Parallele

Aus Astrodienst Astrowiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Typische Aspekttabelle mit Aufzeichnung der Deklinationsaspekte, die häufig nur mit einem P. sowohl für die Parallele als auch für die Contraparallele gekennzeichnet wurden. Zwischen Mond und Mars, Asz. und Jupiter besteht in diesem Beispiel gleichzeitig eine Parallele und eine zodiakale Opposition. Die Parallele wurde deshalb in der Tabelle mit dem Oppositionssymbol eingetragen: A18_017.gif P.. In der Spalte unter "Deklination" wurde auf die Kennung N für Nord oder S für Süd verzichtet, damit auf die Unterscheidung zwischen Parallele und Contraparallele. (C. AQ.Libra, Astrologie ihre Technik und Ethik, 1922)

Symbol:Parallele Symbol.jpg

Synonyme: Deklinationsparallele, Parallelschein, Parallelaspekt

Parallele

Die Parallele ist von der Mundanen Parallele (Rapt Parallele) zu unterscheiden und bezieht sich auf die Deklinationswerte zweier Planeten oder auch auf andere Horoskopfaktoren (z.B. Medium coeli, Aszendent oder Häuserspitzen etc.). Die Deklinationsparallele definiert sich aus dem gleichen senkrechten Winkelabstand eines Planeten, Tierkreisgrades oder anderen Horoskpfaktors vom Himmelsäquator, und zwar sowohl in nördlicher als auch in südlicher Richtung. Wenn zwei Planeten oder Horoskopfaktoren entweder beide nördlich oder südlich im gleichen Abstand zum Himmelsäquator liegen, dann spricht man von einer "Parallele" Parallele Symbol.jpg . Wenn der eine entweder südlich und der andere Planet oder Horoskopfaktor nördlich liegt, dann wird der Deklinationsaspekt als "Contraparallele" (Gegenparallele) Contraparallele Symbol.jpg bezeichnet. In der älteren Literatur wird sowohl die Parallele als auch die Contraprallele nur mit einem P. gekennzeichnet, denn in der Regel wurde in der Bewertung eines Parallelaspektes nicht zwischen südlicher und nördlicher Deklination unterscheiden, da man von einer gleichen Wirkung bei identischen Abständen zum Äquator ausging. Der Orbis beträgt nicht mehr als 1° bis maximal 1,3°.

Beispiele: (N = nördlich und S für südlich des Himmelsäqutors) anhand von gleichen Deklinationswerten der Planeten Uranus A40_238.gif und Jupiter A29_112.gif zum Himmelsäquator.


  1. A40_238.gif 17° N und A29_112.gif 17° N = Parallele Symbol.jpg (Parallele)
  2. A40_238.gif 17° S und A29_112.gif 17° S = Parallele Symbol.jpg (Parallele)


  1. A40_238.gif 17° S und A29_112.gif 17° N = Contraparallele Symbol.jpg (Contraparallele )
  2. A40_238.gif 17° N und A29_112.gif 17° S = Contraparallele Symbol.jpg (Contraparallele )


Geschichte

Magini's eigenes Horoskop (in: Tabulae primi mobilis, 1604), Angabe der Breite (Latitude)

Die Berücksichtigung der Deklinationsparallelen als gültige Aspekte geht eventuell schon auf Giovanni Antonio Magini zurück, bekannt wurde sie durch Placidus de Titis (1603 - 1668).[1][2] Wilhelm Knappich über das Leben und die Lehre des Placido de Titi's in Bezug zu den Parallelaspekten: "Zu den wirksamen Zodiakalbeziehungen

Horoskopzeichnung von Placidus, der stets rechts die ekliptikale Breite (Latitude) und die Deklination (Declinatio) notierte. Aus Placido de Titis, Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, 1647 n.Chr. , S. 131) [3]

gehören außer den Zodiakalaspekten im engeren Sinne auch die Zeichen selbst, dann die Zodiakalparallelen die ebenfalls als "Punkte gleicher Kraft im Zodiakallauf" (169) definiert werden, aber nicht wie die alten Antiszien bloß nach Ekliptikgraden genommen werden dürfen. Denn nicht die Ekliptik, sondern nur die Sterne selbst leuchten und sind wirksam, und daher müssen diese Parallelen von den Sternen selbst in ihrem Verhältnis zu den vier Wendepunkten des Tierkreises genommen werden, also nach gleicher oder entgegengesetzter Deklination (primäre und sekundäre Zodiakalparallelen)."[4]

Becker-Astrologielexikon:"..; in der alten Tradition als stark wirkend angesehen, in der neuen Astrologie aber meist vernachlässigt. Der Parallelaspekt ist von den Antiszien zu unterscheiden."[5]

Progression der Parallelen

Placidus de Titis berücksichtigte die Deklinationsparallelen ausgiebig.[6] Er betrachtete sowohl die mundanen Parallelen (siehe Mundanaspekt) als auch die Deklinationsparallelen einzelner Planeten. Aus Coopers engl. Übersetzung von Placidus "Primum mobile" (Deutung des Horoskops von Bartholomew Massari, 18.02.1603, 12:26, Bononia, gestorben 18.02.1655 etwa um 17:00):"..he died the day he had predicted, to the grief of the whole city of Felsina. .... It is worth observing that the native died at the hour of the Sun's revolution, in which he had the declination of Saturn; and the Moon that of Mars; and the Moon was also in a parallel declination of Mars's progression, Mercury in opposition of Moon, square and parallel of the Sun's progression, also Moon in parallel declination of Saturn's progression, and Mars with the Moon's anaretic declination." [7] An dem Deutungsbeispiel wird deutlich, dass Placidus sogar sowohl die Deklinationsparallelen in Form von Transiten zu den Radixpositionen berücksichtigte, als auch die Deklinationsparallel-Transite zu den progressiven Geburtsplaneten (Sekundärprogression).

