Eine Landkarte der Seele, Band 2
Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin
Band 2: Aspekte und Häuser im Horoskop

Horoskop-Betonungen

Bevor wir uns mit der Bedeutung einzelner Häuser beschäftigen ist es sinnvoll, etwas zurückzutreten und uns das Gesamtbild jedes Geburtshoroskops gemäß der Planetenverteilung auf die Häuser zu vergegenwärtigen. An diesem Punkt suchen wir nach allen möglichen Betonungen, wobei uns stark besetzte Bereiche des Horoskops sofort anzeigen, wo die Betonung liegt. Ich empfehle Ihnen das Buch von Howard Sasportas, "Astrologische Häuser und Aszendenten", in welchem er die Häuser in jeweils zwei, drei und vier allgemeine Bereiche der Erfahrung einteilt. [6]

Nord- und Süd-Hemisphäre

Jedes Horoskop wird von den Achsen in je zweimal zwei Hemisphären geteilt. Die ersten sechs Häuser beschreiben unsere persönliche Entwicklung, die darauf folgenden sechs Häuser beschreiben unser Verhältnis zu anderen Menschen, zur Gesellschaft und zur Welt im Allgemeinen.

Nord- und Süd-Hemisphäre

Der Horizont (die Aszendent-Deszendent-Achse) teilt das Geburtsbild in eine nördliche Hemisphäre unter dem Horizont und eine südliche darüber. Die Häuser eins bis sechs liegen unter dem Horizont, unter der Erde, und sind daher dem Blick verborgen. Es sind Häuser der Selbstentwicklung, die unsere subjektiven, inneren Welten beschreiben. Die Häuser sieben bis zwölf liegen über dem Horizont, dem Blick frei zugänglich, und beschreiben unser Verhältnis zu anderen Menschen und der uns umgebenden Welt.
Diese beiden Hemisphären liegen im Widerstreit, fordern sich gegenseitig heraus, hängen von einander ab und ergänzen sich gegenseitig, wie es bei allen Gegensätzen der Fall ist. Haben wir eine Betonung von Planeten unter dem Horizont, so werden wir Sinn und Erfüllung letztlich in uns selbst, in unserem persönlichen, privaten Leben finden - ganz gleich, wie aktiv und erfolgreich wir in der Außenwelt auch sein mögen und wie viel wir auch immer mit anderen Menschen zu tun haben mögen. Jedes Haus hat einen Planetenherrscher, und das bedeutet hier, dass die Häuser über dem Horizont von Planeten unter dem Horizont beherrscht werden. In der Außenwelt gewonnene Erfahrungen müssen zu ihrer Verarbeitung internalisiert, in die Innenwelt aufgenommen werden. Die öffentliche, äußere Welt wird also in einem gewissen Maß immer ein ungewohnter, unbequemer Bereich bleiben.
Haben wir es dagegen mit einer deutlichen Betonung von Planeten über dem Horizont zu tun, so werden wir Sinn, Zweck und Erfüllung letztlich in unseren Beziehungen zu anderen Menschen und zur Außenwelt finden - diese Lebensbereiche geben uns Kraft und beleben uns. Eine persönliche, subjektive, introvertierte Haltung liegt uns dann nicht, denn die Häuser unter dem Horizont werden von Planeten über dem Horizont beherrscht. Daher externalisieren wir unsere inneren Kräfte und Werte, wir tragen sie in die Welt hinaus und teilen sie mit anderen. Die innere, private Welt wird also in einem gewissen Maß immer ein ungewohnter, unbequemer Bereich bleiben.
Hat jemand hier eine deutliche Betonung einer dieser Hemisphären?

Teilnehmerin: Ja, ich. Fast alle meine Planeten sind unter dem Horizont, in den ersten sechs Häusern.

