Bevor wir uns mit der Bedeutung einzelner Häuser beschäftigen ist es sinnvoll, etwas zurückzutreten und uns das Gesamtbild jedes Geburtshoroskops gemäß der Planetenverteilung auf die Häuser zu vergegenwärtigen. An diesem Punkt suchen wir nach allen möglichen Betonungen, wobei uns stark besetzte Bereiche des Horoskops sofort anzeigen, wo die Betonung liegt. Ich empfehle Ihnen das Buch von Howard Sasportas, "Astrologische Häuser und Aszendenten", in welchem er die Häuser in jeweils zwei, drei und vier allgemeine Bereiche der Erfahrung einteilt. [6]
Jedes Horoskop wird von den Achsen in je zweimal zwei Hemisphären geteilt. Die ersten sechs Häuser beschreiben unsere persönliche Entwicklung, die darauf folgenden sechs Häuser beschreiben unser Verhältnis zu anderen Menschen, zur Gesellschaft und zur Welt im Allgemeinen.
Der Horizont (die Aszendent-Deszendent-Achse) teilt das Geburtsbild in
eine nördliche Hemisphäre unter dem Horizont und eine südliche darüber.
Die Häuser eins bis sechs liegen unter dem Horizont, unter der Erde, und
sind daher dem Blick verborgen. Es sind Häuser der Selbstentwicklung, die
unsere subjektiven, inneren Welten beschreiben. Die Häuser sieben bis
zwölf liegen über dem Horizont, dem Blick frei zugänglich, und beschreiben
unser Verhältnis zu anderen Menschen und der uns umgebenden Welt.
Diese beiden Hemisphären liegen im Widerstreit, fordern sich gegenseitig
heraus, hängen von einander ab und ergänzen sich gegenseitig, wie es bei
allen Gegensätzen der Fall ist. Haben wir eine Betonung von Planeten unter
dem Horizont, so werden wir Sinn und Erfüllung letztlich in uns selbst, in
unserem persönlichen, privaten Leben finden - ganz gleich, wie aktiv und
erfolgreich wir in der Außenwelt auch sein mögen und wie viel wir auch
immer mit anderen Menschen zu tun haben mögen. Jedes Haus hat einen
Planetenherrscher, und das bedeutet hier, dass die Häuser über dem
Horizont von Planeten unter dem Horizont beherrscht werden. In der
Außenwelt gewonnene Erfahrungen müssen zu ihrer Verarbeitung
internalisiert, in die Innenwelt aufgenommen werden. Die öffentliche,
äußere Welt wird also in einem gewissen Maß immer ein ungewohnter,
unbequemer Bereich bleiben.
Haben wir es dagegen mit einer deutlichen Betonung von Planeten über dem
Horizont zu tun, so werden wir Sinn, Zweck und Erfüllung letztlich in
unseren Beziehungen zu anderen Menschen und zur Außenwelt finden - diese
Lebensbereiche geben uns Kraft und beleben uns. Eine persönliche,
subjektive, introvertierte Haltung liegt uns dann nicht, denn die Häuser
unter dem Horizont werden von Planeten über dem Horizont beherrscht. Daher
externalisieren wir unsere inneren Kräfte und Werte, wir tragen sie in die
Welt hinaus und teilen sie mit anderen. Die innere, private Welt wird also
in einem gewissen Maß immer ein ungewohnter, unbequemer Bereich bleiben.
Hat jemand hier eine deutliche Betonung einer dieser Hemisphären?
Teilnehmerin: Ja, ich. Fast alle meine Planeten sind unter dem Horizont, in den ersten sechs Häusern.
Clare: Wir dürfen also annehmen, dass Sie im Grunde ein Mensch sind, der seine Privatsphäre schätzt und über ein reiches Innenleben verfügt. Wie anspruchsvoll und aktiv und erfolgreich Ihr Leben nach außen hin auch sein mag, so scheint es doch, dass Sie Ihre Kraft und Energie aus Ihrem Inneren beziehen, wo Sie sich auch am wohlsten fühlen und letztlich Ihre Erfüllung finden. Wir könnten auch sagen, dass Ihr äußeres Leben, Ihre Verbindungen zu anderen Menschen und der Außenwelt, Sie auf einer grundlegenden Ebene nicht erfüllen. Kann es sein, dass das zutrifft?
Teilnehmerin: Ja, das ist hochinteressant. Vor die Wahl gestellt, würde ich lieber mein eigenes Ding machen als mich auf eine Gruppe einzulassen; aber ich habe das immer für eine Schwäche gehalten und mich selbst wegen meines unsozialen Verhaltens kritisiert.
Clare: Das ist wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, wie uns die Astrologie den Mut geben kann, uns so zu akzeptieren wie wir sind, anstatt uns verpflichtet zu fühlen so zu werden wie wir glauben, dass wir sein sollten.
