Ein Gespräch mit Alois Treindl

von Tem Tarriktar

alois2012Alois Treindl (geboren am 7. März 1950) ist der Gründer und Leiter von Astrodienst. Er wurde in Deutschland geboren und kam 1976 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Schweiz an die ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) in Zürich. 1981 erlangte Alois an der ETH die Doktorwürde in Physik. Während seiner Studienzeit begann er, sich für verschiedene Gebiete zu interessieren, die über die Grenzen von konventioneller Wissenschaft hinausgingen, wie z.B. humanistische Psychologie, veränderte Bewusstseinszustände, Parapsychologie und schliesslich die Astrologie. Astrologie bot ihm die Möglichkeit, seine wichtigsten Interessensgebiete zu vereinen: seine Faszination für Computer (er war seit 1970 Programmierer) und seine Neugier für die menschliche Psyche. Zufällig kam ihm ein Second-hand Astrologiebuch in die Hände, was ihn bewog, im Sommer 1979 mit Astrologie zu beginnen. Seither begleitet ihn diese Leidenschaft für die Astrologie. Alois war überrascht gewesen, in der Universitätsbibliothek Astrologiebücher zu finden. Darunter befand sich auch das Hauptwerk des führenden deutschen Astrologen des 20. Jahrhunderts, von Thomas Ring: Die vier Bände der Astrologischen Menschenkunde. Alois begann, bei Thomas Ring zu studieren - bis zum Tod seines Lehrers im Jahr 1983.
Zuerst hatte Alois Computerprogramme für farbige Horoskopzeichnungen geschrieben und ab Januar 1980 einen Berechnungsdienst unter dem Namen Astrodienst angeboten. Bald begann er, seine Programme zur Berechnung von Planetenbahnen (PLACAL und die Swiss Ephemeris) der astrologischen Programmier-Community zur Verfügung zu stellen. Diese Programme wurden Standard-Instrumente in der astrologischen Berechnung.
1983 schloss sich Alois mit Peter Isler zusammen und Astrodienst wurde als Aktiengesellschaft eingetragen; damals war Astrodienst ein Berechnungsdienst für professionelle Astrologen.
Dieses Interview wurde im Mai 2012 am UAC in New Orleans aufgenommen.

Tem Tarriktar: Sprechen wir über deine Webseite, so wie sie sich heute präsentiert, und was sie zu bieten hat. Ich benutze sie oft, und weiss darum, was darauf zu finden ist... Es hat zahlreiche Artikel darauf; eine Ephemeride für diverse Objekte, wovon einige sehr selten sind. Du stellst ein Forum zur Verfügung, wo die astrologische Community über verschiedene Themen diskutieren kann, und natürlich die AstroDatabank, welche riesige Dienste leistet. Mich würde interessieren, wie du die Webseite und ihren Wert für die Astrologie einschätzt. Auf welche Teile bist du am meisten stolz, und was sind deine aktuellen Ziele? Das sind eine Menge Fragen....

Alois Treindl: Es sind eine Menge Fragen. Wir starteten mit der Webseite, weil wir das Internet ausprobieren wollten und die Mittel dazu hatten. Das erste, das wir auf die Seite stellten, war die Geburtshoroskop-Berechnung. Das war 1996, und von da aus expandierten wir. Es kamen immer mehr Dienste hinzu, weil wir das einfach machen konnten. Wir waren eine Versandhandelsfirma gewesen ... Das Geschäft hat sich verändert, von Horoskopen hin zu Horoskopanalysen. Der Verkauf von Horoskopzeichnungen ist zwar zurückgegangen, dennoch verkaufen wir immer noch eine Menge Horoskope. Wir stellen sie in Rechnung; wenn jemand ein Horoskop mit einer Analyse kauft, bezahlt er etwas mehr.

TMA: Man bekommt aber ein Gratishoroskop, wenn man es nur auf dem Bildschirm anschauen will?

