Eine Landkarte der Seele
Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin
Lektion Acht: Zustandsformen und Elemente

Die Zustandsformen: Kardinale, fixe und veränderliche Zeichen

Symbolisch bezieht sich die Zahl Drei auf das Herstellen einer Beziehung zwischen zwei Prinzipien, die zuvor gegensätzlich oder völlig unverbunden waren. Zum Beispiel stellt eine zwischen zwei Punkten gezogene Linie eine Verbindung zwischen diesen beiden Punkten her. Im Zusammenhang mit dem symbolischen Gehalt der Zahl Drei ist besonders bedeutsam, daß unser logischer, unterscheidender Verstand dies nur schwer begreifen kann, denn der Intellekt ist von Natur aus zerteilend und polarisierend. „Verstehen“ ist mehr eine emotionale als eine intellektuelle Funktion, es kommt eher aus dem Herzen als aus dem Kopf. Wir können sagen, die Zahl Drei ist eher eine Eigenschaft der Seele als eine des Geistes. Je mehr wir verstehen, desto besser können wir Frieden schließen und Beziehungen eingehen. Zum Beispiel sind Wörter, die mit der Vorsilbe „re-“ (wörtlich: wieder zurück) anfangen, tendenziell sanfte, heilsame Wörter, die das Zusammenbringen von zuvor Unzusammenhängendem beschreiben: reparieren, reformieren, rehabilitieren, regenerieren. Die Zahl Drei lehrt uns, daß wahr und falsch relativ sind und daß eine Art Gleichgewicht zwischen positiven und negativen Kräften möglich ist, wie es sich beispielsweise als Gleichgewicht zwischen Aktion und Reaktion einstellen kann. Die griechischen Philosophen verwendeten in ihrer Rhetorik das System von These, Antithese und Synthese; in der chinesischen Philosophie gibt es die Drei als Yin, Yang und Tao – letzteres der mittlere Weg zwischen zwei Gegensätzen.

Das Gesetz der Drei kann in sehr vielen Lebensbereichen beobachtet werden. Zum Beispiel gibt es im Sport bei zwei gegnerischen Mannschaften als dritte Kraft den Schiedsrichter, der für den Fortgang des Spiels sorgt, ohne daß es zu Unfrieden kommt; oder vor Gericht, wo der Richter als dritte Kraft zwischen Verteidigung und Anklage vermittelt und die Vorgänge überwacht; oder im britischen Unterhaus, wo sich zwei einander entgegengesetzte politische Parteien gegenüberstehen, zwischen denen der Parlamentssprecher vermittelt. Ohne diese dritte Kraft gibt es keine Möglichkeit, zu einer kreativen Lösung zu kommen, denn jede Seite würde immerfort versuchen, die andere zu besiegen und zu vernichten.

Wenn wir auf der Entweder-Oder-Ebene der Dualität oder Polarität steckenbleiben, werden wir möglicherweise von einer sterilen, statischen, starren Entschlußlosigkeit gelähmt, in der wir Gegensätze abwägen und uns erst mit der einen, dann mit der anderen Seite identifizieren, ohne eine Beziehung zwischen beiden herstellen zu können. Jungs Rat an ein Individuum in einer derartigen Situation lautet, sich zunächst beide Enden des Spektrums ganz bewußt zu machen und die Spannung zwischen den Gegensätzen absichtlich zu ertragen, denn „ jede Gegensatzspannung gipfelt in einer Lösung, aus der sich ein Drittes ergibt, und in diesem Dritten löst sich die Spannung, die verlorene Einheit ist wiederhergestellt.“[40]  Wenn wir diese Idee einmal verstanden haben, erweist sie sich als eine sehr tiefgreifende und hilfreiche Lebensregel.

Teilnehmerin:  Wollen Sie damit sagen, man kann mit Vernunft und Logik nicht zu Problemlösungen kommen?

