Sekundärprogression: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Unterschied zu den beiden Arten der [[Tertiärprogression]], bei denen die Bewegung des Mondes von Bedeutung ist, geht es bei der Sekundärprogression um die Bewegung der Sonne: Ein Tag (= eine Drehung der Erde um sich selbst) entspricht einem Jahr (= ein scheinbarer Lauf der Sonne durch den Tierkreis). Die Sekundärprogression deckt wesentlich größere Zeiträume ab als die Tertiärprogressionen und ist somit oft Anzeiger größerer innerer Entwicklungen. | Im Unterschied zu den beiden Arten der [[Tertiärprogression]], bei denen die Bewegung des Mondes von Bedeutung ist, geht es bei der Sekundärprogression um die Bewegung der Sonne: Ein Tag (= eine Drehung der Erde um sich selbst) entspricht einem Jahr (= ein scheinbarer Lauf der Sonne durch den Tierkreis). Die Sekundärprogression deckt wesentlich größere Zeiträume ab als die Tertiärprogressionen und ist somit oft Anzeiger größerer innerer Entwicklungen. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Erstmalig wurden die Sekundärprogressionen in der Renaissance (14. bis 17. Jahrhundert) in der gelehrten Astrologie in Europa von [[Johannes Kepler]] eingeführt, der sie jedoch noch nicht als "Sekundärprogression" oder "Sekundärdirektion" bezeichnete. Die Unterscheidung erfolgte erst durch [[Placidus de Titis]]. Wegen der neuen Begriffsbestimmung, die Placidus eingeführt hatte, wird er noch heute fälschlicherweise als Urheber der Sekundärdirektion in vielen Lehrbüchern genannt. Kepler selbst ist jedoch auch nicht der "Erfinder", sondern übernahm diese Art der Direktion von arabischen Astrologiegelehrten und baute sie in sein neues gemischtes Direktionsverfahren ein, woraus sich die sogenannten "Progressionshoroskope" entwickelten. Die [[Hauptachse]]n wurden von ihm nach primärdirektionalen Zeitschritten dirigiert, während die Planeten nach ihrem tatsächlichen täglichen Fortschritt dirigiert wurden. Die Sekundärprogressionen waren vor Placidus und Kepler auch nur als die "Arabischen Direktionen" unter den Gelehrten bekannt. | Erstmalig wurden die Sekundärprogressionen in der Renaissance (14. bis 17. Jahrhundert) in der gelehrten Astrologie in Europa von [[Johannes Kepler]] eingeführt, der sie jedoch noch nicht als "Sekundärprogression" oder "Sekundärdirektion" bezeichnete. Die Unterscheidung erfolgte erst durch [[Placidus de Titis]]. Wegen der neuen Begriffsbestimmung, die Placidus eingeführt hatte, wird er noch heute fälschlicherweise als Urheber der Sekundärdirektion in vielen Lehrbüchern genannt. Kepler selbst ist jedoch auch nicht der "Erfinder", sondern übernahm diese Art der Direktion von arabischen Astrologiegelehrten und baute sie in sein neues gemischtes Direktionsverfahren ein, woraus sich die sogenannten "Progressionshoroskope" entwickelten. Die [[Hauptachse]]n wurden von ihm nach primärdirektionalen Zeitschritten dirigiert, während die Planeten nach ihrem tatsächlichen täglichen Fortschritt dirigiert wurden. Die Sekundärprogressionen waren vor Placidus und Kepler auch nur als die "Arabischen Direktionen" unter den Gelehrten bekannt.<ref>Knappich, Wilhelm, Entwicklung der Horoskoptechnik vom Altertum bis zur Gegenwart. postume Ausgabe bearbeitet und herausgegeben von Sándor Belcsák ÖAG Nr. 38-39 1978, S. 97</ref> | ||
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Bei der Sekundärprogression arbeitet man im Wesentlichen nur mit den [[persönlicher Planet|persönlichen Planeten]] - [[Sonne]], [[Mond]], [[Merkur]], [[Venus]] und [[Mars]], weil sich die anderen Planeten in den fraglichen Zeiträumen - es handelt sich ja um einzelne Tage - so langsam bewegen, dass es in der Regel zu keinen nennenswerten [[Auslösung]]en kommt. | Bei der Sekundärprogression arbeitet man im Wesentlichen nur mit den [[persönlicher Planet|persönlichen Planeten]] - [[Sonne]], [[Mond]], [[Merkur]], [[Venus]] und [[Mars]], weil sich die anderen Planeten in den fraglichen Zeiträumen - es handelt sich ja um einzelne Tage - so langsam bewegen, dass es in der Regel zu keinen nennenswerten [[Auslösung]]en kommt. | ||
Version vom 17. Mai 2010, 14:52 Uhr
Synonym: Sekundärdirektion
Die Sekundärprogression ist eine Prognosemethode, bzw. Direktionmethode bei der jeweils ein Tag nach der Geburt einem Lebensjahr gleichgesetzt wird. Die Planetenstellungen 24 Stunden nach der Geburt spiegeln das Leben zum Zeitpunkt des ersten Geburtstags wider, 48 Stunden später den Zeitpunkt des zweiten Geburtstags usw. Das um einen, zwei Tage usw. vorgerückte Horoskop ist das (sekundär)progressive Horoskop. Die Sekundärprogression ist eine sehr gebräuchliche Prognosemethode. In der Regel ist sie gemeint, wenn von Progression die Rede ist.
