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Eine Landkarte der Seele, Band 2

Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin

Band 2: Aspekte und Häuser im Horoskop

Erstveröffentlichung 2007 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, United Kingdom, www.cpalondon.com. Copyright © 2007, Clare Martin
Übersetzung aus dem Englischen: Klaus Köhler



Lektion Eins: Die Häuser - Eine Einführung

Schön zu sehen, dass bei der Fortsetzung unseres astrologischen Abenteuers wieder alle dabei sind! In diesem Kurs wird es wirklich interessant, denn wir werden unsere Astrologie um zwei neue, ganz wesentliche Bereiche erweitern, die uns Aufschluss darüber geben, wie sich das Horoskop im richtigen Leben bemerkbar macht.

Nur zur Wiederholung: Im letzten Kurs haben wir uns mit der Bedeutung der Planeten, der Darsteller im Schauspiel unsere Lebens, beschäftigt; mit Blick auf ihre Zeichenstellung haben wir ihre Ausdrucksweise, Motive, Werte, Sehnsüchte und Ziele erforscht. Wir haben uns mit den Eigenschaften der Tierkreiszeichen befasst und sie bezüglich ihrer Polarität (positiv oder negativ), ihrer Zustandsformen (kardinal, fix oder veränderlich) und ihrer Elemente (Erde, Luft, Feuer oder Wasser) untersucht. In diesem Kurs stellen wir die Astrologie buchstäblich mit beiden Beinen auf die Erde; wir werden sehen, wie die Planeten und Tierkreiszeichen in der Alltagswelt funktionieren. Die Achsen und Häuser des Horoskops entstehen erst zum Zeitpunkt unserer Geburt, und genau dann wird die universelle Struktur zu etwas Persönlichem, zum Bühnenbild für das sich allmählich entfaltende Schauspiel unseres Lebens. Den beiden von den kardinalen Punkten gebildeten Horoskopachsen fügen wir noch eine dritte, wesentliche Achse hinzu, nämlich die Mondknotenachse. Wir werden sehen, dass die Mondknotenachse - ähnlich wie die Eckfelder, die unsere persönlichen Zugänge zur Welt darstellen - als Zugang zu anderen Dimensionen fungiert, in denen unsere Strukturen und die Erinnerung an die Ziele unserer Seele bewahrt werden.

Nach der Beschreibung der Häuser und der drei Achsen des Horoskops wenden wir uns der Erforschung der Aspekte, der Beziehungen zwischen den Planeten, zu und überlegen, ob sie sich gegenseitig unterstützen oder bekämpfen. Die Aspekte beschreiben die dynamische Spannung, den Kampf, das Talent und das Potenzial jedes Horoskops. Sie erzählen Geschichten, die zutiefst persönlich sind und doch zugleich auch universelle Themen ansprechen, die uns allen mehr oder weniger gut bekannt sind. Wenn wir dann schließlich alle Zutaten - Planeten, Zeichen, Häuser, Achsen und Aspekte - schön beisammen haben, wenden wir uns am letzten Abend dieses Kurses der ganzheitlichen Deutung des Geburtshoroskops zu und versuchen dabei alles bisher Gelernte integrieren.

Teilnehmerin: Das scheint mir alles so vielschichtig zu sein - ich glaube, mich verlässt gerade ein bisschen der Mut. Ich dachte immer, ich wüsste schon einiges über Astrologie, und jetzt habe ich mehr und mehr das Gefühl, überhaupt nichts zu wissen.

Clare: Da sind Sie nicht die Einzige - willkommen im Club! Wir neigen anfangs dazu, uns der Astrologie genauso zu nähern wie anderen Wissensgebieten: wir wollen sie beherrschen. Wir glauben oft, sobald wir die Grammatik einer Sprache erlernt haben, sollten wir sie auch schon fließend sprechen; doch letzten Endes ist die Astrologie eine lebendige und sich ständig fortentwickelnde Tradition, der wir auf diese Weise nicht beikommen können - wir dürfen allenfalls auf eine Teilhabe an ihren Wundern und Geheimnissen hoffen. Die Astrologie lehrt uns zu fragen und uns den vielfachen Bedeutungsebenen und ihren feinen Unterschieden geistig zu öffnen. Sie ist eine uralte Mysterientradition und ermöglicht uns den Dialog mit jenen Lebenskräften, die uns zuweilen undurchschaubar erscheinen oder verborgen bleiben, die manchmal etwas unberechenbar, oft lustig und gelegentlich überaus erstaunlich und bedeutungsvoll für uns sind. Am besten nehmen wir da eine fragende und demütige Haltung ein - wir können der Astrologie Fragen stellen und geduldig auf Antworten warten. Versuchen wir dagegen, ihr unsere vorgefassten Meinungen überzustülpen, so wird sie nicht zu uns sprechen. Also bitte nicht verzweifeln - ich glaube, Sie machen es genau richtig.