Clare:  Ja. Obwohl der Einsatz von Vernunft und Logik wesentlich dazu beiträgt, die verschiedenen Möglichkeiten und Alternativen sowie deren jeweilige Folgen zu erkennen, kann der Intellekt allein doch keine Lösung bieten. Wenn wir Glück haben und zuversichtlich genug sind, die Anspannung, Ungewißheit und Entschlußlosigkeit aushalten zu können, wird von irgendwo jenseits des Intellekts eine Lösung auftauchen, die kein Ende des Spektrums verneint, sondern beide umfaßt. Dies ist die dritte Kraft. Wir könnten sie sogar als Weisheit der Seele beschreiben, von der man lange dachte, sie bestehe aus drei Teilen. Es heißt, Plato habe seine Lehre der dreigeteilten Seele von den Pythagoräern übernommen. Bei Plato ist ein Teil „Geist“ (kardinal), ein anderer Teil „verlangt nach den Genüssen von Nahrung und Fortpflanzung“ (fix), und der letzte Teil ist „Vernunft“ (veränderlich). Bekommt jeder Teil, was ihm zusteht, so gelangt die Seele in einen Zustand der Harmonie.

Teilnehmerin:  Meine Tochter hat die Sonne in Waage, sie ist sehr rational veranlagt und sehr geschickt darin, Ideen solange gegeneinander abzuwägen, bis sie völlig gelähmt ist und nicht mehr weiß, was sie tun soll. Es ist schon lustig, daß Sie das sagen, denn ich habe ihr jetzt vorgeschlagen, das Problem zu überschlafen und zu sehen, ob sich dann nicht eine Lösung einstellt. Denn sonst diskutieren wir das Für und Wider 24 Stunden täglich, was nicht sehr hilfreich ist und damit endet, daß wir beide frustriert sind und uns mies fühlen.

Andere Teilnehmerin:  Das ist eine sehr interessante Idee, doch beide Varianten scheinen unangenehm zu sein.

Clare:  Das stimmt. Die Alternative wäre, sich ausschließlich mit einem Ende des Spektrums zu identifizieren. Das vermindert zwar oberflächlich gesehen die Spannung, doch bedeutet es einen Schritt weg von unserer Aufgabe, zu differenzieren und zu integrieren, und es wird uns nicht dabei helfen, das Bedürfnis der Seele nach Ausgleich und Harmonie zu stillen.

Kardinale, fixe und veränderliche Naturen

In der Astrologie sind die drei Kräfte oder Zustandsformen als kardinal, fix und veränderlich bekannt – oder auch: initiierend, widerstrebend und vermittelnd oder beschwichtigend. Ebenso beschreibt bei einer Dreiteilung des Horoskops der als Trigon bekannte 120º-Aspekt Beziehung, Entschlossenheit und Harmonie. Betrachten wir die ersten drei Tierkreiszeichen, so ist die uranfängliche Kraft Widder, kardinales Feuer, gefolgt von der genauso machtvollen Widerstandskraft des Stiers, fixe Erde; daraus entsteht eine Polarität, die nur vom dritten Zeichen Zwillinge, veränderliche Luft, aufgelöst werden kann, denn dieses Zeichen hat die Fähigkeit, Beziehungen herzustellen, zu kommunizieren und unparteiisch zwischen den beiden entgegengesetzten Kräften zu vermitteln. Dieses Thema wiederholt sich rund um den Tierkreis, wobei auf die kardinale die fixe Energie folgt und schließlich von der veränderlichen aufgelöst wird, seien es nun Krebs, Löwe und Jungfrau, Waage, Skorpion und Schütze oder Steinbock, Wassermann und Fische.

Jedes Tierkreiszeichen ist entweder kardinal, fix oder veränderlich. Sie sehen in der folgenden Grafik, daß wir jetzt zu den Polaritäten noch die Zustandsformen hinzunehmen und so eine weitere Informationsebene gewinnen, mit deren Hilfe wir die Bedeutung der Tierkreiszeichen verstehen können.