Im Unterschied zu den beiden Arten der Tertiärprogression, bei denen die Bewegung des Mondes von Bedeutung ist, geht es bei der Sekundärprogression um die Bewegung der Sonne: Ein Tag (= eine Drehung der Erde um sich selbst) entspricht einem Jahr (= ein scheinbarer Lauf der Sonne durch den Tierkreis). Die Sekundärprogression deckt wesentlich größere Zeiträume ab als die Tertiärprogressionen und ist somit oft Anzeiger größerer innerer Entwicklungen.
Geschichte
Erstmalig wurden die Sekundärprogressionen in der Renaissance (14. bis 17. Jahrhundert) in der gelehrten Astrologie in Europa von Johannes Kepler eingeführt, der sie jedoch noch nicht als "Sekundärprogression" oder "Sekundärdirektion" bezeichnete. Die Unterscheidung erfolgte erst durch Placidus de Titis. Wegen der neuen Begriffsbestimmung, die Placidus eingeführt hatte, wird er noch heute fälschlicherweise als Urheber der Sekundärdirektion in vielen Lehrbüchern genannt. Kepler selbst ist jedoch auch nicht der "Erfinder", sondern übernahm diese Art der Direktion von arabischen Astrologiegelehrten und baute sie in sein neues gemischtes Direktionsverfahren ein, woraus sich die sogenannten "Progressionshoroskope" entwickelten. Die Hauptachsen wurden von ihm nach primärdirektionalen Zeitschritten dirigiert, während die Planeten nach ihrem tatsächlichen täglichen Fortschritt dirigiert wurden. Die Sekundärprogressionen waren vor Placidus und Kepler auch nur als die "Arabischen Direktionen" unter den Gelehrten bekannt.[1]
Deutung
Bei der Sekundärprogression arbeitet man im Wesentlichen nur mit den persönlichen Planeten - Sonne, Mond, Merkur, Venus und Mars, weil sich die anderen Planeten in den fraglichen Zeiträumen - es handelt sich ja um einzelne Tage - so langsam bewegen, dass es in der Regel zu keinen nennenswerten Auslösungen kommt.
Bei der Deutung schenkt man vor allem folgenden Faktoren Aufmerksamkeit:
- Wenn ein progressiver Planet einen Aspekt zu einem Planeten oder zu einer Achse des Radixhoroskops bildet, so bedeutet dies eine Aktivierung und einen Austausch der damit verbundenen Kräfte. In erster Linie geht es aber um den Radixplaneten bzw. die Radixachse, der bzw. die durch diesen Aspekt angesprochen wird.
- insbesondere den progressiven Achsen, also Horizontachse und Vertikalachse sind von allergrößter Bedeutung. Die Achsen der Zwischenhäuser sind demhingegen kaum auslösend.
- Zu einem gegenseitigen Austausch zweier Kräfte kommt es, wenn zwei progressive Planeten zueinander einen Aspekt bilden.
- Die progressiven Stellungen von Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto werden nur dann ausnahmsweise in die Deutung einbezogen, wenn ein Aspekt, den sie zu einem anderen Planeten im Radixhoroskop bilden, in der Sekundärprogression exakt, also minutengenau wird (Bogenminute).
- Wenn ein progressiver Planet das (Radix-)Haus oder das Tierkreiszeichen wechselt, beginnt ein neuer Abschnitt.
