Eine Landkarte der Seele
Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin
Polaritäten im Geburtshoroskop

Was aus beiden Gegensätzen besteht ist Eines, und wenn dieses Eine zerteilt wird, so werden die Gegensätze sichtbar[33]

Jedes Ding ist vom andern verschieden, keines von ihnen hat er vergeblich gemacht.[34] 

Polarität geht infolge des sogenannten „primären Schismas“ oder der „Trennung der Welteltern“ aus der ursprünglichen Einheit hervor. Die Schöpfungsmythen fast aller Kulturen beschreiben diese erste Teilung aus dem Ur-Ozean oder Chaos, das durch Selbstteilung schöpferisch wird, ganz so wie eine lebende Zelle sich teilt und damit zwei Zellen erschafft. Alles in Zeit und Raum ist Gegensätzen unterworfen und schwingt zwischen ihnen hin und her. Gegensätze stoßen sich ab und ziehen sich zugleich an: grundsätzlich sind sie miteinander verbunden, da sie den gleichen Ursprung, nämlich die anfängliche Einheit, gemeinsam haben. Selbst unsere Sprache spiegelt diese Spaltung wider, denn viele Wörter beginnen mit der Vorsilbe „di-“, das die Trennung von etwas bezeichnet, das zuvor ganz oder vereint war. Zum Beispiel: di-vidieren, di-skutieren, di-vergieren, Di-pol, Di-chotomie und so weiter.

Seit jeher fasziniert uns das „Problem der Gegensätze“ auf vielen verschiedenen Wissensgebieten wie etwa der Mystik, Philosophie, Mathematik oder Psychologie. Der Gurdjeff-Kenner Maurice Nicoll bemerkt: “Gegensätze sind untrennbar miteinander verbunden, und obwohl das eine dem anderen entgegensteht, können sie doch ebensowenig ohne einander bestehen, wie es einen Stock mit nur einem Ende gibt.[35] Mit anderen Worten, in der Dunkelheit ist das Licht implizit, und im Licht die Dunkelheit. Sie heben sich gegenseitig auf, und doch kann es das eine nicht ohne das andere geben. Das Gesetz der Gegensätze hält alles im Gleichgewicht, denn im Extremfall verschmelzen die Gegensätze miteinander. Zum Beispiel wird im Extremfall Ost zu West, Tag zu Nacht, Liebe zu Haß, Anziehung zu Abstoßung.

In der Psychologie hilft uns das Gesetz der Gegensätze, zu verstehen, wie Menschen Informationen verarbeiten und in der Welt agieren. Der Psychotherapeut Martin Buber beschreibt seine Erfahrung der Polarität so:

In meiner Erfahrung verhält es sich so, daß ich, wenn ich der Wirklichkeit eines Menschen nahekomme, sie als eine polare Wirklichkeit erlebe. Ich würde sagen, wenn ich ihn tiefer und umfassender verstehe, sehe ich auch, wie das Gute und das Schlechte in ihm voneinander abhängen und miteinander verbunden sind. Diese Polarität besitzt oft keinerlei Richtung, sie ist ein chaotischer Zustand. Dem können wir etwas Kosmisches verleihen. Wir können helfen – möglicherweise einfach dadurch, daß wir ihm helfen, die Beziehung der Pole zueinander zu verändern. Damit geben wir der Sache eine Ordnung, eine Form.[36]

Die gleiche Vorstellung finden wir in der Psychosynthese: „Menschen, die sich mit einer Polarität identifizieren, besitzen oft viele Eigenschaften der entgegengesetzten Polarität, die sie jedoch unterdrücken und bewußt abwerten.“[37]