KARDINAL: initiierend, zielgerichtet
Widder
Krebs
Waage Steinbock
FIX: standhaft, loyal, stabil
Stier Löwe
Skorpion Wassermann
BEWEGLICH: anpassungsfähig, flexibel
Zwillinge Jungfrau
Schütze Fische

Wir hatten die Zeichen ja schon gemäß ihrer Polaritäten geordnet; die Zustandsformen bezeichnen eine weitere Ebene der Orientierung und Motivation. Die Motivation der kardinalen Zeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock besteht darin, Dinge zu initiieren und zu erreichen; die Motivation der fixen Zeichen Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann besteht darin, zu widerstehen und zu stabilisieren; und die Motivation der veränderlichen Zeichen Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische besteht darin, anzupassen, zu vermitteln und zu versöhnen.

Teilnehmerin:  Heißt das, die veränderlichen Zeichen spiegeln die Bedeutung der Zahl Drei wider?

Clare:  Ja, es sind die versöhnenden Zeichen. Die veränderlichen Zeichen haben eigentlich keine eigene, eindeutige Motivation außer derjenigen, im Fluß und flexibel zu bleiben. Deshalb können sie so gut zwischen der „unaufhaltsamen Kraft“ der kardinalen Zeichen und dem „unbeweglichen Objekt“ der fixen Zeichen vermitteln. Veränderliche Zeichen sind anpassungsfähig, ausgleichend, wechselhaft, flexibel und ruhelos. Die kardinalen Zeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock sind initiierend und zielgerichtet. Kardinale Menschen beginnen Unternehmungen, sie haben eine Vision davon, was erreicht werden soll, sie sind selbstmotiviert. Sie fordern sich selbst heraus, wollen führen und haben einen natürlichen Drang, Aktionen auszulösen und zu initiieren. Die fixen Zeichen Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann lassen sich nicht gern herumschubsen. Wenn sie das Gefühl haben, unter Druck zu stehen oder herausgefordert zu werden, stellen sie sich wahrscheinlich auf die Hinterbeine und weichen keinen Millimeter. Planeten in fixen Zeichen sind stabil und gleichbleibend, und Menschen mit einer Betonung der fixen Zeichen sind meist sehr loyal und besitzen in großem Maß die Fähigkeit zum Durchhalten und Weitermachen. Es gibt starke Widerstände gegen Veränderungen und Schwierigkeiten mit dem Loslassen, das heißt, sie können auf einem eingetretenen Pfad steckenbleiben. Andererseits können Planeten in den fixen Zeichen dafür sorgen, daß Dinge auch tatsächlich geschehen, denn sie haben die nötige Geduld, um die Dinge bis zu ihrem schlüssigen Ende durchzustehen.

Die veränderlichen Zeichen Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische sind anpassungsfähig, ausgleichend, beweglich und flexibel. Planeten in diesen Zeichen interessieren sich meist mehr für die Reise als für das Ziel. Sie neigen auch dazu, Konflikte unter allen Umständen zu vermeiden, da es nicht dem Wesen der veränderlichen Zeichen entspricht, an Konflikten teilzunehmen, es sei denn als Vermittler oder Nachrichtenüberbringer. Sie finden stets einen Ausweg und lassen sich durch Veränderungen meist nicht im geringsten stören.

Diese Darstellung aus Philosophia reformata (1622) von Johannes Mylius zeigt uns die vier Phasen oder Stufen des alchemistischen Werkes, zeitlich abgestimmt auf den Eintritt der Sonne in die kardinalen Zeichen. Die erste Stufe beginnt mit Widder, die zweite mit Krebs, die dritte mit Waage; die vierte, mit Steinbock beginnende, symbolisiert sowohl Reinigung als auch Reifung.

Da die Zustandsformen sehr unterschiedliche Ausrichtungen beschreiben, helfen sie uns, verstehen und schätzen zu lernen, warum verschiedene Menschen auf die gleiche Situation ganz unterschiedlich reagieren. Ich habe einmal ein sehr gutes Beispiel dafür gehört. Stellen Sie sich vor, daß drei Menschen – einer kardinal, einer fix, einer veränderlich – eine Straße entlanggehen und sehen, daß die Straße an einer bestimmten Stelle durch einen riesigen Felsblock versperrt ist. Der Kardinale wird das als interessante Herausforderung ansehen und den Steinblock mit Hilfe von Bergsteigerausrüstung bezwingen, wobei er in gerader Linie über die höchste Stelle klettert. Der Veränderliche geht einfach außen herum und weiter, vielleicht geht er auch in eine ganz andere Richtung und stößt auf eine andere Straße. Der Fixe dagegen wird fünf Jahre damit zubringen, ein Loch genau durch die Mitte des Felsens zu bohren.

