Physiognomik: Unterschied zwischen den Versionen
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
imported>InterwikiBot (Add EN interlanguage link: en:Physiognomy) |
||
| (30 dazwischenliegende Versionen von einem anderen Benutzer werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[Bild:KleinDahlkeTkPlGesicht.jpg|thumb| | [[Bild:KleinDahlkeTkPlGesicht.jpg|thumb|450px|Tierkreiszeichen und [[Planet]]en am Kopf bei ''Klein/ Dahlke'']] | ||
Unter ''Physiognomik'' versteht man | Unter ''Physiognomik'' versteht man die Kunst, aus der Beschaffenheit des Körpers, besonders des Gesichts (= "Physiognomie") auf die seelischen Eigenschaften eines Menschen zu schließen. | ||
Es gibt Merkmale, die als typisch für die jeweiligen [[Tierkreiszeichen]] gelten. Traditionellerweise wird für die Zuordnungen meistens der [[Aszendent]] herangezogen. Ebenso kann hier aber auch das [[Sonnenzeichen]] durchschimmern, besonders wenn die Sonne in einem starken [[Aspekt]] zum Aszendenten steht; aber auch andere Planeten am Aszendenten oder im Aspekt dazu. | |||
==Historische Ansätze== | ==Historische Ansätze== | ||
[[Bild:PhysiognomiaPorta3.jpg|thumb|left|Stier-Mensch. | [[Bild:PhysiognomiaPorta3.jpg|thumb|left|200px|Stier - Mensch]] | ||
[[Datei:PortaFuchs.jpg|thumb|left|200px|Porta - Fuchs]] | |||
[[Datei:Löwo.gif|thumb|200px|"Cooler" Löwe]] | |||
[[Bild:PortaRabe.jpg|thumb|left|200px|Große Nase ("Zinken") - Rabe<ref>Darstellungen bei Porta, 1586. Siehe auch [https://archive.org/details/iobaptistaeporta00port/page/36/mode/2up ''Baptistae Portae neapolitani De hvmana physiognomonia libri IIII''] (archive.org)</ref>]] | |||
[[Datei:PortaSchaf.jpg|thumb|left|200px|Porta - Schaf]] | |||
[[Datei:PortaHahn.jpg|thumb|left|200px|Porta - Hahn]] | |||
[[Datei:PortaLion.jpg|thumb|left|200px|Porta - Löwe]] | |||
[[Datei:PortaAffe.jpg|thumb|left|200px|Porta - Affe]] | |||
Die Physiognomik gehörte im Mittelalter und in der Renaissance über Jahrhunderte hinweg mit der Alchemie zu den okkulten Künsten. ''Giambattista della Porta'' reihte sie in das Spektrum der "Magia Naturalis" ein (''De Humana Physiognomia'', 1586). Della Porta beschrieb erstmals in einer wissenschaftlich geordneten Form Gesichtstypen, die er mit der Tierphysiognomie verglich. Der Gelehrte vertrat die Ansicht, die ganze Welt sei ein Netz von Analogien zwischen Pflanzenwelt, Tierwelt und des Menschenkörpers. Ähnliche Formen von Mensch und Tier sollten daher gleiche Charaktereigenschaften nahe legen (z.B. Adler – Tapferkeit). | |||
In den Schriften von [[Albertus Magnus]], [[Agrippa von Nettesheim]], Girolamo Savonarola, Alexander Achillini, Tommaso Campanella und Rudolf Goclenius finden sich ebenfalls physiognomische Überlegungen. | In den Schriften von [[Albertus Magnus]], [[Agrippa von Nettesheim]], Girolamo Savonarola, Alexander Achillini, Tommaso Campanella und Rudolf Goclenius finden sich ebenfalls physiognomische Überlegungen. | ||
| Zeile 12: | Zeile 19: | ||
Es lassen sich gewisse Ähnlichkeiten des Konzepts der Entsprechungen von Tierkreis und Physiognomie mit den [[Planetenkinder]]n finden. | Es lassen sich gewisse Ähnlichkeiten des Konzepts der Entsprechungen von Tierkreis und Physiognomie mit den [[Planetenkinder]]n finden. | ||
==Teilgebiete der Physiognomik== | ==Teilgebiete der Physiognomik== | ||
Hier eine Auflistung derjenigen Gebiete der Physiognomik, die auch astrologische Punkte berücksichtigen: | Hier eine Auflistung derjenigen Gebiete der Physiognomik, die auch astrologische Punkte berücksichtigen: | ||
