Nachdem wir uns angesehen haben, wie die zwölf Häuser überhaupt zustande kommen, können wir uns jetzt damit beschäftigen, wie jedes Haus die verschiedenen Möglichkeiten beschreibt, wie wir uns in der Welt engagieren. Jeder mögliche Erfahrungsbereich und alle Beziehungen, die wir je haben werden, finden sich direkt hier in unserem Horoskop; dabei beschreibt jedes Haus eine ganz bestimmte Art der Beziehung, wie aus der nachfolgenden Tabelle ersichtlich ist. Die Planeten in den einzelnen Häusern sowie die Stellung der einzelnen Häuserherrscher beschreiben die Qualität dieser Beziehungen in unserem Leben. Hier ist ein Überblick über die verschiedenen Tätigkeiten, mit denen wir uns in den zwölf einzelnen Häusern beschäftigen, und über die Menschen, denen wir dort wahrscheinlich begegnen werden.
| Erstes Haus | Verhältnis zu unserer unmittelbaren Umgebung |
| Zweites Haus | Verhältnis zu unserem Körper, zu Geld und Besitz |
| Drittes Haus | Verhältnis zu Geschwistern, Nachbarn, Autos und Lehrern |
| Viertes Haus | Verhältnis zum Vater, zur Familie und zur frühkindlichen Umgebung |
| Fünftes Haus | Verhältnis zu unseren Kindern, Vergnügungen und Risiken |
| Sechstes Haus | Verhältnis zur Arbeit, zu Kolleginnen und Kollegen, zu täglichen Ritualen und wiederkehrenden Abläufen, zu Gesundheit und Haustieren |
| Siebtes Haus | Verhältnis zu Partnerinnen und Partnern, Ehepartnerinnen und Ehepartnern |
| Achtes Haus | Verhältnis zu Sex, Tod und gemeinsamen Mitteln |
| Neuntes Haus | Verhältnis zu Reisen, Menschen aus anderen Ländern, höherer Bildung, Sinngebung und zu unserem Gott |
| Zehntes Haus | Verhältnis zur Mutter, zur Öffentlichkeit, zum Beruf, zu Vorgesetzten |
| Elftes Haus | Verhältnis zu Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen, Politik und Gesellschaft |
| Zwölftes Haus | Verhältnis zu Träumen, Bildern und verborgenen Welten |
Bevor wir uns mit jedem einzelnen der zwölf Häuser beschäftigen lohnt es sich, etwas mehr über das Verhältnis zwischen individueller Wahrnehmung und äußerer Realität zu sagen. Unsere Geburtshoroskope machen deutlich, dass wir nicht als unbeschriebenes Blatt geboren werden. Vielmehr kommen wir mit bereits vollständig ausgebildeten Mustern zur Welt, das heißt, wir sind innerlich darauf eingestellt, unsere Erfahrungen und Beziehungen gemäß der von unserem Horoskop vorgegebenen Frequenz und Resonanz wahrzunehmen und zu verarbeiten. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie würden sich mit Ihrem Bruder über Ihre Mutter unterhalten. Logischerweise dürften wir ähnliche oder sogar identische Eindrücke erwarten, denn objektiv gesehen ist sie ja für Sie beide die gleiche Person. Doch in unserem Horoskop finden wir statt der "objektiven Realität" vielmehr unsere eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen, und daher sehen Sie beide die Mutter wahrscheinlich recht unterschiedlich.
Wie Sie aus der oben angeführten Tabelle ersehen können, ist das zehnte Haus dasjenige, das unsere Beziehung zur Mutter und unsere Rolle in der Welt beschreibt. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie selbst hätten Jupiter, Ihr Bruder dagegen Saturn im zehnten Haus. Das wäre ein Hinweis darauf, dass Sie selbst Ihre Mutter als philosophisch, gesellig und beliebt wahrnehmen, dass sie Ihnen Mut macht, an Ihre Erfolgsmöglichkeiten zu glauben, dass sie Ihnen die Welt erschließt und Ihren Horizont erweitert. Ihr Bruder wird sie dagegen eher als Autoritätsfigur wahrnehmen, als eine Frau, die bei ihrer Arbeit Verantwortung trägt, die streng ist und von ihm verlangt, sich Erfolg und Respekt hart zu erarbeiten und nichts dem Zufall zu überlassen.