Ein anderes Beispiel trifft sehr gut auf eine Lernsituation wie die unsere zu. Stellen Sie sich vor, eines Abends käme ein völlig neuer Dozent hereinspaziert, den Sie überhaupt nicht erwarten. Veränderliche Menschen denken dann wahrscheinlich: „Gut, das könnte interessant werden – lassen wir es zu, dann werden wir schon sehen, was geschieht.“ Fixe Menschen werden sich wahrscheinlich widersetzen: „Davon hat uns niemand etwas gesagt, wir haben nicht damit gerechnet, und es ist unannehmbar. Wir werden uns beschweren.“ Kardinale Menschen werden den neuen Dozenten wahrscheinlich auf die Probe stellen, um zu sehen, ob er seiner Aufgabe gewachsen ist.

Teilnehmerin:  Würden Sie sagen, daß Menschen mit gleicher Ausrichtung gut zusammenpassen? Daß zum Beispiel kardinale Zeichen gut miteinander auskommen?

Clare:   Das ist eine sehr interessante Frage, obwohl die Antwort darauf nicht besonders eindeutig ausfallen wird. Ich denke, in allen Beziehungen gibt es eine Anziehung zwischen Gleichem und Gegensätzlichem. Ohne hinreichende Ähnlichkeiten würde uns der Kontakt mit dem anderen sinnlos erscheinen. Wir wären nicht in der Lage, auf angenehme, vertraute Weise mit ihm umzugehen. Wenn allerdings meine Vermutung zutrifft, daß Beziehungen unser wesentliches Mittel zu Wachstum, Entwicklung und Bewußtheit sind, dann werden sie den größten Einfluß haben, wenn der Partner Eigenschaften und Motive aufweist, die entweder in unserem Horoskop fehlen oder zwar vorhanden sind, aber nicht zum Ausdruck gebracht werden.

Wenn Sie sich noch einmal die gleichen sieben Planeten in ihrem Horoskop vornehmen wie zuvor, werden Sie feststellen können, ob eine bestimmte Zustandsform bei Ihnen betont ist. Ein Blick auf unsere Beispielhoroskope zeigt für David die folgende Besetzung der Zustandsformen:

  • Drei kardinale Planeten: Jupiter und Sonne in Widder, Mond in Steinbock
  • Drei fixe Planeten: Mars in Löwe, Saturn in Wassermann, Merkur in Stier
  • Ein veränderlicher Planet: Venus in Fische

Sallys Horoskop weist folgende Besetzung der Zustandsformen auf:

  • Ein kardinaler Planet: Mars in Krebs
  • Vier fixe Planeten: Saturn in Löwe, Merkur, Sonne und Venus in Wassermann
  • Zwei veränderliche Planeten: Mond in Fische, Jupiter in Zwillinge

Diese Verteilung liefert uns sofort bestimmte Hinweise auf die natürliche Ausrichtung von David und Sally. David ist überwiegend kardinal und fix, er ist also sehr gut in der Lage, sich Ziele zu setzen (kardinal) und seinen Weg bis zu ihrer Erreichung durchzuhalten (fix). Dies ist eine machtvolle Kombination mit viel Antrieb, es mag also Zeiten geben, zu denen er Anregung von veränderlichen Menschen braucht, die ihm helfen, Alternativen zu entwickeln oder Schwierigkeiten zu umgehen, die sich vor ihm auftun könnten. Sallys natürliche Ausrichtung ist dagegen überwiegend fix. Sie ist von Natur aus loyal, zuverlässig und entschlossen (fix), wird aber von sich aus keine Dinge anstoßen (kardinal fehlt). Hat jemand hier eine starke kardinale Betonung?

