Das zehnte Haus zeigt unser "Gesicht für die Öffentlichkeit", unser
öffentliches oder berufliches Image, unsere gesellschaftliche Stellung,
unsere Karriere oder unseren Job sowie unsere Beziehung zu Autoritäten wie
zum Beispiel unseren Vorgesetzten. In dieses Haus gehören Status,
Verantwortlichkeit, Autorität und auch unsere Mutter, sofern und soweit
sie in unserer Kindheit die Regeln festlegte und die Autorität in unserem
Leben darstellte. Das zehnte Haus ist das Haus der weltlichen Ambitionen,
es zeigt, für welche Errungenschaften wir anerkannt werden wollen.
Da es auch das Haus der Mutter ist, finden wir dort oft auch genaue
Beschreibungen der Ambitionen, die unsere Mutter oder unsere Familie für
uns hegte - ihre Vorstellung davon, was wir in der Welt erreichen können.
Häufig erwischen wir uns bei dem Versuch, zumindest anfänglich die
Ambitionen unserer Mutter erfüllen und zu dem werden zu wollen, was sie
sich für uns gewünscht hat. War Ihre Mutter beispielsweise eine
enttäuschte Balletttänzerin, und haben Sie zufällig Löwe-Venus in Zehn, so
sind Sie vielleicht gerade selbst auf dem Weg, Balletttänzerin zu werden,
denn möglicherweise wurden Sie schon zum Ballettunterricht gebracht,
sobald Sie nur zu laufen gelernt hatten. Mit Venus in Löwe im zehnten Haus
wäre dies eine Möglichkeit für Sie gewesen, sowohl in den Augen Ihrer
Mutter als auch der Außenwelt Lob und Anerkennung zu erlangen. Mit Mars im
zehnten Haus sind wir vielleicht ambitioniert und energisch und versuchen,
eine Führungsposition einzunehmen. Mit Saturn in Zehn arbeiten wir
wahrscheinlich hart, um die Autorität und den Respekt zu erlangen, nach
dem wir uns sehnen.
Teilnehmerin: Ist die Zeichenstellung dabei wichtig?
Clare: Ja, und es ist auch immer wichtig, die Stellung des- oder derjenigen Planeten mit einzubeziehen, die über das zehnte Haus herrschen. Auf diese Weise bekommen wir genauere und detailliertere Hinweise auf die besondere, individuelle Art und Weise, in der sich die Angelegenheiten des zehnten Hauses bemerkbar machen. Das zehnte Haus beschreibt unsere Einstellung zu Autorität, zu weltlichem Erfolg und Scheitern. Es entspricht auch dem, was wir auf die Außenwelt projizieren. Haben wir zum Beispiel Saturn im zehnten Haus oder Steinbock an der Spitze des zehnten Hauses, so erleben wir unsere Welt vielleicht als schwierig und kritisch; mit Pluto in Zehn oder Skorpion an der Spitze von Zehn könnten wir sie beängstigend und bedrückend finden; oder sie erscheint uns voller aufregender Möglichkeiten und Gelegenheiten, wenn wir Jupiter im zehnten Haus oder Schütze an der Spitze des zehnten Hauses haben.
Das elfte Haus ist traditionell das Haus der Wünsche und Hoffnungen; es
zeigt unsere Ideale und Ziele für die Gruppe, Gemeinschaft oder
Gesellschaft, der wir angehören. Es ist das Haus politischer und sozialer
Vorstellungen und zeigt die Ziele und gesellschaftlichen Bewegungen, für
die wir uns engagieren. Das elfte Haus gibt Auskunft darüber, wie wir uns
als Teil einer Gruppe oder Gemeinschaft, im Zusammensein mit unseren
Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen verhalten. Wassermann
ist das reifste der drei Luftzeichen, und im elften, dem Wassermann-,Haus
treten wir gemäß unserer Ideale, Prinzipien und Hoffnungen für die
Menschheit als Ganzes mit der Umwelt und anderen in Verbindung. Dabei
respektieren wir die Rechte der anderen und räumen ihnen die Freiheit und
den Platz ein, den sie brauchen, um sie selbst zu sein. Wenn Sie mehr
darüber erfahren wollen, wie Sie auf Gruppensituationen reagieren, sehen
Sie am besten im elften Haus nach.
So fällt es uns beispielsweise mit Jupiter im elften Haus relativ
leicht, neue Freundschaften zu schließen, weil wir davon ausgehen, dass
alle Menschen im Grunde wohlmeinend und gesellig sind. Mit Saturn im
elften Haus sind wir da schon vorsichtiger und brauchen meist länger, um
neue Freundschaften einzugehen. Planeten im elften Haus zeigen uns, welche
Freunde und Kollegen wir häufig anziehen.
Teilnehmerin:
Ich habe Uranus und Pluto im elften Haus und versuche,
Gruppensituationen möglichst aus dem Weg zu gehen.
Clare: Als Angehörige der Uranus-Pluto-Generation, die Mitte der sechziger Jahren geboren wurde, haben Sie vermutlich ganz neue Ideen in Bezug auf die Gesellschaft - Sie wollen die alten Strukturen aufbrechen und ganz von vorn anfangen. Wahrscheinlich sind Sie ein sehr politischer, vielleicht sogar politisch subversiver Mensch und fühlen sich dazu getrieben, die Ihrer Ansicht nach korrupte und revisionsbedürftige Art und Weise zu hinterfragen, in der Gruppen, Kollektive oder Gemeinschaften geführt werden.
