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Eine Landkarte der Seele, Band 2

Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin

Band 2: Aspekte und Häuser im Horoskop

Die persönliche Seite der Mondknotenachse

Während die betreffenden Zeichen unser kollektives, ererbtes Ungleichgewicht der Mondknotenachse beschreiben, zeigen die Häuserpositionen und die Planetenherrscher der Knoten unsere persönliche Beziehung zu dieser Achse und unsere persönlichen Erfahrungen mit den Grenzbereichen an. Das sieht natürlich bei jedem von uns anders aus. Außer dem kollektiven Aspekt der Anderswelten gibt es auch eine alte Tradition, die besagt, dass jeder von uns ab der Geburt mit einem individuellen Daimon verbunden ist, der sich ausschließlich für unser persönliches Schicksal interessiert. Für unser eigenes Horoskop können wir uns sogar vorstellen, dass die Mondknotenachse unser individueller Zugang zu den Anderswelten ist, bewacht von unseren eigenen persönlichen Führern, Mentoren, Lehrern, Vorfahren, Botschaftern, Schutzengeln und Daimonen.

Teilnehmerin: Das erinnert mich an die Trilogie "His Dark Materials" von Philip Pullman, in der alle Personen an ihren eigenen, persönlichen Daimon gebunden sind.

Clare: Ja, und diese Idee ist keineswegs neu - Sie finden sie auch im Mythos von Er in Platons "Der Staat". In diesem Mythos beschreibt Platon, wie die Seele jedes einzelnen Menschen vor der Geburt einen besonderen Daimon bekommt, der das Bild und das Muster unseres Erdenlebens wählt. Das klingt doch ganz nach einem Horoskop, finden Sie nicht? Der Begleiter unserer Seele führt uns zur Geburt, doch während unserer Ankunft vergessen wir all das und glauben stattdessen, dass wir allein auf der Welt sind. Es heißt, der Daimon erinnere sich an unser Bild und unser Muster und sei daher der Träger unseres Schicksals.
Ich sehe die Mondknotenachse als Schwelle zwischen den Welten, die von einer Vielzahl von Vermittlern der anima mundi bewohnt wird; diese Wesen bewahren, falls wir es vergessen, die Erinnerung daran, was um Himmels willen wir hier überhaupt tun. Das erklärt, warum die Mondknotenachse so oft mit wichtigen Begegnungen mit Menschen assoziiert wird, die uns vielleicht herausfordern, uns scheinbar behindern oder für uns als Botschafter, Führer oder Lehrer fungieren; als solche helfen sie uns und zwingen uns manchmal sogar, Schwellen zu überschreiten, von denen wir uns sonst fernhalten würden oder die wir ohne Hilfe, Anleitung oder Ermutigung nicht zu überschreiten wagten. Reinhold Ebertin hat festgestellt, dass auch zwischen Partnern und innerhalb von Familien oft starke Mondknotenbeziehungen bestehen. [8] Da ist es vielleicht keine Überraschung mehr, dass Menschen, zu denen wir in einer engen Beziehung stehen, auch die Mittlerunseres persönlichen Schicksals sind.

Warum ist es so schwer sich vorzustellen, dass für mich gesorgt wird; dass ein Etwas sich dafür interessiert, was ich tue; dass ich nicht ausschließlich kraft meines eigenen Willens und Tuns beschützt, vielleicht sogar am Leben gehalten werde? Einst war das, was so gut für mich sorgte, ein Schutzgeist, dem ich Achtsamkeit zu zollen wusste. Warum sollten wir nicht auch innerhalb der regulären Psychologie etwas behalten, das einst Vorsehung genannt wurde, jenes unsichtbare Bewacht- und Beschütztsein? [9]

Die Einflüsse der Anderswelten bleiben unklar, doch erleben wir sie in unserer Intuition, Vorstellung und in flüchtig erhaschten Einblicken. Bestimmt haben wir alle zu verschiedenen Zeiten in unserem Leben schon einmal das Gefühl gehabt, wir würden von einer bestimmten Entscheidung oder Vorgehensweise abgehalten. Dann fragen wir uns zum Beispiel, warum wir diesen Job nicht bekommen oder unser Haus nicht verkaufen können; und wie sehr wir uns auch darum bemühen, dass etwas Bestimmtes geschieht, es will sich doch einfach nicht fügen. Dann scheint es, als wäre "das Leben das, was geschieht, während wir damit beschäftigt sind, etwas ganz anderes zu planen", wie es John Lennon so treffend sagte. Umgekehrt haben wir alle auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich alles auf ganz natürliche Weise wie von selbst ergibt - es kommt, scheinbar ohne unser Zutun, zu einer Reihe von Ereignissen, in deren Folge wir uns, oft entgegen unseren ursprünglichen Absichten, auf einem neuen Weg wiederfinden. Zu solchen Zeiten ist wahrscheinlich unsere Mondknotenachse besonders aktiv, entweder weil sich Transite zu ihr bilden, oder weil der transitierende Mondknoten Aspekte zu unserem Geburtshoroskop bildet. Das Interessante daran ist, dass wir unweigerlich in unser Muster gezwungen werden und unser Geburtsbild zum Leben erwacht - ganz gleich, ob wir andere Pläne hatten, und unabhängig davon, ob wir etwas von Astrologie verstehen oder nicht.

Teilnehmerin: Haben die Mondknoten etwas Unausweichliches, so wie Chiron? Es hört sich so an, als hätten wir da keine große Wahl.