Polarität als Grundlage psychologischer Projektion

Der psychische Mechanismus der Projektion ist eines der wichtigsten Konzepte der Psychologie und in der psychologischen Astrologie. Er besagt, daß immer wenn wir uns bewußt mit einer Seite einer Polarität identifizieren, die entgegengesetzte Seite unbewußt auf andere Menschen oder die Außenwelt projiziert wird, wo sie sich dann kompensatorisch auswirkt. Mit anderen Worten, wir werden ständig mit unseren unbekannten Gegensätzen konfrontiert und verstehen dabei nicht, daß sie zu uns gehören. Wie Jung bemerkte, kommt, was wir an uns nicht akzeptieren können, als Schicksal zu uns zurück. Auf astrologischem Gebiet finden wir diese Dualität abwechselnd in den zwölf Tierkreiszeichen wieder, von denen sechs negativ, feminin oder auf das Yin und die anderen sechs positiv, maskulin oder auf das Yang hin ausgerichtet sind. Daher spiegelt jedes Zeichen die grundlegenden Polaritäten wider, die in der manifesten Welt und im Individuum bestehen. Hierin liegt auch die wesentliche Bedeutung des astrologischen Oppositions-Aspekts.

Das positive Prinzip – in der chinesischen Philosophie das Yang – beschreibt eine Bewegung vom Zentrum nach außen. Die Yang-Orientierung ist eine antreibende Energie, kräftig, aktiv, impulsiv und dominant. Sie erschafft und vernichtet. Die positiven Zeichen bezeichnen objektorientierte, gesellige Menschen, die nicht vor neuen Situationen zurückschrecken. Das negative oder Yin-Prinzip ist subjektorientiert, empfangend, nachgebend, umschließend, sich zurückziehend und nach innen bewegend. Das Yin-Individuum „zeichnet sich durch ein reflektierendes Wesen aus, das immer überlegt und nachdenkt, ehe es handelt. Seine Scheu und sein Mißtrauen führen zu Zögerlichkeit, so daß es stets Schwierigkeiten mit der Anpassung an die Außenwelt hat.[38] Jung bezeichnete die der menschlichen Psyche inhärente Polarität als „Extraversion“ und „Introversion“ – Begriffe, die mittlerweile so weithin anerkannt sind, daß sie Bestandteil unseres alltäglichen Wortschatzes geworden sind. Wie Whitmont[39] bemerkt, fürchtet der Introvertierte das Objekt und zieht sich instinktiv von der Außenwelt zurück. Der Extravertierte fürchtet dagegen das Subjekt und mißtraut seiner Innenwelt, die er unterbewertet.

Positiv
aktiv, tun, Yang Energie

Negativ
passiv, sein, Yin Energie
Widder Stier
Zwillinge Krebs
Löwe Jungfrau
Waage Skorpion
Schütze Steinbock
Wassermann Fische

Jetzt wollen wir uns einmal Ihre eigenen Horoskope ansehen. Es wird interessant und aufschlußreich sein, herauszufinden, wer von Ihnen introvertiert und wer extravertiert ist.

Teilnehmerin:  Wie stellen Sie das fest?

Clare:  Als erstes schauen Sie sich die sieben Planeten Sonne, Mond, Venus und Mars, Jupiter und Saturn an und zählen nach, wieviele davon in positive und wieviele in negative Zeichen fallen. Aus zwei Gründen übergehen wir hier die äußeren Planeten Uranus, Neptun und Pluto sowie die Mondknoten und Chiron. Erstens ist es so, daß diese Punkte uns zwar Aufschluß über den kollektiven, generationenbezogenen Hintergrund liefern, vor dem wir geboren wurden, doch sagen sie uns nichts über unsere eigene, ganz persönliche Ausrichtung. Zweitens beschreibt jeder von ihnen eine ganz besondere Art der Herausforderung oder des Kampfes, und deshalb sollten sie im Zusammenhang mit der Feststellung unseres polaren Gleichgewichts nicht als Pluspunkte aufgefaßt werden.

Lassen Sie uns einen Blick auf unsere Beispielhoroskope werfen. Sie werden feststellen, daß David vier Planeten in positiven Zeichen (Sonne und Jupiter in Widder, Mars in Löwe und Saturn in Wassermann) und drei Planeten in negativen Zeichen hat (Merkur in Stier, Mond in Steinbock und Venus in Fische). Sally hat dagegen fünf Planeten in positiven Zeichen (Jupiter in Zwillinge, Saturn in Löwe, Merkur, Sonne und Venus in Wassermann) und nur zwei in negativen (Mars in Krebs und Mond in Fische). Daraus ersehen wir, daß bei David eine gute Balance zwischen positiv und negativ, maskulin und feminin vorliegt. Er hat die Möglichkeit, beide Gegensätze bewußt in sich zu integrieren, und er kann sich elegant und rhythmisch zwischen den Gegensätzen hin- und herbewegen. Sally hat ein mehr nach außen gehendes, extravertiertes Wesen, ist also natürlicherweise mehr objektorientiert und wird ihr Gefühl für Sinn und Zweck im Leben aus einem aktiven Austausch mit der Außenwelt beziehen. Die Frage ist, ob sie das auch wirklich auslebt. Obwohl ihr Horoskop in eine bestimmte Richtung weist, kann es doch sein, daß ihre familiäre und soziale Konditionierung dazu geführt haben, daß sie diese Seite ihres Wesens unterdrückt.