Inkarnation und die Achsen

Heute Abend werden wir unsere Astrologie um eine neue Dimension erweitern. Bis zum Zeitpunkt unserer Geburt sind alle Planeten und Zeichen körperlos und haben lediglich universelle, kollektive Bedeutung. Sie existieren als bloße Prinzipien, unfähig, eine bestimmte, besondere Form oder Gestalt anzunehmen. Doch zum Zeitpunkt und am Ort unserer Geburt werden die ständig sich verändernden Himmelsstrukturen festgehalten, und dies ist ein überaus weitreichender und tiefgründiger Augenblick in unserem Leben. Im Geburtsmoment endet unsere undifferenzierte Ganzheit, wir werden gevierteilt und an das Kreuz der Materie, an die durch die kardinalen Punkte festgelegten beiden Hauptachsen des Horoskops genagelt. Von diesem Augenblick an sind wir konkretisiert und im Drama der Gegensätze gefangen, das auch das Schauspiel des Lebens an sich ist.

Erde

Jedes Geburtshoroskop ist auch eine Spiegelung des Erdsymbols, des dem Kreis eingeschriebenen Kreuzes, und dieses Kreuz beschreibt die genaue Natur der spezifischen materiellen, greifbaren, konkreten Welt, in die wir geboren wurden und in der jeder einzelne von uns sich manifestieren muss. Die Horoskopachsen sind es, die Zeit und Raum begreifbar machen, die uns Orientierung geben, die uns Ost und West, Nord und Süd bedeuten. Der Horizont, die Ost-West-Achse dieses Augenblicks, bildet im Horoskop Aszendent und Deszendent; der Meridian, die Süd-Nord-Achse, bildet das MC (medium coeli) und IC (imum coeli). Zugleich entstehen die zwölf astrologischen Häuser, die ihren Anfang beim Aszendenten nehmen. Die Häuser beschreiben die verschiedenen Lebensbereiche und Beziehungen, auf die wir stoßen werden - sie beschreiben, "wo" oder "in welchem Lebensbereich" wir den Planetenprinzipien begegnen, sie erleben und äußern werden. Die Achsen und Häuser sind es, die das universelle Bild zu einer ganz besonderen, speziellen Landkarte der individuellen Seele machen und zu einer sehr persönlichen Lebensgeschichte werden lassen.
Die Alten glaubten, dass unsere Seele den genauen Zeitpunkt und Ort ihrer Geburt selbst wählt; ob wir das nun ebenfalls glauben oder nicht, jedenfalls ist unser Leben von Geburt an durch die Begrenzungen des Horoskops umschrieben und definiert. Wir können unsere Planetenpositionen nicht zurückgeben oder vertauschen oder uns beispielsweise für ein anderes Sternzeichen oder eine andere Häuserstellung von Pluto entscheiden. Wir sind buchstäblich an unser Horoskop gebunden, und das bedeutet, es kann nichts geschehen, das nicht schon als Potenzial in unserem Horoskop vorhanden ist. So gesehen ist unser Geburtshoroskop tatsächlich unser Schicksal. Doch es ist auch ein winzig kleines, einzigartiges Teilstück des großen Werks, des magnum opus der kollektiven menschlichen Evolution. Aus dieser Perspektive interessiert weniger das Horoskop selbst, sondern mehr die Frage, wie jeder von uns mit seinem unverwechselbaren, ihm zugesprochenen Teil des Ganzen sich in der Welt engagiert und aktiv an ihr teilhat, denn wir wissen, dass unsere Lebensführung einen Beitrag zur Gesamtsumme menschlicher Erfahrung und Existenz darstellt.
Das astrologische Geburtshoroskop bleibt während unseres ganzen Lebens immer das gleiche. Es gibt keine Garantie dafür, dass wir am Ende unseres Lebens besser integriert, weiter entwickelt oder bewusster sind als zu Anfang. Die Frage ist, ob unser Leben einen Unterschied bewirkt, denn "das Fortbestehen der Natur hängt letztlich von der Art des Bewusstseins ab, das wir von ihr haben." [1] Am Ende liegt es bei jedem einzelnen von uns zu entscheiden, was wir mit unserem Horoskop anfangen und wie wir es leben wollen.