Teilnehmerin:  Ich habe fünf Planeten in kardinalen Zeichen.

Clare:  Erkennen Sie sich selbst als jemanden mit starkem Antrieb, der über sich selbst bestimmt, sich selbst motiviert und zielgerichtet ist?

Teilnehmerin:  Nun, da Sie es sagen, denke ich schon, daß das stimmt. Ich sitze zum Beispiel gern selbst am Steuer. Ich muß wirklich immer diejenige sein, die fährt!

Clare:  Genau. Sie müssen einfach führen und das Sagen haben. Sie sind diejenige, die weiß, wohin es geht.

Andere Teilnehmerin:  Ich sehe mich als kardinale Person, aber mein Horoskop stimmt nicht damit überein. Ich habe überhaupt keine Planeten in kardinalen Zeichen, habe mich aber immer für besonders zielorientiert gehalten. Wie ist das möglich?

Clare:  Das ist einfach ein weiteres Beispiel der inhärenten kompensatorischen Funktion der Psyche zum Zweck unserer Entwicklung zu Ganzheit und persönlicher Integration. Bei unserer Beschäftigung mit dem Prinzip der Polarität haben wir gesehen, daß, falls in unserem Horoskop etwas „fehlt“, dies nicht bedeutet, daß es nicht da ist. Vielmehr bedeutet es, daß dies kein angeborener Teil unserer bewußten Selbstwahrnehmung ist, so daß wir es – oft auf sehr machtvolle Weise – in unserem Austausch mit der Welt und mit anderen Menschen antreffen. Wenn Sie keine kardinalen Planeten in Ihrem Horoskop haben, fühlen Sie sich auf der persönlichen Ebene wahrscheinlich nicht besonders wohl mit dieser speziellen Motivation. Idealerweise wäre es Ihnen lieber, andere würden die Entscheidungen treffen und den Weg weisen. Allerdings vermute ich, die Umstände kommen immer gerade so zusammen, daß Sie nicht anders können als die Führung zu übernehmen, sobald Sie in Austausch mit der Welt und anderen Menschen treten. Mit vielen Planeten in kardinalen Zeichen würden Sie das instinktiv einfach als gegeben hinnehmen, doch mit überhaupt keinen Planeten in kardinalen Zeichen fühlen Sie sich wahrscheinlich eher zum Handeln getrieben, gezwungen und herausgefordert. Das kann ein sehr zwanghafter Antrieb oder eine Art Überkompensation werden, die zwar ausgesprochen effektiv ist, sich aber recht unbequem anfühlt. Wir neigen dazu, mit allem, was in unserem Horoskop fehlt, in einen Wettstreit zu treten.

Bei der Arbeit mit einem Horoskop, das bei einer bestimmten Polarität, Zustandsform oder auch bei einem bestimmten Element einen auffälligen Mangel aufweist, sollte darauf immer besondere Aufmerksamkeit verwendet werden, denn gerade die Unausgeglichenheiten bieten wichtige Hinweise auf die Art und Weise, wie sich jemand verhält. Sind bei jemandem hier die fixen Zeichen besonders betont?

Teilnehmerin:  Ja, bei mir.

Clare:  Wir dürfen also davon ausgehen, daß Sie ein besonders zuverlässiger Mensch sind und daß Ihre Stärken darin liegen, bis zum Ende bei einer Sache zu bleiben.

Teilnehmerin:  Meist bringe ich eher für andere als für mich selbst Dinge zu Ende. Das hat mit meiner Zeiteinteilung zu tun – ich habe ja nur sieben Tage pro Woche und 24 Stunden pro Tag, aber am Ende wird schon immer alles erledigt.

Clare:  Hören Sie sich nur diese Entschlossenheit an! Ich bezweifle sehr, daß eine veränderliche Person das Durchhaltevermögen hätte, um alles zu erledigen. Und es ist durchaus denkbar, daß die Arbeit, die Sie für andere zu Ende führen, von kardinalen Menschen begonnen wurde, die schon wieder auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel sind. Es wird oft gesagt, daß fixe Zeichen zu Ende bringen, was kardinale Zeichen begonnen haben.

