Computer-Astrologie und künstliche Intelligenz
Interview mit Dr. Alois Treindl

Das Interview erfolgte im Jahr 1987, einige Monate nach der Herausgabe des Psychologischen Horoskopes. Einige Informationen beziehen sich auf die Situation in den 80er Jahren, aber das meiste, was Alois Treindl damals über seine Arbeit sagte, ist immer noch aktuell.

Frage:
Seit März 1987 vertreibt der Astrodienst Zürich selbstentwickelte Horoskop-Deutungen. Was hat ihn zu diesem Schritt bewogen?

A.Treindl:
Ziel der Astrologie ist, aufgrund des Geburts-Horoskops Aussagen über die Persönlichkeit und Lebensproblematik eines Menschen zu machen. Zwei Wege führen zu diesem Ziel: Entweder vertieft man sich in die Astrologie selbst oder man wendet sich an eine Person, die über das entsprechende Fachwissen verfügt. Der Astrodienst hat bisher vor allem Dienstleistungen für diejenigen angeboten, die sich selbst mit der Astrologie befassen. Darunter gibt es viele Leute, die hobbymässig Astrologie studieren, aber auch sehr viele, die professionell mit Astrologie arbeiten, wie Astrologen sowie Psychologen, Ärzte und Heilpraktiker, welche die Astrologie als diagnostisches Hilfsmittel heranziehen. Daneben gibt es aber heute einen viel grösseren Kreis von Menschen, die an dem, was Astrologie ihnen zu sagen hat, interessiert sind. Für diese haben wir bisher nichts tun können, als sie in eine astrologische Beratung oder einen Kurs zu schicken. Um diesen Leuten etwas bieten zu können, haben wir das Psychologische Horoskop von Astro*Intelligence in Zusammenarbeit mit einer weltweit führenden Astrologin entwickelt.

Frage:
Warum hat der Astrodienst erst heute ein solches Produkt entwickelt? Das Bedürfnis dazu besteht doch sicher schon seit längerer Zeit.


A.T.:
Es gibt auch schon seit längerer Zeit Firmen, die sogenannte Computer-Horoskope anbieten, d.h. astrologische Interpretationstexte, die von einem Computer erstellt sind. Allerdings beruhen diese auf einer Methode und Computertechnik, die in unseren Augen zu unbefriedigenden Resultaten geführt hat. Astrologie hat dem einzelnen sehr Wichtiges zu sagen. Eine astrologische Beratung sollte mit der gleichen Seriosität geschehen, wie eine psychologische Beratung z.B. durch einen Eheberater oder wie eine medizinische Diagnose. Ein Astrologe darf sich seine Aussagen nicht einfach aus dem Aermel schütteln. Bevor er Leute berät, hat sich der seriöse Astrologe in der Regel jahrelang mit Astrologie, hoffentlich auch mit Psychologie und der Frage befasst, was es überhaupt heisst, Menschen zu beraten. Auch muss er über ein gutes Stück Lebenserfahrung verfügen. Wenn man ein Computerprogramm erstellt, das astrologische Aussagen über die betreffende Person macht, muss darauf geachtet werden, dass möglichst viele dieser Fähigkeiten, die ein menschlicher Berater hat, auch im Computerprogramm verwirklicht werden. Früher war das aus technischen Gründen unmöglich. In den letzten Jahren sind in der Informatik jedoch Methoden entwickelt worden, die darauf abzielen, das Können von Fachleuten mit dem Computer nachzubilden. Dieses Gebiet wird mit dem Stichwort "Künstliche Intelligenz" umrissen. Eine bessere Bezeichnung dafür ist eigentlich "Wissensverarbeitende Systeme", "Wissensverarbeitung" oder "Expertensysteme". Es geht darum, dem Computer das Fachwissen auf einem bestimmten Gebiet beizubringen, damit er die Funktion eines Fachmanns übernehmen kann. Der Computer kann dann Lösungen zu Fachproblemen anbieten. Unsere Arbeit bestand nun darin, diese neue Technologie anzuwenden, um astrologische Interpretationen mit dem Computer zu machen.

Frage:
Was ist der Unterschied zwischen der neuen Horoskop-Deutung des Astrodienst und den übrigen auf dem Markt erhältlichen Computer-Interpretationen?

A.T.:
Ich möchte die anderen Anbieter nicht schlecht machen. Man kann jedoch sagen, dass wir qualitativ einen bedeutenden Schritt weiter sind.

Frage:
Sind die bisherigen Produkte denn nach einem Bausteinprinzip hergestellt?

A.T.:
Der Begriff "Bausteinprinzip" beschreibt den Unterschied zu wenig, denn letztlich arbeiten auch wir mit Textbausteinen, d.h. im Ausdruck werden vorher geschriebene Textstücke verwendet. Wesentlich jedoch ist, in welchem inneren Zusammenhang diese Bausteine stehen und in welchem Sinn sie im Programm ausgewertet werden, um sie zu einer ganzen Aussage zusammenzufügen.
Man kann sagen, dass bisher meistens nach einem Kochbuchrezept vorgegangen wurde, in dem Sinne: Man nehme einen festen Text für Mars im Skorpion, einen festen Text für Mars im 2. Haus, eine festen Text für Sonne im Fisch, einen festen Text für Sonne im 6. Haus, man nehme einen Text für den Aspekt zwischen Sonne und Mars, und man reiht diese Texte alle einfach nacheinander auf. Kein menschlicher Astrologe arbeitet so, aber alle bisherigen Computerhoroskope taten nichts anderes. Unser Programm hat dagegen einen komplexen Problemlösungsmechanismus. Es ist das Problemlösungsverhalten eines Fachmannes bzw. einer Fachfrau gespeichert. Unser Computer ist imstande, diese Fähigkeiten anzuwenden.
Am liebsten würde ich es mit medizinischer oder psychologischer Diagnostik vergleichen, wenn der Vergleich nicht so gefährlich wäre. Dort kann man auch nicht einfach nur mit einer linear-additiven Methode arbeiten, d.h. mit einer Methode, bei der einfach nur Einzelfaktoren isoliert betrachtet und aneinander gereiht werden. Es braucht den Fachmann, der Zusammenhänge und Muster wahrnimmt. Mit der Technik der "Künstlichen Intelligenz" gelingt es dem Computer, Bilder zu "sehen", Strukturen zu erkennen, Analogien aufzuspüren im Ganzen. Das Programm arbeitet mit psychologischen Modellen, die gespeichert sind. Insofern ist das Vorgehen des Programmes mit dem Vorgehen eines Fachmannes zu vergleichen. Es ist wie eine synthetische Methode im Vergleich zu einer zerlegenden Methode.

Frage:
Wird also quasi das Vorgehen eines Astrologen durch das Programm simuliert?