*[[Chirologie]] (Handlesekunst) | |||
*''Gesichtsdeutung'' (Physiognomik im engeren Sinne, siehe unten) | *''Gesichtsdeutung'' (Physiognomik im engeren Sinne, siehe unten) | ||
*[[Metoposkopie]], die Kunst, aus den Linien der Stirn zu lesen. Wichtige Vertreter hiervon waren [[Hieronymus Cardanus]] und [[Johannes Praetorius]]. | *[[Metoposkopie]], die Kunst, aus den Linien der Stirn zu lesen. Wichtige Vertreter hiervon waren [[Hieronymus Cardanus]] und [[Johannes Praetorius]]. | ||
==Gesichtsdeutung bei Baumgartner== | ==Gesichtsdeutung bei Baumgartner== | ||
Nachfolgend wird ein Entwurf von [[Hans Baumgartner]] aus 1953 wiedergegeben<ref> | Nachfolgend wird ein Entwurf von [[Hans Baumgartner]] aus 1953 wiedergegeben.<ref>[[Astrologischer Auskunftsbogen]] Nr. 36, Warpke-Billerbeck 1953, S. 7 ff.</ref> Ähnliche Darstellungen findet man auch anderswo, z.B. bei Eron<ref>Eron: ''Einweihung in die spirituelle Astrologie''. Astrologon Verlag Hamburg 2001</ref>, der dieses Spezialgebiet als ''Astrophysiognomik'' bezeichnet.<br> | ||
Baumgartner betont jedoch, dass selten die reinen Formen gefunden werden; in der Regel seien Mischtypen anzutreffen. | Baumgartner betont jedoch, dass selten die reinen Formen gefunden werden; in der Regel seien Mischtypen anzutreffen. | ||
| Zeile 27: | Zeile 33: | ||
!Darstellung!!Beschreibung | !Darstellung!!Beschreibung | ||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Widder.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Widder.gif|thumb|200px|Der marsische [[Widder]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A47_252.gif | ||
etwas struppiges Haar, knochige Stirn, hart blickende Augen, schmale Nase, schmale Lippen, vorspringendes Kinn, rotes, markantes, knochiges Gesicht mit hervortretenden Backenknochen, Narbe oder Muttermal im Gesicht, dünner, trockener Hals mit "Adamsapfel" | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Stier.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Stier.gif|thumb|200px|Die irdische Venus im [[Stier]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A46_218.gif | ||
reiches Haar, runde Stirn, freundliche Augen, kleine knollige, breite Nase, dicke Lippen, fleischig-rundgesichtig, gutmütig, gesund, warm-weich aber nicht hübsch. Starker Hals mit Stiernacken | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Zwilling.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Zwilling.gif|thumb|200px|Der merkuriale [[Zwillinge]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A42_262.gif | ||
luftig-bewegliches Gesicht, lebhafte Mimik, kein Quäntchen Fett in den Wangen, Stirn hoch, Augen lebhaft, Nase schmal-gerade, Mund "sprechend"; Gesicht (und Körper, Hände usw.) lang-schmal-lebhaft, blass | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Krebs.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Krebs.gif|thumb|200px|[[Krebs]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A30_130.gif | ||
schwammig, großporig und immer ein wenig "mondgesichtig": rund, matt, blass. Frisur anspruchslos. Stirn niedrig; Augen wässrig, Nase dick, Kinn fleischig, doch groß | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Loewe.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Loewe.gif|thumb|200px|Sonnig-strahlender [[Löwe]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A32_137.gif | ||
