Chiron

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Chiron-Symbol

Chiron (oder Cheiron) ist der Name des in der Astrologie meistbeachteten Asteroiden aus der Gruppe der Kentauren.
Der Begriff leitet sich aus dem griechischen Wort für "Hand" ab.

Astronomie

Parameter Größe[1][2]
MPN 2060
Große Halbachse 13,694 AE
Perihel   8,50 AE … 9°Lib.gif
Aphel 18,86 AE … 9°Ari.gif
Bahnneigung 6,93°
Umlaufdauer 50 a 246 d
Albedo 0,048
Durchmesser 218 ± 20 km (geschätzt)
Exzentrizität 0.38271
Fotonachweis 18. Oktober 1977 9:08 UT
Ursprüngl. Name 1977 UB

Chiron ist der erstentdeckte der Kentaurenfamilie unter den Kleinplaneten (MPN 2060); die Kentauren nehmen eine Zwischenstellung zwischen Kometen und Asteroiden ein. Er bewegt sich zwischen der Saturn- und der Uranusbahn und wurde am 1. November 1977 am Palomar-Observatorium (Kalifornien)/ USA, von Charles T. Kowal entdeckt[3] Sein Durchmesser liegt bei ca. 218 km, der mittlere Sonnenabstand beträgt 2.036 Millionen Kilometer. Für einen siderischen Umlauf auf einer stark elliptischen, exzentrischen Bahn benötigt er 50,2 Jahre.[4] Eine Besonderheit von ihm ist, dass er anscheinend über zwei Ringe verfügt.[5]

Seine Verweildauer in den Tierkreiszeichen ist sehr unterschiedlich lang. So bleibt er beispielsweise sieben bis acht Jahre in den Fischen und im Widder (Aphel, sonnenfernster Punkt). Dagegen verweilt er nur etwa anderthalb bis zwei Jahre in der Jungfrau und in der Waage (Perihel, sonnennächster Punkt). Im Perihel verläuft seine Bahn sogar noch innerhalb der Saturnbahn. Wenn er seinen Aphel erreicht, kommt sie bis knapp an die Uranusbahn heran, jedoch ohne sie zu schneiden (siehe Grafik unten).

Mythologie

Ch(e)iron lehrt Achill das Leierspiel.[6]

In der antiken Mythologie ist Chiron der Weise und Heiler unter den Kentauren-Wesen, mit dem Oberkörper eines Menschen und einem Pferdeleib, sowie ihr Anführer. Wie Pholus hebt er sich von der Masse der Triebhaften ab. Schon durch seine Abstammung unterscheidet er sich von den anderen Kentauren. Er war nämlich der Sohn von Kronos (Saturn) und der Nymphe Philyra. Er kam zu seiner Gestalt, weil sich Kronos der Nymphe als Hengst angenähert hatte. Seine Mutter verstieß ihn nach seiner Geburt, abgestoßen von seinem Äußeren. Daraufhin wurde er von dem Sonnengott Apollon und der Mondgöttin Artemis erzogen. Er zeichnete sich aus durch seine Weisheit und heilerischen Fähigkeiten. So wurde der Hässliche schließlich zum Lehrer vieler Götter und Helden, denen er die Heil-, sowie die Kriegskunst beibrachte, aber auch die Weissagung, die Jagd und die Musik. Seinen Namen erhielt er aufgrund der Geschicklichkeit seiner Hand.

Als Herakles sich im Kampf mit den Kentauren befand, traf einer seiner Giftpfeile versehentlich Chiron. Die Wunde führte zu schrecklichen Qualen, denn das Gift wirkte, konnte ihn als Göttersohn jedoch nicht töten; wegen seiner göttlichen Abstammung war er unsterblich. Obwohl er anderen immer helfen konnte, blieb es ihm versagt, sich selbst zu heilen. So wurde er zum "verwundeten Heiler". Seine Erlösung erlangte er, als ihm Herakles vom Schicksal des Titanen Prometheus berichtete. Der war wegen seines Aufbegehrens gegen den Willen von Zeus an einen Felsen des Kaukasus gekettet worden. Jeden Tag kam ein Adler und fraß an seiner Leber; doch auch er konnte nicht sterben, weil sie in der Nacht immer wieder nachwuchs. Entkommen konnte Prometheus seinem Schicksal nur, wenn einer der Unsterblichen bereit wäre, sich für ihn zu opfern, und an seiner Stelle in die Unterwelt zu gehen. Chiron stimmte dem zu. Damit opferte er seine Unsterblichkeit und erlöste Prometheus von seinem Leiden. Zeus war davon so gerührt, dass er die Opfer annahm. Chiron durfte den Hades wieder verlassen und in den Götterhimmel einkehren, wo er als Sternbild des Kentauren zu sehen ist.

Identifikation Chirons als neuentdecktem Himmelskörper.