A.T.:
Wenn ein Astrologe ein Horoskop sieht, ist es für ihn mehr als die Aneinanderreihung von verschiedenen Planeten-Konstellationen. Zwar kennt er die Einzelfaktoren, die das Horoskop bilden. Er sieht jedoch die Bezüge, er sieht Themen auftauchen in diesem Horoskop. Er sieht Gegensätze, er sieht ähnliche Faktoren, die in verschiedenen Konstellationen ausgeprägt sind. Er kann dadurch Faktoren miteinander in Beziehung setzen, deren Zusammenhang auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist. Dies unterscheidet den Fachmann vom Laien, der einfach ein starres Konzept anwendet.

Frage:
Wie kann ein Computer so etwas leisten? Er arbeitet doch so, dass man ihm sagen muss, wenn das ist, mach das und wenn das ist, mach jenes.

A.T.:
Mit der Programmiertechnik der Expertensysteme oder der Künstlichen Intelligenz wird eben genau dies möglich. Man gibt dem Computer auch Beschreibungen solcher Themen ein. In der Fachsprache heissen diese "frames", Rahmen.

Frage:
In welche Richtung zielen diese Beschreibungen?

A.T.:
Zuerst muss ich ausführen, wie ich die menschliche Seele oder Psyche sehe. Ich lehne mich dabei an die Perspektive der Jungschen Psychologie an. In uns befindet sich nicht einfach ein einziges Ich, ein bewusster Wille, und aussen eine Umwelt, sondern in jedem von uns steckt eine ganze Reihe von Kräften, Facetten. Es ist wie eine ganze Gruppe von inneren Figuren, die so verschiedene Rollen und Persönlichkeiten darstellen, wie die Figuren, die in einem Drama auftauchen. Jeder Mensch hat so etwas wie ein eigenes, individuelles Lebensdrama. Diese Figuren schauen bei jedem etwas anders aus. In ihrem Zusammenspiel und ihren Konflikten stellen sie einen inneren Konflikt des Menschen dar, der sich auch oft in seinem Leben äussert. Diese inneren Figuren bilden das, was mich und meinen Charakter ausmacht.
Manche dieser Figuren sind bewusst. Meine rationale, analytisch denkende Seite z.B. ist mir wohlbekannt, diese brauche ich in meinem Beruf, beim Programmieren. Meine gesellige Seite lebe ich zusammen mit Freunden. Meine genusshafte Seite kommt zum Vorschein, wenn ich koche und Freunde zum Essen einlade. Mit diesen bewussten Figuren agiere ich in meinem Leben. Daneben aber gibt es auch Figuren, die mir nicht so bewusst sind. Sie sind versteckt und kommen nur in gewissen Situationen wie Krisen hervor, ohne dass ich im Griff hätte, wann sie auftauchen. Auf irgendeine Reizung hin z.B. kann ich ziemlich aggressiv werden, ohne dass dies Teil meiner normalen Persönlichkeit wäre. In mir steckt also auch etwas, das aggressiv und zerstörerisch sein kann.
Diese verschiedenen Figuren und ihre Gewichtung sind im Horoskop sichtbar. Diesen inneren Figuren entsprechen bestimmte Konstellationen und Muster im Horoskop. Deswegen funktioniert überhaupt Astrologie. Wenn man das Horoskop anschaut, sieht man dort bestimmte Schwerpunkte von Planetenkonstellationen, Tierkreiszeichen, Stellungen von Häusern usw. Diese Konstellationen kann ein Astrologe interpretieren und sowohl Aussagen über die bewusste als auch unbewusste Seite des Menschen machen.
Diese unbewussten Figuren können, wenn sie plötzlich auftauchen, Probleme im Leben schaffen. Unter diesen Figuren hat es jedoch auch sehr positive, kreative Figuren. Oft ist sich der Mensch dieses kreativen Potentiales gar nicht bewusst. Er konnte es nie entwickeln, weil es nie aus dem Unbewussten hervorgeholt wurde. Es ist deshalb nicht richtig, diese Figuren als positiv oder negativ zu bewerten.
In der Wissensbasis unseres Programmes befinden sich Beschreibungen solcher innerer Figuren und eine Beschreibung davon, welche astrologischen Kombinationen in einer Beziehung mit solchen Figuren stehen. In der Wissensbasis des Programmes sind auch die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren beschrieben. Einzelne bilden eigentliche Gegensatzpaare. So gibt es z.B. den Einzelgänger, der sich keine Illusionen über die Welt und die Menschheit macht. Als Gegensatz dazu gibt es den geselligen Typ. Oder es gibt den konservativ - väterlichen Typ im Gegensatz zum Jüngling, die im typischen Konflikt von verantwortungslos und verantwortungsschwer stehen. Es gibt weiter den Gegensatz des nüchtern-zynischen und des romantischen Typs oder Archetyps.
Es werden also in der Wissensbasis des Programmes auch die Konflikte beschrieben, die dadurch entstehen können, dass im Horoskop solche antagonistischen Kräfte auftreten können. Daneben gibt es auch Beschreibungen von Verwandtschaftsbeziehungen der Figuren. Der romantische Typ ist z.B. mit dieser jünglingshaften, abenteuerlichen Figur verwandt. Sie haben zum Teil ähnliche Züge. Oder der Einzelgänger und der traditionsbewusste Patriarch vertragen sich irgendwie, jedenfalls stören sie einander nicht.

Frage:
Kann man diese inneren Figuren als Archetypen bezeichnen?

A.T.:
Ja sicher. Die Archetypen stellen die Grundfiguren der menschlichen Psyche dar. Insbesondere in der Mythologie findet man deren Beschreibung.

Frage:
Es gibt also ein sehr umfangreiches Regelwerk in diesem Programm?

A.T.:
Ich würde nicht Regelbeschreibung sagen. Regeln spielen zwar schon eine Rolle. Treffender wäre es, von Musterbeschreibungen zu sprechen. Dies ist das Wesentliche. Wenn wir nun das Horoskop einer bestimmten Person dem Programm zur Analyse geben, dann geht dieses die ganze Reihe von archetypischen Figuren durch und prüft, wie weit die astrologischen Kombinationen deren tatsächliches Vorhandensein im individuellen Fall nahelegen. Genau genommen geht das Programm nicht alle Typen durch, sondern trifft zuerst eine gewisse Vorauswahl, mit welcher bestimmte Figuren ausgeschlossen werden können. Es wird aber zu kompliziert, wenn ich im Detail auf das Funktionieren des Programms eingehe. Das Programm prüft also, ob die beschriebenen Muster beim einzelnen vorhanden sind und wie gut diese greifen. In der Regel findet es mehrere im Horoskop. Dann muss es sich entscheiden, welche von denen, die es gefunden hat, die wichtigsten sind und wie diese zueinander eingeordnet werden müssen. Dabei achtet es insbesondere darauf, welche die stärksten Opponenten sind.
Es ist eine wichtige Erkenntnis der Tiefenpsychologie, dass innere Gegensätze auch im äusseren Leben ein Thema sein werden. Das Auftreten von solchen inneren Gegensatzpaaren ist deshalb für die Interpretation von ausschlaggebender Bedeutung. Geprüft werden ferner Verwandtschaftsbeziehungen: Wenn z.B. drei Figuren auftreten, die ähnliche Züge haben, und ihnen nur ein Antagonist gegenübersteht, ist wahrscheinlich, dass ein der ersten Gruppe entsprechender Charakterzug bei der Person zum Ausdruck kommt. Die gegensätzliche Schattenseite dagegen ist meistens verdrängt; sie ist bei der Persönlichkeit des Betreffenden auf den ersten Blick nicht sichtbar und ihm selbst oft lange im Leben unbewusst. So findet also eine Abwägung statt unter den Mustern, die gefunden wurden. Der Computer entscheidet auf diese Weise, welche Themen am wichtigsten sind für die Person, deren Geburtshoroskop analysiert wird. Diese Züge werden dann beschrieben. Das ist der Prozess, wie das Psychologische Horoskop hergestellt wird.

