Heliozentrisches Horoskop
Das heliozentrische Horoskop setzt nicht, wie sonst in der Astrologie üblich, einen Ort auf der Erdoberfläche als Ausgangspunkt bzw. Zentrum des Horoskops, sondern nimmt die Sonne.
Darstellungsunterschiede zum geozentrischen Horoskop
Analog zum geozentrisch (auf einen Ort der Erde) erstellten Horoskop, in dem die Sonne die wichtigste Rolle spielt, ist es im heliozentrischen die Erde.
Der Mond wird nicht dargestellt, sondern als Einheit mit der Erde gesehen, wie ja auch die Monde anderer Planeten normalerweise keine Rolle spielen. Die Mondknoten darzustellen ist deshalb ebenfalls nicht möglich. Es gibt auch keine Rückläufigkeit mehr. Die Planetenpositionen der sonnenfernen Planeten verändern sich im Vergleich zur geozentrischen Darstellung nur wenig, die Positionen der inneren Planeten ab Mars jedoch sehr stark, Venus und Merkur stehen oft an vollkommen anderen Orten. Da diese zwei in ihrer Position bei der heliozentrischen Darstellung nicht mehr an die Stellung der Sonne gebunden sind, da sie nicht mehr von der Erde aus betrachtet und deshalb als innerhalb der Erdbahn kreisend gesehen werden, können sie nun sämtliche Aspekte zueinander bilden, beispielsweise ein Quadrat, ein Trigon oder eine Opposition. Die Erde steht im heliozentrischen Horoskop immer exakt in Opposition zur Sonne des geozentrischen Horoskops.
Häuserproblematik: Da sich ein heliozentrisches Horoskop auf das Zentrum der Sonne bezieht, also auf keinen Ort auf ihrer Oberfläche, enthält dieses Horoskop prinzipiell keine Horizont- oder Meridianachse, damit auch keine Häuser. Das Horoskop wird meist so dargestellt, dass 0° Widder links steht.
Geschichte
Die Möglichkeit, ein heliozentrisches Horoskop zu erstellen, ist schon über fünfzig Jahre bekannt, wurde bisher jedoch nur selten genutzt. Reinhold Ebertin gab ab 1960 für ein paar Jahre eine heliozentrische Ephemeride heraus.[1] In seiner Astroenergetik (Erstauflage 1982) legte auch Hans Taeger großen Wert auf die ergänzende Sichtweise der Heliozentrischen Astrologie bzw. auf eine Integration der Gegenzeichen, und sah im Heliozentrischen Horoskop vor allem ein Symbol des (Höheren) Selbst, zumal die Sonne im geozentrischen Horoskop für den Wesenskern eines Menschen steht.
Methode
In jüngerer Zeit beschäftigte sich Heidi Treier viel mit dem Thema und veröffentlichte dazu (zusammen mit Sibylle Sulser) auch das Buch "Das heliozentrische Horoskop". Ihr Anwendungsvorschlag kann dem Bereich der esoterischen Astrologie zugeordnet werden.
Demnach bietet das heliozentrische Horoskop in der Individualastrologie dann hilfreiche Aussagen, wenn sich ein Mensch von der persönlichkeitsbezogenen und materiellen Ebene löst, und so offen ist für bewusstseinserweiterte Sicht- und Handlungsweisen. Verengte persönliche wie kollektive Ideen und Gedankenformen werden durch die heliozentrische Betrachtungsweise erweitert und potentiell überwunden. Vor allem die inneren Planeten - die ja nun sämtliche Aspekte miteinander bilden können - zeigen neue kreative Wege und Ausdrucksmöglichkeiten auf. Wichtig, um diese Chancen zu sehen, ist laut Treier das Aussteigen aus den bisherigen, begrenzten Denkmustern, beispielsweise durch Meditation oder Kontemplation. Ziel ist eine überpersönliche Perspektive, eine neue Denk- und Handlungsweise.
Treier deutet das heliozentrische Horoskop nicht losgelöst von der Radix, sondern in Verbindung mit ihr. Insbesondere Planeten, die in anderen Zeichen stehen als im geozentrischen Horoskop, sowie die Erdposition als solche, sind hierbei von entscheidender Bedeutung. Neptun übernimmt die Funktion eines "entwickelten" Mondes, und zeigt die Seelenthemen an[2].
Einwände
Mit dem heliozentrischen Horoskop lässt man eines der grundlegenden Prinzipien der traditionellen Astrologie außen vor: jedes Horoskop wird normalerweise mit einem Ereignis oder Individuum als physischem Zentrum bzw. Bezugspunkt erstellt. Dies ist auch der Grund, warum die Astrologie bis heute geozentrisch arbeitet, und die "Kopernikanische Wende" nicht mitmachte. Natürlich ist die Sonne der zentrale Ort unseres Sonnensystems, gleichzeitig aber im Horoskop ein Planet wie jeder andere, wenn auch mit etwas höherem Gewicht. So könnte man jeden anderen Planeten im Horoskop als Ausgangspunkt nehmen, und beispielsweise ein mars- oder merkurzentriertes Horoskop erstellen.
Hauptsächlicher Kritikpunkt ist jedoch, dass wir uns schlichtweg nicht auf der Sonne befinden, und ein sonnenzentriertes Horoskop praktisch zu erleben kaum machbar sein dürfte, d.h. dass - für einen Pragmatiker - alle aus dem heliozentrischen Horoskop abgeleiteten Bedeutungen von recht theoretischer Natur bleiben.[3] Die Heliozentrische Astrologie hat etwas sehr Idealistisches - mit allen Vor- und Nachteilen.
Zwar sprechen okkulte Quellen[4] durchaus davon, dass auf der Sonne für die Menscheit entscheidende Wesenheiten und Energien existieren, und auch der Einfluss von Sonnenflecken, -stürmen und -ausbrüchen (Flares) auf unser Klima und unsere Physis ist nicht zu leugnen. Aber der Umstand, dass jeder ab sofort zwei Horoskope besitzt (ein klassisch geozentrisches sowie ein heliozentrisches), kann psychischen Verdrängungsmechanismen Vorschub leisten: dass man etwa sein unliebsames "irdisches" Horoskop einfach wegschiebt/ als für einen nicht mehr gültig erklärt, da man sich schon auf einer "höheren", spirituell entwickelteren Ebene befinde...
Literatur und Links
- Reinhold Ebertin: Das Doppelgesicht des Kosmos - Einführung in die heliozentrische Darstellung von Konstellationen und deren Gegenüberstellung zu geozentrischen Aufzeichnungen. 105 S. Ebertin Verlag, Aalen 1962
- Heidi Treier, Sibylle Sulser: Das heliozentrische Horoskop - Die Verbindung zwischen Sonne, Mensch und Erde. 160 Seiten. Astronova Verlag, Tübingen 2010 ISBN 9783937077444
- Heidi Treier: Heliozentrische Astrologie (mit elf Heliozentrischen Grundregeln)
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Gertrud Hürlimann: Astrologie, Oesch Verlag, 2005, S. 16
- ↑ Heidi Treier: Das Heliozentrische Horoskop – eine erweiterte Sichtweise der Astrologie. (Artikel auf Sternwelten) abgerufen am 27. August 2012
- ↑ Tony Bonin äußerte dazu lapidar: "Ich bin doch nicht auf der Sonne geboren!"
- ↑ s. hierzu das AnthroWiki