Deutung

Chirons Themen sind die Ambivalenz von geistiger Größe und körperlicher Unvollkommenheit, von Heilen und der Schwierigkeit der Selbstheilung, sowie von Opfer und Erlösung. Darüber hinaus ist er mit der astronomischen Position im Sonnensystem und seiner mythologischen Geschichte ein Mittler zwischen der materiellen Welt (Pferdekörper, Planet Saturn) und der geistigen (menschliche Weisheit, Planet Uranus). Er kennt beide Pole, kann ihrem Widerspruch aber nicht entrinnen. Wenn er versucht, seinen körperlichen Teil zu ignorieren, ruft der sich in Form von Schmerzen in Erinnerung. Dagegen ist Chiron machtlos, obwohl er ein großer Heiler ist. Als er den materiellen Teil in sich so weit akzeptiert, dass er sogar seine göttliche Herkunft dafür herzugeben bereit ist, erfährt er schließlich die Erlösung.

Eva Stangenberg fasst zusammen, worum es dabei geht: "Seine Stellung in unserem Radix zeigt uns nun, wo wir die Spaltung, unsere Wunde, erfahren, wo wir aber dadurch auch die größte Chance haben, sie zu überwinden, heil zu werden. Und dadurch wird es möglich, mittels der geistigen Erkenntnisfähigkeit des Uranus die Einheit von Körper und Geist nicht nur in uns, sondern in allem, was ist, wahrzunehmen... Bei Chiron geht es nicht darum, durch harte Arbeit an einem Thema zur Meisterschaft zu gelangen wie bei Saturn, oder durch Lösung von Traumata gebundene Energien zu befreien wie bei Pluto, sondern durch Annehmen des Mangels ,heil' zu werden... Unsere Erfahrungen mit unserem Mangel und die Annahme dieses Mangels machen es erst möglich, andere, die ähnliche ,Probleme' haben, zu verstehen... Wir schenken anderen unser Mitempfinden, unser Verständnis, unsere Erfahrungen und können ihnen damit helfen. Damit ,opfern' oder schenken wir nicht etwas, wodurch wir ,ärmer' werden, im Gegenteil, wir ,gewinnen' eine Verbindung, stellen Einheit her, wo vorher Abspaltung war."[7]

Synopse des Deutungsspektrums, nach Robert von Heeren[8]
  • International (Melanie Reinhart, etc.): Verwundung/ Krankheit/ Heilung/ Ganzheitlichkeit: Leiden, Krankheiten, Unfälle, Verwundungen als Wendepunkte im Leben: schwierige Lebensphasen; Erkrankungen "durchleuchten" unser Wesen und bringen Grundstrukturen mit all ihren evtl. Defiziten zum Vorschein. Dies leitet oft einen Wandlungsprozess ein. Während es bei Saturn mehr um das geduldige Ertragen des "Schicksals" und ausdauerndes Hinarbeiten auf die Heilung geht, versucht Chiron uns über ein neues Bewusstsein für unsere Selbstverantwortung mehr innere Freiheit und Verständnis für das Leiden zu geben. Therapien zielen auf das Auffinden des "inneren Schlüssels" zur Heilung hin, welches einem letztlich hilft, den tieferen Sinn in äußerlichen "Beschwerden" zu sehen und sich von dem oft begleitenden Frust zu lösen. Dies bewirkt eine innere Erleichterung und Lockerung, die den Heilungsprozess beschleunigt, ohne etwas zu Verdrängen (wie bei der uranischen Rebellion) oder sich dem Schicksal zu überlassen (Saturn). In extremen Fällen auch ein Frieden-Schließen mit dem Unabänderlichen.
  • Ironie des Schicksals: der Heiler, der sich nicht selbst heilen kann; Aspekt der Demut.
  • Hans-Jörg Walther: Chironischer Humor: öffnet für Kurioses, ungewöhnliche Blickwinkel, verborgene Wahrheiten und neue Horizonte/ Dimensionen. Stellt uns "drüber".
  • Dieter Koch: Resignierte Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit, Apathie.
  • Liz Greene: Sich schuldig fühlen für kollektiven Schmerz und Generationen-Probleme, für die man nicht direkt verantwortlich ist. Weltschmerz.
  • Zane B. Stein: Chiron öffnet eine "Schleuse", durch die unkontrolliert Fremdes hereinflutet.
  • Robert von Heeren, Dieter Koch: Heilkunst/ Kriegskunst: alles was heilt, kann auch töten. Das Thema der Balance und der richtigen Dosis (z.B. von Medizin, Giften).
  • Robert von Heeren: Chironische Transformationen: über das Akzeptieren/ Annehmen von Tatsachen innere Befreiuung und Lockerung erlangen. Akzeptieren von Wunden ist oft der erste Schritt zur Heilung[9]. Balance zwischen körperlicher Verwundbarkeit bzw. Abhängigkeit und der Überlegenheit sowie Unabhängigkeit des Geistes.
  • Konfrontation mit Paradoxa: Verweis auf trans-saturnische Dimensionen, die verwirrend für uns sind. Chiron öffnet wie ein Schlüssel, zeigt die Durchgänge und Lücken in der Saturn-Realität zu Uranus.
  • Chiron als Lehrer: Echte und tiefe Wissens- und Erfahrungsvermittlung: die chironische Lehrer-Schüler-Beziehung steht genau zwischen Respekt/ Autorität/ Konvention/ Achtung (Saturn) und Gleichstellung/ Unkonventionalität (Uranus), hat somit etwas Verwundbares sowie Zerbrechliches.
  • Ungewöhnliche Heilmittel, z.B. Musiktherapie. Entrückung aus der Realität und Befreiung aus Realitätszwängen erreichen, also Zugang zu versteckten Dimensionen finden. Ganzheitliches Menschenbild.
  • Begegnungen mit Personen, die als Schlüsselfiguren fungieren.