Clare: Ja, so sieht es aus, und es könnte durchaus sein, dass unsere Aufgabe bezüglich der Mondknotenachse darin besteht, Augen und Ohren offen zu halten, auf Zeichen zu achten und auf Nachrichten und Botschafter zu hören, deren Funktion es durchaus sein könnte, uns über Schwellen hinwegzuhelfen oder uns einen Tritt zu verpassen, falls wir uns weigern aufzuwachen. Nach meiner Erfahrung ist es im Bereich der Mondknotenachse so, dass weder heldenhafte Anstrengungen noch der Einsatz unserer Willenskraft etwas bewirken oder angebracht sind, denn wir bekommen ja nicht zwingend, was wir zu wollen glauben, nicht wahr?

Teilnehmerin: Ganz bestimmt nicht!

Clare: Die Mondknotenachse scheint die Schwelle zwischen verschiedenen Realitäten oder Wahrnehmungen, zwischen dem Greifbaren und dem Imaginierten darzustellen; wir können die Fähigkeit entwickeln, auf dieser Schwelle zu stehen und uns weder mit der einen noch mit der anderen Seite zu identifizieren, sondern die Gegensätze auszuhalten. Letztlich ist das genau unsere Funktion und Rolle als Astrologinnen und Astrologen, und das ist natürlich eine sehr heikle und schwierige Position. Lassen Sie uns einmal sehen, ob wir all dem etwas mehr Realität verleihen können, indem wir auf das Horoskop zurückkommen und uns einige Beispiele anschauen. Beide Mondknoten treten personifiziert als Menschen auf, die beträchtlichen Einfluss auf unser Leben nehmen. Diese Menschen sind oft Lehrer, Führer oder Mentoren, die uns inspirieren und uns die Zuversicht und Unterstützung geben, ohne die wir bestimmte Dinge nicht angehen würden.

Teilnehmerin: Würden Sie sagen, dass da an den Mondknoten auch unsere Vorfahren sind?

Clare: Ja, das würde ich, denn wir wissen, dass in Urvölkern, die den Kontakt zu ihren Ursprüngen nicht verloren haben, die Vorfahren und auch die noch ungeborenen Nachfahren als lebendige Kräfte angesehen werden, die aktiv auf das Leben des Stammes oder der Sippe einwirken und dabei als Lehrer, Führer und Mentoren fungieren - daher gehören sie bestimmt auch hierher.
Im Geburtshoroskop bezeichnen die Häuser, auf welche die Mondknotenachse fällt, besonders stark aufgeladene Lebensbereiche und besonders bedeutsame Beziehungen. Auch die Zeichenherrscher der Mondknoten sollten berücksichtigt werden, um detailliertere Hinweise zu erhalten. Allerdings möchte ich mich heute Abend auf die Beziehung der Planeten zur Mondknotenachse konzentrieren, und hier wiederum besonders auf jene Planeten, die eine Konjunktion oder ein Quadrat zur Mondknotenachse bilden; damit meine ich Planeten mit einem Abstand von 8 oder 90 Grad zur Mondknotenachse, die sich an den "Wendepunkten" des Mondes befinden. Offenbar erzwingen diese Planeten ohne Rücksicht auf unsere bewussten Absichten Ausdruck in unserem Leben. Sie haben etwas Rücksichtsloses und Zwanghaftes an sich, sie äußern sich, so scheint es, mit absoluter Gewissheit und Überzeugung und bringen uns dazu, unser Schicksal zu erfüllen.

Teilnehmerin: Ich verstehe ja, dass ein Planet unmittelbar an der Mondknotenachse wichtig ist, aber könnten Sie vielleicht erklären, was die "Wendepunkte" des Mondes sind?

Clare: Schauen Sie sich noch einmal die Grafik zur Mondknotenachse an. Sie sehen, dass der Mond die Ekliptikebene zwei Mal monatlich kreuzt, einmal in einer Aufwärtsbewegung am nördlichen Mondknoten, und einmal in einer Abwärtsbewegung am südlichen Mondknoten. Aber es gibt auch einen Punkt zwischen diesen Knotendurchgängen, an dem der Mond seine maximale nördliche oder südliche Breite erreicht, und an diesem Punkt - in 90 Grad Entfernung von der Knotenachse - ändert er seine Richtung. Befindet sich ein Planet an diesem "Umkehrpunkt", so scheint seine Beziehung zur Mondknotenachse einen besonders starken Aufforderungscharakter zu haben.

