Eine Landkarte der Seele
Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin
Die Symbole der Tierkreiszeichen

Der Ursprung der Tierkreiszeichensymbole ist offenbar im Lauf der Zeit verlorengegangen. Manche dieser Symbole begegnen uns in 2000 Jahre alten griechischen Horoskopen, andere sehen aus wie alchemistische Zeichen, und wieder andere erinnern an die Gestalt der betreffenden Konstellation.

Widder 

Das Widdersymbol erinnert an das Gesicht und die Hörner einer Ziege oder eines Widders, oder auch an die Augenbrauen und die Nase des menschlichen Gesichts, die ja bei widderbetonten Menschen besonders auffällig sein sollen. Alternativ kann dieses Symbol auch mit einem Keimling verglichen werden, wie er im Frühjahr gerade aus der Erde kommt.

Stier

Das Stiersymbol wurde als Kopf eines Stiers beschrieben, auch hier mit Hörnern. Andere Beschreibungen sehen den Mond auf der Sonne. Im Vergleich zum Widdersymbol weist es eine hübsche, solide, runde Form auf.

Zwillinge

Das Zwillingesymbol geht auf die Zwillingssterne Castor und Pollux im Sternbild Zwillinge zurück. Buchstäblich gesehen ist es die römische Ziffer II, und Dualität ist auch der Schlüssel zum Verständnis dieses Zeichens.

Krebs

Das Krebssymbol ist kreisförmig und beschützend nach innen gerichtet. Die Symbolik beschreibt Eierstöcke, Brüste und die Nähe der Mutter-Kind-Beziehung, worin sich die nährende Eigenschaft dieses Zeichens spiegelt.

Löwe

Das Löwesymbol ähnelt den Sternen in der gleichnamigen Konstellation; manche sehen darin auch den Kopf und die Mähne eines Löwen.

Jungfrau

Siehe unten bei Skorpion.

Waage

Das Waagezeichen ist eine spätere Ergänzung des Tierkreises; es befindet sich zwischen den Zeichen Jungfrau und Skorpion und „leiht sich“ die Scheren des Skorpions, um daraus die beiden Waagschalen zu bilden. Es wurde auch als Tragegestell beschrieben, mit dessen Hilfe die Sennerin zwei Milchkannen transportiert. Eine andere Beschreibung sieht darin die über dem Westhorizont untergehende Sonne, denn die Waage wird auch mit der Westseite des Horoskops in Verbindung gebracht.

Skorpion

Die Symbole für Jungfrau und Skorpion sind sich auffallend ähnlich, da sie beide aus dem Buchstaben „m“ – einem uralten medizinischen Symbol – hervorgehen. Sowohl Jungfrau als auch Skorpion werden mit Medizin und Heilung in Verbindung gebracht. Beide Sternbilder sind besonders groß und am Nachthimmel leicht auszumachen. Die eingeschlossene Form innerhalb des Jungfrausymbols und der „Stachel“ am Schwanz des Skorpions wurden schon als weibliche und männliche Varianten des gleichen Symbols beschrieben.

Schütze

Das Schützesymbol ähnelt dem entsprechenden Sternbild, wobei der Pfeil des Schützen zum Schuß in den Himmel nach oben gerichtet ist. Der Strich quer über den Pfeil soll die Tatsache symbolisieren, daß der Schütze ein Kentaur ist – halb Mensch, halb Pferd.

Steinbock

Das Steinbocksymbol besteht aus der v-Form des Ziegenkopfes und dem Fischschwanz des Ziegenfisches, da sich das Sternbild Steinbock in den „südlichen Gewässern“ des Himmelsglobus befindet. Alternativ wurde dieses Symbol auch als eine kniende Ziege beschrieben.

Wassermann

Das Wassermannsymbol zeigt Luft- oder Radiowellen und steht in besonderer Beziehung zur Informationsübertragung durch die Luft.

Fische

Das Fischesymbol zeigt zwei zusammengeschirrte Fische oder Delphine.