Ist die Vorstellung vom Leben als einem organischen Ganzen erst einmal prinzipiell akzeptiert, so wird die Menschheit in gewissem Sinn Mit-Schöpferin neben der Natur, denn sie kann ihre eigene Identität mit der Natur fördern, ignorieren oder zerstören. [2]

Arbeiten wir alchemistisch, dann gibt es also einiges zu tun. Unsere Aufgabe ist es, im Dienste eines erweiterten Bewusstseins gegen die Blindheit unseres Naturzustands zu arbeiten:

Die Dinge werden erschaffen und in unsere Hände gelegt, aber nicht in der ihnen angemessenen höchsten Form... Denn Alchemie bedeutet: etwas noch Unvollendetes zu seiner Bestimmung bringen; das Blei aus dem Erz zu gewinnen und es in seinen Bestimmungszweck zu transformieren. [3]

Lassen Sie uns sehen, wie ein Horoskop zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort zustande kommt. Ich dachte, die Verwendung der astrologischen Gegebenheiten am heutigen Tag ist bestimmt ein interessantes Beispiel dafür, wie das geht. Unabhängig davon, wo auf der Welt wir uns befinden, stehen Mond, Sonne, Neptun, Uranus und Merkur alle in Wassermann. Mars ist in Skorpion, Pluto und Chiron in Schütze, Venus in Fische, Saturn in Stier und Jupiter in Zwillinge.

Horoskop 1
24. Januar 2001, 6:00 GMT, London
Äquale Häuser

Nach allem, was wir im letzten Kurs gelernt haben, können wir uns die astrologische Thematik der Planeten in diesen Zeichen schon ganz gut vorstellen, und die vielen Zehntausende am heutigen Tag geborenen Menschen werden diese Themen ihr Leben lang bearbeiten und sie auf vielfältige eigene, individuelle Art und Weise leben. Anders die Häuser oder Lebensbereiche, in denen diese Themen zum Ausdruck gebracht werden: sie hängen von der genauen Uhrzeit und dem Geburtsort jedes einzelnen Menschen ab. Mit der Festlegung auf heute morgen um sechs Uhr in London habe ich dieses Horoskop in Zeit und Raum fixiert.

Der Ost-West-Horizont: Die Aszendent-Deszendent-Achse

Stellen Sie sich vor, Sie stehen genau in der Mitte des Horoskops. Der Aszendent befindet sich links von Ihnen, woraus hervorgeht, dass heute früh um sechs Uhr 0°24' des Zeichens Steinbock am Osthimmel aufging. Der Deszendent befindet sich rechter Hand, und Sie sehen, dass gerade 0°24' des Zeichens Krebs am Westhorizont unterging. Die Sonne geht jeden Tag morgens über dem Osthorizont auf und abends über dem Westhorizont unter. Sie können aus dem Horoskop herleiten, dass es noch dunkel ist, denn die Sonne befindet sich unter dem Horizont - das wissen wir allerdings sowieso, denn die Sonne geht im Januar in London erst kurz vor acht Uhr auf.
Von unserem Standpunkt in der Horoskopmitte aus gesehen, scheinen sich der gesamte Tierkreis und alle Planeten und Sterne einmal in 24 Stunden im Uhrzeigersinn um uns herum zu drehen; das entspricht etwa einem Grad alle vier Minuten. Der Aszendent ist auch der Ausgangspunkt für die zwölf Häuser, wobei das erste Haus am Aszendenten beginnt und die anderen Häuser sich entgegen dem Uhrzeigersinn rund um das Horoskop anschließen, bis wir das zwölfte Haus am gleichen Punkt enden sehen, an dem das erste beginnt: am Aszendenten. Die Häuser eins bis sechs befinden sich unter dem Horizont, die Häuser sieben bis zwölf sind über dem Horizont sichtbar.