Die Kardinalpunkte und die Mondknotenachse

Bildet die Mondknotenachse eine Konjunktion oder ein Quadrat zu einem der Kardinalpunkte (also zur MC-IC- oder zur Aszendent-Deszendent-Achse), so sehen wir uns oft gezwungen, einen persönlichen Beitrag zum Weltgeschehen zu leisten. Allerdings hat unsere Motivation in solchen Fällen nichts damit zu tun, dass wir etwa unser Ego streicheln oder Ruhm und Anerkennung einheimsen wollten - ganz im Gegenteil. Wir finden uns oft als Ausführende von Kräften wieder, die uns ohne Rücksicht auf persönliche Verluste dazu bringen, uns in der Welt zu engagieren.
Ein Beispiel dafür ist Nelson Mandela, bei dem der nördliche Mondknoten eine Konjunktion mit seinem Schütze-Aszendenten und der südliche Mondknoten eine Konjunktion mit seinem Zwillinge-Deszendenten bildet. Die kollektive Aufgabe der Zwillinge-Schütze-Achse besteht darin, sich zu Wort zu melden und für die eigenen Überzeugungen einzutreten - was Mandela so wirkungsvoll tat, dass er schließlich die gesamte afrikanische Politik veränderte. Mandela machte sich einen Namen als Rechtsanwalt, trat dem Afrikanischen Nationalkongress ANC bei und setzte sich an die Spitze des Widerstands gegen die Apartheid-Politik der herrschenden Nationalen Partei. Nach dem Verbot des ANC 1960 befürwortete er den Einsatz von Gewalt und wurde 1963 des geplanten Regierungsumsturzes angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Mondknotenachse Mandelas befindet sich im zwölften und sechsten Haus, auf der Achse des Dienens, der persönlichen Opfer und der Hingabe an eine gerechte Sache. Das zwölfte Haus wird oft mit Inhaftierung und Freiheitsentzug in Verbindung gebracht, das sechste Haus mit harter Arbeit. Das Ansehen Mandelas wuchs stetig während seiner 29 Jahre im Gefängnis, und mit dem Erstarken der Anti-Apartheid-Bewegung wurde er zu einem mächtigen Symbol des Widerstands, denn er weigerte sich, seine politische Einstellung für seine Freiheit zu opfern. Seine 1994 veröffentlichte Autobiographie trägt den passenden Titel "Der lange Weg zur Freiheit" - eine vollkommene Entsprechung der Zwillinge-Schütze-Thematik.

Die Sonne und die Mondknotenachse

Aspekte der Sonne zur Mondknotenachse, besonders Konjunktion und Quadrat, finden wir häufig in den Horoskopen von Menschen, die oft schon in jungen Jahren ein starkes Sendungsbewusstsein verspüren, dem sie nachkommen und das sie erfüllen müssen. Dies ist oft nicht rational erklärbar, da es sich einfach um eine starke innere Überzeugung handelt.

Teilnehmerin: Mein Vater hatte den nördlichen Mondknoten in Konjunktion mit der Sonne am MC. Er kam in einer spanischen Kleinstadt zur Welt, wollte aber mit fünfzehn Jahren nach Amerika gehen. Seine Mutter sagte, er sei dafür zu jung, er könne nicht alleine gehen, und er werde sowieso bei der Arbeit auf dem Bauernhof der Familie gebraucht. Aber er weinte drei Monate lang, bis er schließlich die Erlaubnis erhielt, worauf er zu entfernten Verwandten nach Argentinien ging. Er hatte viel Erfolg im Leben. Eines Tages fragte ich ihn, warum er das alles getan habe, und er sagte ganz einfach: "Weil es mein Schicksal war."

Der Mond und die Mondknotenachse

Clare: Aspektiert der Mond die Mondknoten, stehen wir auf einer zutiefst instinktiven Ebene in Verbindung mit Gefühlen, Erinnerungen und der Vergangenheit. Es besteht auch ein enger Zusammenhang mit der Erde, der Natur und dem Weiblichen.
Teilnehmerin: Bei mir ist der Mond in Konjunktion mit dem südlichen Mondknoten, und als ich auf die Gaia-Theorie stieß, dachte ich: Das ist es! Seitdem habe ich mich mit allem beschäftigt, was irgendwie mit Gaia zu tun hat.

Clare: Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Entdeckung wie eine Offenbarung angefühlt hat, wie etwas, das Sie stark ergriff oder wie eine Tür, die plötzlich aufging.

Teilnehmerin: Genau - wie eine Tür, die plötzlich aufging. Ich wusste sofort, dass ich meine Verbindung gefunden hatte. Und ich bin immer noch dort, stets mit Gaia verbunden und immer bestrebt, diesbezüglich im Gleichgewicht zu bleiben.

Teilnehmerin: Ich habe den gleichen Aspekt, Mond Konjunktion südlicher Mondknoten. Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich ein Buch geschrieben habe, in dem es nur um Frauen geht.

Clare: Aus Ihren Beiträgen geht klar hervor, dass die Verbindung zwischen Mond und Mondknoten für Sie beide sehr bedeutsam ist und dass Sie beide sehr viel Unterstützung aus dieser lunaren Verbindung beziehen. Würden wir den südlichen Mondknoten nur als Vergangenheit deuten, so würden Sie damit die lebendige Beziehung zu jener Unterstützung kappen, die Ihnen der Mond bietet. Stattdessen liefert diese Konstellation einen wichtigen Hinweis darauf, warum Sie hier sind. Nebenbei sei noch angemerkt, dass Bob Geldof mit Mond im Quadrat zu seiner Mondknotenachse es zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, die Welt zu "ernähren".

Merkur und die Mondknotenachse

Als Götterbote hat Merkur die Aufgabe, Nachrichten von der einen Welt in die andere zu überbringen. Hermes ist der einzige Gott in der griechischen Mythologie, der alle Welten besuchen kann, und wenn Sie Merkur in Konjunktion oder im Quadrat zur Mondknotenachse haben, könnte Ihre Aufgabe darin bestehen, sich zwischen verschiedenen Dimensionen, Wahrnehmungsweisen, Wirklichkeiten und Sprachen hin- und herzubewegen und zu vermitteln. Diese Stellung kann auch ein Hinweis darauf sein, dass wir unsere Vorstellungen im Lauf unseres Lebens radikal ändern. Zum Beispiel hatte C. G. Jung sowohl Merkur als auch Venus im Quadrat zur Mondknotenachse, und er horchte dauernd, sowohl in seinem persönlichen Leben als auch bei der Arbeit mit seinen Patienten, auf Nachrichten aus den Anderswelten, die ihm in Gestalt von Symbolen oder Naturereignissen kommuniziert wurden. Philemon, sein persönlicher Daimon, war für ihn lebendige Wirklichkeit; er lebte unter dem Einfluss dieses Daimons, der ihn rücksichtslos dazu antrieb, sein Lebenswerk zu vollenden.