Frage:
Wie kommt das Programm auf den psychologischen Typus, der im ersten Teil des Horoskopes im Kapitel II. dargestellt wird?

A.T.:
Das Kapitel II. der Deutung befasst sich mit dem, was C.G. Jung die vier psychologischen Typen nennt. Diese vier Typen haben eine Entsprechung mit den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft. Der intuitive Typ, bei dem die Phantasie stark ausgeprägt ist, und der Empfindungstyp, der sich stark von seinen Sinnesempfindungen leiten lässt, bilden zusammen ein Paar. Das zweite Paar wird gebildet aus dem rationalen Typ, dem Denker, und dem Gefühlsmenschen, dessen stärkste Funktion das Fühlen, Mitfühlen usw. ist.
Das Programm beobachtet, wie die Planeten in den verschiedenen Elementen verteilt sind und schliesst daraus auf den psychologischen Typus. Sehr häufig findet man Ungleichgewichte in dem Sinn, dass irgendein Element ziemlich schwach oder völlig unbesetzt ist. Dies ist die undifferenzierte Funktion. Eine andere Funktion ist dagegen die stärkste. Möglich ist, dass eine zweite Funktion auch stark ist und deshalb auch berücksichtigt werden muss. Liz Greene bezeichnet den psychologischen Grundtypus als das Bühnenbild, auf dem das Seelendrama stattfindet. Dieses Bühnenbild, auf dem die Figuren später agieren, prägt bereits wesentlich die Atmosphäre dessen, was passiert. Wenn wir einen Empfindungstypen haben, bei dem innere Figuren vorhanden sind, die mehr in der Phantasie leben, abgehoben und nicht erdverbunden sind, werden es diese schwer haben, ihre Qualitäten auszuleben. Oder wenn die mentale Funktion am stärksten betont ist, werden innere Figuren, die sehr gefühlsorientiert sind, sich nicht so gut zu Hause fühlen. Von dem her ergibt sich bereits aus diesem ersten Teil der Deutung, welche Figuren es einfacher oder schwerer haben werden, sich auszuagieren, welche deutlich zum Ausdruck kommen und welche eher in den Schatten gedrängt werden. Diese Grundlegung sagt also schon sehr viel aus. Diese vier Grundtypen entsprechen auch den bekannten vier Temperamenten, dem melancholischen, cholerischen, sanguinischen und phlegmatischen, wobei diese alten Begriffe nicht mehr adäquat sind für unser heutiges Denken.

Frage:
Welche Funktion hat denn der Hauptteil der Horoskop-Deutung?

A.T.:
Darüber haben wir ja bereits gesprochen. Im Hauptteil der Deutung, im Kapitel III. werden im Horoskop astrologische Muster gesucht, die archetypischen Themen entsprechen, und gegeneinander abgewogen. Der Computer entscheidet dann, welche am wichtigsten sind und am stärksten zum Ausdruck kommen. Es sucht gewissermassen die Hauptkonflikte des inneren Seelenlebens. Manchmal findet das Programm auch zwei oder drei solcher Hauptthemen.

Frage:
Kann sich das Programm immer zwischen den einzelnen Themen entscheiden?

A.T.:
Das ist nicht immer einfach. Der Astrologe, der einem Klienten gegenübersitzt, könnte wohl aus dem Erscheinungsbild und den Angaben, die ihm der Klient macht, sich eine Vorstellung bilden, welche Figur nun im Leben des Betreffenden die Oberhand gewonnen hat. Das Programm stellt in einem solchen Fall die Beschreibung der gegensätzlichen Figuren als gleichwertig nebeneinander. Es beschreibt beide, weil wir nicht wissen, welche Figur im Leben oder in der momentanen Lebensphase des Betreffenden die Oberhand gewonnen hat. Dennoch aber ist es möglich, dieses Paar zu beschreiben und damit dem Leser einen Zugang zur eigenen Selbsterkenntnis zu verschaffen.

Frage:
Was ist der Unterschied zwischen einer psychologischen Beratung und dem Lesen dieser durch den Computer zusammengestellten Horoskop-Deutung?

A.T.:
Ein Astrologe, der von einem Jungschen Hintergrund kommt, wird mit einem ähnlichen Instrumentarium und einer ähnlichen Methodik wie unser Programm an seine Aufgabe herangehen. Er hat jedoch eine wesentliche zusätzliche Informationsquelle, und zwar den Klienten, der ihm gegenübersitzt. Ihm kann er Fragen stellen. Gegenüber dem Computerprogramm hat er damit einige Vorteile. Wenn er findet, dass mehrere Themen im Horoskop ziemlich gleichgewichtig sind, kann er meistens durch eine Frage an den Klienten herausfinden, welche dieser Themen der Klient gewissermassen für sich selbst gewählt hat, mit welcher der beiden Seiten er sich identifiziert. Das kann das Computerprogramm nicht. In der Praxis ist es jedoch meistens so, dass die Themen nicht gleichgewichtig sind. Es ist die Regel, dass ein Thema vorherrscht. Der Astrologe kann sich auch viel stärker fokussieren auf das, was der Klient an ihn heranträgt. Der Klient will ja etwas wissen, das er über sich noch nicht weiss. Deshalb kommt er zum Astrologen. Dieser kann sich deshalb auch auf diese Aspekte beschränken. Das Computerprogramm ist dagegen zwangsläufig ausführlicher. Es weiss ja nicht, wo der Klient steht, was er alles schon weiss und was er zusätzlich wissen will. Es gibt Menschen, die haben sich mit sich selbst noch kaum befasst. Sie wissen nur sehr wenig über ihre eigene Psyche. Andere Menschen wissen schon sehr viel. Sie waren vielleicht schon in verschiedenen Lebenskrisen und seelisch schwierigen Situationen. Der Fokus ist deshalb einfach stärker in einer persönlichen Beratung. Unser Text ist deshalb auch relativ ausführlich. Er entspricht in seiner Länge 40 - 50 Buchseiten. Man braucht einige Stunden, um den Text gründlich zu lesen.

Frage:
Kann durch diesen Computertext eine astrologische Beratung ersetzt werden?