(Löwen-)Mähne, imponierende Stirn mit Ausbuchtungen (dann wird bei Männern gerne auch Glatze getragen); selbstsicher-strahlende Augen; Nase-Lippen-Kinn wohlproportioniert. Schmuck, flatternde Gewänder | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Jungfrau.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Jungfrau.gif|thumb|200px|[[Jungfrau]]-Typ (Merkur)]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A27_109.gif | ||
wirkt klug-karg-dürftig. Oft Madonnenscheitel; klare, eckige Stirn, schmale Nase, strenger, kritischer Mund mit Falten. Hochgeschlossenes Kleid. Aber man trifft besonders oft in diesem Zeichen fleischig-rundgesichtige Menschen, die wohl den bekannten Jungfrau-Charakter, nicht aber das Aussehen dazu haben | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Waage.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Waage.gif|thumb|200px|[[Waage]], die himmlische Venus]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A48_246.gif | ||
Hier wirkt die hässlichste Modefrisur so angenehm wie natürliches Haar, das sich stets in charmanter Natur-Lockenpracht wellt. Runde Stirn, freundliche Augen; Nase-Mund-Kinn in Harmonie, so dass der Gesamteindruck von vollendeter Schönheit ist | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Skorpion.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Skorpion.gif|thumb|200px|Der [[Pluto]]/ [[Skorpion]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A44_205.gif | ||
dunkles Haar, Geheimratsecken, knochige, faltenreiche Stirn; knochige Wülste über den Augen mit auffallenden, buschigen, manchmal zusammengewachsenen Augenbrauen. Dadurch ein düsterer, durchdringender Blick. Knochige, markante Adlernase, schmale und doch sinnliche (gepresste) Lippen; Nase-Mund-Falte. Betontes, hartes knochiges Kinn | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Schuetze.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Schuetze.gif|thumb|200px|Der joviale [[Schütze]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A43_197.gif | ||
fleischig-harmlos-bürgerlich wirkend, meist vollschlank und doch sportlich-beweglich. Aussehen: wie es der Zeitgeist erlaubt und wünscht, privat höchstens ein Doppelkinn dazu. Gelten als Alles-Bejaher | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Steinbock.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Steinbock.gif|thumb|200px|Saturn-[[Steinbock]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A45_214.gif | ||
Alles wirkt eckig, unproportioniert, wie mit geraden Strichen (ohne weiche Kurve) gezeichnet. Spärliches Haar, knochige Stirn, hässliche Nase, kalter (und doch seltsam klammernder, durstiger, fanatischer) Blick, schmale Lippen, knochiges, vorspringendes Kinn, markantes, hartes, ledernes Gesicht. Oft strenge, hochgezogene Augenbrauen | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Wassermann.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Wassermann.gif|thumb|200px|Uranus-[[Wassermann]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A49_249.gif | ||
Haar modern, Stirn offen-frei. Augen: ein Blick, als sehe er durch uns hindurch und die Augenfarbe ist ungewöhnlich, fast bunt-schillernd wirkend. Nase und Mund proportioniert, doch unbetont und auch Kinn eher schmal | |||
|- | |- | ||
|[[Bild:Physiognomie Fische.gif|thumb| | |[[Bild:Physiognomie Fische.gif|thumb|200px|Neptuns [[Fische]]-Typ]]||https://www.astro.com/im/wiki/symbole/A24_071.gif | ||
