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Ich möchte die Feuer- und Erdzeichen gemeinsam betrachten, da
sie gegensätzliche Elemente sind und sich somit gegenseitig herausfordern
und ergänzen. Indem wir ein Element mit etwas vergleichen, das
es gerade nicht ist, können wir es leichter verstehen. Feuer ist
positiv und männlich, Erde ist negativ und weiblich. Wilbers Quadrantenmodell
zufolge haben diese beiden Elemente die gleiche persönliche, individuelle
Ausrichtung in bezug auf die Welt. Diese Ausrichtung ist beim Feuer
subjektiv. Ein Beispiel dafür wäre eine religiöse Erfahrung
oder eine persönliche Überzeugung, die für das Individuum
zwar absolut real ist, die aber nicht bewiesen werden kann und auch
keines Beweises, keiner Erklärung und keiner Rechtfertigung bedarf,
eben weil sie für das Individuum wahr ist. Für die Erdzeichen
ist die Wahrheit zwar objektiv, aber zugleich auch persönlich,
da sie auf die eigene Sinneswahrnehmung der Außenwelt zurückgeht.
Wenn die Erde beispielsweise den Geruch, den Geschmack oder die Farbe
einer Sache nicht mag, dann war es das – da gibt es nichts zu
diskutieren. Sobald wir also wirklich verstehen, wie jedes Element
die Welt erlebt und deutet, lernen wir es auch zu schätzen, daß jedes
Element seinen ganz eigenen Platz in einem größeren Ganzen
innehat.
Feuer ist natürlich heiß, aber es ist auch magnetisch – es
zieht uns an. Wenn Sie jemals an einem großen Feuer gestanden
oder vor einem offenen Kamin gesessen sind, haben Sie diese Faszination
bestimmt gespürt. Wenn wir die Flammen beobachten, versetzen sie
uns in einen trance-artigen Zustand, der uns von der „realen
Welt“ weg und in die Welt unserer Vorstellungen hinein führt.
Gerade in unserer Vorstellungswelt fühlen sich die Visionen, Mythen
und Phantasien des Feuers am meisten Zuhause. Unsere Vorstellungskraft
führt uns in eine Welt, in der alles übertrieben, bunt, überlebensgroß und
voll aufregender Möglichkeiten ist. Und aus der Vorstellungswelt
beziehen die Feuerzeichen auch ihre ansteckende Wärme und ihre
Begeisterung, angespornt von einem einzigartigen, persönlichen
Gefühl der Verbundenheit mit einer großartigen Vision, einer
spirituellen Suche, einem großen Bild als Umrahmung oder Hintergrund
ihres eigenen Lebens.
Die Feuerzeichen haben etwas Enthusiastisches, Spontanes, Kindliches.
Feuer ist übertrieben, überlebensgroß, und Feuerzeichen
müssen mitten in ihren individuellen Dramen und mythischen Träumen
leben, wenn sie sich selbst treu bleiben wollen. Feuerzeichen haben
ein angeborenes Gefühl ihrer eigenen, einzigartigen Besonderheit,
und daraus erklärt sich auch, weshalb sie ein so ungeheures Selbstvertrauen
besitzen und Risiken eingehen, vor denen andere zurückschrecken
würden – sie sind nämlich von vornherein der Überzeugung,
daß sie irgendwie das Glück auf ihrer Seite haben werden. „Objektive
Wahrheiten“ wie etwa die statistisch geringen Gewinnchancen im
Lotto bedeuten den Feuerzeichen gar nichts und geben oft Anlaß zu
Unverständnis, Frustration oder Ungeduld. Selbst wenn die Dinge
nicht so laufen wie geplant und selbst wenn sie hart aufschlagen und
Verluste erleiden, haben die Feuerzeichen normalerweise genügend
Zuversicht, um sich wieder aufzurappeln und weiterzumachen. Für
das Element Feuer geht es in Beziehungen um die Aufregung und Faszination
der Jagd, um das noch nicht erfüllte Verlangen nach einem Objekt – sei
dies nun eine andere Person oder ein Ideal. Feuer kann und wird keine
Einschränkungen hinnehmen, denn es schert sich nicht um Verbindlichkeit
und Stabilität. Das ist auch der Grund dafür, warum sich
so viele Menschen die Finger verbrennen, wenn sie mit dem Feuer spielen.

