Die symmetrische Verteilung der Planetenherrschaften auf die Tierkreiszeichen
wurde bereits angesprochen. Die zwölfgeteilte Struktur des Tierkreises
ist ein Modell des Universums (Makrokosmos) und jedes einzelnen Menschen
(Mikrokosmos), und dieses Modell ist ebenfalls symmetrisch, harmonisch
und ausgesprochen umfassend. Gerade in dieser geordneten Symmetrie
können wir die Kernbedeutung der einzelnen Tierkreiszeichen finden,
und ich möchte Ihnen darlegen, wie der Tierkreis im Hinblick auf
jene Zahlensymbolik aufgebaut ist, die sich wie ein roter Faden durch
die Astrologie zieht und ohne die wir die Astrologie nicht wirklich
verstehen können. Zahlensymbolik ist der Generalschlüssel
nicht nur zur Deutung der astrologischen Zeichen, sondern auch zu Verständnis
und Deutung der Planeten, Häuser und Aspekte ebenso wie zu einer
Vielzahl anderer astrologischer Techniken. Sie ist die Tür und
der Schlüssel zu einem wahren Verstehen der astrologischen Seelenwelt.
Jung entdeckte, daß die Zahlensymbolik nicht nur grundlegend
für Astrologie und Alchemie ist, sondern auch psychologisch als „Archetyp
einer Ordnung“ definiert werden kann, „die bewußt
geworden ist“.[32]
Der 360º-Kreis und die zwölf 30º-Teilungen des Kreises
wurden zwar ursprünglich von den mesopotamischen Priester-Astrologen
des zweiten vorchristlichen Jahrtausends und ihren Nachfolgern entwickelt,
doch verdanken wir den Aufbau unseres heutigen Horoskops der symbolischen
Mathematik jener frühen griechischen Mathematiker und Philosophen,
die ab dem siebten vorchristlichen Jahrhundert die Entwicklung der
astrologischen Wissenschaft und Kunst in Riesenschritten vorantrieben.
Die alten Griechen waren überzeugt davon, daß die Wahrheit
vermöge ihres innersten Wesens gut, harmonisch und schön
sei. Sie schufen ein symmetrisches, wohl ausgewogenes Modell des Universums
und ebenso des Horoskops, das sie nun erstmalig nicht nur auf Anführer
und Könige als Personifizierungen ihrer jeweiligen Länder,
sondern auch auf individuelle Menschen anwendeten.