Veränderliches Feuer
- Herrscher: Jupiter
- Exil: Merkur
Das veränderliche Feuerzeichen Schütze ist das reifste, aber auch
das rastloseste und expansivste unter den Feuerzeichen. Mit dem Zeichenherrscher
Jupiter sucht der Schütze stets nach den größeren Zusammenhängen,
nach dem Sinn des Lebens, nach mehr Weisheit und Wissen, nach mehr Streifzügen
in das Unbekannte und nach mehr Erfahrungen. Diesem veränderlichen Zeichen
ist die Reise wichtiger als das Ziel. Schütze läßt sich nicht
einfangen, weder körperlich noch intellektuell. Er wendet sich ganz schnell
etwas anderem zu, macht sich auf zu neuen Horizonten mit faszinierenden, vielleicht
noch bedeutsameren Möglichkeiten, sobald – oder sogar schon bevor – etwas
zur alltäglichen Routine zu werden droht. Jupiter, der Götterkönig, überlebensgroß, überschwenglich,
spontan, mit schnellen Reaktionen und explosivem Temperament, schleuderte Blitz
und Donner, wenn er wütend war. Der ungeheure Maßstab des Schützen,
seine Großzügigkeit und sein guter Wille, seine Böen, Wirbelstürme
und Tornados können überwältigend sein, und sein schnell verrauchter
Zorn kann die sensibleren Zeichen doch ordentlich erschrecken.
Dieses Zeichen bringt oft eine enorme körperliche Energie und
eine kräftige Verfassung mit sich; körperliche Tätigkeiten
und Sport können positive Wege sein, diese Energie abzuarbeiten.
Schützemenschen haben keine natürlichen Grenzen und treten
deshalb anderen oft etwas tolpatschig auf die Zehen oder zerschlagen
feines Porzellan. Da sie von Grund auf gesellig und umgänglich
sind, ziehen Schützeleute andere oft in ihren Bann. Je mehr Menschen,
je größer die Party, desto besser. Sie sind immer auf der
Suche nach der universellen und philosophischen Seite des Lebens. Ihre
Vorstellungsgabe ist so gewaltig, daß sie sich – mit dem
typischen Selbstvertrauen der Feuerzeichen – sogar für die
Gebieter über die alleinige Wahrheit halten können und sich
damit schnell den Vorwurf einhandeln, arrogant, bevormundend und herablassend
zu sein.
Die Integration des Gegenzeichens Zwillinge und des Planeten Merkur,
der sich in Schütze im Exil befindet, kann zu einer objektiveren,
rationaleren Herangehensweise führen und die Einsicht ermöglichen,
daß Wahrheiten auch unvollständig oder mehrfach vorhanden
sein können und daß es andere, ebenso gültige Meinungen
und Ansichten gibt. Die Integration von Merkur verleiht der sonst vielleicht
allzu überheblichen, messianischen Lebenseinstellung einen Schuß Humor
und die Fähigkeit, nicht alles gleich persönlich zu nehmen.
Planeten in Schütze
Teilnehmerin: Ich habe Venus in Schütze, und ich liebe
es, auf Reisen zu gehen.
Clare: Ganz bestimmt! Wenn sie die Schütze-Venus in ein
Büro stecken, dreht sie durch.
Teilnehmerin: Ja, das stimmt wirklich – Büros machen
mich verrückt!
Clare: Eine frustrierte Venus ist immer gefährlich, denn
wenn sie nicht bekommt, was sie will, wird sie zerstörerisch.
Eine denkbare Art, dem Büro zu entfliehen, wäre etwa, solange
herumzustreiten und Chaos zu verbreiten, bis Sie gekündigt werden – mit
anderen Worten, bis Sie Ihre Freiheit wiederhaben.
Teilnehmerin: Das stimmt wirklich. Mir war gar nicht bewußt,
daß ich das tue.
Andere Teilnehmerin: Ich habe Merkur in Schütze; das
bedeutet wohl, daß ich viel rede.