In der alchemistischen Bildersprache wird
das Element Feuer durch den Salamander dargestellt, von dem man glaubte,
er ertrage die Hitze der Flammen aufgrund der Kühle seines Körpers.
Dieser Salamander stammt aus Michael Maiers Atalanta fugiens (1618).
Sehr interessant im Zusammenhang mit den Elementen ist auch die Tatsache,
daß wir auf sehr konkrete Weise unser Hauptelement schnell verbrauchen
und es ständig erneuern müssen, um unseren Energiehaushalt
aufrechtzuerhalten. Deshalb brauchen Menschen mit einer Feuerbetonung
auf einer sehr grundlegenden Ebene viel Sonne, denn die Sonne als physische
Manifestation des Feuers im Sonnensystem erneuert tatsächlich
die Energie und Vitalität dieser Menschen. Feuerzeichen müssen „auftanken“ und
sich erholen, indem sie sich körperlich betätigen, auf Reisen
oder Abenteuer gehen, ein Theaterstück, ein Rockkonzert oder eine
Oper besuchen, denn sie brauchen sehr viel Dramatik und Phantasie.
Diese Erfahrungen stellen nicht nur ihre Energien, sondern auch ihren
Optimismus und ihr Vertrauen zum Leben wieder her. Bekommt das Feuer,
was es braucht, so sind seine warme Spontaneität und seine instinktive
Großzügigkeit ausgesprochen heilsam für andere, selbst
wenn sich Feuerzeichen dessen oft nicht bewußt sind, da dies
für sie einfach nur ein Nebenprodukt ihrer natürlichen Vitalität
ist. Wenn Sie dagegen selbst nicht viel Feuer haben, stellen Sie vielleicht
fest, daß Feuermenschen Ihnen Energie entziehen, da Ihnen deren
Gegenwart einfach zuviel ist. Dann ist es Ihre Aufgabe, Spiel und Spaß zu
lernen – was keineswegs einfach ist, wenn es Ihnen nicht schon
in die Wiege gelegt wurde.
Teilnehmerin: Das ist ja alles schön und gut, aber die
Wirklichkeit sieht doch ganz anders aus, oder?
Clare: Nun, das hängt ganz davon ab, wo Sie herkommen.
Für das Feuer ist dies durchaus die Wirklichkeit, doch Ihre Bemerkung
ist ein schönes Beispiel dafür, daß jedes Element sein
Gegenteil heraufbeschwört. Gibt es hier noch jemanden, der das
Gefühl hat, all diese Begeisterung und Zuversicht müsse sich
doch auch etwas in Grenzen halten?
Teilnehmerin: Für mich klingt es so, als wären diese
Feuerzeichen recht selbstsüchtig und unsensibel.
Clare: Nun, aus der Perspektive des Elements Erde haben Sie
recht. Wenn wir uns ganz genau an die grundsätzliche Bedeutung
von Feuer und Erde halten, was macht die Erde dann mit dem Feuer?
Teilnehmerin: Sie löscht es, erstickt es, erdrückt
es.
Clare: Genau. Und doch kann das Feuer paradoxerweise nicht
brennen, ohne etwas Gegenständliches wie zum Beispiel Kohle oder
Holz zu verbrauchen, die beide zum Element Erde gehören. Das erklärt
sowohl die gegenseitige Abstoßung als auch die Anziehung zwischen
Feuer und Erde. Sie sind Gegensätze, aber sie sind aufeinander
angewiesen. Wir können verstehen, warum die Erde sich gegen das
Feuer wehrt und es unter Kontrolle bringen will, denn das Feuer droht
die Erde zu verbrauchen, zu verbrennen. Andererseits ist die Erde auf
das Feuer als Lebenskraft angewiesen. Ich glaube, in Australien gibt
es eine bestimmte Eukalyptusart, die große Hitze wie etwa bei
einem Waldbrand braucht, um weiterleben und neues Wachstum hervorbringen
zu können. Ein weiteres Beispiel ist der mythische Vogel Phönix,
der sich regelmäßig ins Feuer stürzen und auf diese
Weise verbrannt und gereinigt werden muß, ehe er wiedergeboren
werden kann.