Teilnehmerin: Mein Partner hat Merkur im Quadrat zu meinen Mondknoten, und ich glaube, ohne ihn wäre ich nie mit der Astrologie in Berührung gekommen.

Clare: Dann ist er so etwas wie ein Lehrer oder Führer für Sie?

Teilnehmerin: Ja, er hat mir andere Denk- und Wahrnehmungsweisen eröffnet.

Venus und die Mondknotenachse

Steht Venus in Beziehung zur Mondknotenachse, sehen wir mitunter eine besondere Wertschätzung von Schönheit und Form und den starken Wunsch, einem bestimmten poetischen oder künstlerischen Ausdruck Gestalt zu verleihen. Der Schriftsteller Marcel Proust hatte Venus und Merkur in Jungfrau im Quadrat zur Mondknotenachse, und seine Schriften sind sorgfältig erarbeitet und gestaltet. Nicht nur, dass sich seine Lebensweise dramatisch vom anfänglichen sozialen Schnösel zum Einsiedler wandelte, auch sein siebenbändiges Monumentalwerk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", an dem er vierzehn Jahre lang fast ständig arbeitete, entwickelte sich allmählich zu etwas grundsätzlich anderem als ursprünglich geplant, während er sich immer mehr auf seine Innenwelt, seine Vorstellungskraft und seine persönlichen Erinnerungen bezog.

Mars und die Mondknotenachse

Steht Mars im Aspekt zur Mondknotenachse, so sehen wir einen starken Drang zum Handeln. Wir fühlen uns genötigt, etwas zu unternehmen. Offenbar besteht unser Schicksal darin, für etwas zu kämpfen und eine effektive Anwendungsmöglichkeit unserer Energie und Entschlossenheit zu finden. Prinzessin Diana kämpfte öffentlich gegen Unwissen und Vorurteile im Umgang mit Aidsinfizierten und setzte sich außerdem für die Ächtung von Landminen ein. Sie hatte Mars, Uranus und Pluto in Löwe am nördlichen Mondknoten, außerdem Mond und Chiron in Wassermann am südlichen Mondknoten - wir sehen hier also eine ausgeprägte Mondknotenthematik.

Jupiter und die Mondknotenachse

Jupiter im Aspekt zur Mondknotenachse zeigt einen zutiefst zuversichtlichen Menschen, der sich beschützt und von den Göttern begünstigt fühlt. Vielleicht gibt es auch einen Schutzengel, der ein Leben lang über ihm wacht. So wird, im Vertrauen auf die eigene göttliche Sendung, vordem für unmöglich Gehaltenes versucht und auch erreicht. Dieser Aspekt macht gläubig, doch ist es nicht immer leicht, mit ihm zu leben - besonders wenn Jupiter in Konjunktion oder im Quadrat zur Mondknotenachse steht; dann hat er uns ganz in der Hand und zwingt uns zur Erfüllung unseres Schicksals, wie schwer uns das auf der persönlichen Ebene auch fallen mag. Martin Luther und seine leidenschaftliche Überzeugung, dass die Menschen eine direkte Verbindung zu Gott haben, führten unmittelbar zur Reformation - Luther hatte Jupiter und Mars am südlichen Mondknoten. Auf der persönlichen Ebene war sein Weg voller Leid und Schwierigkeiten, doch er konnte letztlich nicht anders als zur Tat zu schreiten und mit seinem Grundsatz "sola fide" (allein durch den Glauben) die alteingesessene Katholische Kirche zu hinterfragen.

Saturn und die Mondknotenachse

Bei einer Verbindung Saturns mit der Mondknotenachse kann es Hindernisse und Grenzen zwischen den Welten geben, dann haben wir Angst davor, zu vertrauen und die Schwelle zu überschreiten. Saturn ist ein strenger Lehrmeister, der uns Steine in den Weg legt, Denkzettel verpasst und von uns verlangt, dass wir lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und diszipliniert und verantwortungsvoll die Meisterschaft anzustreben. Vor dieser hohen Schwelle schrecken wir gern zurück und ziehen es vor, unsere Handlungen auf die diesseitige Welt zu beschränken, denn das ist sicherer. Oder wir begegnen immer wieder Lehrern, die uns lange, schwierige Lehrjahre voll harter Arbeit und Selbstdisziplin auferlegen und uns schließlich selbst zu "Hütern der Schwelle" werden lassen, sodass wir die Tore zwischen den Welten für andere bewachen. Ein gutes Beispiel dafür ist Tina Turner mit Saturn in Widder Konjunktion südlicher Mondknoten. Sie musste lernen, für sich selbst einzutreten, sich zu verteidigen und über sich selbst zu entscheiden. Es war ein außergewöhnlicher Weg mit größten Schwierigkeiten und - wie durch Pluto im Quadrat zur Mondknotenachse angezeigt - Kämpfen auf Leben und Tod.
Ein weiteres interessantes Beispiel ist W. B. Yeats: Saturn Konjunktion nördlicher Mondknoten und Mondknotenachse im Quadrat zur Aszendent-Deszendent-Achse. Yeats und seine Frau nutzten das Medium des automatischen Schreibens, um bewusst mit den daimonischen Bereichen zu arbeiten. Mit Blick auf Saturn im Aspekt zur Mondknotenachse ist es jedoch wenig überraschend, dass diese Methode durch Wesen gestört wurde, die Yeats "Frustratoren" nannte. Diese Frustratoren kommunizierten solange sinnlose Informationen, bis die "echten" Daimonen zurückkehrten.
Wenn ich mir das Leben als Kampf mit jenem Daimon vorstelle, der stets die schwerste aller nicht vollends unmöglichen Aufgaben für uns aussucht, dann verstehe ich, warum der Mensch so sehr mit seinem Schicksal hadert. Mir scheint, der Daimon erlöst uns und führt uns irre, er knüpft sein Netz von Sternen und wirft es nach uns aus. [10]

