Die Löwe-Wassermann-Achse unter der Herrschaft von Sonne und Saturn ist
eine weitere Spielart der Kind-Eltern-Beziehung, allerdings handelt es
sich dieses Mal um eine positive Feuer-Luft-Achse. Der von der Sonne
beherrschte Löwe-Pol steht für unsere Unverwechselbarkeit, unsere
Kreativität und unser individuelles Potential; der von Saturn beherrschte
Wassermann-Pol steht für die kollektiven Regeln und Gesetze, denen wir
alle unterworfen sind. Auch Uranus, der überpersönliche Herrscher über
Wassermann, spielt auf dieser Achse eine Rolle und äußert sich oft in der
Weigerung, sich in die Gruppe einzuordnen oder anderen als den eigenen
Regeln zu gehorchen. Der uranische Drang besteht darin, den Status Quo zu
hinterfragen und zu stören; er kommt eher aus dem Kopf als aus dem Herzen,
obwohl es letztlich nichts Mächtigeres oder Effektiveres gibt als das
Zusammenwirken von "Herz und Hirn".
Die Löwe-Wassermann-Achse steht für die Beziehung zwischen Individuum
und Gruppe, zwischen dem jeweils Richtigen für mich als Einzelperson und
dem, was für alle anderen richtig ist. Diese beiden Pole lassen sich nicht
so leicht integrieren, denn wir befinden uns erneut auf einer fixen Achse,
deren Pole nicht darauf eingestellt sind, sich anzupassen, sich auf etwas
einzustellen oder zu verhandeln. Es ist nur allzu menschlich sich so zu
verhalten, als würden die allgemein gültigen Regeln für uns persönlich
nicht gelten. Sind wir dagegen besonders gesetzestreue Bürgerinnen und
Bürger, so werden wir uns zweifellos immer wieder über das egoistische,
gedankenlose Verhalten jener Menschen aufregen, die einfach keine
verantwortungsbewussten Mitglieder der Gesellschaft werden und sich nicht
an ihre Regeln halten wollen. Trotz alledem gibt es eine Koexistenz von
Herz und Verstand, denn die meisten von uns sind davon überzeugt oder
können sogar beweisen, dass es einen besonderen, einzigartigen Menschen
gibt, der genau zu ihnen passt.
Arthur Hacker, 'Die Versuchung des Sir Percival' (1894)
Die berühmte Gralslegende um den Fischerkönig kann uns helfen, die Löwe-Wassermann-Polarität zu verstehen. Die Geschichte beginnt an dem Punkt, an dem die Verbindung zwischen dem Wassermann- und dem Löwe-Pol gekappt wurde. Der König ist verwundet, das Land ist unfruchtbar, und das ganze Königreich liegt wie erfroren und gelähmt darnieder. Da tritt Parzival in der Rolle des Löwen auf den Plan: eine unschuldige Seele mit reinem Herzen, die noch nie etwas von Regeln gehört hat. Schließlich gelingt es Percival nach vielen Abenteuern und Missgeschicken, den König von seinem Leiden zu erlösen und das Land aus seinem trostlosen Zustand zu befreien. Er erfährt, dass der Fischerkönig sein Großvater ist, was ihn selbst zum rechtmäßigen Thronfolger des Gralskönigs macht. Letzten Endes ist hier das Kollektiv auf das Individuum angewiesen und umgekehrt. Dabei stellt sich die Frage: Wo steht der Einzelne in Bezug zur Gesellschaft, und wo steht die Gesellschaft in Bezug zum Einzelnen?
Teilnehmerin: Wie funktioniert diese Achse denn in Zweierbeziehungen?
Clare: Nun, auch hier ist es so, dass diese Achse in Beziehungen sehr häufig polarisiert wird. Im vorliegenden Fall spielt wahrscheinlich der eine Partner die Rolle des besonderen Kindes, ist kreativ, warmherzig, voller Entwicklungsmöglichkeiten und spontaner Herzlichkeit. Jemand mit Sonne oder mehreren Planeten in Löwe oder im fünften Haus oder mit dieser Achse an der Aszendent-Deszendent-Linie wird sich oft stark zu der kühlen, intellektuellen Distanziertheit oder zum gesellschaftlichen Ansehen und Status eines Menschen hingezogen fühlen, der den Wassermann-Pol auslebt. Umgekehrt wird sich jemand mit betonter Wassermann-Thematik, dem es um seinen intellektuellen Ruf geht und der ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft sein will, oft zu der Kreativität, dem kindlichen Enthusiasmus und der Freudigkeit eines Menschen hingezogen fühlen, der den Löwe-Pol auslebt.
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