Da stellt sich die interessante Frage, wer von Ihnen nun Recht hat. Aus der astrologischen Perspektive sind die Menschen in unserem Leben eine Spiegelung unserer selbst. "Sie sind Spiegel, die uns nicht nur zeigen, was wir an uns selbst positiv finden, sondern auch, was uns nicht bewusst ist oder von uns abgelehnt wird." [4] Das bedeutet, es gibt keine Beziehung, die nicht schon irgendwo im Geburtshoroskop angedeutet ist. Gemäß dem Resonanzgesetz können wir etwas nur wahrnehmen, wenn wir selbst eine entsprechende Schwingung aufweisen. "Was auch immer außerhalb unserer Resonanzfähigkeit liegt, kann von uns nicht wahrgenommen werden und existiert daher für uns nicht." [5] Resonanz kann entweder mitfühlend sein und stellt dann eine Affinität zu einem anderen Menschen oder einer Sache dar, oder sie ist ablehnend und zeigt sich als Abneigung gegen einen anderen Menschen oder eine bestimmte Sache. Hier liegt der Grund dafür, dass die Außenwelt und andere Menschen die zuverlässigste Quelle für Informationen über uns selbst sind.
Zurück zu unserem Beispiel: Sie selbst werden bei Ihrer Mutter eher warme, positive und begeisterte Reaktionen hervorrufen, während Ihr Bruder bei Ihrer Mutter vermutlich einer recht strengen und fordernden Haltung begegnet. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihre Mutter diese beiden Themen in ihrem eigenen Geburtsbild wiederfindet, obgleich die Art und Weise, wie Sie beide Ihre Mutter erleben, von Ihrem jeweils eigenen Geburtsbild bestimmt wird.
Zweifellos erkennen Sie sofort, dass zwischen den mit Widder beginnenden zwölf Tierkreiszeichen und den mit dem ersten Haus beginnenden zwölf Häusern des Horoskops eine gewisse natürliche Verwandtschaft besteht. Sie sind nicht das Gleiche, doch da die Tierkreiszeichen einen zeitlichen und die Häuser einen räumlichen Zyklus beschreiben, können die beiden Systeme übereinandergelegt werden, zumal in der Astrologie alle Zyklen die gleiche inhärente Bedeutung haben.
Teilnehmerin: Wir haben also zwei Systeme, die sich zwar ähneln, aber nicht gleich sind. Können Sie das noch etwas weiter ausführen?
Clare: Zugegeben, das war schon eine sehr weit gefasste Aussage. Der Tierkreis ist ein zeitlicher Zyklus, denn die Zeichen sind Ausdruck des Kreislaufs der Jahreszeiten, in dem sich das Verhältnis von Sonne und Erde verändert - also handelt es sich um einen Zyklus, der durch die Zeit definiert wird. So wie sich die Sonne im Lauf der Zeit von Widder durch alle Zeichen bis hin zu Fische stets in eine Richtung bewegt um nach einem Jahr wieder von vorn anzufangen, so verläuft auch unsere Entwicklung zeitgebunden; doch die Sphäre unseres Bewusstseins entwickelt sich auch räumlich - vom völlig subjektiven Bewusstsein im ersten Haus über das allmähliche gewahr Werden der Familie, anderer Menschen und der Außenwelt bis hin zu dem Punkt, an dem wir im zwölften Haus vollkommen mit der Gesamtheit aller menschlichen Erfahrung verschmelzen. Es gibt also sowohl in den Zeichen als auch in den Häusern ein natürliches Fortschreiten durch Zeit und Raum. In der Praxis wenden wir diese beiden Dimensionen gleichzeitig an. Das bedeutet am Beispiel des fünften Hauses, des Hauses unseres kreativen Selbstausdrucks: Ganz gleich, welche Planeten im fünften Haus stehen oder welcher Planet über unser fünftes Haus herrscht, dieses Haus wird von Natur aus stets mit dem Zeichen Löwe in Zusammenhang gebracht, und sein "natürlicher Herrscher" wird stets die Sonne sein. Ich hoffe, Sie können mir hier noch folgen?
Teilnehmerin: Ja, das klingt verständlich. Ungefähr wie ein dreidimensionales Sudoku.
Clare: Ganz genau. Mit der Berücksichtigung der Häuser erweitern wir unsere Astrologie tatsächlich um eine dritte Dimension. Wir verlassen das einfache "Was" und "Wie" der Planeten und Tierkreiszeichen und fügen das "Wo" der Häuser hinzu, sodass wir ab jetzt ständig drei verschiedene Faktoren zu berücksichtigen haben.
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