Chiron und die Mondknotenachse

Bei Kontakten mit der Mondknotenachse zeigt sich Chiron oft in einer zweifachen Funktion als Daimon, nämlich als Lehrer und Heiler. Bezüge zur Mondknotenachse können schamanische Krankheiten, Krisen, leidvolle und ungewollte Initiation in unsere wahre Berufung bedeuten - nicht vom Ego gewollt, sondern Begabung und Fluch zugleich, denn wir tragen das unverkennbare Mal des Außenseiters. Es ist auffällig, dass Prinzessin Diana einen starken Chiron-Mondknoten-Aspekt hatte. Heilerinnen, Lehrerinnen und Astrologinnen haben oft eine ähnlich starke Chiron-Betonung im Horoskop. Bei einer Beziehung von Chiron zur Mondknotenachse besteht unser Sinn und unsere Aufgabe darin, Führerinnen zu sein und anderen Menschen zu helfen, jene eigene innere Weisheit und Wahrheit zu finden, die ihnen sonst kaum einmal jemand spiegelt, bestärkt oder auch nur bestätigt.

Die äußeren Planeten und die Mondknotenachse

Bei Verbindungen der äußeren Planeten zur Mondknotenachse unterliegen wir mächtigen kollektiven Kräften, die uns im Griff haben. Setzen wir hier beispielsweise Uranus ein, so können Brillanz, blendend helle Klarheit und unerschütterliche Überzeugung den Einzelnen in die Lage versetzen, die gewohnten Muster zu durchbrechen und schlagartig das ganze Bild zu erfassen. Wir haben es dann mit einer evolutionären, prometheischen Kraft zu tun, die sich wie eine Offenbarung anfühlen kann. Wir treffen Menschen mit Uranus im Kontakt zur Mondknotenachse wie etwa Charles Darwin oft an der Spitze wissenschaftlicher Innovationen und Neuentdeckungen an. Die Definition des Wortes Offenbarung lautet "der Vorgang des Offenbarens oder Enthüllens, die dramatische Entdeckung von etwas, das vordem unbekannt oder unerkannt war". Im Bereich der Theologie ist eine Offenbarung die Manifestation des göttlichen Willens oder der göttlichen Wahrheit, und so fühlt es sich auch bei einer Verbindung zwischen Uranus und den Mondknoten an.

Wolfgang Amadeus Mozart

In Mozarts Horoskop liegt die Mondknotenachse in Jungfrau und Fische in den Häusern zwölf und sechs - ein Hinweis darauf, dass er selbst und alle, die mit ihm zu tun hatten, ein klares Gefühl seines persönlichen Schicksals hatten. Seine Aufgabe gemäß der Mondknotenachse war es, ein Gefäß oder ein Medium (sechstes Haus) für den Ausdruck des Göttlichen (zwölftes Haus) zu finden, was sich in seiner Musik ganz deutlich offenbart. Aber auch Uranus spielt eine Rolle, und er schrieb ja schon als Dreijähriger große Konzerte. Es wird auch berichtet, dass er ganze Sinfonien im Gedächtnis behalten und sie fließend und fehlerfrei niederschreiben konnte, als wären sie im Ganzen auf ihn gekommen. Seine Musik war erstaunlich, neu und ungeahnt. Seine Genialität steht außer Frage, doch Pluto und Mond stehen im Quadrat zur Mondknotenachse, und die Intensität und Gefühlstiefe seiner größten Kompositionen gehen auch auf den emotionalen Schmerz und die Verluste in seiner Familie (viertes Haus) zurück. Ein so mächtiges Schicksal ist ein schweres Los, denn wir befinden uns im Griff einer unermüdlichen Kraft, die es uns nie leicht oder bequem werden lässt. James Hillman behandelt dieses Thema in seinem Buch "Charakter und Bestimmung. Eine Entdeckungsreise zum individuellen Sinn des Lebens". Wer sich eingehender mit dem Thema des Schicksals und der Rolle von Daimonen, Führern und Mentoren in unserem Leben beschäftigen möchte, dem sei dieses Buch nachdrücklich empfohlen.
Um das Ganze noch detaillierter zu betrachten, können wir auch die Stellung von Jupiter und Merkur, die beiden Herrscher über Mozarts Mondknotenachse, mit heranziehen. So bekommen wir weitere Hinweise darauf, welche Ausdrucksformen diese besondere Mondknotenachse annehmen könnte. Jupiter in Waage im zweiten Haus bedeutet den Drang zu körperlichem Ausdruck von Gleichgewicht, Harmonie und der Erschaffung von Schönheit. Merkur in enger Konjunktion mit Saturn und Sonne in Wassermann im fünften Haus zeigen an, dass sich Mozarts Kreativität klar und strukturiert äußert; diese Stellung beschreibt auch die Rolle seines Vaters als Mentor und Lehrer. Ich denke, Sie sehen schon, wie hilfreich die Planetenherrscher sein können, wenn es darum geht, die Mondknotenachse genauer und mit stärker persönlichen Bezügen zu deuten.