Im Gegensatz dazu sind die Erdzeichen ganz in der Realität des
Hier und Jetzt verwurzelt. Sie sind solide, zuverlässig und praktisch,
sie beschäftigen sich mit der materiellen Welt und ihren fünf
Sinnen. Denken Sie buchstäblich an Erde – alles, was uns
erhält, wächst aus der Erde, all unsere Nahrung kommt aus
der Erde. Die Erde unterstützt das Leben, und Erdzeichen haben
ein starkes Sicherheitsbedürfnis und neigen dazu, konservativ
zu sein. Sie sind realistisch. Sie können Dinge umsetzen und dafür
sorgen, daß wirklich etwas geschieht. Sie sind ausdauernd und
verfügen über ein enormes Durchhaltevermögen. Wenn Realismus
und praktische Lösungen gefragt sind, befinden sich die Erdeichen
ganz in ihrem Element.
Die Erdzeichen fühlen sich wohl in der natürlichen Welt,
sie sind mit ihr verbunden und neigen, anders als die anderen Elemente,
nicht dazu, die Bedürfnisse des Körpers nach geeigneter Ernährung,
Ruhe und Betätigung zu unterdrücken oder zu unterschätzen.
Von allen Elementen sind die Erdzeichen die sinnlichsten und der Sexualität
am meisten zugewandt. Auch hier ist die Erde in ihrem Element. Dem
gegenüber empfinden viele Feuerzeichen eine aktive Abneigung gegen
ihren Körper, der als zu beengend und einschränkend erlebt
wird. Der Körper hält uns zurück und will ernährt,
bekleidet und ausgeruht sein.
Teilnehmerin: Wo liegen denn die Beschränkungen der Erdzeichen?
Clare: Ganz allgemein entsprechen die Beschränkungen
der Erdzeichen den Stärken der Feuerzeichen. Die praktischen,
realistischen Erdzeichen weisen mitunter einen deutlichen Mangel an
Enthusiasmus, Hoffnung, Zuversicht und Optimismus auf, was zu einer
Art zynischer Enttäuschung über das Leben führen und
ihnen das Gefühl geben kann, die Welt habe sie im Stich gelassen.
Vielleicht fehlt es auch an Phantasie und der Fähigkeit zu symbolischem
Denken. Im Extremfall kann der „konkrete Denker“ auch zum
Bekehrer oder Fundamentalisten werden, was in der Regel kein Ausdruck
des Glaubens, sondern vielmehr eines Mangels an Glauben ist.

Das Element Erde wird in Johann Daniel
Mylius’ Philosophia reformata (1622) als Ursubstanz dargestellt,
die den filius philosophorum, das alchemistische Gold, säugt.
Linkerhand der Salamander des Elements Feuer, rechts die zum Element
Luft gehörigen Vögel. Die Erde steht mit ihren Füßen
im Element Wasser.
Ebenso können die Beschränkungen der Feuerzeichen als Stärken
der Erdzeichen beschrieben werden. Für die Feuerzeichen bestehen
die Schwierigkeiten in den tausend praktischen Hindernissen, die nur
allzu leicht der Phantasie entgegenstehen und sie zunichte machen.
Oft gibt es Probleme im Umgang mit den gewöhnlichen Dingen des
Alltags. Das Feuer ist schnell von der Welt mit ihren langweiligen
Einzelheiten, Verboten, Verkehrsregeln, Rechnungen, Vorschriften und
anderen Anforderungen frustriert – ganz zu schweigen von jenen
anderen Menschen, die – praktisch, aber nicht besonders hilfreich – auf
all die guten Gründe hinweisen, weshalb etwas unmöglich ist.