Teilnehmerin:  Das heißt, obwohl ihr Horoskop yangbetont ist, lebt sie das möglicherweise nicht aus?

Clare:  Richtig, und das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Astrologie dazu beitragen kann, daß wir mehr zu dem werden, was wir im Grunde sind. Es ist gut möglich, daß Sally im Lauf ihres Lebens oft zu verstehen gegeben wurde, sie solle sich mehr zurückhalten, „weiblicher“, sensibler und entgegenkommender sein, und vielleicht hat sie sich den fremden Erwartungen angepaßt – das tun wir ja alle in einem gewissen Umfang. Sobald sie jedoch erfährt, daß ihr Horoskop eine von Natur aus positive Ausrichtung aufweist, kann sie sich erlauben, mehr und mehr zu dem Menschen zu werden, der sie eigentlich ist, was ihr möglicherweise ein starkes Gefühl der Befreiung gibt.

Doch das Gesetz der Gegensätze ist nie so einfach. Wahrscheinlich wird, während Sally ihre naturgegebene Yang-Ausrichtung entwickelt, das entgegengesetzte Ende des Spektrums unbewußt auf andere Menschen und die Außenwelt projiziert werden. Das bedeutet, daß sie sich in Situationen wiederfindet, die von ihr verlangen, nachzudenken, sich zurückzuziehen und den Bedürfnissen anderer Vorrang zu gewähren. Aus einer bewußten Yang-Perspektive kann das äußerst frustrierend sein, doch ist es einfach nur ein Beispiel für die Art und Weise, in der sich psychische Gegensätze gegenseitig herausfordern und ergänzen. Wir können also sagen, daß es für Sally bei der Entwicklung ihrer natürlichen Yang-Orientierung wichtig ist, die Verbindung zu ihren eher sensiblen, in negativen Zeichen stehenden Planeten Mars und Mond nicht zu verlieren und diese nicht auf andere zu projizieren.

Teilnehmerin:   Ich komme bei mir auf vier positive und drei negative Zeichen.

Clare:  Die meisten von uns werden bei sich eine relative Ausgeglichenheit zwischen Planeten in positiven und in negativen Zeichen feststellen. Das sagt uns – zumindest vorläufig –, daß wir nichts besonderes berücksichtigen müssen, wenn wir darangehen, ein Horoskop zu deuten. Es besteht ein potentielles Gleichgewicht zwischen den gegensätzlichen Ausrichtungen.

Hat jemand bei sich eine deutliche Betonung festgestellt? Wer ist deutlich yinorientiert? Dies ist dann der Fall, wenn Sie wenigstens zwei Punkte mehr in den negativen Zeichen haben. Also gibt es vier von Ihnen, die deutlich yinbetont sind. Da Sie das nun festgestellt haben, könnte es auch eine ziemliche Erleichterung für Sie darstellen. Es erlaubt Ihnen nämlich, eher introvertiert zu sein, auf Ihre Innenwelt zu achten, Zuhause zu bleiben und zu lesen, Musik zu hören, Ihr Tagebuch zu schreiben oder einen Film anzuschauen, anstatt sich dazu zu zwingen, zu einer Party zu gehen, oder Schuldgefühle zu hegen, weil sie nicht politisch oder gesellschaftlich engagiert sind.

Teilnehmer:  Ich habe fünf Planeten in negativen und zwei in positiven Zeichen, habe mich aber nie für introvertiert gehalten.