Unterschiede zwischen Tierkreiszeichen und Sternbildern

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, daß die zwölf Zeichen des Tierkreises nicht dasselbe sind wie die zwölf gleichnamigen Konstellationen (oder Sternbilder). Wie schon erwähnt sind die Tierkreiszeichen zwölf gleiche 30°-Abschnitte der Ekliptik, die in Beziehung zu den Jahreszeiten stehen und an den vier kardinalen Punkten der jährlichen Sonnenbewegung ausgerichtet sind. Die westliche Astrologie mit ihrer starken Beziehung zu den Jahreszeiten verwendet den tropischen oder jahreszeitlichen Tierkreis. Die indische oder vedische Astrologie verwendet den siderischen („Sternen-“) Tierkreis; sie bezieht sich auf die Positionen der Sterne in den entsprechenden Sternbildern, die von Sternengruppen sehr unterschiedlicher Größe gebildet werden. Aufgrund einer Taumelbewegung der Erdachse haben sich die beiden Tierkreise während der letzten etwa 2 000 Jahre allmählich gegeneinander verschoben.

Teilnehmerin:  Können Sie das noch etwas ausführen? Ich bin nicht ganz sicher, ob ich das verstanden habe.

Clare:  Vielleicht können Sie sich das am besten wie zwei konzentrische Kreise vorstellen, wobei der äußere Kreis den Sternenhintergrund mit den zwölf Sternbildern darstellt, der innere Kreis dagegen in zwölf gleich große, 30° lange Tierkreiszeichen aufgeteilt ist. Vor etwa 2000 Jahren waren diese beiden Kreise deckungsgleich, so daß sich der Anfang des Sternbildes Widder und der Anfang des Tierkreiszeichens Widder am gleichen Ort befanden. Seit dieser Zeit haben sich die beiden Kreise mit der Geschwindigkeit von etwa einem Grad pro 72 Jahre voneinander entfernt. Sie werden erst wieder in 26 000 Jahren zur Deckung kommen. Der 26 000-Jahre-Zyklus wurde seinerseits in zwölf „astrologische Zeitalter“ aufgeteilt, die jeweils etwa 2000 Jahre dauern.

Tatsächlich ist es so, daß die Sonne während der letzten 2 000 Jahre zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche vor dem Hintergrund des Sternbildes Fische aufgegangen ist und nun allmählich vor dem Sternbild Wassermann aufgeht; dies kündigt den Beginn eines neuen astrologischen Zeitalters an, und darauf bezieht sich jenes „Heraufdämmern des Wassermannzeitalters“ im Musical Hair aus den 1960er Jahren. In weiteren 2000 Jahren, wenn die Sonne vor dem Sternbild Steinbock aufgeht, werden wir in das neue „Steinbockzeitalter“ gelangen, wobei das irgendwie nicht so schön klingt. Auch die astrologischen Zeitalter haben ihre jeweils eigene Bedeutung, die sich allerdings in einem ganz anderen Maßstab abspielt. Die westliche Astrologie verwendet den tropischen Tierkreis als Hauptbezugsrahmen, und die östliche, indische oder vedische Astrologie den siderischen. Die Differenz zwischen den beiden Tierkreisen beträgt derzeit etwa 26°.

Teilnehmerin:  Heißt das, meine Sonne steht in der siderischen Astrologie im vorangehenden Zeichen?

Clare:  Wenn sich Ihre Sonne zwischen 0° und 25° eines Zeichens befindet, ja. Doch ich glaube, anstatt uns davon beirren zu lassen sollten wir lieber anerkennen, daß jede Kultur ihre eigene Himmelskunde und ihre eigene Astrologie besitzt, die Ausdruck ihrer eigenen Geschichte, Mythologie, Religion und Philosophie ist. Verallgemeinernd können wir sagen, daß der westliche tropische Tierkreis sonnenbezogen ist, weil wir einen Sonnenkalender führen. Darin spiegelt sich die Betonung von Selbstgenügsamkeit, Selbstausdruck und individueller Entwicklung innerhalb der westlichen Kulturen wider. Dagegen gehört der östliche siderische Tierkreis zu Kulturen, in denen der Mond die Grundlage des Kalenders und jährlich wiederkehrender Feste ist. Die östliche Astrologie konzentriert sich weniger auf die Entwicklung des Individuums; die Betonung liegt hier mehr auf Gemeinschaft und Familie, und es gibt eine Tendenz zu einer stärker schicksalbetonten Auffassungsweise als dies in der westlichen psychologischen Astrologie der Fall ist. Wenn Sie sich jemals in Indien ein Horoskop haben machen lassen, haben Sie das bestimmt schon erlebt – es ist eine sehr stark schicksalhafte Astrologie.

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Das Buch"Mapping the Psyche"

Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com.
Copyright ©2005 by Clare Martin.
Mehr Informationen über das Buch.
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