Parallele
P.. In der Spalte unter "Deklination" wurde auf die Kennung N für Nord oder S für Süd verzichtet, damit auf die Unterscheidung zwischen Parallele und Contraparallele. (C. AQ.Libra, Astrologie ihre Technik und Ethik, 1922)Als Parallele wird meist die Deklinationsparallele - bezeichnet.
Deklinationsparallele
oder auch Deklinationsaspekt, Parallelschein, Parallelaspekt oder einfach Parallele genannt, zählt zu den Hauptaspekten, die sich besonders in der Renaissance (14. bis 17. Jhr.) entwickelt haben. Die Parallele bezieht sich auf die Deklinationswerte zweier Planeten oder auch auf andere Horoskopfaktoren (z.B. Medium coeli, Aszendent oder Häuserspitzen etc.). Die Deklination definiert sich aus dem senkrechten Winkelabstand eines Planeten, Tierkreisgrades oder anderen Horoskpfaktors vom Himmelsäquator, und zwar sowohl in nördlicher als auch in südlicher Richtung. Wenn zwei Planeten oder Horoskopfaktoren entweder beide nördlich oder südlich des Himmelsäquators liegen, dann spricht man von einer "Parallele"
. Wenn der eine entweder südlich und der andere Planet oder Horoskopfaktor nördlich liegt, dann wird der Deklinationsaspekt als "Contraparallele" (Gegenparallele)
bezeichnet. In der älteren Literatur wird gelegentlich sowohl die Parallele als auch die Contraprallele nur mit einem P. gekennzeichnet, denn in der Regel wurde in der Bewertung eines Parallelaspektes nicht zwischen südlicher und nördlicher Deklination unterscheiden, da man von einer gleichen Wirkung bei identischen Abständen zum Äquator ausging. Der Orbis beträgt nicht mehr als 1° bis maximal 1,3°.
Beispiele: (N = nördlich und S für südlich des Himmelsäqutors) anhand von gleichen Deklinationswerten der Planeten Uranus
und Jupiter
zum Himmelsäquator.
Geschichte
Die Berücksichtigung der Deklinationsparallelen als gültige Aspekte geht auf Placidus de Titis (1603 - 1668) zurück.[2][3] Wilhelm Knappich über das Leben und die Lehre des Placido de Titi's in Bezug zu den Parallelaspekten: "Zu den wirksamen Zodiakalbeziehungen gehören außer den Zodiakalaspekten im engeren Sinne auch die Zeichen selbst, dann die Zodiakalparallelen die ebenfalls als "Punkte gleicher Kraft im Zodiakallauf" (169) definiert werden, aber nicht wie die alten Antiszien bloß nach Ekliptikgraden genommen werden dürfen. Denn nicht die Ekliptik, sondern nur die Sterne selbst leuchten und sind wirksam, und daher müssen diese Parallelen von den Sternen selbst in ihrem Verhältnis zu den vier Wendepunkten des Tierkreises genommen werden, also nach gleicher oder entgegengesetzter Deklination (primäre und sekundäre Zodiakalparallelen)."[4] "..; in der alten Tradition als stark wirkend angesehen, in der neuen Astrologie aber meist vernachlässigt. Der Parallelaspekt ist von den Antiszien zu unterscheiden."[5]
Progression der Parallelen
Placidus de Titis berücksichtigte die Deklinationsparallelen ausgiebig.[6] Er betrachtete sowohl die mundanen Parallelen (siehe Mundanaspekt) als auch die Deklinationsparallelen einzelner Planeten. Aus Coopers engl. Übersetzung von Placidus "Primum mobile" (Deutung des Horoskops von Bartholomew Massari, 18.02.1603, 12:26, Bononia, gestorben 18.02.1655 etwa um 17:00):"..he died the day he had predicted, to the grief of the whole city of Felsina. .... It is worth observing that the native died at the hour of the Sun's revolution, in which he had the declination of Saturn; and the Moon that of Mars; and the Moon was also in a parallel declination of Mars's progression, Mercury in opposition of Moon, square and parallel of the Sun's progression, also Moon in parallel declination of Saturn's progression, and Mars with the Moon's anaretic declination." [7] Reinhold Ebertin verwendete in ähnlicher Weise die Deklinationsparallelen in der Sekundärprogression und als Transite.[8]
Bedeutung
Eine Bedeutung gleich der zodiakalen Konjunktion wird dem Deklinationsaspekt besonders in der englischen Astrologie [9] beigemessen sowie von bedeutenden Astrologen: John Partridge<ref>"...zodiacal parallel or parallel of declination;(..)This configuration has precisely the same effect as a conjunction,..."PARALLELS Mundae Paralleles are equal distance from the angles of a figure, and are, in their effects, equivalent to a conjunction."( The Spirit of Partridge, or, the Astrologers Pocket Companion and General Magazine, Printed and published for the London Astrological Society, By Davis & Dickson, 1825, S.41 google Books, PDF</ref> Alan Leo, Max Heindel, Friedrich Feerhow, Frank Glahn, Karl Brandler-Pracht, Johannes Vehlow, Erich Carl Kühr, Reinhold Ebertin, Oscar A. H. Schmitz, C.Aq. Libra und vielen anderen.[10] Alfred Max Grimm vertrat die Ansicht, daß die Parallelen in der Mundanastrologie von großer Bedeutung seien, die er in seinen Prognosen ausführlich verwendete.[11]