Clare:  Das sollte Ihnen vielleicht zu denken geben. Es kann eine enorme Bestätigung sein, unsere wahre persönliche Ausrichtung festzustellen. Selbst eine so einfache Entdeckung wie diese kann es uns gleich zu Anfang unserer astrologischen Studien ermöglichen, mehr zu dem zu werden, „was wir eigentlich sind“, anstatt uns so zu verbiegen, wie andere oder die Gesellschaft uns haben wollen.

Teilnehmerin:  In meinem Horoskop ist Mars der einzige Planet in einem positiven Zeichen, und ich glaube, das ist es, was die Leute sehen – meinen Mars. Aber eigentlich habe ich ein sehr yinbetontes Wesen.

Clare:  Das klingt nach einem guten Beispiel für Projektion. Von Natur aus sind Sie introvertiert und gern für sich, doch scheinbar treffen Sie in Form von anderen Menschen oder bei Ihrem Austausch mit der Außenwelt wie etwa in Beruf und Karriere oder anderen äußeren Herausforderungen auf Ihre eigene Marsprojektion. Es könnte sich für Sie lohnen, Ihren Mars etwas besser kennenzulernen, so daß er Ihnen zu Diensten ist, Sie nötigenfalls bestärkt und verteidigt und Ihnen hilft, Ihre Ziele zu erreichen, statt daß Sie einfach nur in der Außenwelt auf ihn stoßen.

Teilnehmerin:  Also ziehen überwiegend introvertierte Menschen extravertierte an und umgekehrt? Wir ziehen also in der Außenwelt an, was wir nicht in uns selbst finden?

Clare:  Genau. Was wir in unserem Horoskop haben, gehört uns bereits – wir leben damit, wir kennen es und es gehört zu uns. Wir brauchen es nicht mehr in der Außenwelt anzuziehen, da wir selbst genug davon haben. Anders gesagt, der Pol, der in unserem Horoskop fehlt, ist unserem Bewußtsein nicht bekannt oder fehlt in unserer sozialen Anpassung, weshalb er auf andere projiziert wird, die diesen Pol besonders stark äußern. Dies ist der Grund dafür, daß uns Gegensätze gleichermaßen anziehen und abstoßen.

Teilnehmerin:  Ich habe sechs Planeten in Yang-Zeichen.

Clare:  Das bedeutet, daß Sie Ihre Sinngebung und Energie natürlicherweise aus der Außenwelt beziehen, aus Ihren äußeren Aktivitäten und Errungenschaften und aus Ihrem allgemeinen Eingebundensein in die Gemeinschaft.

Teilnehmerin:  Das stimmt, aber ich werde immer wieder herausgefordert, und das ist mir sehr unangenehm, denn ich möchte nicht gern als dominante Frau gelten. Ich werde wütend auf mich selbst, denn ich möchte nicht gern als aggressiv angesehen werden – das gibt mir fast das Gefühl, ein Mann zu sein. Und ich habe Schwierigkeiten damit, einen Mann zu finden, der stark genug für mich ist.

Clare:  Interessanterweise haben Sie die Wörter „herausfordern“, „dominant“, „aggressiv“, „wütend“ und „stark“ benutzt – alles ausgesprochen yangbetonte Wörter, die auf eine kämpferische, maskuline Ausrichtung hinweisen. Frauen mit überwiegend yangbetonten Horoskopen empfinden es oft als unangenehm, so stark zu sein oder Schwierigkeiten damit zu haben, einen genügend starken Partner zu finden. Zweifellos besitzen Sie die Fähigkeit, sich in der Welt zu beweisen und für sich einzustehen. Doch scheint Ihre hauptsächliche untergründige Sorge auf den entgegengesetzten Yin-Pol zurückzugehen, denn die dreht sich darum, einen Partner zu finden, der Sie ergänzt und unterstützt und in dem Sie sich selbst wiederfinden können. Möglicherweise fühlen Sie sich in einer Beziehung mit einem überwiegend yinbetonten und daher nicht in Konkurrenz zu Ihnen stehenden Mann ausgeglichener und vollständiger. Wissen Sie, was ich meine?

