Eine Landkarte der Seele
Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin
Die sieben Planeten der alten Welt
Vor der Entdeckung der drei äußeren Planeten beschäftigte sich die Astrologie nur mit den sieben mit bloßem Auge sichtbaren Planeten. Merkur ausgenommen, können diese sinnvollerweise als drei Gegensatzpaare betrachtet werden. Beginnen wir mit den beiden Lichtern Sonne und Mond, die im astrologischen Sprachgebrauch ebenfalls als Planeten bezeichnet werden.

Im wesentlichen stellen Sonne und Mond unsere persönliche Verbindung zu Geist und Seele dar, was auch deutlich an den Symbolen der beiden Planeten abgelesen werden kann. Keines dieser beiden Symbole weist das Kreuz der Materie auf, was bedeutet, daß sowohl der Geist als auch die Seele nicht nur in den Bereich unseres manifesten Lebens, sondern auch in andere Daseinsbereiche gehören. Allerdings werden die Prinzipien von Geist und Seele während unserer Lebenszeit, um die es ja bei der Betrachtung des Geburtshoroskops geht, „heruntertransponiert“ und auf unsere Erfahrung unserer menschlichen Eltern projiziert – Vater und Mutter, die Erschaffer unserer körperlichen Existenz.

In der Astrologie stehen sich Sonne und Mond gegenüber und ergänzen sich gegenseitig, wobei sie jeweils Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit, männlich und weiblich, Klarheit und Komplexität, Ausstrahlung und Reflexion, Zuversicht und Zweifel, Geradlinigkeit und Rundung sowie viele andere Gegensatzpaare darstellen, die mit den entgegengesetzten Prinzipien des Männlichen und des Weiblichen in Verbindung gebracht werden. In jedem Horoskop finden sich sowohl Sonne als auch Mond, woraus – wie Jung bemerkte – ersichtlich wird, daß in der Psyche maskulines und feminines Prinzip gleichermaßen vorhanden sind. Da das Horoskop einfach nur die Landkarte eines bestimmten Augenblicks in Zeit und Raum ist und nicht ausschließlich unsere Individualität beschreibt, läßt sich daraus auch niemals das Geschlecht einer Person ersehen. Statt dessen beschreibt das Horoskop, wie sich das männliche und das weibliche Prinzip im Leben eines Individuums auswirken, und zwar unabhängig von dessen Geschlecht. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn in diesen Zeiten politischer Korrektheit können viele Menschen anfangs nur mit Mühe akzeptieren, daß sich die astrologischen Analogien von männlich/weiblich, positiv/negativ, aktiv/passiv, yang/yin usw. nicht nur auf unsere Biologie, sondern auch auf unsere Psyche beziehen, die ein potentielles Gleichgewicht dieser Gegensätze beinhaltet.

Ein Stich aus Michael Maier’s alchemistischem Text Atalanta fugiens (1618), der Sonne und Mond als die beiden sich ergänzenden Zwillingsprinzipien des alchemistischen Werks darstellt.

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Das Buch"Mapping the Psyche"

Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com.
Copyright ©2005 by Clare Martin.
Mehr Informationen über das Buch.
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