Wie hoch und wichtig damalige Astrologen die Parallelen einschätzten, verdeutlicht folgende Stellungnahme eines Astrologie-Lehrbruches aus dem Jahre 1922, das internationale Anerkennung genoß:
"Es ist ebenso notwendig die Parallele, im Radix-Horoskop, und bei Progression zu verfolgen, als auch die andern Aspekte. Durch ungenügende Kenntnis des richtige Grades des M.C. und Asz. ist man oft gezwungen, die mundane Parallele zu vernachlässigen, wenn wir nun noch ausserdem die zodiakalen Parallele (Anmerk.: gemeint ist der besprochene Deklinationsaspekt) verwahrlosen, dann leisten wir halbe Arbeit. Wenn man also von den sogenannten verkürzten-Ephemeriden Gebrauch macht, in denen die Deklinationen nicht angegangen sind, so muss man für korrekte Arbeit, die Deklinationen der Planeten und der Häuser-Spitzen in Raphaels Ephemeride von dem Jahre, in dem man geboren ist, aufsuchen."[12]
Besonders in Deutschland und auch in den USA sind vereinfachte Ephemeriden im 20. Jahrhundert ohne Deklinationsangaben in Mode gekommen, weshalb die Berücksichtigung der Deklinationsaspekte zunehmend aus dem Gebrauch kam, obwohl sie wichtiger Bestandteil der weiterentwickelten klassischen Astrologie in der Renaissance (14. -17. Jhr.) sind und bis in das 19. Jahrhundert von namhaften Astrologen sowohl in der Mundanastrologie, Prognostischen Astrologie als auch in der Individualastrologie als selbstverständlicher und wichtiger Deutungsfaktor verwendet wurden. In Deutschland bemühte sich besonders Reinhold Ebertin eine Zeitlang eine Deklinations-Ephemeride herauszubringen, die jedoch nur einen geringen Absatz fand. Die englische Raphael-Ephemeride (seit 1830) ist heute immer noch die professionellste und vollständigste Ephemeride, die erhältlich ist.
Die Berechnung der sogenannten mundanen Parallele folgt einem ähnlichem Prinzip und ist unter Mundanaspekt näher beschrieben.
Einzelnachweise
- ↑ Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, Placido de Titis - google books
- ↑ Holden, James H., A History of Horoscopic Astrology”, Amer Federation of Astrology, 1996 S. 92
- ↑ Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, Mailand 1657 (astronomisches Tafelwerk) Online Google books
- ↑ Knappich, Wilhelm, Placido de Titi's Leben und Lehre, Zenit 1935, Heft 7-11 ,III. Allgemeine Grundsätze oder Einflußlehre, Online
- ↑ Becker, Lexikon der Astrologie. 1988, S.214
- ↑ Tabulae primi mobilis cum thesibus et canonibus, Mailand 1657 (astronomisches Tafelwerk) Online Google books
- ↑ Primum mobile by Placidus de Titis (Cooper translation), p.289, Kommenar:"Not only does it make early reference to the use of minor aspects (sesqui-quadrates and quintiles), Placidus considers mundane aspects as well as zodiacal aspects, parallels, mundane parallels, declinations, and even parallel declinations between planets in return charts and progressions! ".
- ↑ Reinhold Ebertin: Deklinationsprallelen im Geburtsbild. Ebertin-Verlag, Freiburg im Breisgau, 1976
- ↑ Zadkiel 1852: "The zodiacal parallel signifies a parallel distance from the equator, or being in the same degree of declination; and wether of the same name, north of declination; an wether or the same name, north or south, is of no consequence. The student should pay very particular attention of the declination of the planets, also the ZODIACAL PARALLEL is of more importance than any other aspect. The effect of this position is exactly the same as that of a close conjunction." Zadkiel, Grammar of Astrology, London, 1852, S. 372 Google Bücher
- ↑ Reinhold Ebertin: Deklinationsprallelen im Geburtsbild. Ebertin-Verlag, Freiburg im Breisgau, 1976, S. 13-18
- ↑ Alfred Max Grimm: Astrologisches Wetter-Lehrbuch. Hans Baumgartner-Verlag Warpke, 1952
- ↑ C. Aq. Libra: Astrologie - ihre Technik und Ethik, Amersfoort (Holland)1922, S. 164