Der Süd-Nord-Meridian: Die MC-IC-Achse

Die andere große Richtungsachse bezieht sich auf den Punkt, an dem die Sonne in ihrem Tageslauf den Nord-Süd-Meridian überquert. Diese sogenannte Meridianachse verläuft zum Zeitpunkt der Geburt durch Punkte genau nördlich und südlich des Geburtsortes. Wenn Sie sich also, wie erwähnt, in der Mitte des Horoskops befinden, Osten links und Westen rechts, so blicken Sie nach Süden, und der Zenit oder das MC (abgekürzt für das lateinische medium coeli, die Himmelsmitte) befindet sich direkt vor und über Ihnen. Das IC (abgekürzt für das lateinische imum coeli, tiefster Punkt des Himmels oder Himmelstiefe) befindet sich direkt hinter Ihnen unter der Erde. Heute früh um sechs in London war das MC bei 5°46' Skorpion, für das IC ergibt sich daraus der Punkt genau gegenüber, 5°46' Stier.

Teilnehmerin: Damit tu ich mir ein bisschen schwer, denn auf normalen Landkarten ist doch Westen links und Osten rechts, Norden ist oben und Süden unten. Wie verhält sich das Horoskop zu unserer normalen Betrachtungsweise von Landkarten?

Clare: Das ist eine gute Frage. Stellen Sie sich vor, Sie schauen in einen Atlas. Von wo geht da eigentlich Ihre Blickrichtung aus?

Teilnehmerin: Na, ich denke, wir schauen von irgendeinem Punkt im Weltraum aus auf die Erde herunter.

Clare: Genau. Sie sind körperlos - Sie schauen von irgendwo außerhalb der Erde, ja, außerhalb Ihres eigenen Körpers, auf die Erde herab. Die Perspektive der Astrologie ist geozentrisch, wir blicken von unserem Erdort und unserem Körper aus zum Himmel auf. Stellen Sie sich nun bitte vor, Sie stünden auf einer großen, offenen Fläche wie zum Beispiel der Ebene von Salisbury. Wenn Sie genau nach Süden blicken, ist das MC direkt vor Ihnen, und das IC oder der Nordpunkt direkt hinter Ihnen, unter der Erde verborgen. Alle Sternbilder und Planeten scheinen zu Ihrer Linken am Osthorizont aufzugehen; langsam steigen sie weiter am Himmel auf, bis sie das MC überqueren, woraufhin ihre Höhe allmählich wieder abnimmt, bis sie irgendwo am Westhorizont untergehen. Stellen Sie sich vor, wie sich der gesamte Tierkreis im Uhrzeigersinn um Sie herumbewegt. Heute früh um sechs Uhr standen die fünf Planeten in Wassermann alle im zweiten Haus, und Chiron war gerade über dem Aszendenten aufgegangen und hatte das zwölfte Haus betreten. Sie können auch sehr deutlich sehen, dass gleich Neumond sein wird, denn der Mond befindet sich nur etwas mehr als drei Grad hinter der Sonne; da er sich mit ungefähr einem Grad in zwei Stunden sehr rasch durch die Zeichen fortbewegt, können wir sofort erkennen, dass heute um die Mittagszeit Neumond war.

Horoskop 2
24. Januar 2001, 14:00 Uhr GMT, London
Äquale Häuser

Wir schauen uns jetzt an, wie die Situation acht Stunden später, um zwei Uhr nachmittags aussieht. All die Planeten in Wassermann sind vom zweiten durch das erste, zwölfte, elfte, zehnte und neunte Haus gewandert und haben das MC überquert. Sonne und Mond stehen jetzt im siebten Haus, während sich Neptun, Uranus und Merkur noch im achten Haus befinden. Der Neumond hat sich bereits ereignet, der Mond hat die Sonne hinter sich gelassen und bewegt sich rasch auf Neptun zu. Nebenbei bemerkt ist es ein sehr gutes Vorzeichen, einen neuen Kurs in einem neuen Jahr bei Neumond zu beginnen - dies ist also eine sehr gute Zeit für unseren Neuanfang.