Teilnehmerin: Das klingt schon viel besser, und es erklärt auch, wieso offenbar alle meine engsten Freundinnen und Freunde irgendwie politisch aktiv sind.
Nun sind wir beim zwölften Haus angekommen, und damit befinden wir uns
fast wieder an unserem Ausgangspunkt. Wir hatten bereits festgestellt,
dass das zwölfte Haus eine Entsprechung unserer Erfahrungen in der
Gebärmutter ist, und dass dieses Haus - wie alle anderen Wasserhäuser auch
- etwas mit unserem seelischen Erbe und mit allen unerledigten Themen zu
tun hat, die von unseren Eltern und Vorfahren an uns weitergegeben wurden.
Das zwölfte Haus gehört nicht zur "realen Welt" von Raum und Zeit, denn es
kennt keinerlei Grenzen. Es ist das Haus, in dem alles immerzu geschieht
und alles mit allem verbunden ist. Hier ist kein Platz für das
zeitgebundene Ego, und deshalb geht es hier um einen Anteil von uns
selbst, der sich nie vollständig inkarniert oder nie in Beziehung zur Welt
tritt. Dieser Ort wird von unseren Träumen und Fantasien beherrscht, hier
treten unsere Visionen, Hoffnungen und Ängste zutage und inspirieren,
unterstützen oder lähmen uns. Das zwölfte Haus ist unser Schlupfloch,
unser Fluchtpunkt, der Ort, an dem wir seelisch, emotional oder körperlich
einfach nur allein sein und Heilung finden können. Im zwölften Haus können
wir das Gefühl universeller Unterstützung, Führung und Inspiration
erleben, das uns wiederum helfen kann, andere zu unterstützen und zu
inspirieren. Andererseits können wir hier auch selbst unser schlimmster
Feind sein und uns weigern, uns auf die Außenwelt einzulassen -
überwältigt von der Sehnsucht, "heimzukehren" und alles andere zu
vergessen; dann lösen wir uns in Süchten und anderen selbstzerstörerischen
Verhaltensweisen auf.
Menschen mit einer Betonung des zwölften Hauses brauchen viel Zeit für
sich, denn sie sind wie seelische Schwämme, die alles aufnehmen, was in
ihrer Umgebung geschieht, und das kann sehr anstrengend sein. Das zwölfte
Haus ist der Ort, an dem wir verschmelzen, an dem wir unserer Getrenntheit
entfliehen und uns mit etwas identifizieren, das größer ist als wir
selbst; es beschreibt unsere Erinnerungen an das vorgeburtliche Leben und
unsere Gefühle in Bezug auf das Leben nach dem Tod. Es entspricht dem
Wunsch, sich zurückzuziehen oder der harten Realität zu entfliehen - es
ist der Ruf des klösterlichen Lebens, eines Lebens in Kontemplation und
Kommunion mit dem Göttlichen. In diesem Haus regenerieren und heilen wir
uns selbst, um genügend Kraft für unseren nächsten Vorstoß in die Realität
zu schöpfen. Das zwölfte Haus ist auch das Haus der therapeutischen
Einrichtungen oder Anstalten, Krankenhäuser, Gefängnisse, Mönchs- und
Nonnenklöster sowie aller anderen Einrichtungen, die uns vor der Welt
schützen, und zeigt unser Verhältnis zu solchen Einrichtungen.
Teilnehmerin: Ich habe die Sonne im zwölften Haus, und das klingt für mich alles recht entmutigend.
Clare: Nun, zweifellos haben Sie ein überaus feines Gespür für Ihre unmittelbare Umgebung, und ich könnte mir vorstellen, dass Sie sehr viel Zurückgezogenheit und Einsamkeit brauchen, dass Sie sich regelmäßig von der Außenwelt zurückziehen, um allein zu sein. Dabei fühlen Sie sich zweifellos auf eine sehr tief gehende, schwer zu beschreibende Weise unterstützt und getragen. Wir sollten nicht vergessen, dass sowohl Neptun als auch Jupiter die natürlichen Herrscher dieses Hauses sind, und daher ist das zwölfte - wie auch das neunte - das Haus Gottes, weil es ein Gefühl tiefster mystischer Verbundenheit bietet. Ihr Leben ist in einen größeren Zusammenhang eingebettet, und es kann gut sein, dass Sie zu sich selbst finden, indem Sie für eine der vorhin erwähnten Einrichtungen des zwölften Hauses arbeiten. Sie sind ganz bei sich, wenn Sie fließen, verschmelzen und träumen können und dabei in einer Vorstellungswelt leben, in der sich alles in fortwährendem Wandel befindet. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Ihr Vater irgendwie schwer erreichbar war - körperlich oder seelisch schwer zu fassen oder abwesend.
Teilnehmerin: Ich habe Uranus in Krebs im zwölften Haus und bin am liebsten Zuhause.
Clare:
Ich glaube, mit Uranus in Zwölf weigert sich ein bestimmter Teil von uns
zu glauben, dass es neben der "Realität" nicht auch noch etwas anderes
gibt; nehmen wir noch die Stellung im Krebs dazu, so hat das Zuhause, von
dem Sie sprechen, wahrscheinlich mehr mit der Erinnerung an Ihr
spirituelles Zuhause zu tun als mit irgendeinem Zuhause, das es hier auf
Erden gibt. Ich denke, dass Uranus im zwölften Haus auch für den Zugang zu
einer spirituellen Richtung und Führung steht, die uns eine angenehm
distanzierte Perspektive bietet.
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