AT: Ja, und du kannst es auch ausdrucken. Wir haben entschieden, dass der Horoskopservice grundsätzlich gratis ist, weil diese Software, die ich ursprünglich für Astrologen geschaffen habe, bereits zur Verfügung stand. Niemand war mehr an diesem Rechnungsdienst interessiert, aber wir hatten die Programme, also steckten wir alles in diesen online-Service. Wir hatten auch eine Lizenz, so dass wir die Transit-Texte von Robert Hand für unsere Analysen verwenden konnten. Diese Rechte haben wir von der Firma Astral Research gekauft. Wir hatten eine Lizenz, um diese Texte benutzen zu können, doch dann ging es dieser Firma schlecht, und statt uns weiter von ihr lizenzieren zu lassen, kauften wir die Firma, die sowieso aufgeben wollte. Plötzlich hatten wir also die Exklusivrechte am Material von Robert Hand, aber auch von anderen Autoren dieser Firma wie etwa Robert Pelletier. Wir wussten nicht so recht, was wir mit diesen einfachen, im Kochbuch-Stil geschriebenen Texten anfangen sollten. So entschieden wir, sie auf der Webseite als Gratisdienst anzubieten. Wir fügten also gratis Interpretationen hinzu, die auf einem einfacheren Niveau waren als jene von Liz Greene. Somit waren auf astro.com Horoskopanalysen gratis erhältlich.

TMA: Ich stelle mir vor, dass sich das Publikum ziemlich vergrösserte.

AT: Ziemlich, ja. Im Grunde dient unser Geschäft dem Astrologiekonsument, dem Volk. Professionelle Astrologen kaufen keine computergenerierten Horoskopdeutungen. Unser Verkauf richtet sich nicht wirklich an die astrologische Community; wir haben nicht viel, das wir ihnen verkaufen können. Wir richten uns an die Konsumenten von Astrologie, jene, die sich ein bisschen für Astrologie interessieren. Das ist unser Publikum, und wir sind ziemlich erfolgreich gewesen mit dieser Mischung aus gratis Angeboten und dem Verkauf von hochwertigeren Horoskopdeutungen, die relativ teuer sind. Wie etwa jene von Liz Greene.

TMA: Es scheint, als ob das, was deine Webseite anbietet, nirgendwo sonst zu kriegen ist.

AT: Ja, das war schon immer so. Wir bieten grundsätzlich nur exklusive Sachen an, was astrologische Analysen betrifft. Wir machen keine Sachen, die man anderswo ebenfalls bekommt. Wir geben auch Lizenzverträge heraus, so dass andere Firmen von uns lizenziert sind, doch wir verkaufen nie die Software für die Herstellung von Horoskopanalysen an Endbenutzer. Auf diese Weise kriegen wir und unsere Autoren Geld für jede Analyse.
Wir haben also einfachere Horoskopdeutungen, die gratis sind, und hochwertigere Deutungen, die wir verkaufen. Das ist unser Marketing-Konzept - wir bieten vieles gratis an. Wir haben über 160'000 sogenannte unique visitors jeden Tag. Auf die Länge betrachtet, kaufen etwa 1 oder 2% dieser Besucher an einem gewissen Punkt etwas, und die anderen 98% kaufen nie etwas; sie benutzen nur unseren Dienst, aber das ist ein Geschäftsmodell, das für uns funktioniert. Es gibt für uns genügend Rücklauf, um das Geschäft am Laufen halten zu können.

TMA: Habt ihr auch einen Rücklauf aus der Werbung aufgrund des hohen Grads an traffic auf der Webseite?

AT: Wir hatten bis Januar 2012 keinerlei Werbung auf unserer Webseite. In den letzten zwei Jahren haben wir jedoch unter dem Währungsverlust gelitten. Der Schweizer Franken hat sehr stark an Wert gewonnen. Aus unserer Perspektive hat der Wert des US-Dollars also verloren. Der Euro ist ebenfalls im Wert gefallen. Das ist generell eine schwierige Situation für Schweizer Export-Firmen.

TMA: Somit habt ihr begonnen, Werbung auf der Webseite zu schalten?

AT: Ja, seit Januar arbeiten wir mit Google ads zusammen. Obwohl mit sehr viel Widerwillen meinerseits. Ein zahlender Kunde jedoch bekommt unsere Webseite ohne Werbung zu sehen, aber wenn jemand kein zahlender Kunde ist, kriegt er etwas Werbung zu sehen. Ich bin nicht sehr glücklich damit, aber dieser Rücklauf kompensiert die aktuelle wirtschaftliche Lage.

TMA: Kehren wir zur AstroDatabank zurück. Was hat dich motiviert, AstroDatabank zu übernehmen? War für dich der Dienst an der Community die Motivation? Es scheint mir ein riesiges Unterfangen zu sein.