- Das Radixhaus, in dem sich der progressive Mond befindet, wird aktiviert.
- Wenn ein progressiver Planet die Laufrichtung wechselt, also rückläufig oder direktläufig wird, zeigt dies eine Wende hinsichtlich der damit verbundenen Kraft an.
Zeiträume
Die progressive Sonne bewegt sich pro Lebensjahr 1 Bogengrad nach vorne, denn sie legt pro Tag etwa 1 Bogengrad zurück. Bei Venus sind es durchschnittlich 1,5 Grad und bei Mars 0,5 Grad pro Tag und damit pro Lebensjahr. Nur Merkur bewegt sich mit durchschnittlich 2 Grad etwas schneller. Den Orbis, also den Spielraum, innerhalb dessen man bei der Sekundärprogression von einem Aspekt und damit von einer Auslösung spricht, muss man angesichts der langsamen Bewegungen bei dieser Methode relativ gering ansetzen: etwa ein halbes Grad. Damit umfasst man ohnehin Zeiträume von ungefähr einem halben bis einem Jahr oder mehr. Natürlich fokussiert sich die angesprochene Thematik, wenn der Aspekt exakt wird.
Eine Ausnahme stellt der schnellste der Planeten dar, der progressive Mond: Er legt etwa ein Bogengrad pro Lebensmonat zurück. Daher bildet er relativ häufig Aspekte zu Radixplaneten. Durchschnittlich bleibt er zweieinhalb Jahre in einem Radixhaus und in einem Tierkreiszeichen, und er aktiviert diese in dem Zeitraum. Man kann beim progressiven Mond einen Orbis von einem Grad ansetzen, womit aktuelle Zeiträume von zwei Monaten angesprochen sind.
Friedrich Feerhow faßt die Wirkung des progressiven Mondes folgendermaßen zusammen: "Sollen Planetenaspekte nun zur Wirkung kommen, so müssen sie durch einen Aspekt des progressiven Mondes oder des Neumondes ausgelöst werden. Es kann durch einen progressiven Mond-Aspekt oder einer Lunation (Neumond) ein Aspekt in seiner Auswirkung sowohl beschleunigt als verzögert werden; die Planeten warten gewissermaßen ab, bis der Mond als Linse ihre Strahlen im Brennpunkt Erde vereinigt." [2]
Aspekte
Die Art des Aspektes, den Sonne, Merkur, Venus oder Mars in der Sekundärprogression zu einem Radixplaneten bildet, darf nicht überbewertet werden. Im Vordergrund stehen die beiden beteiligten Planeten bzw. die Thematik, um die es dabei geht. Denn es kommt selten zu Hauptaspekten zwischen zwei beteiligten Faktoren: Wenn die progressive Sonne ein Quadrat zu einem Radixplaneten bildet, kommt es erst 30 Jahre später (!) zum nächsten Hauptaspekt, einem Trigon oder Sextil.
Achsen
Einen Sonderfall stellen die progressiven Achsen dar. Will man mit Auslösungen durch die progressiven Achsen arbeiten, so benötigt man eine minutengenaue Geburtszeit, andernfalls kann man sich um ein Jahr bei der Prognose vertun. Ist die exakte Geburtszeit bekannt, so gibt es verschiedene Methoden der Berechnung.
Relativ gebräuchlich - wenn auch nicht ganz korrekt, weil hier Progression mit Direktion vermengt wird - ist diejenige Methode, wonach das Medium coeli (MC) um die gleiche Strecke verschoben wird wie die sekundärprogressive Sonne, also um den so genannten Sonnenbogen. Dadurch bleibt der Abstand zwischen Sonne und MC im progressiven Horoskop gegenüber dem Radixhoroskop immer gleich.[3] Der Aszendent und die anderen Häuserspitzen werden vom MC abgeleitet.
Literatur
- ↑ Knappich, Wilhelm, Entwicklung der Horoskoptechnik vom Altertum bis zur Gegenwart. postume Ausgabe bearbeitet und herausgegeben von Sándor Belcsák ÖAG Nr. 38-39 1978, S. 97
- ↑ Feerhow, Friedrich: Astrologie - Grundlage der Heilkunst, 1914, S. 88
- ↑ Weitere Methoden siehe: Brigitte Eichenberger: Prognose-Fibel, Wettswil 1998. S. 33f.
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