Baldur Ebertin bringt Chiron (neben Vesta) in Verbindung mit Karma und Reinkarnation.[10]

Domizil

Über das Domizil von Chiron sind sich die Astrologen nicht einig. Die meisten sehen ihn entweder als Herrscher des Schützen oder aber der Jungfrau.
Es gibt aber auch die Ansicht, dass man ihm gar kein Domizil zuordnen kann.

Fotonachweis Chirons

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Walter arbeitet die verschiedenen Facetten des Chiron-Prinzips heraus: unter anderem die Polarität Heil und Unheil, ebenso dessen Beziehung zum Humor. Eindringliche Belege für den chironischen Humor erbringt seine Studie über die englische Comedy-Gruppe Monty Python. Ebenso deckt er die dunkle Seite des Kentauren auf und sieht dessen archetypische Bedeutung in drei Gestalten der Gralssage symbolisiert: im Erlöserhelden Parzival, im Dulderkönig Amfortas, aber auch in dem Schwarzmagier Klingsor.
Stein war der erste Astrologe, der ein Werk über Chiron schrieb. Man merkt dem Büchlein an, das der Autor noch sehr tastend und vorsichtig zu Werke geht. Es werden viele hilfreiche Beobachtungen von Transiten wiedergegeben, die durchaus konstruktiv sind, und oftmals einen Hinweis auf die Lebensaufgabe geben sowie innere Affinitäten.
  • Barbara Clow: Chiron - Die Verbindung zwischen inneren und äußeren Planeten. Hugendubel 1989, Neuauflage IRIS Amsterdam 2005. ISBN 9063610319
Chiron wird hier nicht nur als die innere Verletzung und der Heiler beschrieben, sondern, in Anbetracht seiner starken saturnalen Beeinflussung, mit den Bereichen Arbeit, Karriere und Leistung in Zusammenhang gebracht. Hierdurch wird ein sehr hilfreicher Umgang mit ihm aufgezeigt, der neben dem chironischen Schmerz auch eine ebensolche Freude und Glück zulässt, bzw. dem Leser einen Weg dorthin zeigt.
  • Zane B. Stein: Wendepunkt Chiron, Chiron Verlag, (4. Auflage 2007, englisches Original 1987) ISBN 978-3925100086
Baut auf seinem ersten Chiron-Buch auf. Bietet die kompletten Radix-Aspektierungen, sowie Hinweise zu den Transiten und Progressionen. Interessant auch die Berücksichtung von Nebenaspekten.
Mit Beiträgen von: Beatrix Braukmüller, Roswitha Broszath, Baldur Ebertin, Bernhard Firgau, Ute Flörchinger, Karen Hamaker-Zondag, Brigitte Hamann, Markus Jehle, Lianella Livaldi Laun, Al H. Morrison, Petra Niehaus, Melanie Reinhart, Christoph Schubert-Weller, Wilfried Schütz, Eva Stangenberg, Reinhardt Stiehle, Erik van Slooten, Christopher Weidner
Leseprobe bei Astrodienst: Wenn Chiron spricht - Bilder einer Aufstellung (Weidner)
Bahngrafik für Chiron.

Quellen und Anmerkungen

  1. Wikipedia: (2060) Chiron
  2. Teilweise aktualisierte Daten vom JPL Small-Body Database Browser übernommen.
  3. Am 18. Oktober 1977 wurde die Aufnahme gemacht, auf welcher er dann von Kowal festgestellt wurde. Als Entdeckungsmoment gilt jedoch der 1. November 1977, 10h a.m. PST (8hw), Pasadena, California; Angabe von Kowal an die Astrologin Joelle Mahoney. (Quelle: Erminie Lantero, The Continuing Discovery of Chiron, York Beach, Maine: Samuel Weiser, 1983; zitiert in Brian Clark, Keys to Understanding Chiron, Abbotsford, Vic, Aust, Astro*Synthesis, 1992, p 41). Nachdem seine Bahn bekannt war, konnte er auch auf älteren Aufnahmen identifiziert werden.
  4. Quelle der astronomischen Daten: Das Kentauren Forschungsprojekt
  5. Eine Besonderheit, die er mit dem Kentauren Chariklo teilt.
  6. Fresko im römischen Herculaneum.
  7. Eva Stangenberg: Chiron, der verwundete Heiler. In: Meridian 4/ 98, S. 43ff.
  8. Themen-Übersicht zu den Kentauren (übernommen mit freundlicher Genehmigung).
  9. Siehe z.B. die Emotional Freedom Techniques (EFT).
  10. Sternwelten-Artikel Ebertins: Karma und Reinkarnation im Horoskop?