Clare: Ja, und vielleicht schmücken Sie Ihre Erzählungen
auch gern etwas aus oder übertreiben ein bißchen, wodurch
eigentlich ganz gewöhnliche Ereignisse dramatisch und theatralisch
wirken und so dem Feuer Nahrung geben. Da ist das Wetter dann absolut
grauenhaft, ein kleines Mißgeschick wird zu einem schrecklichen
Verhängnis, und der letzte Urlaub war fantastisch, unglaublich,
wunderbar – große Worte. Vom Schütze-Merkur heißt
es auch, er habe sein Herz auf der Zunge, er spreche erst und denke
dann und falle anderen gern ins Wort. Andererseits verfügt er über
eine hervorragende Intuition. Wir sehen eine ganz außergewöhnliche
Fähigkeit, die Zukunft wahr- und vorwegzunehmen und Bevorstehendes
vorauszuahnen.
Lassen Sie uns einen Blick auf den Schütze-Neptun in Sallys Horoskop
werfen, denn vermutlich haben viele von Ihnen diese Zeichenstellung.
Neptun war vierzehn Jahre lang, von November 1970 bis Januar 1984 in
Schütze, anschließend noch einmal kurz von Juni bis November
1984. Neptun steht für unsere kollektiven Träume und Sehnsüchte
nach einer idealen Welt; er steht für das, wonach wir dürsten,
worin wir unsere spirituelle Rettung und Erlösung suchen; und
er steht für die Illusionen und Phantasien, auf die wir besonders
leicht hereinfallen. Für die Generation mit Neptun in Schütze
befindet sich das ersehnte Ideal „irgendwo da draußen“,
jenseits unseres gewöhnlichen Lebens. Fremde Erdteile und Länder,
Reisen und Erkundungsfahrten sowie Angehörige anderer Religionen
und Kulturen werden gern idealisiert.
Auf der persönlichen Ebene kann diese Stellung recht unangenehm
sein; dann sehen wir Unzufriedenheit, die Weigerung, die Grenzen des
Möglichen zu akzeptieren und die Unfähigkeit, das eigene
Schicksal anzunehmen. Dadurch sieht sich der Einzelne womöglich
zu einem Leben verurteilt, in dem jegliche Verbindlichkeit immer als
das Zweitbeste erscheint, denn das, was er sucht, gehört immer
woanders hin – wenn er es nur finden könnte. Können
wir andererseits von einer hinreichend entwickelten Egostruktur ausgehen,
die den überwältigenden Neptunkräften etwas entgegenzusetzen
hat, so sehen wir, daß diese Generation einer sinnvolleren und
umfassenderen Daseinsweise zutiefst verbunden ist und ihre Mitglieder
die Fahnenträger dieser Ideale zum Wohl der Allgemeinheit sein
können.
Doch jetzt ist es an der Zeit, die mythische Welt des Feuers zu verlassen
und zur Erde herabzusteigen. Ich glaube, wir sollten uns vor Augen
halten, daß wir als Kollektiv unsere natürliche Verbindung
zur Erde verlieren; dazu gehört auch der allmähliche Verlust
des Gefühls, zur Natur zu gehören und ein Teil von ihr zu
sein. Ganz allgemein werden die Eigenschaften des Feuers bewundert
und gefördert, wogegen diejenigen der Erde mißverstanden
und unterschätzt werden. Zumindest während der letzten zweihundert
Jahre haben wir die Schätze der Erde geplündert und unsere
Fähigkeiten, die Natur zu kontrollieren und zu manipulieren, immer
weiter entwickelt. Das gleiche machen wir mit unserem Körper,
der oft geradezu als Feind angesehen wird, der jederzeit mit Krankheiten
und Gebrechen zuschlagen kann, wenn wir ihn nicht streng kontrollieren
und disziplinieren. Unsere natürliche Verbundenheit mit der Erde
und der lebendigen Natur wurde durch den weit verbreiteten Materialismus,
die Konsumgesellschaft und das im modernen Leben so überaus wichtige
Eigentumsdenken vereinnahmt und verzerrt. All das zeigt uns, daß das
Erdhafte kollektiv gerettet werden muß. Die Erdzeichen können
uns dabei helfen, die Verbindung zur Naturwelt wiederherzustellen,
und in dieser Hinsicht haben wir viel von ihnen zu lernen.

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