AT: Leute, die auf unsere Webseite kommen, halten nach vielen Dingen Ausschau, und wir versuchen, diese Konsumenten zu bedienen. Wir versuchen, sie an anspruchsvolleres Material hinzuführen. Ich selber komme aus der astrologischen Community; ich habe als Student der Astrologie begonnen, und ich war immer in Kontakt mit der Community. Ich würde keine Firma wollen, die nur für die Konsumenten da ist. Wir decken das ganze Feld ab. Darum haben wir auch die Swiss Ephemeris geschaffen. Wir brauchten selber exakte Berechnungen, doch dann stellten wir diese auch anderen zur Verfügung, denn wir schätzten es gar nicht, dass Leute sagten: "Mein Astrologieprogramm zeigt eine andere Position an als Astrodienst." Darum gaben wir unseren genaueren Code an alle. Auf diese Weise verraten wir unsere Vergangenheit nicht. Wir haben auf diesem astrologischen "Boden", von dem ich immer noch ein Teil bin, ein gutes Geschäft entwickelt, und wir geben gerne etwas davon zurück.

TMA: Das Land kompostieren sozusagen.

AT: Ja. Als ich 2008 vernahm, dass AstroDatabank in ernsthaften Problemen steckte, kontaktierte ich Richard Smoot, weil ich diese Datensammlung sehr schätzte. Schon früher, im Jahr 2000, hatte ich eine Zeitlang mit Mark McDonough über eine Zusammenarbeit verhandelt. Wir hatten damals bei Astrodienst eine Geburtsdatensammlung und eine Sammlung anderer Daten. (Mark ist ein Fisch; meine Sonne ist nur zwei Grad von seiner entfernt.)

TMA: Du selber hast auch eine Fische-Sonne?

AT: Ja, am 7. März. Und seine Sonne stand sehr nahe, so dass ich einen guten Bezug zu ihm hatte. Aber es klappte nicht mit einer Zusammenarbeit. Aber als ich hörte, dass AstroDatabank in Schwierigkeiten war, dachte ich sofort, dass dies ein gute Gelegenheit sei. Was würde mit diesem wichtigen Datenkörper geschehen? Wir hatten die Mittel für die Übernahme. Also machte ich mit AstroDatabank einen Vertrag, in welchem Astrodienst sich verpflichtet, die Daten zu veröffentlichen. Ich selber habe mich verpflichtet und von mir aus das angeboten. Es steht im Vertrag, dass es eine öffentliche Ressource sei und wir die Datensammlung gemäss ihren Standards pflegen werden.
Jedoch dauerte es viel länger als geplant, bis die Datenbank voll integriert war. Sie wurde bis Anfang dieses Jahres weiterhin von Pat Taglilatelo betreut. Sie wollte schon letztes Jahr in Pension gehen; ich bat sie, weiterzumachen, weil wir noch nicht so weit waren, die Betreuung selber zu übernehmen.
Wir gehen sehr respektvoll mit den Datensammlern um. Ich bin gerade dabei, mit ihnen allen eine persönliche Beziehung aufzubauen. Ich besuchte Grazia Bordoni im März in Mailand. Ich begann, mich in Paris mit dem wichtigsten französischen Datensammler, Didier Geslain, zu treffen, und wir haben Vereinbarungen darüber getroffen, wie die Daten weitergegeben werden sollen; tatsächlich ist er sehr glücklich darüber. Diese Sammler sind oft schon alt, und sie wissen nicht, was mit ihren Daten und ihrem Archiv geschehen wird, wenn sie nicht mehr fähig sind, weiterzumachen.
Wir sind auch dabei, die Daten zu digitalisieren; die original Geburtsurkunden werden alle auf einer Datei gespeichert sein. Wir können sie aus Datenschutzgründen nicht veröffentlichen. Die Geburtsurkunden beinhalten die Namen der Eltern und Adressen usw., aber sie sind für unsere Redaktoren zugänglich.

TMA: Das ist also ein kontinuierlicher Berg von Arbeit, ein anhaltendes Verfeinern von Daten und Aktualisieren von Biografien?