Teilnehmerin:  Naja, es stimmt schon, daß die meisten meiner Freunde yinbetont sind, und es ist auffallend, wie ich offenbar immer genau diese Art von Menschen anziehe. Es kommt vor, daß ich einfach nur im Bus sitze und mein Gegenüber mir ganz unvermittelt seine Lebensgeschichte erzählt. Außerdem ertappe ich mich ständig beim Versuch, die Probleme anderer zu lösen. Wenn zum Beispiel jemand weinend ankommt, „Gerade ist jemand gestorben!“ oder „Ich habe mein Haus verloren!“, dann will ich das in Ordnung bringen, und ich weiß, daß das eine typisch männliche Eigenschaft ist. Was mich wirklich nervt, ist, daß sie nur in ihren Gefühlen baden wollen, also warum erzählen sie mir das dann? Und dann habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich den anderen so unfreundlich erscheine. Das andere ist, daß ich in meiner Familie die Älteste bin und meine Mutter sehr yinbetont ist – zart und zerbrechlich. Aber in Wirklichkeit ist sie viel stärker. Ich habe schon bemerkt, daß yinbetonte Menschen oft scheinbar sehr zerbrechlich, eigentlich aber viel stärker sind als yangbetonte Menschen.

Clare:  Ja, ich denke, das liegt daran, daß yangbetonte Menschen zwar ganz allgemein in der Außenwelt sehr stark sind, aber nicht unbedingt die inneren Ressourcen entwickelt haben, auf die sie sich stützen könnten. Yinbetonte Menschen haben dagegen tiefe innere Reserven, die sie im Bedarfsfall abrufen können. In Krisensituationen werden yinbetonte Menschen sehr, sehr stark.

Teilnehmerin:  Stimmt! Unsereiner liegt schon am Boden, während sie der Sache immer noch gewachsen sind.

Andere Teilnehmerin:  Ich tue mir etwas schwer mit diesen Ideen, denn wenn Sie sagen, Yin zieht Yang an und Yang zieht Yin an, dann scheint es mir als sagten Sie, alles bedeute alles, und dann wird alles bedeutungslos.

Clare:  Ich verstehe ganz genau, was Sie sagen, und das ist ein wichtiger Einwand. Obwohl diese Unterschiede sehr mächtig sind, sind sie doch auch sehr subtil, denn sie beschreiben grundverschiedene Orientierungen, die sich dennoch gegenseitig ergänzen und vervollständigen. Es mag ein Weilchen dauern, bis das einen Sinn ergibt, besonders dann, wenn sowohl psychologische Konzepte als auch die Astrologie Neuland für uns sind. Doch während sich unser astrologisches Wissen weiterentwickelt, treffen wir immer wieder auf eben diese Idee, bis sie uns allmählich durchaus sinnvoll erscheint. Ich hätte auch anders an die Sache herangehen und Ihnen das alles auf sehr viel einfachere Weise zeigen können. Ich könnte einen Extravertierten als jemanden mit einer Mehrzahl von Planeten in positiven Zeichen und einen Introvertierten als jemanden mit einer Mehrzahl von Planeten in negativen Zeichen beschreiben. Das wäre zwar viel leichter zu verstehen, doch damit ist längst nicht alles gesagt, und es gibt auch unsere Erfahrung nicht getreu wieder. Also versuche ich, Sie gleich von Anfang an mit der psychologischen Komplexität der Sache bekanntzumachen.

Astrologie ist das einzige mir bekannte Modell, das die subtile Komplexität des Menschseins ausreichend wiederzugeben vermag, und es gibt Zeiten, zu denen wir unseren Unglauben hintanstellen müssen, während wir dieses Modell in seine Bestandteile zerlegen; doch schließlich sehen wir das ganze Bild, und dann können wir anfangen, alles wieder zusammenzusetzen. Ich kann Ihre Frage nicht beantworten und Ihnen nur sagen, daß es sich lohnt, durchzuhalten und immer alle Fragen zu stellen. Ihre Beobachtung ist sehr wichtig, und ich schlage vor, daß Sie bei Ihrer Skepsis bleiben.

Teilnehmerin:  Oh nein, ich werde nicht dabei bleiben. Ich muß etwas aufgeschlossener sein.

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Das Buch"Mapping the Psyche"

Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com.
Copyright ©2005 by Clare Martin.
Mehr Informationen über das Buch.
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