Teilnehmerin: Würden Sie Neptun als überpersönlichen Herrscher von Fische mit einbeziehen, oder würden Sie sich auf Jupiter beschränken?

Clare: Neptun steht hier im elften Haus in Löwe in Opposition zu der Saturn-Merkur-Sonne-Konjunktion - ich würde ihn ganz sicher mit einbeziehen. Auch diese Opposition können wir als das persönliche kreative Bemühen auffassen, jenen magischen, mythischen und schönen Bereichen, die sich Mozart aus dem Kollektiven heraus öffneten, Struktur, Gestalt und Form zu verleihen. Und da er neben alledem auch nur ein Mensch war, können wir auch sehen, wie sich diese Opposition zu schwierigen Zeiten in seinem Leben polarisierte. Wenn ihm seine Arbeit über den Kopf wuchs, wenn sein Pflicht- und Verantwortungsgefühl gegenüber seinem Vater und seine Kritikempfindlichkeit besonders ausgeprägt waren, flüchtete er an den Neptun-Pol und betrank sich mit seinen Freunden. War er dagegen offen für die neptunischen Bereiche der Vorstellungskraft, so arbeitete er hart daran, dem Struktur zu verleihen und es als Musik niederzuschreiben. Neptun ist ein so sensibler Planet mit einer so starken Verbindung zu anderen Dimensionen der Wirklichkeit, dass es bei einem Aspekt zur Mondknotenachse nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder der betreffende Mensch ordnet sich völlig unter und gibt seinen eigenen Willen auf, wie es zum Beispiel bei einem Medium oder Heiler der Fall ist; oder er fühlt sich von den Anforderungen jener anderen Bereiche derart überwältigt, dass er sie wegschieben und ihnen den Rücken kehren möchte.

Teilnehmerin: Das ist ja interessant! Ich habe Neptun im Quadrat zu meinen Mondknoten, und ich habe tatsächlich als Medium gearbeitet.

Clare: Bei Neptunaspekten zur Mondknotenachse ist der Schleier zwischen den Welten besonders dünn und durchlässig, und wenn wir die Daimonen zu ignorieren versuchen, werden sie wahrscheinlich weiter anklopfen oder anfangen, ein Chaos heraufzubeschwören. Dante Gabriel Rossetti hatte Neptun am MC im Quadrat zu seiner Mondknotenachse, und außerdem Chiron und den Mond am südlichen Mondknoten. Ihm war es beschieden, eine schönere, romantische Welt zu erschaffen, und sein Leben war erfüllt von seiner Vorstellungsgabe und jenen Träumen, Fantasien und Visionen, die sowohl seine als auch die Gemälde der anderen Künstler aus der Bruderschaft der Präraffaeliten prägten. Er war äußerst sensibel und fühlte sich zu schönen, verletzten, unerreichbaren Frauen hingezogen. Er erlag einer Drogensucht, die ihn schließlich umbrachte. Wir können also sagen, dass sein persönliches Leben zwar ausgesprochen tragisch verlief, dass aber die Welt ohne die Gemälde der Präraffaeliten sehr viel ärmer und weniger zauberhaft wäre.

Teilnehmerin: Ich habe Neptun im Quadrat zur Mondknotenachse, und in meinem Haus gibt es eine Menge Geister und andere Wesenheiten. Ich versuche immer, sie loszuwerden, weil sie sehr störend sind.

Clare: Wenn wir die Mondknotenachse als Zugang zur Gesamtheit menschlicher Emotion und Erfahrung verstehen, könnte unsere Aufgabe mit Neptun an dieser Stelle darin bestehen, auf diese Geister zu hören und herauszufinden, was sie wollen.

Teilnehmerin: Ich verbringe den Großteil meines Lebens damit, das zu tun.

Clare: Na, wenn das so ist, dann könnte doch eben darin die Aufgabe bestehen, die Ihre Mondknotenachse Ihnen stellt.

Teilnehmerin: Aber es ist sehr anstrengend. Ein Freund von mir, der mir hilft, sie loszuwerden, ist ein Medium, und ich habe ihn einmal gefragt, warum mich die Geister immer weiter belästigen. Er sagte, ich solle mir vorstellen, ich stünde in der Mitte des Wembley Stadions, und das Stadion wäre bis auf den letzten Platz mit Seelen angefüllt, die nicht weiterziehen können. Dieses Bild hat mir wirklich geholfen, es nicht ganz so persönlich zu nehmen.