A.T.:
Es ist zu prüfen, was in einer astrologischen Beratung passiert. Es ist keine Situation, in der einfach reines Wissen vermittelt wird. Die beiden Personen sind im gleichen Raum. Es spielt das Mitgefühl eine Rolle, mit dem der Astrologe auf die Lebensprobleme eingeht, die ihm der Klient darlegt. Genausowenig wie man eine Krankenschwester durch eine Pflegemaschine ersetzen kann, kann man den menschlichen, sich einfühlenden Astrologen durch einen Computer ersetzen.

Frage:
Der Astrologe hat also gewissermassen auch eine therapeutische Funktion, die der Computer nicht übernehmen kann?

A.T.:
Der Astrologe ist ein Mit-Mensch, ein mitfühlender Mensch, dessen Aufgabe darin besteht, anderen Menschen zu helfen. Nicht jeder Astrologe versteht sich als Therapeut und nicht jeder Klient, der zu einem Astrologen geht, geht nach seinem Selbstverständnis zu einem Therapeuten. Der Astrologe ist einfühlender, beratender Mit-Mensch, Helfer. Und diese menschliche Funktion kann ein Computer als Maschine nicht übernehmen. Anderseits können uns jedoch auch Bücher helfen, z.B. psychologische Bücher über Ehekrisen und ähnliches, die von mitfühlenden Autoren geschrieben worden sind. Ein solches Buch vermittelt sehr viel menschliche Qualitäten, denn dahinter steht ein einfühlender Autor, der aus seiner eigenen Lebenserfahrung schöpft. Dahinter steht auch sein Fachwissen und seine Erfahrung, mit diesen Problemen umzugehen. Ein solches Buch vermittelt also nicht nur Wissen, sondern ermöglicht es dem Leser auch, sich emotional darin wiederzufinden, sich in Problemen anderer wiederzufinden, die in dem Buch beschrieben werden. Das Lesen des Textes kann also wesentliche emotionale Prozesse auslösen. Diese Ueberlegungen treffen auch auf das Psychologische Horoskop zu. Es ist nicht nur kaltes Papier, von einem kalten Computer gesetzt. Die Autorin bringt ihre Gefühlsintelligenz, ihre mitfühlenden Fähigkeiten in den Text ein, der dann vom Computer ausgedruckt wird. Es ist ja nicht der Computer, der selbst die Texte geschrieben hat. Diese stammen vielmehr von einer sehr erfahrenen Psychotherapeutin und Astrologin, die eine ganze Reihe von psychologisch-astrologischen Büchern geschrieben hat, die international sehr verbreitet sind. Durch ihre Texte fliessen sehr viele menschliche Qualitäten in die Deutung ein. Im Unterschied zu einem Buch sind die Texte jedoch speziell für den Leser ausgewählt. Auch in einem Buch finden Sie Textstellen, die Sie besonders ansprechen, die mit Ihnen in Resonanz treten. Bei einem fünfhundertseitigen psychologischen Werk, werden dies jedoch nur einige wenige Stellen sein. Dies ist beim Psychologischen Horoskop anders. Weil hier die Texte speziell für den Leser aufgrund des vorher beschriebenen Vorgehens ausgewählt wurden, wird dieser fast nur Stellen finden, die ihn ansprechen und ihm ganz persönlich etwas zu sagen haben. Das Psychologische Horoskop ist in diesem Sinne also nicht von einem Computer gemacht. Wir haben vielmehr Teile von dem, was eine menschliche Astrologin kann, in einem Computermodell dargestellt. Aussagen und Texte, die eine erfahrene Astrologin verfasst hat, wurden im Computer eingespeichert und werden dann individuell wiedergegeben.

Frage:
Die Autorin der Texte und des astrologischen Wissens ist also eine Schlüsselfigur beim Zustandekommen des Psychologischen Horoskop?

A.T.:
Für das Zustandekommen eines Projektes wie das Psychologische Horoskop braucht es zwei Seiten: einerseits den Fachmann, bwz. die Fachfrau, welche über das spezifische Fachwissen verfügt und die Texte verfasst, andererseits den Informatiker, den sog. Wissensingenieur, wie es in der Fachsprache heisst. Seine Aufgabe ist es, das Fachwissen des Fachmannes zu strukturieren und in eine dem Computer verständliche Form zu bringen. In dem Prozess zwischen Fachmann und Wissensingenieur entsteht erst das Expertensystem. Beide Seiten sind unabdingbar.

Frage:
Wer ist Liz Greene?

A.T.:
Zur Person der Autorin: Liz Greene ist eine der weltweit führenden astrologischen Autoren und Astrologen. Sie ist eine der Hauptfiguren in der modernen psychologischen Astrologie, d.h. in der Verbindung zwischen dem alten, symbolischen Denksystem der Astrologie und der modernen Tiefenpsychologie. Frau Dr. Greene ist promovierte Psychologin und ausgebildete Jungsche Psychoanalytikerin. Sie arbeitet etwa zu gleichen Teilen als Psychoanalytikerin und Astrologin. Ihre astrologische Tätigkeit besteht in der Beratung und dem Verfassen von astrologischen Büchern. Daneben veranstaltet sie auch regelmässig Astrologie-Seminare und leitet eine Schule für Psychologische Astrologie. Ihre Bücher wurden in etwa l0 Sprachen übersetzt. Neben ihren Astrologiebüchern hat sie noch einige historische Romane und Kinderbücher geschrieben. Fast alle ihre Bücher sind auch auf deutsch erhältlich. Mit ihrer Fähigkeit zu schreiben und mit ihrem sehr entwickelten psychologischen Hintergrund ist sie diejenige Person, die heute Astrologie und Jungsche Psychologie zu einer Synthese gebracht hat. Nicht dass die je getrennt gewesen wären; C.G. Jung selber hat sich immer schon mit Astrologie befasst und von sehr vielen seiner Patienten Horoskope erstellt. Seine Tochter musste ihm jeweils die Horoskope zeichnen. Frau Gret Baumann-Jung ist übrigens eine der führenden Astrologinnen in Zürich. Einer breiten psychologisch interessierten Oeffentlichkeit hat aber erst Liz Greene diesen Zugang erschlossen. Dazu beigetragen hat gewiss ihre leichte Feder. Ihre Bücher sind sehr lebendig und spannend zu lesen.
Etwas war schon immer ihr Ziel: Sie wollte die Astrologie in die Psychologie bringen, sie dahin zurückbringen. Die Astrologie war früher ein alles durchdringendes Denksystem. Sie war verknüpft mit allen anderen Wissenschaften und damit gewissermassen die älteste Psychologie. Früher gab es keinen eigenen Wissenschaftszweig, der sich mit der Seele des Menschen befasst hätte.
Die moderne analytische Psychologie Freuds hat sich zum Grossteil sehr rational entwickelt.Sie stammt aus einer anderen Quelle. Sie war geprägt von einem rationalen, fast mechanistischen Menschenbild. In der Psychologie von C.G. Jung sind dann wieder die tieferen, verschütteten Seiten der Seele ausgedrückt worden und legitim an die Oberfläche gekommen. Liz Greene sieht ihre Aufgabe darin, diese verschütteten Gebiete mit astrologischen Mitteln aufzuspüren und damit die Astrologie für die moderne Psychologie wieder zugänglich und akzeptabel zu machen. Sie hat in beiden Gebieten eine solide Basis und hat damit die Fähigkeit, diese zusammenzufügen.

