Heliakisch

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Venus (links unterhalb vom Mond) als Morgenstern im heliakischen Aufgang.[1]

Heliakisch ist ein Begriff der Astronomie, und bedeutet "zur Sonne gehörend".

Heliakischer Aufgang

Der Heliakische Aufgang, auch das Morgenerst genannt, ist das Hervortreten eines Sterns (Planeten oder Fixsterns) aus den Sonnenstrahlen; der heliakische Aufgang findet statt an dem Tag, an dem der Himmelskörper in der Morgendämmerung erstmals (kurz vor der Sonne) wieder sichtbar wird.

Wenn die Erde auf ihrer jährlichen Umlaufbahn um die Sonne den Ort erreicht, von dem aus die Sonne vor (oder sehr nahe bei) einem Fixstern oder Planeten steht (Konjunktion), wird dieser von dem gleißenden Sonnenlicht überstrahlt. Erst einige Tage oder Wochen danach ist dieser Himmelskörper zum ersten Mal wieder zu sehen, und zwar unmittelbar vor Sonnenaufgang, dicht über dem Horizont und nur für kurze Zeit (d.h. wenige Minuten, bevor der Himmelshintergrund zu hell wird). Diese Erscheinung wird heliakischer Aufgang genannt.

Die Zeitdauer, für die ein Himmelskörper von der Sonne überstrahlt wird, hängt stark von der Helligkeit und der Deklination des Himmelskörpers ab. Für die Planeten ist mit einigen Wochen bis Monaten zu rechnen. Hingegen benötigt die Venus, der hellste Stern des Firmaments, nur wenige Tage, um vom Abendstern zum Morgenstern zu werden. Unter günstigen Bedingungen kann ihr Morgenerst sogar vor ihrem Abendletzt beobachtet werden. (So konnte man z.B. am 25. März 2009 in Mittel- und Nordeuropa sowohl das Morgenerst als auch das Abendletzt der Venus beobachten.) Sehr nördliche Sterne können ihr Morgenerst lange vor dem Abendletzt haben.

Heliakischer Untergang

Analog zum heliakischen Aufgang nennt man die letztmalige Sichtbarkeit eines Sterns nach Sonnenuntergang den heliakischen Untergang oder das Abendletzt.

Morgenletzt und Abenderst bei Merkur und Venus

Die inneren Planeten Merkur und Venus können, im Gegensatz zu allen anderen Planeten, am östlichen Morgenhimmel im Sonnenlicht wieder verschwinden oder am westlichen Abendhimmel aus dem Sonnenglanz auftauchen. Den Zeitpunkt, zu dem dies geschieht, nennt man ihr Morgenletzt und Abenderst. Auch der Mond kennt ein Morgenletzt und ein Abenderst.

Bei den anderen Planeten gibt es zwar ein Morgenletzt und ein Abenderst, doch stehen sie dabei in Opposition zur Sonne. Solche Auf- und Untergänge heißen nicht "heliakisch", sondern "akronychisch".

Heliakisches Jahr[2]

Die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden heliakische Aufgängen eines Himmelskörpers bezeichnet man als das heliakische Jahr. Der Beginn eines solchen Jahres ist von der Geographischen Breite und Position des Sternes abhängig. Die Länge des heliakischen Jahres entspricht ungefähr der des siderischen Jahres. Abweichungen davon erklären sich teils aus der Präzession und aus der Eigenbewegung des Sterns.

Heliakische Aufgänge in der Astrologie

Geschichte

Vor der Einführung des Julianischen Kalenders war die Beobachtung heliakischer Sternaufgänge das wichtigste Mittel zur Bestimmung der Jahreszeiten. Im alten Ägypten markierte der heliakische Aufgang des Sirius im Sommer den Beginn der Nilflut. Außerdem wurden die heliakischen Aufgänge der 36 Dekan-Sterne beobachtet. Dieses System von Sternen, die fast äquidistant (voneinander gleichweit entfernt) waren, erlaubte eine ungefähre Uhrzeitbestimmung während der Nacht. In Mesopotamien zog man die heliakischen Sternaufgänge heran zur Bestimmung der Jahreszeiten, sowie zur Kalenderkorrektur, d.h. für die Bestimmung des Zeitpunkts der notwendigen Einfügung eines Schaltmonats.[3]. Der Grieche Hesiod zeugt in seinem Buch "Werke und Tage", dass heliakische Aufgänge von Sternen dem Bauern zeigten, welche landwirtschaftlichen Tätigkeiten in Angriff genommen werden sollten.[4].