Auch hier ist der Blick typisch, diese Menschen sehen ebenso "durch einen hindurch", aber mit nassen verschwommenen Fisch-Augen, die manchmal über Tränensäcken träumen. In der Jugend auffallend reiches, sehr weiches, lockiges Haar. Gesicht unharmonisch, Nase unschön, Mund ausdruckslos, früh Doppelkinn. Einem oft unfassbar reichen Innern steht ein mattes, blasses Äußeres gegenüber | |||
|- | |- | ||
|} | |} | ||
| Zeile 55: | Zeile 73: | ||
==Darstellungen bei Klein/ Dahlke== | ==Darstellungen bei Klein/ Dahlke== | ||
[[Bild:KleinDahlkeTKKopf.jpg|thumb| | [[Bild:KleinDahlkeTKKopf.jpg|thumb|250px|Der Kopf im Tierkreis<ref>Abbbildungen aus [[Nicolaus Klein]]/ [[Rüdiger Dahlke]]: ''Das senkrechte Weltbild''. München 2005, ISBN 978-3-548-74150-5</ref>]] | ||
Man kann - bei einem | Man kann - bei einem intuitiven "Schauen" - die Signaturen der verschiedenen Tierkreiszeichen und Planeten auch am Kopf oder im Gesicht wiederfinden: | ||
Zu ''Fig. A (rechts)'': Der Vorderkopf ist "differenzierter", der Hinterkopf "gleichmäßiger", analog den zugehörigen Jahreszeiten bzw. Quadranten. | Zu ''Fig. A (rechts)'': Der Vorderkopf ist "differenzierter", der Hinterkopf "gleichmäßiger", analog den zugehörigen Jahreszeiten bzw. Quadranten. | ||
Zu ''Fig. B (oben)'': Im Auge können wir die Sonne sehen (vgl. das Goethe-Gleichnis "''Wär das Aug nicht sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken''"), in den Lidern den Mond (traditionell wird | Zu ''Fig. B (oben)'': Im Auge können wir die Sonne sehen (vgl. das Goethe-Gleichnis "''Wär das Aug nicht sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken''"), in den Lidern den Mond (traditionell wird auch das linke Auge dem Mond, das rechte der Sonne zugeordnet), an der Nase den Mars, am Mund den Mond oder Stier, an den Ohren Saturn, an den Haaren Skorpion, an den Augenbrauen Löwe, an den Geheimratsecken die Stellung von Jupiter, etc. | ||
[[Datei:PhrenologieAKB250K.jpg|thumb|left|400px|'''Der Kopf ist des Charakters Spiegel.''' (Phrenologie nach Gall)<ref>Abbildung im ''Astrologischen Aunftsbogen'' Nr. 250, April 1972. Als Autor des Phrenologie-Artikels angegeben wird der 1957 verstorbene [[Georg Lomer]]</ref>]] | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
*[[Chirologie]] | |||
*[[Mantik]] | *[[Mantik]] | ||
*[[ | *[[Metoposkopie]] | ||
*[[Signaturenlehre]] | |||
[[Datei:ElementPhysiognomikSmislov.gif|thumb|600px|Die [[Element]]e bei Boris Smislov<ref>Veröffentlicht im ''Astrologix''-Forum, ca. 2005</ref>]] | |||
[[Datei:LavaterTiervergleichK.jpg|thumb|left|300px|Vergleiche Mensch - Tier bei Lavater]] | |||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Physiognomik ''Wikipedia zur Physiognomik''] | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Physiognomik ''Wikipedia zur Physiognomik''] | ||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Phrenologie ''Wikipedia zur Phrenologie''] | |||
*[http://www.aszendent-und-physiognomie.de/ ''Aszendent & Physiognomie''] (Astrologisch-physiognomische Datenbank von Dieter Buchart) | *[http://www.aszendent-und-physiognomie.de/ ''Aszendent & Physiognomie''] (Astrologisch-physiognomische Datenbank von Dieter Buchart) | ||
*[https://heinzgustavdotcom.wordpress.com/tag/giambattista-della-porta/ ''Gesicht und Schädel — Spiegel des Charakters? Zur Geschichte der Physiognomik''] (Heinz Schott Blog, 2020) | |||