AT: Ja. Ich hoffe, eine kleine Gruppe von Redaktoren bilden zu können, die Beiträge liefern und auch direkt bearbeiten. Es ist eine Menge Arbeit. Zum Beispiel las ich diesen Morgen in der Zeitung, dass Robin Gibb von den Bee Gees letzte Woche gestorben ist. Ich habe ihn in der AstroDatabank nachgeschlagen. Dann suchte ich auf dem Internet nach einer genauen Geburtszeit, so weit das möglich ist. Ich trug sie in die Datenbank ein, sah dann aber, dass seine Biographie nicht korrekt war. Also brachte ich das in Ordnung. Nach einer Stunde waren die Bee Gees korrekt; dann bemerkte ich, dass der Tod seines Bruders nicht drin war und musste dies also ebenfalls noch nachholen. Nicht, dass ich ein Spezialist wäre, aber wir arbeiten jetzt unter ganz anderen Bedingungen als sie Lois Rodden oder andere Datensammler in der Vergangenheit hatten. Wir müssen nicht mehr lange Biographien schreiben, weil wir einfach einen Link zu Wikipedia machen können und dann zwei Sätze über die Person hinzufügen. Ich hätte nicht das Talent, das Lois Rodden hatte, diese Geschichten zu verfassen. Sie war eine wahre Schriftstellerin. Wikipedia ist ganz gut, wird konstant bewirtschaftet und aktualisiert. Wenn man also einen Link dazu macht, kann man dort schnell wichtige Daten von Ereignissen entnehmen and sie in die AstroDatabank einfügen.

TMA: Und du verlässt dich auf die Aktualisierungen von Wikipedia, dass sie die Leute auf dem Laufenden hält. Auf welche anderen Teile deiner Website, abgesehen von der AstroDatabank, bist du wirklich stolz?

AT: Die Swiss Ephemeris. Das sind präzise astronomische Berechnungen für alle, die in der Astrologie programmieren, aber durchaus auch für Astronomen. Sie wird auch gut unterhalten; auf unserer Mailing-Liste stehen über 600 Entwickler.

TMA: Was geschieht, wenn neue Objekte entdeckt und deren Umlaufbahnen publiziert werden?

AT: Es gibt entsprechende Dienste in der astronomischen Community - das sind eigentlich amerikanische Universitäten, die jeden Monat zu Vollmond eine aktualisierte Fassung der Umlaufbahnen-Datenbank herausbringen.

TMA: Wirklich? Die machen das bei Vollmond?
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AT: Ja, weißt du, warum? In der Vergangenheit war es so, dass die Astronomen bei Vollmond den Himmel nicht observieren konnten (zuviel Lichtverschmutzung), deshalb hatten sie Zeit für ihre Berechnungen und für die Büroarbeit. Das ist dann zur Tradition geworden in der Astronomie.

TMA: Ironisch, nicht wahr? Ironisch in dem Sinne, weil einige Astronomen, sagen wir es mal so, allergisch auf die Astrologie reagieren. Viele sind es nicht, ich weiss. Ich habe einen Freund, der beides ist, Astronom und Astrologe. Wie auch immer, fahre fort. Die Astronomen publizieren die Umlaufbahnen und...

AT: Das ist auch eine sehr spezielle Auflistung, etwas, das getan werden muss, aber die Entdeckung von neuen Himmelskörpern hat ein fast unvorstellbares Ausmass angenommen. Wir haben die Swiss Ephemeris erstmals 1998 publiziert, und ich glaube, damals waren es 8000 kleinere Himmelskörper. Bei der letzten Aktualisierung waren es 329'000, ungefähr 12'000 davon haben einen Namen. Regelmässig ungefähr alle zwei Monate lade ich die neue Liste mit den Bahnelementen herunter.

TMA: Welcher von all diesen kleineren Himmelskörpern, die in den letzten 10 bis 12 Jahren entdeckt worden sind, wird deiner Meinung nach die Aufmerksamkeit der astrologischen Community anziehen?

AT: Ich denke, dass die grösseren transneptunischen Objekte eine gute Chance haben, akzeptiert zu werden. Es gibt dort Himmelskörper, die so gross sind wie Pluto, und ich denke, die haben zumindest eine Chance. Aber ich bin nicht derjenige, der darüber forscht und etwas herauszufinden versucht... Ich praktiziere nicht; ich habe dafür keinen Platz in meinem Zeitplan.

TMA: Bedauerst du das? Ich weiss von mir selber, dass ich durch meine Arbeit für die Zeitschrift meine Fähigkeiten, ein Horoskop zu deuten und Beratungen zu machen, etwas verloren habe.

AT: Nein, ich bedaure das nicht; neben Astrodienst habe ich etwa ein Jahr lang Horoskope gedeutet. Ich hatte gelegentlich Klienten, fühlte aber, dass ich nicht sehr gut war. Man muss es wirklich gerne machen. Ich kann sehr gut mit Computern arbeiten. Ich bin sehr talentiert in diesem Bereich; und ich mag grosse Herausforderungen. Ich mag es, schwierige Probleme zu lösen, und ich nehme dabei keine Abkürzungen. Ich bin glücklich, jetzt ein Gruppe von Menschen um mich zu haben, die diesen Geist mit mir teilen.