Bedeutung

Eine Bedeutung gleich der zodiakalen Konjunktion wird dem Deklinationsaspekt besonders in der englischen Astrologie [8] beigemessen sowie von bedeutenden Astrologen: John Partridge[9], Alfred John Pearce[10], Alan Leo, Max Heindel, Friedrich Feerhow, Frank Glahn, Karl Brandler-Pracht, Johannes Vehlow, Erich Carl Kühr, Reinhold Ebertin, Oscar A. H. Schmitz, C.Aq. Libra und vielen anderen.[11] Alfred Max Grimm vertrat die Ansicht, daß die Parallelen in der Mundanastrologie von großer Bedeutung seien, die er in seinen Prognosen ausführlich verwendete.[12]

Wie hoch und wichtig damalige Astrologen die Parallelen einschätzten, verdeutlicht folgende Stellungnahme eines Astrologie-Lehrbruches aus dem Jahre 1922, das internationale Anerkennung genoß:

"Es ist ebenso notwendig die Parallele, im Radix-Horoskop, und bei Progression zu verfolgen, als auch die andern Aspekte. Durch ungenügende Kenntnis des richtige Grades des M.C. und Asz. ist man oft gezwungen, die mundane Parallele zu vernachlässigen, wenn wir nun noch ausserdem die zodiakalen Parallele (Anmerk.: gemeint ist der besprochene Deklinationsaspekt) verwahrlosen, dann leisten wir halbe Arbeit. Wenn man also von den sogenannten verkürzten-Ephemeriden Gebrauch macht, in denen die Deklinationen nicht angegangen sind, so muss man für korrekte Arbeit, die Deklinationen der Planeten und der Häuser-Spitzen in Raphaels Ephemeride von dem Jahre, in dem man geboren ist, aufsuchen."[13]

Besonders in Deutschland und auch in den USA sind vereinfachte Ephemeriden im 20. Jahrhundert ohne Deklinationsangaben in Mode gekommen, weshalb die Berücksichtigung der Deklinationsaspekte zunehmend aus dem Gebrauch kam, obwohl sie wichtiger Bestandteil der weiterentwickelten klassischen Astrologie in der Renaissance (14. -17. Jhr.) sind und bis in das 19. Jahrhundert von namhaften Astrologen sowohl in der Mundanastrologie, Prognostischen Astrologie als auch in der Individualastrologie als selbstverständlicher und wichtiger Deutungsfaktor verwendet wurden. In Deutschland bemühte sich besonders Reinhold Ebertin eine Zeitlang eine Deklinations-Ephemeride herauszubringen, die jedoch nur einen geringen Absatz fand. Die englische Raphael-Ephemeride (seit 1830) ist heute immer noch die professionellste und vollständigste Ephemeride, die erhältlich ist.

Die Berechnung der sogenannten mundanen Parallele folgt einem ähnlichem Prinzip und ist unter Mundanaspekt näher beschrieben.

Einzelnachweise

  1. Holden, James H., A History of Horoscopic Astrology”, Amer Federation of Astrology, 1996 S. 92
  2. Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, Mailand 1657 (astronomisches Tafelwerk) Online Google books
  3. Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, Placido de Titis - google books
  4. Knappich, Wilhelm, Placido de Titi's Leben und Lehre, Zenit 1935, Heft 7-11 ,III. Allgemeine Grundsätze oder Einflußlehre, Online
  5. Becker, Lexikon der Astrologie. 1988, S.214
  6. Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, Mailand 1657 (astronomisches Tafelwerk) Online Google books
  7. Primum mobile by Placidus de Titis (Cooper translation), p.289, Kommenar:"Not only does it make early reference to the use of minor aspects (sesqui-quadrates and quintiles), Placidus considers mundane aspects as well as zodiacal aspects, parallels, mundane parallels, declinations, and even parallel declinations between planets in return charts and progressions! ".
  8. Zadkiel 1852: "The student should pay very particular attention of the declination of the planets, also the ZODIACAL PARALLEL is of more importance than any other aspect. The effect of this position is exactly the same as that of a close conjunction." Zadkiel, Grammar of Astrology, London, 1852, S. 372 Google Bücher
  9. "...zodiacal parallel or parallel of declination;(..)This configuration has precisely the same effect as a conjunction,..."PARALLELS Mundane Paralleles are equal distance from the angles of a figure, and are, in their effects, equivalent to a conjunction."( The Spirit of Partridge, or, the Astrologers Pocket Companion and General Magazine, Printed and published for the London Astrological Society, By Davis & Dickson, 1825, S.41 google Books, PDF
  10. Pearce, Alfred J., Textbook of Astrology,Verlag: Warrington : Printed and published for the author by Mackie , 1911
  11. Reinhold Ebertin: Deklinationsprallelen im Geburtsbild. Ebertin-Verlag, Freiburg im Breisgau, 1976, S. 13-18
  12. Alfred Max Grimm: Astrologisches Wetter-Lehrbuch. Hans Baumgartner-Verlag Warpke, 1952
  13. C. Aq. Libra: Astrologie - ihre Technik und Ethik, Amersfoort (Holland)1922, S. 164