Clare: Bei Neptunaspekten zur Mondknotenachse sind wir meist sehr empfänglich für andere Welten und oft auch durch sie überfordert, denn in unserem kollektiven Erbe gibt es eine ungeheure Menge an Sorgen, unverarbeitetem Schmerz, Brutalität, Grausamkeit, Armut und Not. Offenbar bekommen wir als Individuen einen kleinen Teil dieses Erbes ab, und damit haben wir dann zu arbeiten. Das bringt uns wieder zurück zu Chiron, denn wir werden eben nicht in eine vollkommene Welt geboren, in der sich alles in Wohlgefallen auflöst. Es gibt kollektiv sehr vieles auszugleichen und zu heilen, und das erreichen wir durch die Integration der einander gegenüberliegenden Zeichen, in die unsere Mondknotenachse fällt.
Kommen wir zuletzt zu Pluto-erbindungen mit der Mondknotenachse. Hier muss das Individuum an der Schwelle zwischen größter Destruktivität und Kreativität leben, während es sich regelmäßig in die seelische Unterwelt begibt, um sich mit der dort angesiedelten Lebenskraft zu verbinden und wieder aufzutauchen, bevor es erneut in die Unterwelt hinabsteigt. Dieses Bild trägt deutlich zwanghafte Züge, wobei sich die Themen - wie im Fall von Tina Turner - um Macht und Machtverzicht drehen.

Teilnehmerin: Kommen Sie zu ähnlichen Deutungen, wenn die Aspekte zur Mondknotenachse durch die Planeten eines anderen Menschen gebildet werden?

Clare: Ja, und das gilt besonders für Beziehungen, bei denen man das Gefühl hat, sie seien irgendwie unausweichlich oder schicksalhaft. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die den Saturn ihres Ex-Mannes an ihrem nördlichen Mondknoten hat. Das war extrem schwierig für sie, denn sie musste sich mit Saturn auseinandersetzen, fühlte sich in ihrer Ehe sehr allein gelassen und musste einige schmerzliche Lektionen lernen, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Schließlich hielt sie es nicht mehr länger aus und verließ ihn, teilweise wohl auch aufgrund ihrer Schütze-Venus. Aber es ist ihr durchaus bewusst, dass ihre Ehe Teil ihres Schicksals war, und die Verpflichtungen bestehen weiterhin, denn sie haben drei Kinder. Die einzige Möglichkeit, die Ehe fortzuführen, hätte darin bestanden, ihr Verhältnis zu Saturn zu ändern, und tatsächlich war sie infolge dieser Verbindung mit ihrer Mondknotenachse gezwungen, sehr viel erwachsener und selbstständiger zu werden.

Teilnehmerin: Bei mir und meinem Partner besteht die gleiche Verbindung. Gibt es da überhaupt noch Hoffnung?

Clare: Es zeigt, dass Sie beide zusammenarbeiten müssen, um dauerhafte Strukturen aufzubauen, und es kann auch sehr viel Sicherheit bieten.

Teilnehmerin: Wie sieht es bei einem Aspekt meiner Mondknotenachse zu der meines Partners aus?

Clare: In diesem Fall stelle ich mir vor, dass Ihre jeweiligen Daimonen sich zusammengetan haben, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Die Seelen begegnen sich. In unserer rationalen, diesseitigen Zeit fällt es den Daimonen sehr schwer, mit uns zu kommunizieren, denn gemeinhin glauben wir nicht mehr an ihre Existenz. Das könnte einer der Gründe dafür sein, dass sie uns als ganz gewöhnliche Menschen, als Führer, Lehrer, Mentoren oder Botschafter erscheinen, die uns helfen, der Bestimmung unserer Seele eingedenk zu sein.
Teilnehmerin: Aber man liest doch immer über die Mondknoten, dass sie eine bestimmte Richtung vorgeben und dass wir unsere Anfänge hinter uns lassen sollen, weil sie uns zurückhalten können.

Clare: Es ist mir nicht ganz klar, wieso wir uns von dem trennen sollten, was uns unterstützt und trägt, es sei denn, wir wären zutiefst von uns selbst entfremdet und hätten uns ganz und gar einer heroischen Vorstellung von persönlichem Fortschritt und spiritueller Entwicklung verschrieben oder wären, was ebenfalls gut vorstellbar ist, jener Tyrannei der Vollkommenheit zum Opfer gefallen, die in unserer Kultur so sehr im Vordergrund steht. Es stimmt aber, dass dies eine gängige Deutung des südlichen Mondknotens ist. Allerdings ist es so, dass wir jedes Mal, wenn wir - was natürlich nur allzu leicht geschieht - in die entweder-oder-Falle tappen, im Grunde ein Messer nehmen und unsere Seele in zwei Hälften zerteilen. Genau auf diese Weise arbeitet der analytische Verstand. Und da frage ich: Wer oder was sagt uns denn, dass wir das tun sollen? In der Astrologie gibt es keine moralischen Imperative. Doch es fällt uns nur allzu leicht, eine wertende Haltung einzunehmen, die zwar nichts mit Astrologie, dafür aber umso mehr mit unserer persönlichen Meinung zu tun hat; diese Meinung aber unterliegt oft Ängsten und einem rigiden Festhalten an dem, was wir für die Regeln halten, ganz gleich, ob das in unseren Augen weltliche oder spirituelle Regeln sind. Deshalb glaube ich, dass es sehr hilfreich sein kann, sich auf die Planetenherrscher der Mondknoten, ihre Funktion im Horoskop und ihre Beziehungen untereinander zu konzentrieren. Das befreit uns davon, die Mondknoten so zu verstehen, als würden sie primär einen zeitlichen Verlauf anzeigen.