Horoskop 2
24. Januar 2001, 19:00 Uhr GMT, London
Äquale Häuser

Um sieben Uhr abends, zu dem Zeitpunkt, als wir uns trafen und dieser zweite Kurs begann, hat sich das Bild erneut verändert. Wie Sie sehen, haben alle Planeten in Wassermann den Deszendenten überquert und sind in das sechste Haus eingetreten, es ist also jetzt dunkel, wie Sie auch mit einem Blick aus dem Fenster feststellen können. Saturn überquert in Kürze das MC, und Jupiter wird es ihm gleich nachtun. Der Mond ist bereits an Neptun vorbeigezogen; er ist jetzt schon ein Grad entfernt und bewegt sich rasch auf zunächst Uranus und dann Merkur zu. Tatsächlich verhält es sich natürlich nicht so, dass die Planeten uns alle 24 Stunden im Uhrzeigersinn umkreisen - aus unserer Perspektive in der Mitte des Horoskops erscheint es uns nur so. Vielmehr dreht sich die Erde selbst alle 24 Stunden einmal um ihre Achse. Es ist daher lediglich eine andere Betrachtungsweise des gleichen Sachverhalts, wenn wir uns jetzt auf die Tatsache konzentrieren, dass die Ost-West- und Nord-Süd-Punkte sich vor dem Hintergrund der Planeten und Tierkreiszeichen mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Grad pro vier Minuten gegen den Uhrzeigersinn bewegen. Das bedeutet, der Aszendent bewegt sich langsam gegen den Uhrzeigersinn von Schütze über Steinbock, Wassermann, Fische und so weiter durch den ganzen Tierkreis, bis er etwa 24 Stunden später wieder am gleichen Punkt in Steinbock ist.

Wenn wir verstehen, wie sich das alles in der Wirklichkeit abspielt, so können wir uns auch genau vorstellen, was ein Horoskop aus astronomischer Sicht ist. Es lohnt sich, das Observatorium in Greenwich oder das Londoner Planetarium zu besuchen, einfach damit Sie selbst einmal erleben können, wie dieser Mechanismus funktioniert. Das kann alles sehr verwirrend sein, bis Sie verstehen, dass die Ost-West- und die Nord-Süd-Achse sich gegen den Uhrzeigersinn durch das Horoskop bewegen, während sich alle Planeten und Tierkreiszeichen von unserem Beobachtungsort aus im Uhrzeigersinn zu bewegen scheinen.

Teilnehmerin: Wenn man ein Horoskop auf diese Weise betrachtet, so kann man es sich bildlich vorstellen. Heißt das, Menschen die nachts geboren wurden und die Sonne unter dem Horizont stehen haben, fühlen sich im Dunkeln wohler?

Clare: Nun, bestimmt ist es so, dass Menschen mit einer Mehrzahl von Planeten unter dem Horizont mehr zum Privaten neigen und ihre Kraft und Bestimmung in sich selbst finden. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir unsere astrologischen Deutungen in einen größeren Zusammenhang stellen können, wenn wir die astronomische Struktur des Horoskops verstehen.
Teilnehmerin: Könnten Sie etwas über die verschiedenen Häusersysteme sagen? Ich finde das besonders verwirrend und weiß nicht, wo ich da anfangen soll.

Häusersysteme

Clare: Das wird jetzt hier eine recht technische Lektion, aber mit Blick auf unser eigenes Horoskop für diesen Abend ist das auch nicht weiter überraschend. Saturn nimmt momentan den höchsten Stand im Horoskop ein und ist durch seine Stellung am MC stark betont. Da Saturn sich in dem fixen Erdzeichen Stier befindet, arbeiten wir daran, das Horoskop auf die Erde herunter zu bringen und seine Struktur zu verstehen. Jupiter in Zwillinge weist darauf hin, dass wir lernen wollen, und all die Planeten in Wassermann im sechsten Haus - dem Haus der Arbeit - zeigen uns ebenfalls, dass wir die himmlischen Konstellationen auf die Erde bringen und für uns arbeiten lassen wollen.