Frage:
Kann mit diesen Deutungen auch Missbrauch getrieben werden? Ist es möglich, dass diese für gewisse Leute sogar schädlich sind?

A.T.:
Paracelsus hat schon gesagt, dass jedes Heilmittel auch ein Gift ist. Es kommt auf die Dosierung an. Das gleiche gilt auch für astrologisches Material. Die Analyse präsentiert sehr viel psychologisches Material. Im Text kommt keine Astrologie in dem Sinn vor, dass von Planeten, Häusern oder Sternzeichen die Rede ist. Im Text geht es um psychologische Themen und Probleme. Mit psychologischem Material kann Schaden angerichtet werden. Es passiert jedem, der sich als Jugendlicher mit Psychologie beschäftigt: Man kauft sich ein Buch über Minderwertigkeitskomplexe, liest es und findet mit Schrecken heraus, dass man ja auch solche Minderwertigkeitskomplexe hat. Man geht durch einen Prozess hindurch, bei dem man alle dunkeln Seiten, die in einem Psychologiebuch beschrieben sind, auch bei sich findet. Ein solches Buch kann also in den Händen dessen, der instabil ist, Schaden anrichten. Aber in den Händen desjenigen, der auf ernsthafter Suche nach sich selbst ist, kann es von grossem Nutzen sein. Früher wurden viele Bücher auf den Index der Kirche gestellt, weil man sie für die Allgemeinheit schädlich hielt und man dem allgemeinen Volk nicht zugetraut hat, damit umgehen zu können. Dies war z.B. mit Büchern über die Sexualität der Fall. Schaden und Schädlichkeit sind also sehr relative Begriffe. Alles was eingeht auf Probleme und Lebenskonflikte, kann sehr nützlich und heilsam sein, weil letztlich die Bewusstmachung von Problemen immer die bessere Wahl ist als deren Verdrängung. Wir müssten also eher nach dem Nutzen fragen. Dennoch kann es passieren, wenn man einer Person aufdeckt, die auf der Kippe steht, dass sie auch noch einen Vaterkomplex hat, dass sie dies in eine tiefe Depression wirft. Insofern ist jeder psychologische Text, sogar ein Roman, der ein bestimmtes Problem beschreibt, genauso gefährlich oder ebenso nützlich. Er kann Krisen auslösen.
Die Frage ist, ob eine Krise an sich schädlich ist. Eine Krise ist an sich nützlich, sie ist ja bereits Veränderung. Das Psychologische Horoskop enthält ein Potential zur Krisenauslösung. Es besteht jedoch kein Unterschied zu allem andern, das die Seele anstösst. Die Autoren sind sich jedoch in hohem Masse der Verantwortung bewusst, die mit der Herstellung eines solchen Produktes verbunden sind. Wir wissen ja nicht genau, in welche Hände diese Deutung gelangt. Die meisten werden in die Hände von Leuten gelangen, die an Psychologie oder Astrologie interessiert sind und mehr über sich wissen wollen. Wir schreiben im Prospekt klar, dass sich das Horoskop mit psychologischen Themen des einzelnen befasst. Wir schicken den Text niemandem anonym ins Haus, der den Text gar nicht lesen wollte. Wir gehen also davon aus, dass sich der Leser bei der Bestellung bewusst ist, was er bestellt, auf was er sich einlässt. Die Texte sind mit Verantwortungsbewusstsein gestaltet. Sie sind nicht darauf ausgerichtet, jedem zu sagen, was für ein Komplexbündel er ist. Sie sind mit der Grundhaltung gestaltet, dass vieles, was verschüttet ist beim Einzelnen, wert ist, an die Oberfläche geholt zu werden, dass es Schätze sind, die in der Seele oder im Unbewussten vergraben sind, die, wenn sie gehoben werden, Kreativität und Lebensgenuss steigern können. Denn Integration der verschiedenen verschütteten Teile einer gesamten Persönlichkeit bedeuten Erhöhung der Lebensqualität. Wenn ein Mensch durch einen Integrationsprozess geht, entsteht ein reicheres Ganzes, eine reifere Persönlichkeit. Diese unbewussten kreativen Seiten einer Persönlichkeit sind im Horoskop ausgesprochen betont. Nicht dass die dunkeln Seiten beschönigt werden. Doch jede dunkle Seite hat auch ihren kreativen Aspekt. Umgehen mit Aggressivität z.B. gibt nicht einfach einen bösen Menschen, sondern einen ganzen Menschen. Trotzdem, wie ich am Anfang gesagt habe, alles kann eine Krise auslösen. Dies ist mit ein Grund, weshalb wir jeder Deutung einen Fragebogen beifügen, der die Möglichkeit bietet, zu reagieren. Wir halten das für sehr wichtig. Es wird dem Leser nicht einfach nur etwas an den Kopf geworfen, sondern wir sind in einem bestimmten Mass, das vom Einzelfall abhängt, bereit, auf den Leser einzugehen. Wir sind ja ausgesprochen interessiert daran, vom Leser ein Feedback zu erhalten. Dies gibt ihm dann jedoch auch die Möglichkeit, ein Notsignal auszusenden und sich an uns zu wenden. Wenn uns jemand ein solches Signal von Verwirrtheit und Durcheinandersein sendet, wird dies nicht untergehen bei uns. Wir sind in der Lage das Feedback zu sichten und damit umzugehen.

Frage:
Die Horoskope sind für Erwachsene gedacht. Kann man sie auch für Kinder erstellen?

A.T.:
Das Psychologische Horoskop befasst sich mit der Lebensproblematik von Erwachsenen. Sie ist für denjenigen zum Lesen bestimmt, der im Text beschrieben wird. Die Deutung befasst sich ja sehr stark mit den unbewussten Seiten der Psyche. Es ist deshalb nicht besonders sinnvoll, wenn über fremde Personen solche Horoskope erstellt werden. Klar kann es spannend sein zu lesen, was die Deutung über den Chef aussagt. Aber das ist nicht die Zielrichtung. Der Text ist geschrieben für den Erwachsenen, der sich mit sich selber befassen will. Damit er nicht ins Leere greift, muss ein Stück Leben gelebt worden sein, sonst kann keine Lebensproblematik erfasst werden. Ein Kind von l0 Jahren z.B. kann mit der Deutung sowenig anfangen, wie es mit einem Buch über Eheproblematik anfangen könnte. Von daher ist eine Altersgrenze von l4 Jahren gesetzt. Es ist immer schwierig, eine präzise Grenze zu ziehen. Wir sind der Meinung, dass zumindest der erwachsen werdende Mensch Zugang zu der Deutung haben soll. Wenn wir sagen würden, das Horoskop wird nur für Leute über 20 Jahren erstellt, so wäre dies eine Missachtung des aufgeweckten, psychologisch interessierten Siebzehn- oder Fünfzehnjährigen. Wir sind uns bewusst, dass die Setzung von Altersgrenzen immer willkürlich ist.