Astrologinnen und Astrologen treffen besonders leicht wertende Aussagen. So denken wir beispielsweise, Mars in Widder sollte etwas überlegter vorgehen. Aber nein! Ein Widder-Mars ist ein Widder-Mars, er ist was er ist. Im Grunde beschreibt Astrologie lediglich und kritisiert nicht. Wir sollten also lieber fragen, was will dieser Mars? Wie verhält er sich? Geben Sie ihm etwas Platz, damit er das sein kann, was er ist. Lassen Sie ihn von der Leine - er kann eine überaus positive und mächtige Kraft in unserem Leben sein. Wenn wir die Grenzbereiche, die von den Mondknoten symbolisierten Treffpunkte von Geist, Seele und Erde verdrängen, verlieren wir die Verbindung zwischen den Gegensätzen. Falls Sie sich für diese Dinge interessieren, empfehle ich Ihnen das Buch von John Harpur, Daimonic Reality - es ist eine absolut brillante Auseinandersetzung mit diesem Thema. Wenn unsere Sicht der Dinge rein wissenschaftlich oder mechanistisch ist, so ist keine rege Beziehung zu einem verzauberten, lebendigen, dicht bevölkerten Universum mehr möglich, und es gibt auch keine Überraschungen mehr, sondern nur noch Regeln, die es zu erlernen gilt. Wenn unsere Planeten keine lebendigen Götter mehr sind, die über Heerscharen von Botschaftern und Vermittlern verfügen, dann bricht unser Dialog mit der anima mundi, mit den Zwischenreichen ab, und wir sind nur noch gewiefte Mechaniker.

Wenn es uns gelingt, die Gegenwart der anima mundi in unserer Astrologie zu berücksichtigen, dann finden wir auch Möglichkeiten des magischen Zwiegesprächs, und viele sogenannte Geisteskrankheiten wie etwa Täuschungen, Komplexe, Neurosen, Depressionen oder Verfolgungswahn müssen eben doch nicht, wie bisher in der allgemeinen Psychologie üblich, pathologisch oder medizinisch betrachtet werden. Deshalb schrieb Jung, "Die Götter sind zu Krankheiten geworden." Im Lauf der Entwicklung seines Werks wurde ihm bewusst, dass die Psyche nicht nur subjektiv alle möglichen Bilder auf die Außenwelt projiziert, sondern dass sie auch objektiv existiert, und zwar ebenfalls da draußen in der Welt. Die Synchronizität war sein Beweis dafür. Bei der astrologischen Arbeit wird deutlich, dass die Planeten sich sowohl in unserem Inneren als auch in Form von konkreten Tatsachen und Ereignissen in der Außenwelt manifestieren. Ich glaube daher, dass die Astrologie unbedingt zum Bereich des Daimonischen gehört und dass wir als Astrologinnen und Astrologen eine daimonische Aufgabe erfüllen und als Vermittler und Botschafter auf der Schwelle zwischen Himmel und Erde stehen. Letztlich besteht unsere Funktion darin, unseren Klientinnen und Klienten zu helfen, sich an ihre Muster, an die Bestimmung ihrer Seele zu erinnern. Deshalb lohnt es sich immer, das Verhältnis zwischen unserer eigenen und der Mondknotenachse unserer Klientinnen und Klienten zu untersuchen, um zu sehen, welche Rolle wir in ihrem Leben möglicherweise spielen.


  1. Hillman, James, The Soul's Code: In Search of Character and Calling (London: Bantam Books, 1996), p. 3. Dt.: Charakter und Bestimmung. Eine Entdeckungsreise zum individuellen Sinn des Lebens
  2. Campbell, Joseph, The Inner Reaches of Outer Space: Metaphor as Myth and as Religion (Novato, CA: New World Library, 1986). Dt.: Die Mitte ist überall
  3. Darstellung aus West, John Anthony, Serpent in the Sky: The High Wisdom of Ancient Egypt (New York, NY: Julian Press/Crown Publishing Group, 1987), p. 70. Dt.: Die Schlange am Firmament: die Weisheit des Alten Ägypten
  4. Idemon, Richard, The Magic Thread: Astrological Chart Interpretation Using Depth Psychology (York Beach, ME: Samuel Weiser, Inc., 1996) [hereafter Idemon, The Magic Thread], p. 105.
  5. Wills, Christopher, "Exons, introns and talking genes", in Narby, Jeremy, The Cosmic Serpent: DNA and the Origins of Knowledge (Phoenix, AR: Orion Publishing Group, 1998). Dt.: Die kosmische Schlange - Auf den Pfaden der Schamanen zu den Ursprüngen modernen Wissens
  6. Baring and Cashford, p. 681.
  7. Raine, Kathleen and George Harper (eds), Thomas Taylor the Platonist: Selected Writings, quoted in Harpur, Patrick, Daimonic Reality, A Field Guide to the Otherworld (Enumclaw, WA: Pine Winds Press, 1992) [hereafter Harpur, Daimonic Reality], p. 49.
  8. Ebertin, Reinhold, The Combination of Stellar Influences, trans. Alfred G. Roosedale (Aalen: Ebertin Verlag, 1940). Dt.: Kombination der Gestirneinflüsse [1960]).
  9. Hillman, The Soul's Code. Dt.: Charakter und Bestimmung. Eine Entdeckungsreise zum individuellen Sinn des Lebens
  10. Yeats, W. B., Mythologies, zitiert in Harpur, Daimonic Reality, p. 40.

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Das Buch " Eine Landkarte der Seele, Band 2"

Erstveröffentlichung 2007 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, © 2007, Clare Martin.
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