TMA: Bist du gut darin, zu delegieren?

AT: Jetzt, ja. Ich war es früher nicht. Aber in den letzten zehn Jahren bin ich sehr gut im Delegieren geworden. Und es funktioniert. Ich kann ein halbes Jahr weg sein.

TMA: Du hast offenbar sehr talentierte Mitarbeiter. Wie viele Leute arbeiten bei Astrodienst?

AT: Insgesamt acht, was nicht viel ist, und sie arbeiten auch nur Teilzeit. Drei arbeiten in der Produktion, bearbeiten Kundenaufträge, Beschwerden und so weiter. Und fünf arbeiten im sogenannten Web Team: drei Programmierer, ich inklusive, und Juri, der Webdesigner und aktuelle Geschäftsführer - er betreut eigentlich die täglichen Abläufe. Wir haben auch eine Redaktorin, die Texte redigiert und die Übersetzungen betreut.
Das ist ein wichtiger Punkt: Wir haben nicht viele neuen Analysen geschaffen in den letzten Jahren. Unser Wachstum entstand aus dem Hinzufügen von neuen Sprachen. Wir expandieren derzeit mehr horizontal als vertikal. Unser Webseite gibt es zurzeit in zehn Sprachen. Die meisten Menschen nehmen das gar nicht wahr, weil sie bei ihrer eigenen Sprache bleiben. Jede Seite hat eine Sprachnavigation oben rechts, und man kann dort eine von zehn Sprachen wählen.

TMA: Chinesisch eingeschlossen?

AT: Ja. Ich habe viel mit Liz Greene gearbeitet, und sie spricht Englisch. Somit war alles, was sie schrieb, auf Englisch. Astrodienst hatte aber damals, als Horoskopdienst, seine Kundenbasis in den deutschsprachigen Ländern. Alles, was wir mit Liz Greene erarbeiteten, wurde umgehend auf Deutsch übersetzt. Wir hatten ihre Texte in zwei Sprachen. Die Webseite war daher natürlich zweisprachig, weil die Firma zweisprachig war. In gewisser Weise bin ich zweisprachig. Obwohl mein gesprochenes Englisch Fehler hat, lese ich mehr englische als deutsche Literatur. Diese Form von Zweisprachigkeit lebe ich schon seit langer Zeit; ich mag das. So war die Webseite von Anfang an zweisprachig, und es war leicht, weitere Sprachen hinzuzufügen, denn wir hatten in der Vergangenheit, noch vor dem Internet, Lizenzpartner in Spanien und Frankreich, die für den Verkauf unserer Analysen unsere Software benutzten, diese Lizenznehmer sind der Grund, weshalb unsere Analysen in so viele Sprachen übersetzt wurden - bevor das Internet kam. Als dann das Internet da war, hatten wir schon eine Menge Material in den diversen Sprachen. Es war natürlich, dass unsere Webseite dies auch wiederspiegelte.
Vor einigen Jahren haben wir uns entschieden, kulturellen Export zu betreiben und westliche Astrologie nach China zu bringen, indem wir eine chinesische Version unserer Webseite starteten. Die Idee war, psychologische Astrologie, so wie wir sie anwenden, nach Ostasien zu bringen. In Japan hat es beispielsweise immer ein grosses Interesse an Jungscher Psychologie gegeben, aber in der Volksrepublik China nicht - Jungsche Psychologie ist dort wirklich unbekannt. Irgendwie war ich fasziniert von diesem grossen Land, es war eine Herausforderung, und wir beschlossen, Chinesisch und Japanisch hinzuzufügen; wir hatten auch das Gefühl, dass wir Chinesisch lernen sollten, weil wir sonst keine chinesischen Webseites besuchen konnten. Mein Kollege Dieter und ich begannen also, Chinesisch zu lernen. Er spricht jetzt Chinesisch; ich habe es nach zwei Jahren aufgegeben, und ich habe in gewisser Weise das meiste davon wieder verloren. Aber während zwei Jahren habe ich intensiv Chinesisch studiert.

TMA: Gehen wir noch zu einem anderen Thema. Vielleicht kannst du uns etwas sagen, was deine Ansichten über die Zukunft der Astrologie sind. In welche Richtung sollte sie sich deiner Meinung nach entwickeln und wie sollen wir dahin kommen.