Zweifellos haben Sie schon bemerkt, dass es in der Astrologie viele verschiedene Häusersysteme gibt, und vielleicht haben Sie sich gefragt, welches davon "das richtige" ist. Doch wie alles andere in der Astrologie sind auch die Häusersysteme Modeströmungen und persönlichen Vorlieben unterworfen. Das Einzige, was ich hierzu beitragen kann, ist die Vorstellung vom Horoskop als einem Hologramm - ganz gleich, wie man es aufteilt, bleiben Muster und Gesamtstruktur doch immer identisch, da sich die Bedeutung des Ganzen in jedem einzelnen seiner Teile spiegelt. Vielleicht kann man Placidus, Koch und die äquale Manier als die heute gebräuchlichsten Häusersysteme bezeichnen. Placidus und Koch sind Quadrantensysteme, das heißt, der Meridian oder die MC-IC-Achse befindet sich stets an der Spitze des zehnten und vierten Hauses, so dass jeder Quadrant des Horoskops drei vollständige Häuser aufweist.

Mit Blick auf die Erfordernisse dieses Kurses verwende ich das äquale Häusersystem, bei dem der Tierkreis vom Aszendenten weg in zwölf gleiche Abschnitte zu je 30 Grad unterteilt wird. Wie Sie an unseren drei bisher verwendeten Beispielhoroskopen sehen können bedeutet das, dass der Meridian nicht an die Spitzen des zehnten und vierten Hauses gebunden ist, sondern frei schwebend ist und sich irgendwo zwischen dem 11.-5., 10.-4., 9.-3. und 8.-2. Haus befinden kann. Das liegt daran, dass sich der Winkel zwischen Horizont (Aszendent-Deszendent-Achse) und Meridian (MC-IC-Achse) in Abhängigkeit von der Uhrzeit, der Jahreszeit und der geografischen Breite, für die das Horoskop berechnet wurde, ständig verändert.

Schauen Sie sich die Horoskopreihe von vorhin noch einmal an. Heute früh um sechs Uhr war der Meridian im elften und fünften Haus, da der Winkel zwischen Meridian und Ostpunkt des Horizonts weniger als 60 Grad betrug. Um zwei Uhr nachmittags war der Meridian im achten und zweiten Haus, da der Winkel zwischen Meridian und Ostpunkt des Horizonts etwas mehr als 120 Grad betrug. Zu Anfang unseres Kurses um sieben Uhr abends hatte sich der Winkel wieder verändert und betrug etwas mehr als 90 Grad, und bis morgen früh um sechs Uhr wird er weiter abnehmen, bis er wieder etwa 60 Grad beträgt. Wir werden uns während der kommenden Wochen noch eingehender mit der Deutung der MC-IC-Achse befassen, doch vorläufig können wir schon festhalten, dass die Bedeutung dieser Achse unabhängig vom verwendeten Häusersystem nicht identisch mit der Bedeutung der Spitzen des zehnten und vierten Hauses ist. Bei Verwendung des äqualen Häusersystems ist das ganz klar, doch bei Verwendung eines Häusersystems mit Quadrantenteilung ist es nicht gleich so offensichtlich.
Schauen wir uns einige Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Häuserteilungen nach Placidus und nach dem äqualen System an. Hier sind die Horoskope von heute früh um sechs Uhr für beide Häusersysteme. Sie sehen, dass die Planetenpositionen, die Horoskopachsen und die Beziehungen der Planeten zueinander gleich bleiben. Allerdings haben einige Planeten das Haus gewechselt. So sehen Sie etwa, dass die fünf Planeten in Wassermann im äqualen Häusersystem im zweiten Haus stehen, Venus im dritten, Saturn im vierten, Jupiter im sechsten und Mars im elften Haus. Dagegen stehen im Häusersystem nach Placidus Mond, Sonne und Neptun im ersten Haus, Uranus, Merkur und Venus im zweiten, Saturn im vierten, Jupiter im fünften und Mars im zehnten Haus.

Teilnehmerin: Jetzt bin ich wirklich durcheinander. Bestimmt sind diese Horoskope jetzt völlig verschieden - müsste da nicht auch die Deutung ganz unterschiedlich ausfallen?