Teilnehmerin:  Meine Schwester ist Skorpion, und die gibt niemals nach. Nie!

Clare:  Ist es nicht faszinierend, wie unterschiedlich wir sind? Stellen Sie sich vor, drei Menschen, je einer kardinal, fix und veränderlich, planen einen Urlaub. Wie wird jeder einzelne von ihnen darangehen, und für welche Art Urlaub werden sie sich wohl entscheiden?

Teilnehmerin:  Also, ich vermute, der Kardinale wird eine Herausforderung wie etwa einen Abenteuerurlaub suchen, aber mit einer bestimmten Zielsetzung, nicht einfach nur am Strand sitzen. Er könnte sich für eine Klettertour, eine Kulturreise oder eine Sternfahrt entscheiden. Jedenfalls wird er wohl ohne weiteres die Planung und das Einholen aller nötigen Informationen übernehmen und eine Entscheidung treffen.

Clare:  Ganz richtig. Der Veränderliche überläßt das Entscheiden und Organisieren wahrscheinlich den anderen und schließt sich dann einfach an. Ganz sich selbst überlassen, wird sich der Veränderliche wohl kaum im voraus zu irgend etwas verpflichten oder auf ein Ziel festlegen; lieber läßt er alles bis zur letzten Minute offen und läßt es einfach darauf ankommen, oder er sieht zu, ob sich nicht eine andere Möglichkeit ergibt. Wenn der Kardinale und der Veränderliche zusammen in Urlaub fahren, kann das zwar durchaus gutgehen, wobei der Veränderliche ganz zufrieden damit ist, sich den Plänen des Kardinalen anzupassen; ebensogut können aber auch die Unkonzentriertheit und Gleichgültigkeit des Veränderlichen den Kardinalen ganz leicht wütend machen. Der Fixe dagegen würde sich jeder Veränderung widersetzen und wahrscheinlich an den gleichen Ort fahren wie schon in den letzten fünfundzwanzig Jahren. Sie können hieran bestimmt erkennen, wie die Frage nach dem Urlaubsziel ein richtiggehendes Minenfeld sein kann.

Teilnehmerin:  Da muß ich Ihnen aber widersprechen, denn ich habe fast alle Planeten in fixen Zeichen und fahre immer woanders hin. Ich habe schon oft von diesen fixen Geschichten gehört, und wie sehr ich mich angeblich gegen Veränderung wehre, doch in Wirklichkeit brauche ich ständig Veränderung.

Clare:  Nur um Sie ein bißchen zu provozieren: Wie würden Sie wohl reagieren, wenn Ihr Partner vorschlagen würde, an den gleichen Ort zu fahren wie letztes Jahr?

Teilnehmerin:  Na, wir würden auf alle Fälle woanders hin fahren. Schon gut, ich verstehe, was Sie meinen – so bin ich eben doch sehr fix und widerstrebend!

Clare:  Es ist klar, daß wir uns hier vorläufig nur mit Extremfällen beschäftigen. Diese sind bloß Karikaturen, und das tatsächliche Bild ist stets viel subtiler. Völlig reine Beispiele trifft man äußerst selten an. Dennoch hilft es schon sehr, die Unterschiede zwischen diesen drei grundlegenden Ausrichtungen zu verstehen, wenn es darum geht, uns selbst und andere zu verstehen. So lernen wir es zu schätzen, daß jeder seine ganz eigene, angeborene Ausrichtung hat, die vielleicht deutlich von der unsrigen abweicht, aber ebenso gültig ist. Jede dieser drei Zustandsformen hat ihre eigenen Gaben und Fähigkeiten und kann ihren Beitrag leisten, und ebenso haben sie auch ihre ärgerlichen, störenden und schwierigen Seiten. Doch wenn wir die Ausrichtung eines Menschen verstehen, kann dies den entscheidenden Unterschied in unserer Beziehung zu ihm ausmachen.

nach oben


Das Buch"Mapping the Psyche"

Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com.
Copyright ©2005 by Clare Martin.
Mehr Informationen über das Buch.
Werbung
Loading