*[https://www.gwup.org/infos/nachrichten/995-schaedeldeutung-und-co- ''Schädeldeutung und Co. - Absurde Methoden der Psychodiagnostik''] (Uwe Kanning, Skeptiker 3/2010) | |||
:"Kann man aus der Schädelform, den Gesichtszügen eines Menschen, seiner Handschrift oder seinem Vor- und Zunamen Informationen über seine Persönlichkeit, seine Talente oder gar seine Bestimmung ablesen? Nein, natürlich nicht..." | |||
*[http://www.skyscript.co.uk/physiognomy.html ''Astrological Physiognomy: From Ptolemy to the Present Day''] (Bernard Eccles, 2002) | *[http://www.skyscript.co.uk/physiognomy.html ''Astrological Physiognomy: From Ptolemy to the Present Day''] (Bernard Eccles, 2002) | ||
*[http://www.astrofaces.com/astrofaces/index.html ''astrofaces''] (Englische Forschungsstudie mit Photographien) | |||
*[https://brewminate.com/physiognomy-the-beautiful-pseudoscience/ ''Physiognomy, the Beautiful Pseudoscience''] (brewminate, 2018) | |||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
*[[Thomas Schäfer]]: ''Gesichtsdeutung und Astrologie.'' 271 Seiten. Droemer Knaur 1994 ISBN 3426860503 | *[[Thomas Schäfer]]: ''Gesichtsdeutung und Astrologie.'' 271 Seiten. Droemer Knaur 1994, ISBN-13 3426860503, ISBN-10 3426860503 | ||
*Johann Caspar Lavater: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Weidmann und Reich; Steiner. Leipzig; Winterthur | |||
==Anmerkungen und Quellen== | ==Anmerkungen und Quellen== | ||
<references/> | <references/> | ||
[[en:Physiognomy]] | |||
[[Kategorie:Psychologische Astrologie]] | [[Kategorie:Psychologische Astrologie]] | ||
Aktuelle Version vom 11. September 2025, 10:00 Uhr
Unter Physiognomik versteht man die Kunst, aus der Beschaffenheit des Körpers, besonders des Gesichts (= "Physiognomie") auf die seelischen Eigenschaften eines Menschen zu schließen.
Es gibt Merkmale, die als typisch für die jeweiligen Tierkreiszeichen gelten. Traditionellerweise wird für die Zuordnungen meistens der Aszendent herangezogen. Ebenso kann hier aber auch das Sonnenzeichen durchschimmern, besonders wenn die Sonne in einem starken Aspekt zum Aszendenten steht; aber auch andere Planeten am Aszendenten oder im Aspekt dazu.
Historische Ansätze
Die Physiognomik gehörte im Mittelalter und in der Renaissance über Jahrhunderte hinweg mit der Alchemie zu den okkulten Künsten. Giambattista della Porta reihte sie in das Spektrum der "Magia Naturalis" ein (De Humana Physiognomia, 1586). Della Porta beschrieb erstmals in einer wissenschaftlich geordneten Form Gesichtstypen, die er mit der Tierphysiognomie verglich. Der Gelehrte vertrat die Ansicht, die ganze Welt sei ein Netz von Analogien zwischen Pflanzenwelt, Tierwelt und des Menschenkörpers. Ähnliche Formen von Mensch und Tier sollten daher gleiche Charaktereigenschaften nahe legen (z.B. Adler – Tapferkeit).
In den Schriften von Albertus Magnus, Agrippa von Nettesheim, Girolamo Savonarola, Alexander Achillini, Tommaso Campanella und Rudolf Goclenius finden sich ebenfalls physiognomische Überlegungen.
Es lassen sich gewisse Ähnlichkeiten des Konzepts der Entsprechungen von Tierkreis und Physiognomie mit den Planetenkindern finden.
Teilgebiete der Physiognomik
Hier eine Auflistung derjenigen Gebiete der Physiognomik, die auch astrologische Punkte berücksichtigen:
- Chirologie (Handlesekunst)
- Gesichtsdeutung (Physiognomik im engeren Sinne, siehe unten)
- Metoposkopie, die Kunst, aus den Linien der Stirn zu lesen. Wichtige Vertreter hiervon waren Hieronymus Cardanus und Johannes Praetorius.
