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| Lektion Fünf: Die äußeren Planeten | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Ich möchte heute abend auf die äußeren Planeten eingehen. Hier müssen wir vorsichtig sein, denn sie gehören zu einer ganz anderen Ordnung als die sieben traditionellen Planeten, und es ist sehr wichtig, daß wir als Astrologen uns dessen immer bewußt sind. Wenn Saturn die Grenzen unseres Ego darstellt, dann liegen diese Planeten jenseits der Umlaufbahn – und damit auch jenseits der Kontrolle – des Ego. Wie verstehen Sie das Ego? Wie würden Sie es definieren? Teilnehmerin: Das Individuum. Clare: Ja, das Ego kann als der angepaßte Teil von uns beschrieben werden, mit dem wir uns identifizieren, der gelernt hat, wie er in der Welt wirksam sein kann. Wir werden nicht mit einer Ich-Struktur geboren; das Ego ist etwas, das wir entwickeln. Es gibt uns ein Gefühl der Identität, persönlichen Kontrolle und relativen Autonomie, wie von dem Planeten Saturn repräsentiert. Auch Saturn ist innerhalb sicherer Grenzen aufgehoben, und eine gute, starke Ich-Struktur bietet uns Sicherheit. Doch die äußeren Planeten liegen jenseits der Kontrolle unseres Egos, und jeder von ihnen bedroht auf seine Art die Grenzen unseres Egos und unser Gefühl, alles im Griff zu haben. Teilnehmerin: Wollen Sie damit sagen, daß die äußeren Planeten außerhalb unserer Kontrolle liegen, was wir auch tun und wie sehr wir uns auch bemühen? Clare: Ja. Wir können natürlich versuchen sie unter unsere Kontrolle zu bringen, aber das wird nicht funktionieren, denn sie unterliegen aufgrund ihrer ganz eigenen Natur einfach nicht unserer Kontrolle. Zum Beispiel können wir alle unseren Mars kennenlernen und im Lauf der Zeit verstehen, wie wir ihn so einsetzen, daß er uns dient und in diesem Sinne unter die Kontrolle des Egos gebracht wird. Ebenso können wir die Funktion des Jupiter in unserem Horoskop verstehen; und wenn wir lernen, woran wir glauben und was unserem Leben Sinn gibt, so kann dies unter der Kontrolle unseres Egos eingesetzt und weiterentwickelt werden. Doch bei den äußeren Planeten und Chiron geht es nicht darum, sie unter unsere Kontrolle zu bringen; vielmehr müssen wir eine Möglichkeit finden, mit ihnen so zu verhandeln, daß sie sich positiv auf unser Leben auswirken. Ich hoffe, das wird im Lauf der Zeit noch deutlicher werden, wenn wir diese Gedanken weiter ausführen. Uranus, Neptun und Pluto gab es schon immer im Sonnensystem, doch in ihrer Entdeckung in der genannten Reihenfolge in den Jahren 1781, 1846 und 1930 zeigt sich eine außergewöhnliche Erweiterung der menschlichen Wahrnehmung sowie ein zunehmendes Bewußtsein davon, daß es kollektive Kräfte gibt, die unsere kleinen, behüteten Welten des Individuums, der Familie, der Gemeinschaft, der Gesellschaft und des Staates in sich einschließen. Das ist natürlich nichts neues, denn es gab schon immer unerwartete und unerklärbare Phänomene; doch solange Saturn die Grenze der alten Welt bildete, wurden die Prinzipien, die wir heute mit diesen drei Planeten in Verbindung bringen, auf übernatürliche, sowohl göttliche als auch diabolische Kräfte projiziert, deren Ursprung völlig außerhalb der menschlichen Sphäre lag. Aus astrologischer Sicht gilt jedoch, daß alles was „da draußen“ im Sonnensystem entdeckt wird, nun auch „hier drinnen“ entdeckt werden kann – in jeder einzelnen menschlichen Psyche. Die Entdeckung der äußeren Planeten hat unser kollektives Bewußtsein und unsere kollektive Verantwortung auf dramatische Weise erweitert, und ich denke, wir kämpfen noch immer damit, dies zu verstehen und zu integrieren. Nick Campion schreibt:
Einer der ersten Hinweise zu ihrer astrologischen Deutung ist die Tatsache, daß die nach den drei äußeren Planeten benannten Metalle Uran, Neptunium und Plutonium alle extrem toxisch, giftig, radioaktiv und von Natur aus instabil sind. Ihre unermeßliche Macht und Energie wurde im Zuge der Entwicklung der subatomaren Physik bereits auf eine Art und Weise nutzbar gemacht, die uns alle zutiefst betrifft. Jetzt, da diese Büchse der Pandora geöffnet wurde, stehen wir der immer dringlicheren Frage gegenüber, wie wir diese Prinzipien auf der psychologischen Ebene positiv integrieren können. Wenn wir uns mit diesen kollektiven Kräften identifizieren, werfen sie für gewöhnlich die Grenzen unseres persönlichen Egos über den Haufen und agieren als autonome Mächte. Dies kann ausgesprochen stark und kreativ sein und so weit gehen, daß wir unser Leben bewußt dem Dienst am Kollektiv widmen, doch brauchen wir, wie Jung oft bemerkte, eine ausreichend starke Ich-Struktur, um diesen Vorgang aushalten zu können. Können Sie das verstehen? Teilnehmerin: Aber wenn wir an die Zunahme und Entwicklung des Bewußtseins glauben, haben diese Planeten doch bestimmt auch eine positive Funktion? Clare: Ja, sie stehen auch für ausgesprochen positive Entwicklungen, die offenbar eine echte Evolution des Bewußtseins darstellen. Das Geheimnis scheint darin zu bestehen, daß jeder einzelne von uns die richtige Beziehung zu den äußeren Planeten finden muß. Wenn wir ihnen passiv zum Opfer fallen oder alternativ versuchen, ihren Einfluß zu unserem persönlichen Vorteil zu nutzen, werden wir nur allzu leicht überheblich und halten uns für allwissend (Uranus), allgegenwärtig (Neptun) oder allmächtig (Pluto) – und das ist dann eine Nummer zu groß für uns, wir sind nämlich nur gewöhnliche Sterbliche. Es ist gewiß kein Zufall, daß diese drei auch über Nervenzusammenbrüche, Geisteskrankheit, Selbsttäuschung, Messiaskomplexe, Leidenssucht und Größenwahn herrschen. Wir brauchen eine Ego-Struktur, die stark genug ist, um „die Götter zu ertragen“, wie Jung so treffend formuliert. Wie Sie sehen, bin ich etwas vorbelastet, wenn es um die äußeren Planeten geht! Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich bei den Zeichenherrschaften lieber auf die traditionellen Planeten beschränke – weil sie innerhalb der Grenzen Saturns liegen, und das hilft uns, angesichts dieser mächtigen Kräfte geerdet und relativ sicher zu bleiben. Jeder der äußeren Planeten beschreibt seine ganz eigene Art der Massenbewegung, die ja alle bestens dazu angetan sind, unsere Individualität mit Haut und Haar zu verschlingen.
Die Tierkreiszeichen, in denen die äußeren Planeten stehen, bezeichnen das spezifische evolutionäre Potential des Zeitabschnitts, in den hinein wir geboren werden. Uranus benötigt etwa sieben Jahre zur Durchquerung eines Tierkreiszeichens. Bei Neptun sind es etwa vierzehn Jahre, und auf der stark elliptischen Umlaufbahn Plutos dauert der Zeichendurchlauf etwa fünfzehn bis dreißig Jahre. Jede neue Generation sieht sich neuen Herausforderungen gegenüber, die für die jeweils vorangegangene noch unbedeutend waren. Es scheint sogar so, als ob die jeweils nachfolgende Generation die Bewußtseinserweiterung der vorigen einfach als gegeben hinnehmen kann, während jede einzelne von ihnen mit den Themen fertigzuwerden versucht, die durch die jeweilige Zeichenstellung der äußeren Planeten vorgegeben sind. Die unten angeführte Tabelle verzeichnet die Zeichenstellungen der äußeren Planeten während der letzten rund hundert Jahre. Obwohl die äußeren Planeten vorwiegend kollektive, generationenbezogene Themen bezeichnen, ist es doch so, daß bei Aspekten zu persönlichen und gesellschaftsbezogenen Planeten die betreffenden Individuen von kollektive und archetypischen Kräften berührt werden und im Lauf ihres Lebens als Träger oder Kanäle dieser planetarischen Prinzipien fungieren. Und wie wir im nächsten Schritt sehen werden, ergibt sich auch aus der jeweiligen Häuser- und Achsenstellung eine persönliche Bedeutung.
* Planet rückläufig, bewegt sich zurück in das vorherige Zeichen |
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Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London
WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com. |

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The Wessex Astrologer