In der Astrologie der Antike, gerade in Mesopotamien, war der heliakische Aufgang von Planeten und Fixsternen von großer Wichtigkeit für Deutung und Prognose. Die babylonischen Omentexte "Enuma Anu Enlil" enthalten Angaben, welche Auswirkungen die Sternaufgänge auf das Schicksal des Königs und des Landes hatten. In neuassyrischer Zeit wurde in den sogenannten "Astronomical Diaries" sorgfältig aufgezeichnet, wann ein Himmelskörper heliakisch aufging und was für Ereignisse damit korreliert waren. Im babylonischen Geburtshoroskop der hellenistischen Zeit wurden heliakische Aufgänge und Untergänge von Planeten notiert, die sich in der Nähe der Geburt ereigneten. Leider ist nicht überliefert, wie diese Ereignisse gedeutet wurden.[5]

Im Alten Reich Ägyptens glaubte man, wie die Pyramidentexte belegen, dass der verstorbene Pharao mit dem heliakisch aufgehenden Morgenstern (Venus) auferstand. In Mesopotamien galt die Venusgöttin Ischtar als Königsmacherin. Auch im alten Israel stand der heliakische Aufgang der Venus in einer besonderen Beziehung zum von Jahwe erwählten König.[6]

Gegenwart

Heute finden die Fixsterne in der Klassischen Astrologie wieder vermehrt Aufmerksamkeit bei der Deutung, und damit verbunden auch der heliakische Auf- und Untergang der Fixsterne.

Bernadette Brady gibt heliakischen Fixsternen im Horoskop eine große Bedeutung. Ihre Definition von "heliakisch" ist allerdings nicht identisch mit der in der Astronomie üblichen. Als "heliakisch" gilt für Brady ein Stern, wenn er vor weniger als 10 Tagen gemeinsam mit der Sonne am Osthorizont stand.[7] Allerdings wird nicht jeder Stern in dieser Periode tatsächlich auch sichtbar.

Zusammenhang zur Verbrennung

Indirekt wird der heliakische Auf- und Untergang immer dann beachtet, wenn von der Verbrennung eines Planeten die Rede ist. Denn "Verbrennung" bedeutet ja nicht zuletzt, dass ein Planet von der Sonne überstrahlt wird, und damit nicht oder nur untergeordnet wirksam sein kann bzw. von der Sonne dominiert wird. Und mit Abendletzt oder Morgenerst beginnt bzw. endet in der klassischen Astrologie spätestens der Orbis zur Sonne, innerhalb dessen ein Planet als verbrannt gelten kann. Hieraus resultiert der manchmal recht groß angegebene Orbis, z.B. 17° bei William Lilly: Die Orben für die eigentliche Verbrennung werden - je nach Planet - zwar enger angegeben, doch spricht er ab diesem Orbis von einer Wirkung "unter den Strahlen der Sonne", und damit einer Schwächung in ihrer astrologischen Wirksamkeit[8].

Weblinks

Quellen und Anmerkungen

  1. Photographie von Wikipedia
  2. Abschnitt von Wikipedia übernommen.
  3. Gemäß dem Keilschrifttext "Mul.Apin", herausgegeben von Hermann Hunger und David Pingree. In neuassyrischer Zeit wurde dieses Verfahren durch zyklische Einfügung von sieben Schaltmonaten innert 19 Jahren ersetzt.
  4. Burkard Steinrücken, Die Verwendung von Sternphasen zur Zeitbestimmung bei Hesiod
  5. Francesca Rochberg, The Babylonian Horoscopes
  6. Dieter Koch, Der Stern von Bethlehem
  7. Bernadette Brady, Brady's Book of Fixed Stars, S. 412
  8. William Lilly: Christliche Astrologie. Erstes Buch, 19. Kapitel. Online-Auszüge (engl.): "under the sun beams"