Feuerbetonte Menschen können angesichts einer Einkommensteuererklärung
in Panik geraten oder sich ausgesprochen mies fühlen und werden
alles tun, um dem irgendwie zu entgehen. Auf ganz eigenartige Weise
ist die Einkommensteuererklärung eine Beleidigung für die
Feuerperson, die nicht einsehen mag, weshalb sie ihre Existenz rechtfertigen
oder irgendwelchen Regeln gehorchen soll, die ja doch nur für
gewöhnliche Sterbliche gemacht sind! Feuerzeichen interessieren
sich nicht für die eigentliche Realität einer bestimmten
Situation, und deshalb können sie sich nicht unbedingt daran erinnern,
wo sie die Autoschlüssel hingelegt haben, oder sie gehen ohne
Geld aus dem Haus.
Die feurige Vorstellungskraft kann sich ohne jegliche Beschränkung überallhin
begeben. Das Feuer kann sich ohne weiteres vorstellen, in den Anden
beim Bergsteigen zu sein, vor der Küste Neuseelands mit Delphinen
zu schwimmen, in einem Raumschiff zu den Außenbezirken des Sonnensystems
vorzudringen oder sich für zehn Jahre in ein japanisches Zenkloster
zurückzuziehen; doch um diese Träume Wirklichkeit werden
zu lassen, bedarf es des praktischen Erdelements. Wir müssen genügend
Geld verdienen, so daß wir es uns leisten können, unsere
Träume zu verwirklichen, wir müssen uns mit Fahrplänen
für Züge und Flugzeuge herumschlagen, uns Visa ausstellen
lassen und genügend Zeit für den Weg zum Flughafen einplanen,
wenn wir nicht zu spät kommen wollen.
Erde ist nicht die einzige Herausforderung für das Feuer. Die
Luft- und die Wasserzeichen können sich genauso querstellen. Die
subjektive Vision und Begeisterung des Feuers können ganz leicht
von der rationalen Faktenanalyse der Luft zunichte gemacht werden,
und das Wasser kann der Hitze und dem Enthusiasmus des Feuers eine
ordentliche kalte Dusche verpassen. Feuerzeichen können sehr verletzlich
sein und einen eigentümlichen Mangel an Durchhaltevermögen
aufweisen. Schnell sind sie vom Widerstand der Welt überfordert,
so daß man immer wieder einmal auf „ausgelöschte“ Feuerzeichen
trifft.
Teilnehmerin: Liegt das nicht auch an ihrer Selbstsucht und
Unkontrolliertheit?
Clare: Das ist genau die Reaktion oder Urteilsweise, die sie
oft hervorrufen. Es gibt eine gewisse Neigung dazu, all diesem Enthusiasmus
Grenzen zu setzen, und wenn das zu früh im Leben oder zu wenig
einfühlsam geschieht, kann es bleibende Auswirkungen auf die Lebenskraft
des betreffenden Menschen haben oder seinen Willen so stark brechen,
daß er nicht mehr an sich selbst glaubt. So ein Fall bedeutet
Arbeit für den Astrologen. Wenn die natürliche Begeisterung,
der Optimismus und der Glaube des Feuerelements an sich selbst nicht
wieder angefacht werden, kann es zu einem Zerrbild des Feuers kommen – gewalttätig
und destruktiv beim Widder, anspruchsvoll und eifersüchtig beim
Löwen oder arrogant und herablassend beim Schützen.
Teilnehmerin: Wenn es soweit gekommen ist, brauchen die Feuerzeichen
also vermutlich eine neue Vision, eine neue spirituelle Aufgabe oder
neue Abenteuer?
Clare: Ja, schlußendlich müssen sie an sich selbst
glauben, und sie brauchen andere, die an sie glauben.

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