Fatalismus

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Das Rad der Fortuna. Alles vorherbestimmt oder Glück/ Zufall?

Synonym: Vorherbestimmung (Prädestination)

Begriff

Die Ergebenheit in ein als unabänderlich angesehenes Schicksal. Das Wort leitet sich vom lateinischen fatum (Schicksalsspruch) ab. Häufig wird eine religiöse Instanz als zugrunde liegend angesehen. - es mag sich dabei um eine unpersönliche Macht handeln, die alle Geschicke auf Erden lenkt, oder es ist "Gottes Wille", dem sich der Mensch unterordnen muss.

Umgangssprachlich werden die Begriffe „Fatalismus“ und „Determinismus“ oft gleich verwendet. „Fatalismus“ hat heutzutage jedoch einen deutlich abwertenden Beiklang, eine negative Konnotation. Er wird grundsätzlich als Pessimismus und Erwartung eines schlechten Ausgangs aufgefasst, und meist mit Ohnmacht, Hilflosigkeit und Passivität verbunden. Unter "Determiniertheit" lässt sich dagegen durchaus auch eine positive, konstruktive, finale "Bestimmung" verstehen, in dem Sinne, dass der Rahmen (grob) festgelegt ist, nicht aber die Details.[1]

Eine fatalistische Grundhaltung ist häufig im Islam anzutreffen: bereits das Wort Islam bedeutet "Ergebung" (in den Willen Allahs).

Der Fatalismus verneint im Grunde den Freien Willen des Menschen.

Philosophiegeschichte

Die in der griechischen Antike für das Schicksal (heimarménē) zuständige Instanz waren die drei Schicksalsgöttinnen, die Moiren (römisch: Parzen, germanisch: Nornen). Sie spinnen jedem Menschen seinen sprichwörtlichen Schicksalsfaden. Bei Thales (7./ 6. Jahrhundert v.Chr.) tritt die Vorstellung einer Naturnotwendigkeit (anánkē) auf, die als mechanisch wirkende Kraft verstanden wurde; Heraklit sprach von einer "schicksalhaften Notwendigkeit" (heimarménē anánkē).
Platon legte allerdings auch in Anbetracht der Existenz der Moiren großen Wert auf die Willensfreiheit des Menschen und die Schuldlosigkeit der Gottheit am Schicksal, das sich jeder selber wähle. Daran hielt man bis zum Neuplatonismus fest; d.h. in der Renaissance wird auch von Marsilio Ficino die fatalistische Sichtweise verworfen. Die Position der Platoniker war, dass die menschlichen Handlungen frei, ihre Folgen jedoch an die Schicksalsnotwendigkeit gebunden seien (vgl. das asiatische Karma).
Bei den (griechischen und römischen) Stoikern hingegen war die Neigung zum Fatalismus stark ausgeprägt. Fatalistisch dachte etwa Seneca, der von einer unerbittlichen Notwendigkeit der Schicksale schrieb, zugleich aber das Leben als Kampf mit den vom Schicksal verhängten Widrigkeiten sah. Die Abhängigkeit von der Schicksalsnotwendigkeit fassten die Stoiker nicht negativ nur als Ausgeliefertsein auf. Und eine moralische Handlung war für sie auch dann sinnvoll, wenn das Schicksal dadurch nicht beeinflusst werden könne. Sie forderten eine grundsätzliche Bejahung der Weltordnung, die dem Menschen sein Schicksal auferlege. Der stoisch gesinnte römische Kaiser Mark Aurel betonte dieses Anliegen besonders: man solle sein Schicksal lieben und dadurch zur Ruhe kommen. Ähnlich meinte im 19. Jahrhundert Nietzsche, der höchste für einen Philosophen erreichbare Zustand sei, das Schicksal nicht nur zu ertragen, sondern es zu lieben (amor fati).

Astrologie

In der Astrologie bedeutet Fatalismus, die in einem Horoskop feststellbaren Eigenheiten als unverrückbare Tatsachen hinzunehmen, in der Folge als Individuum mehr oder weniger zu resignieren und die eigene Verantwortung abzugeben. Astrologischer Fatalismus verneint die Möglichkeit, seine Anlagen als Basis für einen Entwicklungsprozess - welcher Art auch immer - zu benutzen, d.h. dass eine Radix bestimmte Potenziale offenbart, deren konkrete Realisierung jedoch offenlässt. Ein schicksalshaftes Denken wird von der heutigen Astrologie deshalb meist abgelehnt (Revidierte Astrologie und psychologische Astrologie).

In gewissem Sinne beruht jedoch die gesamte Astrologie auf zumindest deterministischen Grundannahmen: insofern, dass sie davon ausgeht, dass bestimmte Ursachen (Konstellationen) spezielle Wirkungen (Schicksale oder Handlungsspielräume) hervorrufen (siehe Kausalität). Allerdings setzt die moderne Astrologie den Freiraum, innerhalb dessen sich das Individuum bewegen kann, wesentlich weiter als früher.

Auch manche heutige astrologische Ausrichtungen beruhen auf einer sehr engen Sichtweise des "Schicksals", da sie von einer eindeutigen Zuordnung der Konstellationen zu Ereignissen ausgehen müssen: die Elektion, teilweise bzw. in ihrer veralteten Form die Stundenastrologie, und meist auch die Börsenastrologie. Die Indische Astrologie arbeitet ebenfalls ziemlich fatalistisch.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Historisches Beispiel einer "selbsterfüllenden Prophezeiung"[2] ist der Fall des Astrologen Valentin Naibod: Aus seinem Horoskop ersah er, dass er entsprechend von Direktionen Gefahr lief, "durch das Schwert verwundet oder getötet zu werden"[3] Er traf daraufhin alle Vorkehrungen, um diesem drohenden Unheil der kommenden Monate zu entgehen, legte sich Lebensmittelvorräte an und verriegelte die Fenster und Türen, mit der Absicht, sich so lange versteckt zu halten, bis die Gefahr vorüber sei. Die geschlossenen Fensterläden lockten aber wohl gerade Einbrecher an, von denen er mit fünf Messerstichen getötet wurde.

Weblinks

Anmerkungen und Quellen

  1. Der Astrologe Wolfgang Döbereiner sieht etwa den vierten Quadranten als (finales) Ziel und Ergebnis der menschlichen Entwicklung.
  2. Oder auch, je nach Sichtweise, der astrologischen "Treffsicherheit" bzw. dass man "seinem Schicksal eben nicht entrinnen" kann.
  3. Zitiert von Robert Cross Smith in: "A manual of astrology", S. 32 online