Heliozentrisches Horoskop
Das heliozentrische Horoskop setzt nicht, wie sonst in der Astrologie üblich, eine Ort auf der Erdoberfläche als Zentrum des Horoskops, sondern die Sonne.
Darstellung
Analog zum geozentrisch (oder auf einen Ort der Erde) erstellten Horoskop, in dem die Sonne die wichtigste Rolle spielt, ist es im heliozentrischen nach Treier die Erde. Der Mond wird nicht dargestellt, sondern als Einheit mit der Erde gesehen, wie ja auch die Monde anderer Planeten nicht dargestellt werden. Mondknoten sind selbstveständlich ebenfalls nicht darstellbar. Im heliozentrischen Horoskop verändern sich die Planetenpositionen der sonnenfernen Planeten im Vergleich zur geozentrischen Darstellung nur gering, die Positionen der inneren Planeten ab Mars jedoch sehr stark, Venus und Merkur stehen oft an vollkommen anderen Orten. Da in der heliozentrischen Darstellung Venus und Mars in ihrer Position nicht mehr an die Stellung der Sonne gebunden sind, können sie auch Aspekte zueinander einnehmen, die sonst unmöglich wären, beispielsweise Quadrat, Trigon oder Opposition. Die Erde steht im heliozentrischen Horoskop haargenau in Opposition zur Position der Sonne im geozentrischen Horoskop.
Da sich ein heliozentrisches Horoskop auf das Zentrum der Sonne bezieht, also keinen Ort auf ihrer Oberfläche, enthält dieses Horoskop keine Horizont- oder Meridianachse, damit auch keine Häuser.
Anwendung
Die Möglichkeit, ein heliozentrisches Horoskop zu erstellen, ist zwar schon lange bekannt, wurde jedoch nur selten genutzt, da über eine mögliche Deutung wenig bekannt war.
In jüngerer Zeit hat sich Heidi Treier mit dem Thema beschäftigt und dazu auch das Buch "Das heliozentrische Horoskop" veröffentlicht. Dieser Anwendungsvorschlag kann dem Bereich der esoterischen Astrologie zugeordnet werden.
In der Individualastrologie soll das heliozentrische Horoskop dann hilfreiche Aussagen bieten, wenn sich ein Mensch von der persönlichkeitsbezogenen und materiellen Ebene löst, und so offen ist bewusstseinserweiterte Sicht- und Handlungsweisen. Persönliche und kollektive Denk- und Seinsweisen sollen durch die heliozentrische Betrachtungsweise überwunden werden können. Vor allem die inneren Planeten - die ja nun auch aus geozentrischer Sicht unmögliche Aspekte untereinander bilden können - zeigen Wege für neue kreative und schöpferische Ausdrucksmöglichkeiten auf. Wichtig, um dies erfahren zu können, ist laut Treier das Aussteigen aus bisherigen, begrenzten Denkmustern, beispielsweise durch Meditation oder Kontemplation. Ziel ist eine überpersönliche Denk- und Handlungsweise.
Treier deutet das heliozentrische Horoskop nicht losgelöst vom Radix, sondern in Verbindung mit ihm. Damit sollen in der heliozentrischen Betrachtungsweise neue, alternative Sichtweisen erkannt werden, die dazu dienen können, einschränkende Muster zu erkennen und zu überwinden. Insbesondere Planeten, die in anderen Zeichen stehen als im Radix, sowie die Erdposition sind hier von entscheidender Bedeutung. Neptun übernimmt die Bedeutung eines "entwickelten" Mondes[1].
Eine mögliche Anwendung des heliozentrischen Horoskops könnte sein, etwas über das eigene Selbst zu erfahren, da die Sonne im geozentrischen Horoskop für den eigenen Wesenskern steht.
Kritik
Mit dem heliozentrischen Horoskop lässt man eines der grundlegenden Prinzipien der Astrologie außen vor: jedes Horoskop wird normalerweise mit einem Ereignis oder Individuum als physischem Zentrum erstellt. Dies ist auch der Grund, warum die Astrologie bis heute geozentrisch arbeitet. Sicher ist die Sonne der zentrale Ort unseres Sonnensystems, gleichzeitig aber im Horoskop ein Planet wie jeder andere auch, wenn auch mit etwas höherer Bedeutung. So könnte man sicher auch jeden anderen Planeten im Horoskop als Zentrum nehmen, und so beispielsweise ein mars- oder merkurzentriertes Horoskop erstellen.
Hauptsächlicher möglicher Kritikpunkt ist jedoch, dass wir uns schlichtweg nicht auf der Sonne befinden, ein sonnenzentriertes Horoskop praktisch zu erleben kaum machbar sein dürfte, und alle aus dem heliozentrischen Horoskop abgeleiteten Bedeutungen von rein theoretischer Natur bleiben werden.
Literatur
- Heidi Treier, Sibylle Sulser: Das heliozentrische Horoskop - Die Verbindung zwischen Sonne, Mensch und Erde. 160 Seiten. Astronova Verlag, Tübingen 2010 ISBN 9783937077444
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Heidi Treier: Das Heliozentrische Horoskop – eine erweiterte Sichtweise der Astrologie. Abgerufen am 27. August 2012