Clare: Wir dürfen also annehmen, dass Sie im Grunde ein Mensch sind, der seine Privatsphäre schätzt und über ein reiches Innenleben verfügt. Wie anspruchsvoll und aktiv und erfolgreich Ihr Leben nach außen hin auch sein mag, so scheint es doch, dass Sie Ihre Kraft und Energie aus Ihrem Inneren beziehen, wo Sie sich auch am wohlsten fühlen und letztlich Ihre Erfüllung finden. Wir könnten auch sagen, dass Ihr äußeres Leben, Ihre Verbindungen zu anderen Menschen und der Außenwelt, Sie auf einer grundlegenden Ebene nicht erfüllen. Kann es sein, dass das zutrifft?

Teilnehmerin: Ja, das ist hochinteressant. Vor die Wahl gestellt, würde ich lieber mein eigenes Ding machen als mich auf eine Gruppe einzulassen; aber ich habe das immer für eine Schwäche gehalten und mich selbst wegen meines unsozialen Verhaltens kritisiert.

Clare: Das ist wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, wie uns die Astrologie den Mut geben kann, uns so zu akzeptieren wie wir sind, anstatt uns verpflichtet zu fühlen so zu werden wie wir glauben, dass wir sein sollten.

Ost- und West-Hemisphäre

Ost- und West-Hemisphäre

Die andere große Teilung der Häuser wird durch die MC-IC-Achse vorgegeben, die das Horoskop in eine östliche und eine westliche Hemisphäre teilt, wobei sich die östliche Hemisphäre auf der linken, "orientalen", und die westliche Hemisphäre auf der rechten, "okzidentalen" Seite des Horoskops befindet. Allgemein gesprochen bedeutet eine starke Planetenbetonung der Ost-Hemisphäre, dass wir uns wahrscheinlich durch uns selbst definieren - dass unsere Haltung und Anschauung grundsätzlich subjektiv ist. Mit so einem Horoskop neigen wir dazu, uns unsere eigene Wirklichkeit zu erschaffen und uns in erster Linie auf uns selbst und unsere eigenen Möglichkeiten zu verlassen. Letztlich neigen wir dazu, unsere Beziehungen - wie bedeutsam sie auch sein mögen - gegen unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse abzuwägen, denn die Häuser der westlichen Hemisphäre werden von Planeten beherrscht, die in der östlichen Hemisphäre stehen. Zwar fällt es uns bei einer Betonung der Ost-Hemisphäre leichter, uns aus negativen oder zerstörerischen Beziehungen zu lösen, in denen unsere eigenen Bedürfnisse unerfüllt bleiben, doch bedeutet es auch, dass Beziehungen immer ein recht unbequemer Lebensbereich sein werden.
Umgekehrt bedeutet eine Häufung von Planeten in der westlichen Hemisphäre, dass wir uns in erster Linie über unsere Beziehungen definieren - seien es Beziehungen zu unserer Familie, unseren Kindern, Kollegen, Partnerinnen oder Partnern, oder seien es philosophische oder religiöse Überzeugungen, denen wir anhängen. Letztlich definieren wir uns durch diese Beziehungen und Verbindungen, und unsere subjektive oder individuelle Identität außerhalb dieser Art von Beziehungen bleibt vermutlich unerforscht, ungewohnt und etwas unangenehm, denn die Häuser der östlichen werden von Planeten in der westlichen Hemisphäre beherrscht.

Teilnehmerin: Das Horoskop unseres Kurses zeigt eine deutliche Betonung der westlichen Hemisphäre.

Clare: Ja, und das ist ein sehr gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass wir von einander lernen und uns gegenseitig zuhören wollen. Natürlich ist keine dieser Grundhaltungen besser als irgendeine andere, denn Astrologie ist eine beschreibende Sprache ohne Moralvorstellungen. Doch die deutliche Betonung einer Hemisphäre liefert uns einen wertvollen Hinweis auf die allgemeine Haltung unserer Klientinnen und Klienten. Es hat sich für mich in fast allen Fällen erwiesen, dass Menschen mit einer starken Betonung der östlichen Hemisphäre ihre Unabhängigkeit als gegeben voraussetzen; deshalb gehen sie überwiegend wegen Beziehungsproblemen, die für sie ja viel verwirrender sind, zur astrologischen Beratung. Dagegen stellt sich für Menschen mit einer starken Betonung der westlichen Hemisphäre meist die große Frage, wie sie sich außerhalb des Lebensbereichs ihrer Beziehungen als Individuen begreifen und abgrenzen können. Möglicherweise ist dies auch die tiefere Motivation hier im Kurs.