Die andere große Teilung der Häuser wird durch die MC-IC-Achse
vorgegeben, die das Horoskop in eine östliche und eine westliche
Hemisphäre teilt, wobei sich die östliche Hemisphäre auf der linken,
"orientalen", und die westliche Hemisphäre auf der rechten, "okzidentalen"
Seite des Horoskops befindet. Allgemein gesprochen bedeutet eine starke
Planetenbetonung der Ost-Hemisphäre, dass wir uns wahrscheinlich durch uns
selbst definieren - dass unsere Haltung und Anschauung grundsätzlich
subjektiv ist. Mit so einem Horoskop neigen wir dazu, uns unsere eigene
Wirklichkeit zu erschaffen und uns in erster Linie auf uns selbst und
unsere eigenen Möglichkeiten zu verlassen. Letztlich neigen wir dazu,
unsere Beziehungen - wie bedeutsam sie auch sein mögen - gegen unsere
eigenen Wünsche und Bedürfnisse abzuwägen, denn die Häuser der westlichen
Hemisphäre werden von Planeten beherrscht, die in der östlichen Hemisphäre
stehen. Zwar fällt es uns bei einer Betonung der Ost-Hemisphäre leichter,
uns aus negativen oder zerstörerischen Beziehungen zu lösen, in denen
unsere eigenen Bedürfnisse unerfüllt bleiben, doch bedeutet es auch, dass
Beziehungen immer ein recht unbequemer Lebensbereich sein werden.
Umgekehrt bedeutet eine Häufung von Planeten in der westlichen
Hemisphäre, dass wir uns in erster Linie über unsere Beziehungen
definieren - seien es Beziehungen zu unserer Familie, unseren Kindern,
Kollegen, Partnerinnen oder Partnern, oder seien es philosophische oder
religiöse Überzeugungen, denen wir anhängen. Letztlich definieren wir uns
durch diese Beziehungen und Verbindungen, und unsere subjektive oder
individuelle Identität außerhalb dieser Art von Beziehungen bleibt
vermutlich unerforscht, ungewohnt und etwas unangenehm, denn die Häuser
der östlichen werden von Planeten in der westlichen Hemisphäre beherrscht.
Teilnehmerin: Das Horoskop unseres Kurses zeigt eine deutliche Betonung der westlichen Hemisphäre.
Clare: Ja, und das ist ein sehr gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass wir von einander lernen und uns gegenseitig zuhören wollen. Natürlich ist keine dieser Grundhaltungen besser als irgendeine andere, denn Astrologie ist eine beschreibende Sprache ohne Moralvorstellungen. Doch die deutliche Betonung einer Hemisphäre liefert uns einen wertvollen Hinweis auf die allgemeine Haltung unserer Klientinnen und Klienten. Es hat sich für mich in fast allen Fällen erwiesen, dass Menschen mit einer starken Betonung der östlichen Hemisphäre ihre Unabhängigkeit als gegeben voraussetzen; deshalb gehen sie überwiegend wegen Beziehungsproblemen, die für sie ja viel verwirrender sind, zur astrologischen Beratung. Dagegen stellt sich für Menschen mit einer starken Betonung der westlichen Hemisphäre meist die große Frage, wie sie sich außerhalb des Lebensbereichs ihrer Beziehungen als Individuen begreifen und abgrenzen können. Möglicherweise ist dies auch die tiefere Motivation hier im Kurs.
Teilnehmerin: Na, was mich angeht, stimmt das auf alle Fälle.
Die Häuser können auch sehr sinnvoll in drei Phasen von Beziehungen, nämlich in persönliche, soziale und universelle eingeteilt werden. Die ersten vier Häuser beschreiben unsere persönliche Haltung und die Beziehung zu unserer unmittelbaren Umgebung. Howard Sasportas nannte das die Erfahrung von "Ich-hier-drinnen". Menschen mit einer starken Betonung der persönlichen Häuser legen die wesentlichen Schwerpunkte in ihrem Leben auf ihre persönliche Entwicklung und Sicherheit. Die Häuser fünf bis acht sind sozial orientiert und beschreiben, wie sich das "Ich-hier-drinnen-begegne-dir-da-draußen" abspielt. Für Menschen mit einer deutlichen Betonung der sozialen Häuser werden alle Arten von Beziehungen besonders wichtig sein. Die Häuser neun bis zwölf sind universelle Häuser und beschreiben ganz allgemein unser Verhältnis zur Welt. Die Betonung liegt auf einem "Wir-hier-drinnen" und auf unserem Beitrag zu einem größeren Ganzen, in das wir alle eingebunden sind. Wir beginnen jede dieser drei Phasen von Beziehungen mit der Begeisterung und Zuversicht der natürlichen Feuerhäuser (erstes, fünftes und neuntes Haus), festigen und etablieren uns in den nachfolgenden Erdhäusern (zweites, sechstes und zehntes Haus), entwickeln als Ergebnis dieser Erfahrungen in den Lufthäusern (drittes, siebtes und elftes Haus) ein neues Verständnis und ziehen uns in den Wasserhäusern (viertes, achtes und zwölftes Haus) zurück, um die Lerninhalte aufzunehmen und emotional zu verarbeiten, bevor wir zur nächsten Beziehungsart fortschreiten, die wieder mit den Feuerhäusern beginnt.
Wir können noch einen Schritt weiter gehen und die Häuser in die vier Quadranten einteilen, die Howard Sasportas als die Quadranten der Selbstentwicklung, der Selbstexpansion, des Selbstausdrucks und der Transzendenz des Selbst genannt hat. Ich würde Ihnen auch Alexander von Schlieffens in der Reihe CPA-Seminare erschienenes Buch empfehlen; es beschäftigt sich mit diesem Thema und stellt eine hervorragende Untersuchung zur Bedeutung und Interpretation der Quadranten des Geburtshoroskops dar. [7]
"Mapping the Psyche, Band 2"

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The Wessex Astrologer