AT: Ich bin in der Ära der psychologischen Astrologie gross geworden - in den 1970er bis in die 1990er Jahre - und ich bedaure, dass der Fokus sich verschoben hat. Eine altmodischere Astrologie ist populär geworden. Früher hatte ich eine negative Haltung gegenüber Stundenastrologie und der Idee, alte Klassiker der hellenistischen und der mittelalterlichen Astrologie zu übersetzen. Als Europäer denkst du sofort: "Das ist typisch amerikanisch; die glauben, dass etwas Älteres besser ist, weil sie nichts Altes haben." Aber ich respektiere traditionelle Astrologie inzwischen mehr, weil sich dieses Gebiet sehr entwickelt hat und eine Menge von Techniken beinhaltet, die wirklich verloren gegangen sind und die es wert sind, studiert zu werden. Ich selber habe diese Astrologie nie angewandt, aber ich respektiere Menschen, die sich damit beschäftigen. Wenn ich eine Person kenne und respektiere, dann respektiere ich auch das, was sie tut. Wäre diese Person ein Idiot, würde ich wahrscheinlich nicht daran interessiert sein, etwas darüber zu erfahren, was sie tut. Aber wenn ich sehe, dass jemand clever ist, einen scharfen Verstand hat und dazu noch viel weiss, hat diese Person meine Achtung. Das habe ich selber so erfahren. Darum denke ich, dass diese Bewegung der Wiederentdeckung der alten Astrologie wichtig ist. Und ich bin glücklich, so viele Menschen unter 40 hier an der Konferenz zu sehen.

TMA: Viele von ihnen sind ziemlich beeinflusst vom Kepler College und man muss sagen, sie haben Zugang zu sehr viel mehr Informationen und über viel mehr Dinge, als wir autodidaktischen Astrologen es hatten. Ich weiss, was du meinst mit der Befriedigung darüber, dass jüngere Leute hier stark involviert sind.

AT: Ja, und Astrodienst ist eine Dienstleistungsfirma. Wir versuchen, die Bedürfnisse von Astrologen zu erfüllen, das umzusetzen, was gefragt ist. Gleichzeitig bewahren wir aber unsere Integrität, indem wir nicht jeden Unsinn unterstützen. Wir sind aber immer interessiert, mit neuen Leuten in Kontakt zu kommen.

TMA: Es ist ein riesiger Dienst, den ihr zur Verfügung stellt. So gesehen trägt eure Firma den richtigen Namen: Astrodienst. Ich denke, die astrologische Community ist sehr dankbar dafür, all diese grundlegenden Dinge an einem Platz und zur Verfügung zu haben. Wie bist du oder deine Firma für unsere Leserinnen und Leser am besten zu erreichen?

AT: Sie können an den Webmaster schreiben: Webmaster@astro.com, das bin ich, ausser ich wäre gerade nicht erreichbar; in diesem Fall würde die e-mail an ein Teammitglied weitergeleitet. In der Regel aber bin ich der Empfänger. Je nach Inhalt, delegiere ich die Antwort an meine Kollegen, aber meistens setze ich den Hut des Webmasters auf.

TMA: Und für jene Leserinnen und Leser, die vielleicht nicht mit eurer Webseite vertraut sind: Sie heisst astro.com - eine der simpelsten URLs in der Astrologie. Ich möchte dir danken für deine Zeit, Alois, ich habe das Interview sehr genossen.

AT: Ich danke dir.

*Tem Tarriktar ist der Gründer und Verleger des Mountain Astrologer seit seiner Entstehung im Jahr 1987 (www.mountainastrologer.com). Sein Interview mit Dr. Alois Treindl ist im Heft vom Oct./Nov. 2012 erschienen. Der Wiederabdruck auf astro.com erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors/Verlegers.

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Die Ausgabe vom Dec./Jan. 2013.

The Mountain Astrologer (TMA) gilt als die beste astrologische Fachzeitschrift der Welt. Das amerikanische Blatt wurde von Tem Tarriktar - siehe sein Interview mit Dr. Alois Treindl auf der linken Seite - gegründet und erschien erstmals im November 1987. Die Redaktion kann nun bereits den 25. Geburtstag der zweimonatlich erscheinenden Publikation feiern, die seit kurzem auch in einer digitalen Ausgabe erhältlich ist. Der TMA richtet sich an professionelle Astrologen und an Studierende der Astrologie. Unter seinen Autoren befinden sich viele renommierte Astrologen der Gegenwart. Etwa Donna Cunningham, Dana Gerhardt, Bill Herbst, Deborah Houlding, J. Lee Lehman, Rick Levine, Noel Tyl oder Bruce Scofield.

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