Frage:
Was hat es gebraucht, um dieses Produkt so zu entwickeln, wie es sich heute darstellt?

A.T.:
Es braucht zwei Fachkräfte: Einerseits den Fachmann, bzw. in unserem Fall die Fachfrau, die das Fachwissen liefert und die Texte verfasst, die am Schluss dann ausgewählt werden. Andererseits braucht es den Computer-Spezialisten, den Wissensingenieur, der dieses Fachwissen strukturieren und in ein Computerprogramm umwandeln kann. Wissensverarbeitung ist ein sehr neues Gebiet. Die Methoden für den Bau eines Expertensystems kann man heute noch nicht von der Stange kaufen. Das ist keine verbreitete Computertechnologie, die jeder Programmierer einfach beherrscht. Es ist nicht so, dass man sich statt eines Textverarbeitungs-Systems ein Wissensverarbeitungs-System kaufen kann. Expertensysteme sind ein Gebiet, die gerade erst von den Hochschulen den Weg in die Praxis gefunden haben. Der Anwender, der heute mit solchen wissensverarbeitenden Systemen arbeiten will, muss sich sehr viele Software- oder Programmierwerkzeuge selber schaffen. Oder er kann sich zu sehr teuren Preisen sehr spezialisierte Maschinen, die für Künstliche Intelligenz gebaut sind, auf dem Markt einkaufen. Ich habe mich seit etwa vier Jahren mit dem Bereich der Künstlichen Intelligenz befasst, und mir Kenntnisse auf diesem Gebiet beschafft. Ich habe die Programmiersprachen gelernt, die auf diesem Gebiet wichtig sind: zuerst an der Universität Zürich die Programmiersprache Lisp, später an der ETH die Programmiersprache Prolog. In der Folge haben wir uns dafür entschieden, unser Projekt eines astrologischen Expertensystems auf der Programmiersprache Prolog aufzubauen. Es handelt sich hier um eine sehr moderne Programmiersprache, die speziell dazu geschaffen wurde, logisches Denken, Regeln und Aussagen logisch miteinander zu verknüpfen. Prolog ist die Sprache, die vor einigen Jahren von den Japanern für ihr sehr bekanntes Fifth Generation Computer Project gewählt wurde. Dies ist ein gemeinsames Projekt der japanischen Computerindustrie. Ziel davon ist, der Künstlichen Intelligenz zu einem breiten Durchbruch zu verhelfen. Es war also etwa die Arbeit von vier Jahren, die programmiertechnischen Grundlagen und die notwendigen Software-Werkzeuge zu erschaffen und das Programm zu gestalten. Ein wesentlicher Schritt war auch, die Programmiersprache Prolog, die es nicht auf den uns zu Verfügung stehenden Computern gab, für diese umzuschreiben. Wir mussten für unsere Hewlett- Packard Computer einen speziellen Sprachcompiler entwickeln. Wir standen dabei in engem Kontakt mit der ETH Zürich, wo ein Prolog-Compiler für die Computer der ETH entwickelt wurde. Ich habe mich mit diesen Leuten in Verbindung gesetzt und in Zusammenarbeit mit ihnen die Sprache portiert und weiterentwickelt, um sie auf den Computern, die wir verwenden, einsetzbar zu machen. Dieser Prolog-Interpreter ist damit zu einem Software-Paket für HP-Computer geworden, das zum Verkauf steht. Es ist sozusagen ein Nebenprodukt unserer eigenen Entwicklung. Von 1983 bis Ende 1985 wurden solche Vorarbeiten geleistet: Erwerb des technischen Know-Hows, Schaffung der Software-Werkzeuge. Von Ende l985 bis Anfang l987 fand die tatsächliche Realisierung des Projektes statt: Der Aufbau der Wissensbasis, des Programms und der Texte für die Herstellung der Psychologischen Horoskope.

Frage:
Sind Sie nun Computer-Spezialist oder Astrologe oder beides?

A.T.:
Ich bin natürlich in erster Linie der Computer-Spezialist gewesen.

Frage:
Was ist Ihr ausbildungsmässiger Hintergrund?

A.T.:
Ursprünglich habe ich Physik studiert. Nach dem Diplom habe ich an der ETH Zürich in experimenteller Festkörper-Physik promoviert. Dies war l98l. Daneben habe ich mich mein ganzes Physikstudium hindurch sehr intensiv mit Computern befasst. Für mich war Physik oft zweitrangig gegenüber den Computerproblemen und der Computeranwendung. Daneben hat mich aber immer auch schon Psychologie interessiert. Es bestand immer eine gewisse Spannung zwischen dem psychologischen Interesse am Menschen und dem rationalen, naturwissenschaftlichen Interesse an Physik und Computern. Es waren immer zwei Seiten in mir, die nicht so richtig zusammengepasst haben. l979 bin ich dann der Astrologie begegnet. Dies war ein intensives Erlebnis für mich. Astrologie hat praktisch zwei Seiten: Es ist eine Mischung zwischen einem symbolisch- psychologisch-assoziativen System, das sich im Bereich des Irrationalen, nicht logisch und kausal Erfassbaren bewegt. Gleichzeitig verwendet die Astrologie die genau berechenbaren Planetenbahnen, zu denen im astrologischen System bekanntlich auch Sonne und Mond gehören, und hat damit eine mathematisch ganz exakte Seite. Für die Astrologie sind beide Seiten notwendig. Der Astrologe braucht das genau berechnete Horoskop, um dieses dann psychologisch zu deuten. So wurde für mich die Astrologie zu einem Weg, um diese beiden Seiten in mir zusammenzuführen. Vielleicht war ich deswegen von Anfang an so von Astrologie fasziniert. Ich habe dann begonnen, Astrologie-Bücher zu lesen, Kurse zu besuchen. Die Berechnung von Horoskopen habe ich den Computern, die mir ein so gängiges Handwerkszeug waren, übertragen und aus diesen, zuerst spielerischen Bemühungen, ist dann bald, l980, der Astrodienst entstanden. Damals habe ich das so nebenbei in meinem Labor in der ETH gemacht. Am Abend habe ich das Programm über die Zeichnungen der Planeten und Planetenbahnen entwickelt. l98l, als ich die Promotion abgeschlossen hatte, habe ich dann für den Astrodienst Zürich, also den astrologischen Berechnungsservice gearbeitet und dies zu meiner Haupttätigkeit gemacht. Diese Arbeit ist auf sehr grosse Resonanz gestossen. Ich habe auf diesem Gebiet durch die Beherrschung von modernen, fortgeschrittenen Programmiermethoden mitgeholfen, den Qualitätsstandard der astrologischen Berechnungen, der grafischen Darstellungen usw. zu heben. So habe ich mich über Jahre hinweg mit Astrologie befasst, vornehmlich aber mit der Technik der Astrologie, mit der Berechnungsseite. Ich wusste stets schon, dass mir die Berechnungsseite allein nicht genug ist. Ich wollte diese Welten noch mehr zusammenbringen. Ich wollte die Welt des Computers mit dieser irrationalen, schwer zu ordnenden psychologischen Seite zusammenbringen. Und dann begegnete ich dieser Technik der Wissensverarbeitung. Ich habe mich ja konstant in der Informatik fortgebildet und habe dann sehr bald geahnt, dass es mit dieser neuen Methodik der Künstlichen Intelligenz vielleicht gelingen würde, das Psychologische Horoskop mit Computern seriös anzupacken. Eben nicht nur kochbuchmässig gewisse astrologische Texte zusammenzukleben, sondern das Modell, wie ein Astrologe ein Horoskop schaut, darzustellen.
In der Folge habe ich mich dann immer mehr dem Erlernen dieses neuen Gebietes zugewandt und mir die Methodik der Künstlichen Intelligenz angeeignet, bis es schliesslich Zeit war, ein konkretes Projekt anzugehen. Dies war, wie erwähnt, Ende l985.
Während der Zeit, in welcher ich mit Liz Greene gearbeitet habe, ihr astrologisches Wissen auf dem Computer zu implementieren, habe ich meine Beschäftigung mit der astrologischen Deutung sehr intensiviert und in der Astrologie sehr viel dazugelernt. Ich bin nicht nur Techniker, der aus Distanz ein Programm entwirft. Überhaupt nicht. In diesem Prozess der Übertragung des Wissens einer weltweit führenden Astrologin auf den Computer habe ich mich selber weiter zum Astrologen entwickelt. Heute bin ich Astrologe und Computerspezialist zugleich. Ich mache auch seit einiger Zeit selbst astrologische Beratungen. Ein Computerprogramm hat immer seine Grenzen; die persönliche Beratung kann sehr viel Wesentliches für den Ratsuchenden bringen. Ich lerne auch sehr viel von meinen persönlichen Klienten. Freilich kostet eine Beratung auch ein Vielfaches eines Computerhoroskopes.