Teilnehmerin: Na, was mich angeht, stimmt das auf alle Fälle.

Drei Phasen von Beziehungen

Drei Phasen von Beziehungen

Die Häuser können auch sehr sinnvoll in drei Phasen von Beziehungen, nämlich in persönliche, soziale und universelle eingeteilt werden. Die ersten vier Häuser beschreiben unsere persönliche Haltung und die Beziehung zu unserer unmittelbaren Umgebung. Howard Sasportas nannte das die Erfahrung von "Ich-hier-drinnen". Menschen mit einer starken Betonung der persönlichen Häuser legen die wesentlichen Schwerpunkte in ihrem Leben auf ihre persönliche Entwicklung und Sicherheit. Die Häuser fünf bis acht sind sozial orientiert und beschreiben, wie sich das "Ich-hier-drinnen-begegne-dir-da-draußen" abspielt. Für Menschen mit einer deutlichen Betonung der sozialen Häuser werden alle Arten von Beziehungen besonders wichtig sein. Die Häuser neun bis zwölf sind universelle Häuser und beschreiben ganz allgemein unser Verhältnis zur Welt. Die Betonung liegt auf einem "Wir-hier-drinnen" und auf unserem Beitrag zu einem größeren Ganzen, in das wir alle eingebunden sind. Wir beginnen jede dieser drei Phasen von Beziehungen mit der Begeisterung und Zuversicht der natürlichen Feuerhäuser (erstes, fünftes und neuntes Haus), festigen und etablieren uns in den nachfolgenden Erdhäusern (zweites, sechstes und zehntes Haus), entwickeln als Ergebnis dieser Erfahrungen in den Lufthäusern (drittes, siebtes und elftes Haus) ein neues Verständnis und ziehen uns in den Wasserhäusern (viertes, achtes und zwölftes Haus) zurück, um die Lerninhalte aufzunehmen und emotional zu verarbeiten, bevor wir zur nächsten Beziehungsart fortschreiten, die wieder mit den Feuerhäusern beginnt.

Quadranten

Quadranten

Wir können noch einen Schritt weiter gehen und die Häuser in die vier Quadranten einteilen, die Howard Sasportas als die Quadranten der Selbstentwicklung, der Selbstexpansion, des Selbstausdrucks und der Transzendenz des Selbst genannt hat. Ich würde Ihnen auch Alexander von Schlieffens in der Reihe CPA-Seminare erschienenes Buch empfehlen; es beschäftigt sich mit diesem Thema und stellt eine hervorragende Untersuchung zur Bedeutung und Interpretation der Quadranten des Geburtshoroskops dar. [7]


  1. Baring, Anne and Jules Cashford, The Myth of the Goddess (London: Penguin/Arkana, 1991) [hereafter Baring and Cashford), p. 681.
  2. Baring and Cashford, S. 681.
  3. Paracelsus, Selected Writings, ed. Jolande Jacobi, trans. Norbert Guterman, Bollingen Series XXVIII (Princeton, NJ: Princeton University Press, 1951).
  4. Idemon, Richard, 'Part One: The Basics of Relating', in Through the Looking Glass: A Search for Self in the Mirror of Relationships (York Beach, ME: Samuel Weiser, Inc., 1992).
  5. Dethlefsen, Thorwald, The Challenge of Fate (London: Coventure Ltd., 1984). Dt.: Schicksal als Chance
  6. Sasportas, Howard, The Twelve Houses: An Introduction to the Houses in Astrological Interpretation (Wellingborough: Aquarian Press, 1985), 'Chapter 15: Grouping the Houses'. Dt.: Astrologische Häuser und Aszendenten
  7. Von Schlieffen, Alexander, When Chimpanzees Dream Astrology: An Introduction to the Quadrants of the Horoscope (London: CPA Press, 2004).

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Das Buch "Mapping the Psyche, Band 2"

Erstveröffentlichung 2007 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Copyright © 2007, Clare Martin.
Näheres über das Buch.
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