Eine Landkarte der Seele
Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin
Die Tetractys als Entwicklungsmodell

Pythagoras, dieser überaus einflußreiche Philosoph und Mathematiker, Mystiker und Weise, war der Ansicht, daß Zahlen Qualitäten seien, die nicht nur die Natur des Universums, sondern auch das Wesen jedes beliebigen Systems einschließlich des Menschen darstellten. Das von Pythagoras entwickelte, als Tetraktys bekannte mathematische Modell ist so trügerisch einfach und doch überaus tiefgründig, daß es in der ganzen westlichen Tradition nur wenig Vergleichbares gibt. Die Tetraktys ist ein reichhaltiges, vielschichtiges Symbol mit vielen Bedeutungen, Beziehungen und Entsprechungen. Einfach gesagt, glaubten die Pythagoräer, das Wesen aller Dinge könne in Begriffen der Mächte des Einen, der Zwei, der Drei und der Vier als sich entfaltende Schöpfungsabfolge verstanden werden. Dabei sind diese Zahlen nicht einfach quantitativ aufzufassen, sondern auch als Archetypen der Zahl, wobei „Einheit“, „Zweiheit“, „Dreiheit“ und „Vierheit“ als Ganzheiten oder Wesenheiten mit jeweils eigener qualitativer Bedeutung verstanden werden.

Das Horoskop ist ein genaues Abbild der Tetraktys: es ist selbst eine Einheit, und jedes der zwölf Tierkreiszeichen ist zugleich polar (aktiv oder passiv), modal (kardinal, fix oder veränderlich) und elementar (Feuer, Erde, Luft oder Wasser). Die Zahl Zwölf ist eine bemerkenswert vollständige Zahl, in der die Polarität sechs mal wiederholt wird, die Zustandsformen viermal und die Elemente dreimal.

Die Tetraktys kann uns als nützliches Modell psychologischer Entwicklungsprozesse dienen, die auffallende Ähnlichkeit mit den verschiedenen Stadien oder Vorgängen der Alchemisten aufweisen. Allgemein gesprochen geht es um eine zweifache Aufgabe. Die anfängliche Aufgabe besteht darin, die verschiedenen Ebenen zu identifizieren und voneinander zu unterscheiden, denn „nur was getrennt ist, kann sich miteinander vereinigen“, wie die Alchemisten wiederholt betonten. Sind Trennung und Differenzierung vollbracht, bleibt als nächstes die Aufgabe, all die verschiedenen Ebenen in eine bewußte Einheit und Ganzheit zusammenzuführen.

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Das Buch"Mapping the Psyche"

Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com.
Copyright ©2005 by Clare Martin.
Mehr Informationen über das Buch.
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