Frage:
Sind Sie mit dem Produkt, das jetzt verkauft wird, zufrieden?

A.T.:
Ja, ich bin sehr zufrieden. Und ich bin ein sehr skeptischer und selbstkritischer Mensch. Das könnte ich Ihnen anhand meines Horoskopes erklären. Vielleicht bin ich manchmal sogar ein zu selbstkritischer Mensch. Ich zögere sehr lange, bevor ich etwas gut genug finde, um es anzubieten. Und so habe ich mir auch im Entwicklungsprozess des Programmes immer sehr viel Feedback geholt im Umfeld von Freunden und psychoanalytischer Arbeit. Vor der Einführung fand eine intensive Testphase statt. Schon dort fanden wir aber sehr viel positive Resonanz. In der ganzen Entwicklungsphase haben wir ja die Wissensbasis nicht aus dem Ärmel geschüttelt, sondern die ganze Zeit über getestet. Wir haben immer wieder eine grosse Anzahl von Personen, die wir gut kennen, durchlaufen lassen und geprüft, wie die Modelle funktionieren. Wir haben uns gefragt, ob das Programm die wichtigen Themen bei diesen Menschen findet oder nicht. Wir standen also immer schon in einem Lernprozess und stehen das auch heute noch. Ich bin also zufrieden, ja ich bin überrascht, was wir erreicht haben. Freilich könnten wir noch drei Jahre weiterarbeiten und es ein ganzes Stück detaillierter machen. Ich bin jedoch der Ueberzeugung, dass das Programm heute schon so gut ist, dass es schade wäre, wenn man es nicht denen, die sich dafür interessieren, zugänglich machen würde. Und es ist natürlich auch eine ökonomische Frage:
Entwicklungszeit ist sehr teuer und wir müssen zu irgendeinem Zeitpunkt auf den Markt kommen.

Frage:
Ist geplant, dass das Programm weiterentwickelt wird oder kommen noch ähnliche Deutungen dazu?

A.T.:
Beides. Wir verstehen dieses Programm überhaupt nicht als definitiv. Die Methoden, die darin enthalten sind, sind sehr gut, sie funktionieren und in dem Sinn werden diese so bestehen bleiben. Aber der Inhalt wird sich verfeinern. Das Feedback unserer Klienten ermöglicht uns herauszufinden, wo das Programm am wenigsten greift, vielleicht noch etwas holperig ist, sich nicht klar genug ausdrückt oder wo das Material, das präsentiert wird, am ehesten auf Unverständnis stösst. Neben der Weiterentwicklung des bestehenden Programms gibt es natürlich noch andere Themen, die in der astrologischen Beratung wichtig sind, so z.B. die Erfassung der Zeitqualität. Dazu genügt das Geburtshoroskop nicht, denn dieses ist fix. Wenn wir uns durch die Zeit bewegen, begegnen wir immer bestimmten Abschnitten, in welchen bestimmte Themen auftauchen und besonders akut sind. Andere lassen wir hinter uns. So gibt es einen Wechsel. In der Astrologie gibt es verschiedene Methoden um herauszufinden, was zum jetzigen Zeitpunkt oder in nächster Zeit an Themen besonders aktuell sein wird. Diese Einbringung der Zeitdimension in die astrologische Analyse wäre eine der Anwendungen, die wir im Auge haben. Die andere ist das Thema der Beziehung, der Partnerbeziehung. Dies ist in der psychologischen und astrologischen Beratung generell ein Hauptthema: Beziehungskrisen, Beziehungskonflikte oder auch das Fehlen von Beziehungen. Dort kann die Astrologie Bedeutendes leisten. Sie kann nicht nur einen Menschen betrachten, sondern zwei nebeneinander hinstellen und schauen, wie das Thema Beziehungen in den beiden individuellen Horoskopen sich darstellt und welche Wechselwirkungen bestehen. Auch beim Psychologischen Horoskop wird dieses Thema gestreift. Allerdings steht es nicht im Mittelpunkt und werden nicht beide Partner angeschaut.

Frage:
Sind in der Horoskop-Deutung auch Voraussagen enthalten?