Horoskop 4

Clare: Ich fürchte, die Antwort lautet sowohl ja als auch nein. Wir Astrologinnen und Astrologen müssen uns unweigerlich mit der Frage auseinandersetzen, worin das Wesen objektiver Wahrheit besteht und welche Bedeutung wir der objektiven Welt beimessen. Falls wir die Vorstellung hegen, es gebe nur eine Wahrheit, verträgt sich die Astrologie damit nicht so gut. Letzten Endes wird die Deutungskunst immer von der individuellen Wahrnehmungs- und Vorstellungswelt jedes einzelnen Astrologen und seinem besonderen Verhältnis zu faktischem, symbolischem und mythischem Denken abhängen. Vielleicht ist es am besten, wenn Sie mit verschiedenen Häusersystemen experimentieren, denn dann werden Sie zweifellos im Lauf der Zeit herausfinden, welches Sie bevorzugen - dasjenige nämlich, das für Sie am besten funktioniert. Es ist unter Astrologinnen und Astrologen keineswegs ungewöhnlich, für verschiedene astrologische Techniken verschiedene Häusersysteme zu verwenden. Also probieren Sie es aus und vertiefen Sie sich in das Thema, um zu sehen, was sich im Lauf der Zeit für Sie daraus ergibt.

Wir wollen uns noch einige andere Unterschiede zwischen diesen beiden Häusersystemen ansehen. Bei einem Horoskop nach Placidus können die Häuser sehr unterschiedlich groß sein, wobei diese Unterschiede mit zunehmender geografischer Breite des Geburtsortes immer extremer werden. Tatsächlich versagt das Placidus-System in hohen Breiten schließlich, was traditionell nie ein Problem darstellte, da die astrologische Kunst in den gemäßigten mediterranen Breiten entwickelt wurde. Große Häuser können ganze Tierkreiszeichen beinhalten, die dann eingeschlossene Zeichen genannt werden. Man betrachtet diese Zeichen als im betreffenden Haus "verborgen" und geht davon aus, dass der oder die planetaren Zeichenherrscher mehr Mühe haben, sich "in der Welt" zu äußern, da er nicht an eine Häuserspitze gebunden ist und über kein Haus herrscht. Sie sehen am Placidus-Horoskop, dass die Zeichen Fische und Jungfrau eingeschlossen und im zweiten beziehungsweise im achten Haus "verborgen" sind. Wenn Zeichen vollständig in einem Haus eingeschlossen sind, kann es sein, dass die zugehörigen Planetenherrscher nicht an Zeit und Raum gebunden sind und kein Zuhause haben; das bedeutet, dass sie sich möglicherweise nicht besonders stark in der Realität äußern.

Teilnehmerin: Würden Sie bitte erläutern, was damit gemeint ist, dass Planeten über Häuser herrschen?
Clare: Jedes Haus hat eine "Spitze", die den Anfangspunkt dieses Hauses bezeichnet. Im vorliegenden Horoskop ist die Spitze des ersten Hauses bei 0° 24' Steinbock, deshalb ist Saturn, der Herrscher über Steinbock, auch der Herrscher über das erste Haus. Die Spitze des zweiten Hauses ist bei 17° 15' Wassermann, deshalb ist Saturn der persönliche und Uranus der kollektive, transpersonale Herrscher über das zweite Haus. Das ist wichtig, denn wir alle haben auch leere, "unbewohnte" Häuser ohne Planeten, was aber nicht bedeutet, dass dort nichts geschieht; es bedeutet lediglich, dass wir uns den Herrscher des Hauses ansehen müssen, wenn wir Aufschluss darüber gewinnen möchten, wie dieses Haus funktioniert.

Teilnehmerin: Können Sie sagen, was das konkret für dieses Horoskop bedeutet?