Gesichtsdeutung bei Baumgartner
Nachfolgend wird ein Entwurf von Hans Baumgartner aus 1953 wiedergegeben.[2] Ähnliche Darstellungen findet man auch anderswo, z.B. bei Eron[3], der dieses Spezialgebiet als Astrophysiognomik bezeichnet.
Baumgartner betont jedoch, dass selten die reinen Formen gefunden werden; in der Regel seien Mischtypen anzutreffen.
| Darstellung | Beschreibung |
|---|---|
Der marsische Widder-Typ |
etwas struppiges Haar, knochige Stirn, hart blickende Augen, schmale Nase, schmale Lippen, vorspringendes Kinn, rotes, markantes, knochiges Gesicht mit hervortretenden Backenknochen, Narbe oder Muttermal im Gesicht, dünner, trockener Hals mit "Adamsapfel" |
Die irdische Venus im Stier-Typ |
reiches Haar, runde Stirn, freundliche Augen, kleine knollige, breite Nase, dicke Lippen, fleischig-rundgesichtig, gutmütig, gesund, warm-weich aber nicht hübsch. Starker Hals mit Stiernacken |
Der merkuriale Zwillinge-Typ |
luftig-bewegliches Gesicht, lebhafte Mimik, kein Quäntchen Fett in den Wangen, Stirn hoch, Augen lebhaft, Nase schmal-gerade, Mund "sprechend"; Gesicht (und Körper, Hände usw.) lang-schmal-lebhaft, blass |
Krebs-Typ |
schwammig, großporig und immer ein wenig "mondgesichtig": rund, matt, blass. Frisur anspruchslos. Stirn niedrig; Augen wässrig, Nase dick, Kinn fleischig, doch groß |
Sonnig-strahlender Löwe-Typ |
(Löwen-)Mähne, imponierende Stirn mit Ausbuchtungen (dann wird bei Männern gerne auch Glatze getragen); selbstsicher-strahlende Augen; Nase-Lippen-Kinn wohlproportioniert. Schmuck, flatternde Gewänder |
Jungfrau-Typ (Merkur) |
wirkt klug-karg-dürftig. Oft Madonnenscheitel; klare, eckige Stirn, schmale Nase, strenger, kritischer Mund mit Falten. Hochgeschlossenes Kleid. Aber man trifft besonders oft in diesem Zeichen fleischig-rundgesichtige Menschen, die wohl den bekannten Jungfrau-Charakter, nicht aber das Aussehen dazu haben |
Waage, die himmlische Venus |
Hier wirkt die hässlichste Modefrisur so angenehm wie natürliches Haar, das sich stets in charmanter Natur-Lockenpracht wellt. Runde Stirn, freundliche Augen; Nase-Mund-Kinn in Harmonie, so dass der Gesamteindruck von vollendeter Schönheit ist |
dunkles Haar, Geheimratsecken, knochige, faltenreiche Stirn; knochige Wülste über den Augen mit auffallenden, buschigen, manchmal zusammengewachsenen Augenbrauen. Dadurch ein düsterer, durchdringender Blick. Knochige, markante Adlernase, schmale und doch sinnliche (gepresste) Lippen; Nase-Mund-Falte. Betontes, hartes knochiges Kinn | |
Der joviale Schütze-Typ |
fleischig-harmlos-bürgerlich wirkend, meist vollschlank und doch sportlich-beweglich. Aussehen: wie es der Zeitgeist erlaubt und wünscht, privat höchstens ein Doppelkinn dazu. Gelten als Alles-Bejaher |
Saturn-Steinbock-Typ |
Alles wirkt eckig, unproportioniert, wie mit geraden Strichen (ohne weiche Kurve) gezeichnet. Spärliches Haar, knochige Stirn, hässliche Nase, kalter (und doch seltsam klammernder, durstiger, fanatischer) Blick, schmale Lippen, knochiges, vorspringendes Kinn, markantes, hartes, ledernes Gesicht. Oft strenge, hochgezogene Augenbrauen |
