Chemie- und Plastikprodukte, die Umweltverschmutzung.[7]Im Positiven symbolisiert er andererseits aber auch die Mystik bzw. das wachsende ökologische und spirituelle Bewusstsein der Menschen ("Alles ist Eins").

Klimatisch zeigt er sich u.a. in Überschwemmungen, Nebel, Wasser- und Gaskatastrophen. Im Transit löst er bestehende Strukturen auf, sofern sie überholt sind[8].

Die ihm zugeordneten Farben sind: blaugrün hell, lavendelblau, lila, mauve, seegrün, türkis, umbra, weiß.
Farbqualität, Farbton: irisierend, opaliszierend.[9].

Würden

Der Meeresgott Neptun ist Herrscher des Tierkreiszeichens Fische, als solcher schon in der 'Astronomica' des Manilius erwähnt, d.h. lange vor der Entdeckung des Planeten[10], und in der Jungfrau im Exil. Erhöht ist er im Zeichen Krebs und im Steinbock im Fall. Im Schützen gilt er als Nebenherrscher von Jupiter.

Die ihm numerologisch zugeordnete Zahl ist die 7.

Weblinks

Sicht von Neptun als Wegweiser des Horoskops bzw. Zweitherrscher des Aszendenten.

Literatur

  • Liz Greene: Neptun - Sehnsucht nach Erlösung. Chiron Verlag, Tübingen, 2003.
Ein umfangreiches Werk, doch - durch seine ausführliche Amplifikation bzw. Schilderung der zugehörigen Mythologie - dem komplexen Thema angemessen. Auszug aus dem Buch
Neptun-Poseidon

Anmerkungen und Quellen

  1. Eine genaue Uhrzeit ist nicht überliefert, Janduz nimmt eine Zeit von 23:00 Uhr an, die auch Grundlage des abgebildeten Entdeckungshoroskops ist.
  2. Herbert Freiherr von Klöckler: Kursus der Astrologie, Band II: Grundlagen für die astrologische Deutung. Astra-Verlag Berlin 1952 S. 44 f. Zu Neptun hatte Klöckler um 1930 noch recht wenige Deutungsstichpunkte.
  3. Kursiv: Ergänzung, nicht von Klöckler.
  4. Wolfgang Döbereiner, Astrologisch-medizinische Diagnose und Homöopathie. München 1980
  5. Ingresses: An Introduction to Mundane Astrology (Deborah Houlding, Tom Callanan & Sue Toohey, 2004).
  6. Er ist insofern Gegenspieler von Saturns "Recht und Ordnung".
  7. Eine klassische Analogie von Haus Zwölf sind "geheime Feinde", Heimtücke, Gift.
  8. Nach: Richard Vetter, Uranus-Neptun, in Anlehnung an Otto Rumburg, Horoskope und Politik, 1973, S. 36
  9. Hannelore Goos, Handbuch der astrologischen Zuordnung, mehrere Bände, Books on Demand (2002) ISBN-10: 3831131163
  10. Greene, S. 524