Clare: Lassen Sie uns zu dem ersten Horoskop zurückkehren, das ich Ihnen heute Abend gezeigt habe. Wir wollen uns vorstellen, wir studierten das Horoskop eines Menschen, der heute früh um sechs Uhr in London geboren wurde. Die Zeichen Fische und Jungfrau sind eingeschlossen, und die Herrscher dieser beiden Zeichen sind Jupiter (der traditionelle Herrscher über Fische), Neptun (der transpersonale Herrscher über Fische) und Merkur (Herrscher über Jungfrau). Als Mit-Herrscher von Wassermann herrscht Saturn über das zweite Haus und ist somit im Horoskop verankert. Die Herrscher der eingeschlossenen Zeichen Fische und Jungfrau sind Jupiter, Neptun und Merkur. Jupiter und Merkur sind ebenfalls im Horoskop verankert, denn sie herrschen auch über Schütze und Zwillinge, die Zeichen an der Spitze des zwölften und sechsten Hauses. Aber Neptun hat kein Zuhause. Und auch Venus könnte es schwer fallen, greifbaren Ausdruck zu finden, denn sie steht im eingeschlossenen Zeichen Fische. Es sieht also so aus, als wäre dieser Mensch etwas körperlos, schwer zu fassen und fantasievoll. Dieser Eindruck wird noch durch die Tatsache unterstrichen, dass es in diesem Horoskop mit Ausnahme des Aszendenten nur sehr wenig Erde gibt - nur Saturn in Stier.

Andererseits bedingen in den großen Häusern des Placidus-Systems eingeschlossene Zeichen immer auch eine doppelte Planetenherrschaft über zwei kleinere Häuser, und diese Planeten äußern sich sehr stark in der Realität, weil sie an mehr als eine Häuserspitze gebunden sind. Zum Beispiel sehen Sie, dass Mars und Pluto sowohl über das zehnte als auch über das elfte Haus herrschen, denn die Spitzen beider Häuser liegen in Skorpion; und Venus herrscht über das vierte und über das fünfte Haus, denn die Spitzen beider Häuser liegen in Stier. Das gibt uns Aufschluss über die relative Stärke der Planeten und Hinweise darauf, wo wir in der Deutung die Schwerpunkte setzen. Mars, Pluto und Venus sind in diesem Horoskop betont, doch haben wir auch schon gesehen, dass Venus im eingeschlossenen Zeichen Fische steht. Wir können also annehmen, dass der um sechs Uhr heute früh geborene Mensch besonders fantasievoll und sensibel ist, aber möglicherweise Schwierigkeiten hat, dies auszudrücken.

Zuletzt sei noch gesagt, dass es in jedem der drei Quadranten drei vollständige Häuser gibt, weil das Placidus-System ja ein Quadranten-System ist. Beginnend bei den Achsen heißen diese Häuser Eckhäuser, nachfolgende und fallende Häuser, wobei die Bedeutung dieser Begriffe eine gewisse Ähnlichkeit mit den kardinalen, fixen und veränderlichen Zustandsformen der Elemente aufweist. In einem Horoskop mit äqualer Häusereinteilung hat dagegen jeder Planet das gleiche Gewicht in der Realität, denn jedes Zeichen (und damit auch die Planetenherrscher aller Zeichen) ist an eine Häuserspitze gebunden.

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  1. Baring, Anne and Jules Cashford, The Myth of the Goddess (London: Penguin/Arkana, 1991) [hereafter Baring and Cashford), p. 681.
  2. Baring and Cashford, S. 681.
  3. Paracelsus, Selected Writings, ed. Jolande Jacobi, trans. Norbert Guterman, Bollingen Series XXVIII (Princeton, NJ: Princeton University Press, 1951).
  4. Idemon, Richard, 'Part One: The Basics of Relating', in Through the Looking Glass: A Search for Self in the Mirror of Relationships (York Beach, ME: Samuel Weiser, Inc., 1992). Dt.: Partnerschaft und Selbstfindung im Spiegel der Sterne, München 1996
  5. Dethlefsen, Thorwald, The Challenge of Fate (London: Coventure Ltd., 1984). Dt.: Schicksal als Chance
  6. Sasportas, Howard, The Twelve Houses: An Introduction to the Houses in Astrological Interpretation (Wellingborough: Aquarian Press, 1985), 'Chapter 15: Grouping the Houses'. Dt.: Astrologische Häuser und Aszendenten (vergriffen)
  7. Von Schlieffen, Alexander, When Chimpanzees Dream Astrology: An Introduction to the Quadrants of the Horoscope (London: CPA Press, 2004).

Das Buch " Mapping the Psyche, Band 2"

Erstveröffentlichung 2007 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Copyright © 2007, Clare Martin.
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