Uranus-Wassermann-Typ |
Haar modern, Stirn offen-frei. Augen: ein Blick, als sehe er durch uns hindurch und die Augenfarbe ist ungewöhnlich, fast bunt-schillernd wirkend. Nase und Mund proportioniert, doch unbetont und auch Kinn eher schmal |
Neptuns Fische-Typ |
Auch hier ist der Blick typisch, diese Menschen sehen ebenso "durch einen hindurch", aber mit nassen verschwommenen Fisch-Augen, die manchmal über Tränensäcken träumen. In der Jugend auffallend reiches, sehr weiches, lockiges Haar. Gesicht unharmonisch, Nase unschön, Mund ausdruckslos, früh Doppelkinn. Einem oft unfassbar reichen Innern steht ein mattes, blasses Äußeres gegenüber |
Darstellungen bei Klein/ Dahlke
Man kann - bei einem intuitiven "Schauen" - die Signaturen der verschiedenen Tierkreiszeichen und Planeten auch am Kopf oder im Gesicht wiederfinden:
Zu Fig. A (rechts): Der Vorderkopf ist "differenzierter", der Hinterkopf "gleichmäßiger", analog den zugehörigen Jahreszeiten bzw. Quadranten.
Zu Fig. B (oben): Im Auge können wir die Sonne sehen (vgl. das Goethe-Gleichnis "Wär das Aug nicht sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken"), in den Lidern den Mond (traditionell wird auch das linke Auge dem Mond, das rechte der Sonne zugeordnet), an der Nase den Mars, am Mund den Mond oder Stier, an den Ohren Saturn, an den Haaren Skorpion, an den Augenbrauen Löwe, an den Geheimratsecken die Stellung von Jupiter, etc.
Siehe auch
Weblinks
- Wikipedia zur Physiognomik
- Wikipedia zur Phrenologie
- Aszendent & Physiognomie (Astrologisch-physiognomische Datenbank von Dieter Buchart)
- Gesicht und Schädel — Spiegel des Charakters? Zur Geschichte der Physiognomik (Heinz Schott Blog, 2020)
- Schädeldeutung und Co. - Absurde Methoden der Psychodiagnostik (Uwe Kanning, Skeptiker 3/2010)
- "Kann man aus der Schädelform, den Gesichtszügen eines Menschen, seiner Handschrift oder seinem Vor- und Zunamen Informationen über seine Persönlichkeit, seine Talente oder gar seine Bestimmung ablesen? Nein, natürlich nicht..."
- Astrological Physiognomy: From Ptolemy to the Present Day (Bernard Eccles, 2002)
- astrofaces (Englische Forschungsstudie mit Photographien)
- Physiognomy, the Beautiful Pseudoscience (brewminate, 2018)
Literatur
- Thomas Schäfer: Gesichtsdeutung und Astrologie. 271 Seiten. Droemer Knaur 1994, ISBN-13 3426860503, ISBN-10 3426860503
- Johann Caspar Lavater: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Weidmann und Reich; Steiner. Leipzig; Winterthur
Anmerkungen und Quellen
- ↑ Darstellungen bei Porta, 1586. Siehe auch Baptistae Portae neapolitani De hvmana physiognomonia libri IIII (archive.org)
- ↑ Astrologischer Auskunftsbogen Nr. 36, Warpke-Billerbeck 1953, S. 7 ff.
- ↑ Eron: Einweihung in die spirituelle Astrologie. Astrologon Verlag Hamburg 2001
- ↑ Abbbildungen aus Nicolaus Klein/ Rüdiger Dahlke: Das senkrechte Weltbild. München 2005, ISBN 978-3-548-74150-5
- ↑ Abbildung im Astrologischen Aunftsbogen Nr. 250, April 1972. Als Autor des Phrenologie-Artikels angegeben wird der 1957 verstorbene Georg Lomer
- ↑ Veröffentlicht im Astrologix-Forum, ca. 2005