A.T.:
Es sind nicht Voraussagen enthalten im vulgären Sinne wie: Passen Sie diesen Monat auf in Finanzangelegenheiten! Auf diesem Niveau befassen wir uns überhaupt nicht mit Astrologie. Es gilt aber der Kernsatz: Charakter ist Schicksal. Das heisst, was ich als Konflikt in mir habe, kommt in meinem Leben immer wieder zum Ausdruck. Speziell was ich verdrängt habe, kommt von aussen auf mich zu. Dies hängt mit Projektions-Mechanismen und ähnlichem zusammen. Es gibt so etwas wie eine Weisheit im Schicksal und im Leben und es scheint so, als sei es eine Lebensaufgabe, sich mit den Aufgaben und Konflikten, die einem in die Wiege gelegt wurden, zu befassen. Wenn ich nicht in mich schaue und mich dann mit diesen Konflikten befasse, begegnen sie mir von aussen. In diesem Sinn ist natürlich jede Beschreibung von Charakter, also von dem, was in mir ist, auch ein Hinweis auf etwas, das mir von aussen entgegentreten kann. Je unbewusster jemand ist, je weniger er sich mit sich selbst befasst hat, desto eher passiert es, dass ihm das Schicksal schroff von aussen entgegentritt. Jede Beschreibung von Lebensthemen ist damit in einem gewissen Sinne auch eine Voraussage und gleichzeitig eben auch Nichtvoraussage, weil die bewusste Auseinandersetzung mit dem Konflikt gerade verhindern kann, dass mir dies von aussen vor die Augen geführt werden muss. Es gibt so etwas wie ein Phänomen der "Enthexung", das durch die Auseinandersetzung mit meinen inneren Konflikten und Komplexen passiert. Damit wird diese Bewusstwerdung zur Befreiung, zur Erlösung von Schicksal. Das mag etwas hochgestochen tönen, aber das ist genau das, was die Psychoanalyse macht: Reflexion als Erlösung von sonst von aussen oder auch von innen aus dem Körper auftretendem Schicksal. Dies ist das ganze Geheimnis der Psychosomatik. Man kann also das Thema von Voraussage und Charakter- Analyse nicht von einander trennen. Aber Voraussagen im engeren Sinne, wie wann was passieren wird, machen wir nicht. Das kann man ja gerade deshalb nicht, weil die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Schicksal aufheben, Geschehen unnötig machen kann.

Frage:
Es ist mir aufgefallen, dass in der Deutung auch sehr viel über die Eltern, zum Teil sogar Aussagen über die Beziehung der Eltern gewagt werden. Wie ist das möglich?

A.T.:
Sie stellen zwei Fragen: Einerseits: Wie ist das möglich? Andererseits: Wieso machen wir das? Man muss sich fragen, was psychologisch die Eltern bedeuten. Die Eltern sind nicht nur äussere Menschen, bei denen man wohnt als Kind, die einem das Essen machen und einen erziehen, sondern sie spielen in der Psychologie, insbesondere in der Tiefenpsychologie, eine fast überdimensionale Rolle. Die Eltern bilden für das Kind die erste Erfahrung von etwas Männlichem oder Weiblichem in der Welt. Die Mutter ist die erste Frau, die man kennenlernt. Der Vater, oder der Mann, die die männliche Bezugsperson in der Kindheit übernimmt, ist der Urtyp von Mann, der dem Kind entgegentritt. In der Jungschen Psychologie spricht man von Animus und Anima. Gemeint damit ist die innere männliche und weibliche Seite eines jeden. Beim Mann ist die Animusseite vielleicht mehr auf der bewussten, die Animaseite mehr auf der unbewussten Ebene angesiedelt und bei der Frau umgekehrt, aber es ist nicht immer so klar. Doch die Figuren der Eltern treten immer in Beziehung zu diesen inneren Seiten. Sie übernehmen damit gewissermassen Modellcharakter dafür, wie mein inneres Weibliches oder Männliches aussieht. Wie mein inneres Weibliches ist, hat also etwas damit zu tun, wie meine Mutter ist. Wie mein inneres Männliches ist, hat etwas damit zu tun, wie mein Vater ist. Und zwar nicht unbedingt wie mein Vater äusserlich ist. Er hat ja auch eine unbewusste Seite. Auch meine Mutter hat eine unbewusste Seite, die gar nicht unbedingt stark in ihrem Leben zum Ausdruck kommen muss, die aber das Kind auf einer instinktiven Ebene, unbewusst, sehr deutlich wahrnimmt. Wenn nun im Horoskop meine wesentlichen Seelenteile abgebildet sind, sind natürlich auch Animus und Anima dargestellt. Meine männliche und weibliche Urseite sind abgebildet und haben natürlich sehr viel mit den Elternfiguren zu tun, die ja die ersten Modelle gewesen sind. Es ist eine Beobachtung aus der praktischen Astrologie, dass die Eltern im Horoskop des Kindes wiederzufinden sind. Es muss nicht unbedingt die äussere Erscheinungsform der Eltern sein. Es kann ja ein Elternteil in der Realität völlig abwesend sein und trotzdem besteht eine Vaterfigur im Horoskop des Kindes und diese hat etwas zu tun mit der inneren männlichen Seite, unabhängig davon, ob es sich nun um das Horoskop eines Mannes oder einer Frau handelt. Aus dem Horoskop kann man also sehr viel über die Elternfiguren, so wie sie sich in der Seele des Kindes widerspiegeln, ablesen und dies ist sehr wichtig für mich selber. Denn die Eltern stellen das erste Modell einer Beziehung dar. Die Erfahrung, die ich an meinen Eltern gemacht habe, prägt meine Beziehungsfähigkeit, meine Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Sich mit den Eltern, wie sie im Horoskop abgebildet sind, zu befassen, gibt Zugang zu einer ganz wichtigen Ebene von Problemen und Konflikten mit sich selber.

Frage:
Aufgrund welcher Kriterien macht das Programm Aussagen über Beziehungen?

A.T.:
Einerseits werden traditionelle astrologische Interpretationen angewendet wie Siebtes Haus, Venusstellung u.ä. anderseits gehen wir aufgrund der psychologischen Erkenntnisse davon aus, dass der Mensch oft seine unbewussten Seiten im Partner gespiegelt sehen möchte. Man kann dies auch Projektion nennen. Das Beziehungsthema hat deshalb sehr viel mit dem Hauptteil der Horoskopdeutung zu tun, in dem die Hauptfiguren des Charakters beschrieben sind.

Frage:
Ist es ihr Anspruch, dass die beschriebene Person ganz genau vom Programm erfasst wird.

A.T.:
Unser Anspruch ist, die Lebensthemen des Beschriebenen aufzuzeigen und ihm damit Anregungen zur Auseinandersetzung mit sich selbst zu geben. Je bewusster eine Person mit ihren Problemen umgeht, desto mehr entzieht sie sich der Beschreibung durch das Programm. Anderseits erkennen meist gerade diese Personen besonders klar, dass die Beschreibung die wesentlichen Themen ihrer Persönlichkeit angeschnitten hat. Wir haben nicht den Anspruch, eine Person mit unserem Programm völlig zu erfassen. Das wäre vermessen und anmassend. Zum Glück liegt auch der Computer manchmal daneben.

Frage:
Was ist der Sinn dieses Psychologischen Horoskop?

A.T.:
Wir sind der Ueberzeugung, dass das Horoskop dem Leser hilft, seiner Lebensthemen bewusster zu werden, und ihn dadurch auch bewusster damit umgehen lehrt. Dies kann eine echte Lebenshilfe bedeuten. Bewusstwerdung bedeutet Befreiung vom Schicksal.

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23-Jul-2014, 01:19 Weltzeit
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Venus5Krebs23'31"
Mars28Waage25'44"
Jupiter1Löwe28'12"
Saturn16Skorpion38'52"
Uranus16Widder30'29"r
Neptun7Fische7'32"r
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